Laila Oudray bei den Expendables

21. August 2014

The Expendables 3 | Pressekonferenz Köln

Wenn echte Stars zur Pressekonferenz bitten, dann lassen die Journalisten nicht auf sich warten. Sind es dann auch noch Sylvester Stallone, Jason Statham, Wesley Snipes, Antonio Banderas und Newcomer Kellan Lutz, die sich den Fragen stellen wollen, dann läuft den Redaktionen das Wasser im Munde zusammen und man schickt nur die besten Leute. Oder auch nicht. In der Kölner Pressekonferenz von „The Expendables 3“ gab es eine hochkarätige Besetzung und eine Menge mittelmäßige Fragen.

Aber erstmal von Anfang an – der Spannung halber im Präsens. Zuerst gibt es den Film selber als morgendliche Pressevorführung im Residenz-Kino zu sehen. Vor dem Theater ist bereits der rote Teppich für die spätere Deutschland-Premiere ausgelegt und die ersten Zuschauer scharren hinter der Absperrung schon ungeduldig mit den Füßen. Echte Hardcore-Fans müssen es wohl sein und/oder vollkommen Wahnsinnige, denn immerhin ist es gerade einmal 9:30 Uhr und der rote Teppich wird erst am Abend dieses 6. Augusts zum Einsatz kommen. Hier ist Durchhaltevermögen angesagt.

Nachdem das geneigte Journalistenvolk runde anderthalb Stunden „Rumms“ und „Kabumms“ genossen hat, geht es weiter ins Deutzer Hyatt. Schon beim Eintritt in die edle Lobby mit Blick auf den Rhein darf man sich erhaben, wichtig und völlig underdressed fühlen. Nach einer schier endlosen Wartephase gibt es sie endlich: Die Zugangserlaubnis zur Pressekonferenz, eine formschicke, in Plastik geschweißte Karte, die an einer Kette baumelt und sofort einige Journalistenhälse schmückt. Aufgedruckt das Filmplakat und die wundersame Buchstabenfolge, die immer Balsam für die Journalistenseele ist: „Presse“.

Dann heißt es erneut Ausharren, diesmal vor dem Saal, in dem die Leinwandsöldner auflaufen werden. Um die Wartezeit zu verkürzen, spricht man miteinander, gibt schnell erste Kritiken über den Film ab und besserwissert vor sich hin. Schließlich öffnen sich die Tore, man stürmt hinein und bleibt andächtig vor dem Riesenplakat stehen, das am Kopfende des Saals prangt und die gesamte Riege der Expendables zeigt. Die davor aufgebaute Tischreihe mit den Namenschildern der Stars bietet Gelegenheit für ein bis zwei oder auch zweihundert Selfies mit den Actionhelden aus Pappe im Hintergrund.

Nachdem die erste Aufregung vorüber ist, kommen die meisten wieder zu sich und realisieren, dass noch irgendetwas fehlt. Hmm, ach ja, die Protagonisten! Also setzt man sich erst einmal hin und wartet ungeduldig, aber brav. Immer wieder drehen sich Köpfe ruckartig zu allen Türen, damit man den jungfräulichen Anblick der eintretenden Stars bloß nicht verpasst. Die Spannung steigt, bald werden die Kindheitshelden kommen.

Moderator Wolfram Kons richtet ein Wort an die Wartenden. Alles werde sich noch um fünf Minuten verzögern und man möge doch bitte nicht nur Stallone fragen. Schließlich hätten die anderen den weiten Weg ja ebenfalls auf sich genommen. Die angekündigten fünf Minuten vergehen langsam, Unruhe macht sich breit, aber man wahrt doch immer noch gerade genug Contenance, um nicht „Stal-lone, Stal-lone, Stal-lone“ zu skandieren. Dann endlich: Die Tür öffnet sich und die Stars treten ein. Applaus und Standing-Ovations.

The Expendables 3 | Pressekonferenz Köln

Sly ist in Bestform. Noch bevor er und seine Heldenriege sich hinsetzen, gibt er schon einige Witze und Anekdoten zum Besten. Die gesamte Truppe habe ja dank der ganzen Stunts einen Gehirnschaden und seinen Verletzungen gebe er Kosenamen. Bevor aber die Journalistenmeute auf die Darsteller losgelassen wird, führt erstmal Wolfram Kons ein kurzes Gespräch mit ihnen. Dabei hält er sich brav an die eigenen Regeln und beachtet jeden einzelnen gleich viel. So wird etwa nach der Stimmung am Set gefragt, was interessant ist, wenn man bedenkt, wie viele Megastars sich dort auf einmal getummelt haben. Alle sind sich einig, dass es herrlich unkompliziert war und es keine Ego-Probleme gegeben hat, gerade weil alle schon so lange im Geschäft sind und auf Diva-Gehabe verzichten können.

„Wir haben uns so lieb und respektieren uns“, mag zwar wie eine abgedroschene Phrase klingen, doch hier kauft man es den Schauspielern gerne ab. Wie sie sich gegenseitig necken, miteinander lachen und in gemeinsamen Erinnerungen schwelgen, zeugt von echter Verbundenheit. Kellan Lutz, der Jüngste im Bund, bestätigt, dass die alten Recken allesamt ohne Allüren sind. Es habe sich gar nicht wie Arbeit angefühlt, fügt er grinsend hinzu.

