GAME OF WEREWOLVES | Filmkritik

14. Januar 2013

Wem die Romantisierung klassischer Horrorgestalten im Zuge der „Twilight“-Welle schon lange auf den Draht geht, muss für Alternativen derzeit im Allgemeinen auf die Klassiker zurückgreifen. Einige wenige neuere Ausnahmen bestätigen zwar nur die Regel, halten aber immerhin die Hoffnung aufrecht, dass die Edwards und Jacobs dieser Welt langfristig vielleicht doch nicht das letzte Wort behalten. Zwei Vorzeigebeispiele kommen aktuell interessanterweise aus Spanien. „Dracula 0.9“ von Eisenstein-Großenkel Emilio Schargorodsky haucht dem Vampirmythos auf experimentelle Weise neues (untotes) Leben ein und „Lobos de Arga“ wagt ernsthaft den Schritt, seine Werwolf-Darsteller ganz klassisch mit Maske und Kostüm auszustatten. Dass der deutsche (also englische) Verleihtitel „Game of Werewolves – Die Jagd beginnt“ inhaltlich keinen rechten Sinn macht, mindert das Vergnügen am Film zum Glück nicht.

Autor und Regisseur Juan Martinez Moreno ist ein Fan des amerikanischen Horrorkinos der 40er Jahre, und so haben (sichtbare) CGI-Effekte in seinem Film auch nichts verloren. „Zurück zu meinen Wurzeln“ betitelt Hauptfigur Tomas sein Buch, das er im verlassenen Haus seiner Eltern in der spanischen Provinz schreiben will, und genauso lautet im Grunde auch das Prinzip von „Lobos de Arga“. Ein alter Fluch lastet auf dem Dorf, in das der erfolglose Schriftsteller für eine dubiose Ehrung zurückgekehrt ist, doch das weiß der Zuschauer dank einer cleveren Titelsequenz im Stil eines Motion Comics bereits vor dem Protagonisten. Das Grauen lässt nicht lange auf sich warten, denn der Vollmond zieht auf, und die skurrilen Dorfbewohner haben durchaus ihre eigenen Interessen.

Das ist alles weniger unheimlich als lustig, denn „Game of Werewolves“ erweist sich vor allem als gut geölte Komödie mit einer Menge haarsträubender Highlights. Doch zur Parodie wird der Film deshalb keineswegs. Ganz im Gegenteil nimmt er seinen Horroranteil durchweg ernst und gibt seine Vorbilder nie der Lächerlichkeit preis. Wenn etwa eine ganze Horde von Werwölfen unmissverständlich als Statisten in Kostümen erkennbar ist, hat das zwar den Charme eines B-Films, wirkt aber niemals albern. Dass Moreno diese Balance gelingt, ist ebenso bemerkenswert wie erfreulich und lässt zwangsweise an John Landis und „American Werewolf“ denken.

Darüber hinaus leuchten Momente von „Shaun of the Dead“ oder „Juan of the Dead“ auf, zumal Moreno ein herrlich überdrehtes Figurenensemble präsentiert, das sich auch als Standardpersonal einer Sitcom gut machen würde. Nicht von ungefähr kam schon in der Vorproduktionsphase der Gedanke auf, eine Comic-Variante des Films zu initiieren, denn durch die Adern von „Lobos de Arga“ fließt Pop und Pulp in Reinform.

Sichtbar haben alle Beteiligten großen Spaß an diesem im besten Sinne altmodischen Stück Horrorkino gehabt, und so belohnten die Fans auf den einschlägigen Festivals den Film auch mit angemessener Begeisterung. Für die deutschen Zuschauer liefert der Verleih erfreulicherweise eine gelungene Synchronfassung, die einen Großteil des Humors aus dem Original herüber rettet. Vielleicht kein neuer Klassiker, aber für Genrefans unverzichtbar. [LZ]

[Unser Interview mit Regisseur Juan Martinez Moreno findet sich hier.]

OT: Lobos de Arga (ES 2011) REGIE/BUCH: Juan Martinez Moreno. KAMERA: Carlos Ferro. MUSIK: Sergio Moure. DARSTELLER: Gorka Otxoa, Carlos Areces, Secun de la Rosa, Mabel Rivera, Manuel Manquina, Luis Zahera. LAUFZEIT: 98 Min.

Game of Werewolves

Game of Werewolves

[Abbildungen: Senator]

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