In Memoriam: Haro Senft (1928 – 2016)

08. Februar 2016

Haro Senft

Der 1928 in Budweis geborene Haro Senft gehörte zu den ersten, vielleicht aber auch am meisten übersehenen deutschen Autorenfilmern. Bereits 1954 betrieb er unter dem Namen „Bohême Film“ eine eigene, gänzlich unabhängige Produktionsgesellschaft. Seine Dokumentation „Kahl“ über den Bau des ersten Atomkraftwerks in der BRD war 1961 der erste deutsche Kurzfilm, der eine Oscarnominierung erhielt.

Als Mitbegründer der Stiftung Junger deutscher Film, Initiator des Oberhausener Manifests sowie der Arbeitsgemeinschaft neuer deutscher Spielfilmproduzenten trug er entscheidend zur Entwicklung des hiesigen Filmschaffens bei. 2012 wurde er mit der Berlinale Kamera der Berliner Filmfestspiele ausgezeichnet. Senft verstarb am 4. Februar. Sein Spielfilmdebüt „Der sanfte Lauf“ mit Bruno Ganz wird im Retrospektive-Programm der diesjährigen Berlinale zu sehen sein.

Erst vergangenen November würde die DVD-Veröffentlichung des Films mit dem Willy-Haas-Preis ausgezeichnet. In der Jury-Begründung hieß es damals, Senfts Erstling zeige „eine Generation zwischen Anpassung und Opposition, die letztlich keine Stellung bezieht.“ In seiner spezifischen Erzählweise zeige er „ein Bild der westdeutschen Nachkriegsrepublik, deren Faktizität sich gegenüber kritischen Diskursen behauptet.“ Die Edition bietet zudem Gelegenheit, einen Eindruck von Senfts Kurzfilmen der Jahre 1954 bis 1964 zu gewinnen.

[Abbildung: absolut Medien GmbH]

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