Und wieder einmal gilt: I spit on your Grave | Meir Zarchi und Camille Keaton finden erneut zusammen

20. September 2014

I spit on your Grave (1978)

Das hat wirklich niemand gebraucht: Nach dem Original, dem Remake und dem Sequel zum Remake folgt nun bald ein Sequel zum Original, das mit dem Sequel zum Remake jedoch nichts zu tun hat. Noch anwesend? Gut, denn ein inoffizielles Sequel zum Original gibt es ebenfalls bereits. Das Ungewöhnlichste dabei: Die Rede ist nicht etwa von einem beachtlichen Kassenerfolg, den es weiter zu melken gälte, sondern von einer der unpopulärsten Micro-Budget-Produktionen der Filmgeschichte mit der künstlerischen Qualität eines Handyvideos.

1978, als „I spit on your Grave“ (vielfach auch bekannt unter seinem ursprünglichen Titel „Day of the Woman“) keinen Verleiher finden konnte und Autor/Regisseur Meir Zarchi seinen Film selber auf die eine oder andere Leinwand bringen musste, hätte wohl niemand erwartet, dass die Maschinerie der allgemeinen Wiederverwertung dreieinhalb Jahrzehnte später einmal vergleichsweise gut geölt laufen würde.

Bekanntheit erlangte der Prototyp des berüchtigten Rape/Revenge-Genres vor allem durch seine Rezeptionsgeschichte. Roger Ebert erklärte das erstmalige Begutachten des Films zu einer der deprimierendsten Erfahrungen seines Lebens und beschrieb eindringlich die durchaus beunruhigenden Reaktionen der männlichen Zuschauer. Populäre Kritiker wie Ebert-Partner Gene Siskel oder Mark Kermode wendeten sich in ähnlicher Weise angewidert ab.

Es sollten einige Jahre vergehen, bis sich eine (allerdings bereits früh aufgetauchte) alternative Sichtweise durchsetzte, die dem Film eine feministische Perspektive entlocken zu können glaubten. Populärstes Beispiel ist die Analyse von Carol J. Clover in ihrem 1992er Buch „Men, Women and Chainsaws“. Spätere Analysen wie „Rape-Revenge Films: A critical Study“ von Alexandra Heller-Nicholas nehmen hingegen wieder einen distanzierteren, weniger ideologischen Blick ein.

„I spit on your Grave“, die simple Geschichte um eine Frau, die sich nach einer Gruppenvergewaltigung auf grausame Weise an ihren Peinigern rächt, ist und bleibt auch über dreißig Jahre später noch ein Thema. Kein Wunder also, dass der Macher des Originals an dieser Tatsache mitverdienen will und deshalb noch einmal selber auf den Regiestuhl steigt, um seinen eigenen Film fortzuführen. Zur Unterstützung hat er sich dafür (wie DreadCentral exklusiv berichtet) die ursprüngliche Hauptdarstellerin Camille Keaton an seine Seite geholt.

Gut möglich, dass diese (tatsächlich eine entfernte Verwandte von Buster Keaton) ihrem damaligen Regisseur und Ex-Mann noch einen Gefallen schuldig war und deshalb zusagte. Denn immerhin hatte sie ihre Rolle in dem 1993 entstandenen inoffiziellen Sequel „Savage Vengeance“ unter dem Pseudonym Vickie Kehl noch einmal aufleben lassen und sich damit selber ins Zentrum eines Urheberrechtsstreits begeben. Bis heute lehnt sie jede öffentliche Stellungnahme dazu ab.

Zarchi, dessen Filmografie ansonsten lediglich zwei weitere Titel aufweist, war 2010 wieder auf den „Spit“-Zug aufgesprungen und hatte das Remake von Steven R. Monroe, sowie das drei Jahre später folgende, inhaltlich jedoch völlig losgelöste Sequel mitproduziert. Unabhängig von diesen beiden Filmen und den dort Beteiligten kündigt er jetzt also die Fortsetzung seines Originals an.

Ausgestattet mit dem Untertitel „Deja-vu“ soll der Film die Geschichte des damaligen Vergewaltigungsopfers Jennifer Hills weitererzählen. Dieses hat zwischenzeitlich einen Bestseller über die Ereignisse und den anschließenden Prozess geschrieben, bei dem sie am Ende freigesprochen wurde. Den Angehörigen der Männer, an denen sie sich damals gerächt hatte, ist das Urteil jedoch ein Dorn im Auge, und so nehmen sie das Gesetz selber in die Hand.

Sarah Butler, Hauptdarstellerin des Remakes, erzählte gegenüber screen/read bei Gelegenheit, dass es sie reizen würde, in einer Fortsetzung herauszufinden, wie ihre Figur Jahre später mit den Folgen der Ereignisse umgehen würde – eine Frage, die Zarchi sich offenbar ebenfalls gestellt hat. Dass der Freispruch von Jennifer Hills auch im inoffiziellen Remake bereits ein Thema war, ist zudem eine interessante Gemeinsamkeit am Rande. [LZ]

P.S.: Zu den beliebtesten Gerüchten rund um den Originalfilm gehört die Behauptung, die auf dem Poster abgebildete Kehrseite gehöre keiner Geringeren als der jungen Demi Moore. Verleiher Charles Band, der den Film 1981 über sein Label Wizard Video veröffentlichte, hatte der Schauspielerin damals gerade mit „Parasite [dt. Der Killerparasit]“ ihre erste Hauptrolle verschafft, und so war sie theoretisch greifbar, als es darum ging, ein verkaufsträchtiges Motiv zur Vermarktung des Films zu entwickeln.

I spit on your Grave (1978)

[Abbildung: 101 Films | The Jerry Gross Organization]

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