Neuer Name, gleiches Konzept: Film Festival Cologne eröffnet mit Bertrand Bonellos Nocturama

08. Oktober 2016

Film Festival Cologne 2016

Im 26. Jahr wechselt die Cologne Conference ihren Namen und heißt ab sofort Film Festival Cologne. Dass damit deutlich zuviel versprochen ist (ein entscheidender Anteil des Programms liegt auch weiterhin bei TV-Produktionen), muss man wohl mit rheinischem Goodwill lässig ignorieren. An der Errichtung eines eigenen Filmfestivals beißt sich Köln jedenfalls seit dem ersten gescheiterten Versuch von 1991 beständig die Zähne aus. Warum also nicht einer bereits gut etablierten Veranstaltung einen Stempel aufdrücken, den man anderweitig nicht auf die Reihe bekommt?

Der Charakter des Branchentreffs ist über die Jahre hinweg im Kern zwar nicht verloren gegangen, insgesamt hat man den Fokus aber doch zunehmend in Richtung Publikumsfestival erweitert. Deutschland- und manchmal gar Europapremieren hochkarätiger Serien und Mehrteiler (erfolgreiches Beispiel aus dem Vorjahresprogramm: „Mr. Robot“) haben hier vermutlich den größten Anteil geleistet. Im Filmsegment bleibt man dem Arthouse treu und demonstriert nicht nur anhand der Reihe „Made in NRW“ Solidarität mit der hiesigen Kinolandschaft jenseits von Schweiger und Schweighöfer.

Am Ende einer Woche Festivalbetrieb mit über 60 Screenings (darunter neue Arbeiten von David Schalko, Phillip Noyce, Christopher Doyle, Xavier Dolan, Park Chan-wook, Paul Verhoeven und Werner Herzog), Showcases, Diskussionsrunden, Werkstattgesprächen, einem Virtual-Reality-Tag und der zweiten Ausgabe des Kölner Produzententreffs werden wie gewohnt eine Reihe von Preisen vergeben (u.a. wenig überraschend an Peter Simonischek), doch darf man auch da keinen Glamour erwarten. Die Cologne Conference war immerhin ein Vierteljahrhundert von deutscher Gemütlichkeit geprägt (was nichts Schlechtes ist). Daran wird sich auch 2016 nichts ändern.

Demgemäß fiel die Promi-Dichte am Eröffnungsabend merklich überschaubar aus. Ob das gewollt war oder die Relevanz der Veranstaltung vielerseits (sträflich) unterschätzt wurde, lässt sich nur vermuten. Die bekanntesten Gesichter blieben im Wesentlichen Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Schauspieler Simon Böer, der sich trotz verkehrsbedingter Verspätung geduldig vor der Pressewand ablichten ließ. „Nocturama“, eine französisch-deutsche Co-Produktion unter Beteiligung von WDR/Arte, der Film- und Medienstiftung NRW sowie der Kölner Pandora, war als Opener auch ein Symbol für das Festival selbst: hochambitioniert, aber zugleich im besten Sinne unfertig.

[Abbildungen: Film Festival Cologne / Shayne Laverdiére, courtesy of Sons of Manual]

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