Zensur in Ägypten: Ibrahim Mahlab lässt Film mit Haifa Wehbe aus den Kinos entfernen

21. April 2014

Haifa Wehbe

Als er im Februar völlig überraschend das Amt des Premierministers übernahm, erklärte der ehemalige Mubarak-Vertraute Ibrahim Mahlab die vollständige Wiederherstellung der Sicherheit des Landes und die Bekämpfung des Terrors zu den obersten Zielen seiner neuen ägyptischen Regierung. Offenbar hat seine Stabilisierungspolitik jetzt auch die Populärkultur in den Fokus genommen. Vergangenen Mittwoch jedenfalls stoppte er die öffentliche Aufführung des zuvor von der Zensurbehörde offiziell freigegebenen Melodrams „Halawet Rooh (Die Schönheit der Rooh)“. Seiner vermeintlich fragwürdigen Sexualmoral wegen hatte die Produktion mit dem libanesichen Ex-Model Haifa Wehbe in der Hauptrolle bereits für heftige Diskussionen gesorgt.

Nun soll die Zensurbehörde noch einmal neu entscheiden. Doch die Entscheidung des Premiers ist höchst umstritten. Der ehemalige Kulturminister Emad Abou-Ghazi etwa verwies gegenüber AFP auf ein richterliches Urteil hin, dem gemäß jegliche externe Einmischung in die Arbeit der Zensurbehörde unzulässig sei. Von konservativer Seite hingegen gibt es ausdrückliches Lob für das eigenmächtige Vorgehen gegen den Film, der von der ägyptischen Tageszeitung Al-Masry Al-Youm ganz unmissverständlich als pornografisch ausgewiesen wurde (1).

Glaubt man den gemäßigteren Stimmen (oder studiert einfach nur die offizielle Synopsis), so handelt es sich bei „Halawet Rooh“ um eine mehr oder weniger eigenständige Variante von Guiseppe Tornatores „Zauber von Malena“ – leicht vorstellbar also, was die Gemüter so erhitzt. Dass in die Produktion vor diesem Hintergrund letztlich auch ein gewisses Kalkül eingeflossen ist, lässt sich nicht so ganz ausschließen. Die Besetzung mit Haifa Wehbe spricht jedenfalls Bände.

Nicht zum ersten Mal jedenfalls ist die Schauspielerin Gegenstand von Kontroversen. Als einer der bekanntesten Popstars der arabischen Welt provoziert Wehbe seit Beginn ihrer Karriere durch ihr (aus westlicher Sicht durchweg gemäßigtes) freizügiges Auftreten. Ein Konzert in Bahrain sorgte 2008 für Proteste im islamistisch geprägten Parlament und brachte die Forderung nach einem Verbot auf den Tisch. Wehbe ließ sich jedoch nicht einschüchtern und konterte mit züchtiger Kleidung (2). [LZ]

Halawet Rooh

[Abbildungen: Screencaptures]

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