Herzog: The Collection – allerdings nicht in Deutschland

04. August 2014

Lange Zeit schien Werner Herzog für die hiesige Filmlandschaft überhaupt nicht mehr zu existieren. Erst Ende der 2000er, als er in Venedig gleich mit zwei Arbeiten im Wettbewerb um den Goldenen Löwen stand, erinnerte man sich plötzlich wieder an den bedeutendsten Vertreter des deutschen Autorenfilms, machte ihn schuldbewusst zum Jurypräsidenten der Berlinale und verlieh ihm das Bundesverdienstkreuz erster Klasse (was das ZDF nicht davon abhielt, die Premiere seiner Dokumentation „Tod in Texas“ im Nachtprogramm verschwinden zu lassen). Im Vergleich zum Kultstatus, den er von jeher in den USA genießt, ist das jedoch eher Pflichterfüllung. Welchen Marktwert er bei den dortigen Cineasten hat, belegt jetzt eine faszinierende 16-Filme-Box, von der man in Deutschland nur träumen kann.

Von 1970 bis 1999 reicht die keineswegs vollständige, aber doch bislang umfangreichste Sammlung von Herzogs Arbeiten und konzentriert sich dabei auf das Frühwerk (beginnend bei „Auch Zwerge haben klein angefangen“), die Klassiker (sämtliche Kinski-Kollaborationen inklusive „Cobra Verde“) sowie einige Dokumentationen (darunter „Little Dieter wants to fly“, der Vorlage für „Rescue Dawn“). Viele der enthaltenen Filme erscheinen dabei erstmals auf Blu-ray.

In den meisten Fällen gibt es englischsprachige Kommentare von Herzog selbst, ein (deutschsprachiges) Interview und drei Features. Mehr kann man sich nicht wünschen. Beschämend ist allerdings, dass es eines US-Verleihs (in diesem Fall Shout Factory) bedurfte, um eine derartige Sammlung Wirklichkeit werden zu lassen. Zum Vergleich: Erst im Juni veröffentlichte Arthaus seine eigene Herzog-Box – mit gerade einmal fünf Filmen.

P.S.: Ein umfangreiches Interview mit Herzog zu „The Collection“ findet sich auf Indiewire.

Herzog – The Collection

[Abbildungen: Shout Factory]

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