INCEPTION: Prequel-Comic als Marketingtool

29. Juli 2010

Inception

Am beständig wachsenden Beliebtheitsgrad der Sprechblasenliteratur können nur Ignoranten zweifeln. Comics, laut Francis Lacassin die „Neunte Kunst“, dienen heute als Vorlagen für großes Blockbusterkino und bieten dabei im Gegensatz zum geschriebenen Wort den Vorteil, bereits visuell angelegt zu sein. Der umgekehrte Weg ist nicht weniger erfolgreich. Lizensierte Spin-Offs, Fortsetzungen und Prequels erfolgreicher Kinofilme oder TV-Serien haben ihren Ursprung heute auf den Zeichentischen der Comic-Künstler und schaffen von dort aus gelegentlich auch schon mal selber neue Vorlagen für spätere Leinwandproduktionen (so die „Alien vs. Predator“-Serie).

Diese Form des gegenseitigen Gebens und Nehmens hat die Filmindustrie längst auch als Marketingtool erkannt. Bei passenden Produktionen lässt sich die Erwartungshaltung für den kommenden Blockbuster bereits vorab per Comic-Ableger zusätzlich entfachen. In Zukunft wird diese Strategie mit großer Wahrscheinlichkeit noch wesentlich intensiver eingesetzt. Wo früher die „Novellization“ zum Standard gehörte (heute ein schwindender Markt), werden Graphic Novels mehr und mehr Eingang in den Kanon der Vermarktungsinstrumente finden.

Inception

Ein interessantes Beispiel liefert derzeit Warner. Schon eine Weile vor dem US-Filmstart ließ sich im Netz ein 36-seitiger Comic downloaden, der eine Art Vorgeschichte zu Christopher Nolans Traumfantasie „Inception“ darstellt. Unter dem Titel „The Cobol Job“ bietet das anspruchsvoll gestaltete Mini-Prequel zwar lediglich eine verzichtbare Variante der Eröffnungssequenz des eigentlichen Films, vermittelt aber doch zumindest ein Grundgefühl dessen, was einen auf der Leinwand erwartet.

Mit Leonardo DiCaprio und Joseph Gordon-Levitt sind zwei der Hauptdarsteller gut wiederzuerkennen, und das ist im Grunde auch bereits alles, was zählt. Die kurze Teaser-Geschichte hat zwar einen gewissen Spoiler-Anteil, verrät aber auch nicht wesentlich mehr als die Inhaltsangaben zum Film, die von Studioseite aus ohnehin überall gestreut werden.

„Inception: The Cobol Job“ lässt sich entweder als Flash-Applikation direkt online lesen oder als pdf herunterladen. Bemerkenswerter Weise bietet die deutsche Homepage des Films diesen Service überigens nicht an.

[Abbildungen: Screencaptures | Warner Bros. Ent.]

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