Als Kons mit seinen Fragen durch ist (und dabei unter anderem die augenzwinkernde Erkenntnis zutage fördert, dass Antonio Banderas angesichts zahlreicher Verletzungen am Set wohl unzerstörbar ist), sind nun die anwesenden Journalisten dran. Sofort erhebt sich der erste und ergreift das Wort. Doch halt, er sei kein Journalist, posaunt er in dem Moment heraus, da ihm das Mikrophon gereicht wird, sondern selber Schauspieler und Regisseur [hier darf man sich ein unterdrücktes Seufzen und leichtes Kopfschütteln der Verfasserin vorstellen].

Also verwundert es kaum, dass er nicht einfach eine Frage stellt, sondern erst einmal ein großes Dankeschön an Sly verteilt. Ohne ihn wäre er nie zur Schauspielerei gekommen, außerdem sei da sein neuester Film, den er gerade erst abgedreht habe [Augenrollen der Verfasserin] und so weiter. Das Minenspiel der Stars wechselt von geschmeichelt über amüsiert bis hin zu verwirrt und ungeduldig. Der Redeschwall wird mehrmals vom Moderator mit der Aufforderung unterbrochen, doch jetzt mal zum Punkt zu kommen. Das wird jedoch eine Weile lang konsequent ignoriert.

The Expendables 3 | Pressekonferenz Köln

Dann endlich ist es soweit und die brennende Frage wird gestellt, kann aber leider nicht beantwortet werden, und die Verfasserin muss gestehen, dass sie den Inhalt nicht mehr rekonstruieren kann. Zu sehr ist sie beschäftigt, den Drang zu unterdrücken, den Ewigredner am Hemdzipfel herunterzuziehen. Dann kommen Fragesteller zwei und drei. Zufällig sind auch diese wieder Schauspieler, die gerade einen Film abgedreht haben und sich unbedingt noch bei Sly und den anderen bedanken müssen, bevor sie ihnen recht banale Fragen stellen. Jedes Mal, wenn sich jetzt ein Schauspieler zu erkennen gibt, ist das Gelächter bei den Expendables groß – auch wenn sie bereits ein wenig genervt wirken. Immerhin wollten sie doch eigentlich eine Pressekonferenz in eigener Sache abhalten und keine Werbefläche für andere bieten.

Die nächste Dame ist dann tatsächlich einmal eine Journalistin. Sie möchte gerne wissen, welches die schönsten Erinnerungen an den Dreh seien. Jason Statham übernimmt und erzählt emotionsgeladen, wie er in einem verschlossenen Auto in einem See untergegangen sei. Mehrere Minuten habe er verzweifelt versucht, sich nach draußen zu kämpfen und es schließlich an die Wasseroberfläche geschafft. Der erste Atemzug, die Gewissheit, dass er überlebt hatte, das seien seine schönsten Erinnerungen.

Die nächsten Fragen werden gestellt und dabei macht sich die Erkenntnis breit, dass der Englischunterricht bei einigen Teilnehmern offenbar Jahre zurückliegen muss. Bei so manchem „th“ kann es einem eiskalt den Rücken herunterlaufen und auch das Lächeln auf den Gesichtern der Schauspieler erstarrt gelegentlich. Doch zum Glück werden die meisten Fragen dann doch in gepflegtem Englisch gestellt und ergeben interessante Einblicke – zum Beispiel, dass es Gespräche über ein TV-Spinoff der Filmreihe gibt und wie viele weitere Sequels geplant sind.

Darüber besteht allerdings Uneinigkeit zwischen Produzent und Hauptdarsteller. Avi Lerner würde am liebsten Teil 4 bis 21 drehen. Sly unterbricht ihn lachend und fragt, ob er dann aus dem Altenheim abgeholt werde. Tatsächlich ist Stallone unentschlossen, bei wie vielen Sequels er selber noch dabei sein wird. Seiner Meinung nach brauche man ihn auch nicht unbedingt. Die Führung könne ja zum Beispiel Kellan Lutz übernehmen.

The Expendables 3 | Pressekonferenz Köln

So geht die Stunde schnell voran, es werden noch einige Fragen beantwortet (Kirk Douglas ist Stallones und Stathams größter Held) und dann muss man auch schon scheiden. Unter Applaus verabschieden sich die Stars. Nur Stallone wird von Kons noch kurz zu einem kleinen Gespräch festgehalten, was so mancher ausnutzt, um ihn rasch um ein Autogramm zu bitten. Einigen wenigen wird der Wunsch erfüllt, dann schließt sich hinter Slys breiten Schultern die Tür.

Sofort wird sein Stuhl unter Beschlag genommen und das eine oder andere Fotos geschossen, das zeigt, wie man auf dem durch (je nach Fan-Vorliebe) Rocky/Rambo/Barney Ross geheiligten Sitzplatz posiert. Zu sehr ist man noch von den Stars benebelt, um einfach ohne Souvenir nach Hause zu gehen. Da ist die Verfasserin – wie so oft – keinen Funken besser.

So endet also die Pressekonferenz von „The Expendables 3“ und mindestens eine Weisheit lässt sich mitnehmen: Wenn große Actionsstars ihren Besuch ankündigen, kommen vielleicht nicht immer die besten Journalisten, aber häufig die größten Fans. Und die haben oftmals nicht alle Stifte im Hemd. [Laila Oudray]

Laila Oudray | Expendables 3

The Expendables 3

The Expendables 3

[Abbildungen © 2014 Twentieth Century Fox | Laily Oudray (Selfie)]

follow screenread on twitter | like screenread on facebook

The Walking Dead

Hinterlasse eine Antwort