Hellraiser: Revelations – Die Offenbarung | Filmkritik

05. Oktober 2012

Hellraiser Revelations

Dimension Films haben ein echtes Problem. Im Schrank liegen Filmrechte für langjährig erfolgreiche Horror-Reihen, die man gerne weiterführen würde, doch aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen kann man sich nicht so recht für einen geeigneten Neuansatz entscheiden. „Halloween“ ist so ein Fall. „Kinder des Zorns“ ebenso. Und dann eben „Hellraiser“, jene schulemachende Kopfgeburt von Clive Barker, deren Verfilmung der Autor einst mit einem viel zu hohen Preis bezahlte. Bei Unterzeichnung des Vertrags, der ihm 1987 die Adaption der eigenen Vorlage ermöglichte, verlor der Erfinder von Pinhead alle Filmrechte am Material, und offensichtlich hat man bei Dimension unverständlicher Weise bis heute auch kein gesteigertes Interesse daran, ihn für ein Reboot wieder ins Boot zu holen.

Seit Jahren raufen sich reihenweise Filmemacher und Drehbuchautoren die Haare, weil die Weinsteins immer mal wieder dazu aufrufen, Konzepte für eine zeitgemäße Neuauflage des Franchise vorzulegen, am Ende aber lediglich neues Material für die Ablage generieren. Die letzten, die vergleichsweise nah an eine Realisierung ihres Ansatzes heranreichen konnten, waren Todd Farmer und Patrick Lussier. Doch am Ende landete auch ihr Vorschlag (genauso wie ihr Sequel für die „Halloween“-Reihe) im Archiv. Derzeit arbeiten Filmemacher Mike Le Han und Designer Paul Gerrard an einem aufwendigen Pitch, mit dem sie hoffen, ausreichend Überzeugungsarbeit leisten zu können.

Das letzte offizielle Lebenszeichen der Serie stammt von 2011, doch „Hellraiser: Revelations“ war vor allem aus der Not geboren und sieht auch so aus. Ähnlich wie im Fall des fast zeitgleich entstandenen Sequels „Kinder des Zorns: Genesis“ war die Produktion eines neuen Teils der betreffenden Reihe unumgänglich, um die Rechte weiter halten zu können (Fachbegriff: Ashcan Copy). Und so suchte man sich bei Dimension rasch die üblichen Verdächtigen zusammen (vorneweg Fortsetzungs-Profi Joel Soisson, der zwischen „American Pie: The Naked Mile“ und „Piranha 2“ gleich mal beide Filme betreute) und spulte mit sichtbar minimalem Budget innerhalb von gerade mal drei Wochen ein ziemlich unfertig wirkendes Machwerk herunter, das so mancher gern zum Teufel (oder zu den Zenobiten) jagen würde.

Doug Bradley, die einzige Konstante der vorherigen acht Teile der Serie, war zwar in aller Eile angefragt worden, seine ikonische Rolle erneut zu übernehmen, doch dem britischen Schauspieler gefiel weder das Drehbuch noch das Projekt selber, und so entschied er sich dagegen. Für den Film war das der kommerzielle Sargnagel, und um einen Nachfolger zu finden, der Bradley wenigstens ansatzweise ähnlich sah, fehlten vermutlich sowohl Zeit als auch Interesse. Man entschied sich in aller Eile für den weitestgehend unbekannten Stephan Smith Collins, der die Pinhead-Maskerade überziehen musste wie ein Halloween-Kostüm. Dem Schauspieler selber sollte man dafür fairerweise allerdings keinen Vorwurf machen.

Hellraiser: Revelations

Hellraiser: Revelations

Die Story ist hanebüchen und die Schauspieler manövrieren am Rande von echtem Laientheater vorbei, doch darin unterscheidet sich dieser Teil der Reihe auch nicht wesentlich von der Mehrzahl seiner Vorgänger. Die Freunde Steven und Nico (mit den absurden Hommage-Nachnamen Craven und Bradley) reisen für ausgedehnte Hangover- und Hostel-Aktivitäten über die mexikanische Grenze, werden in einen Mord an einer Prostituierten verwickelt und geraten an einen unheimlichen Fremden, der ihnen den berüchtigten Würfel schenkt, mit dem es bekanntlich direkt in die Hölle geht.

Der Hauptteil des Films spielt dann allerdings im abgelegenen Landhaus der Eltern, wo sich die frühreife Tochter an den Freund ihres Vaters heranmacht und später fast den sexuellen Avancen ihres (von den Toten?) zurückgekehrten Bruders erliegt. Mehr muss (und mancher mag hinzufügen: will) man eigentlich nicht wissen. Wer allerdings durchaus Vergnügen an gnadenlosem Overacting hat und mit abgrundtiefen Logiklöchern gut leben kann, wird gar nicht mal schlecht bedient. Eine Offenbarung, wie sie der deutsche Untertitel suggeriert, ist allerdings eher nicht zu erwarten.

Als sich Regisseur Victor Garcia (u.a. mit „Mirrors 2“ auf dem Gebiet der Horror-Sequels bereits gut bewandert) letztes Jahr am Online-Contest für den Episodenfilm „The ABCs of Death“ mit dem vergleichsweise interessanten Beitrag „T is for Tiles“ beteiligte, sah er sich einer Menge unsachlicher Kritik und Häme für seine Arbeit an „Revelations“ ausgesetzt. So mancher, der dort und an anderer Stelle ziemlich gnadenlos auf den Film einprügelte, mag verdrängt haben, dass die überwiegende Zahl der anderen Beiträge zur „Hellraiser“-Serie (etwa der alberne Vorgänger „Hellworld“) diesem mittlerweile neunten Teil auch nicht sonderlich weit voraus sind.

Clive Barker selber ist übrigens mittlerweile an einer Comic-Reihe beteiligt, die unter den Fans großen Zuspruch erfährt. Eine TV-Serie ohne Einfluss von Dimension ist ebenfalls schon seit einer ganzen Zeit in Planung. Dass früher oder später auch ein Reboot für die große Leinwand zustande kommen wird, steht außer Frage. Doch dafür muss man sich im Hause Weinstein erst der eigenen Unschlüssigkeit entledigen. [LZ]

[Nachtrag vom 25. Oktober 2013: Mittlerweile arbeitet Clive Barker ganz offiziell an einem Remake des Originalfilms von 1987. Details dazu hier.]

OT: Hellraiser: Revelations (USA 2011). REGIE: Victor Garcia. BUCH: Gary J. Tunnicliffe KAMERA: David A. Armstrong. MUSIK: Frederik Wiedmann. DARSTELLER: Nick Eversman, Jay Gillespie, Tracey Fairaway, Stephan Smith Collins, Steven Brand, Devon Sorvari, Sebastien Roberts, Sanny Van Heteren. LAUFZEIT: 76 Minuten.

Hellraiser Revelations

Hellraiser: Revelations

[Abbildungen: Tiberius/Sunfilm]

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