Jack Ketchums liebster Horrorfilm: Whirlpool – She died with her Boots on

12. September 2014

Whirlpool - She died with her Boots on

Wer auch nur eines von Jack Ketchums wenig versöhnlichen Büchern gelesen hat, weiß, dass der Autor so einschlägiger Titel wie „The Woman“, „The Girl next Door“ oder zuletzt „I’m not Sam“ eher eingeschränktes Vertrauen in die menschliche Natur hat. Bei ihm braucht es keine Dämonen, denn die grausamsten aller Monster wohnen bereits im Haus nebenan und halten in ihren Kellern nicht selten wehrlose Frauen gefangen oder missbrauchen ihre eigenen Kinder. Folgerichtig sind es die besonders illusionslosen Beiträge des Horrorkinos, die auf seiner Favoritenliste stehen. Dass der nahezu unbekannte dänische Film „Whirlpool“ dazuzählt, überrascht dann allerdings doch.

„Insgesamt hinterließ der Film einen ziemlich unangenehmen Nachgeschmack“, schreibt er in einem aktuellen Beitrag für die Kollegen von youvegotredonyou.com, doch die Tatsache, dass die Protagonistin nach allem erdenklichen Leid zum Ende des Films der Gefangenschaft ihres Peinigers zwar entkommen kann, dann aber doch einen grausamen Tod findet, verfolge ihn bis heute. „Ich dachte mir, das ist nun einmal die Art, wie das Leben manchmal läuft. Man gibt sein Bestes, … um einfach nur weiterzukommen, und dann taucht irgendwas oder irgendwer hinter Dir auf, packt Dich, sperrt Dich ein und jagt Dir schließlich ein Messer in den Rücken. Manchmal hinterlässt das Leben halt auch einen unangenehmen Nachgeschmack.“

Der Film, von dem Ketchum da spricht, ist im Grunde kaum der Rede wert, und auch der Autor selber ist Anfang der 70er nur zufällig auf ihn gestoßen. In einem Doppelfeature habe er ihn damals entdeckt und seitdem nie mehr etwas von ihm gehört. Insidern ist „Whirlpool“ jedoch möglicherweise schon einmal untergekommen, und zwar als Debüt des Spaniers José Ramón Larraz, zu dessen bekannteren Filmen – zumeist trashiges Genrematerial – etwa der 1974 entstandene Titel „Vampyres“ über ein lesbisches Blutsaugerpaar zählt.

„Whirlpool“ war 1970 für kleines Geld in Dänemark entstanden, dann englisch synchronisiert (Ketchum erinnert sich allerdings, eine untertitelte Fassung gesehen zu haben) und in amerikanischen Grindhouse-Kinos unter dem Titel „She died with her boots on“ vermarktet worden. Sein „X-Rating“ nutzte der US-Verleih selbstredend äußerst werbewirksam und stellte den Film auf eine Stufe mit „Psycho“ und Polanskis „Ekel“.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt er durch seine Hauptdarstellerin. Im Rahmen einer Shampoo-Werbung war Vivian Neves am 17. März 1971 die erste Frau gewesen, die es in der altehrwürdigen Londoner Times gänzlich nackt zu sehen gab. Innerhalb weniger Stunden war die gesamte Ausgabe über den Ladentisch gegangen und der Skandal perfekt. Dass sich Neves zuvor bereits als Seite-3-Girl in der „Sun“ und im „Penthouse“ entblößt hatte, änderte daran nichts.

„Whirlpool“ galt einige Jahre als verschwunden, ist aber inzwischen wieder erhältlich. Als kostenpflichtiger Stream lässt er sich beispielsweise auf mubi.com begutachten. Mit „Vampyres“, „Symptoms“, „Deviation“ und „The House that vanished“ sind dort auch noch vier weitere Titel des oft unter Pseudonym arbeitenden Filmemachers im Angebot.

Whirlpool - She died with her boots on

[Abbildungen: Cinemation Industries / Athena Film]

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