Ennio Morricone überreicht Quentin Tarantino den Career Achievement Award des 7. Filmfestivals von Rom

29. Dezember 2012

Auch wenn Quentin Tarantino immer wieder das baldige Ende seiner Karriere prognostiziert (also je nach Geschmack verspricht oder androht), mag es doch arg verfrüht erscheinen, ihm jetzt schon einmal einen Preis für sein Lebenswerk zu verleihen. Marco Müller, der frisch von Venedig hinübergewechselte neue künstlerische Direktor des Filmfestivals von Rom, sieht das weniger streng und findet, dass „Tarantinos Sicht unser kollektives Bewusstsein über die vergangenen 20 Jahre hinweg“ stark genug beeinflusst hat, um ihm einen Career Achievement Award zu verleihen.

„Tarantino“, so Müller, sei „ein zutiefst amerikanischer, aber zugleich auch europäischer Filmemacher, denn sein Verhältnis zum Kino und dessen Geschichte ist ebenso analytisch wie leidenschaftlich. Er hat ein kohärentes Inszenierungsprojekt entwickelt, (…) das dank seines Experimentierens mit Sprache und permanenter kinobezogener Querverweise an Reichtum gewonnen hat.“ Unter dieser Voraussetzung, „sprengen seine Filme die Codes und Konventionen der Genres, und doch bringt jeder einzelne von ihnen den jeweiligen Zeitgeist zum Ausdruck.“

Dass mit derartigen Allgemeinplätzen nichts bis gar nichts gesagt ist, liegt wohl in der Natur der Sache einer Preisverleihung, die inhaltlich wenig Sinn macht, dem Festival aber das immer noch unzureichende Renommee stärken soll. Schließlich gehört Tarantino seit Jahren zu den Stammgästen in Cannes und ist dort praktisch zur Hausmarke geworden. Sicher hätte man sich die Weltpremiere von „Django Unchained“ gerne nach Rom geholt, doch dazu war es terminlich (oder aus Weinstein-internen Gründen) nicht gekommen.

Während des Festivals im vergangenen November hatte Tarantino stattdessen zwar nur einige Ausschnitte seines Blaxploitation-Westerns gezeigt, der Veranstaltung damit aber doch einiges an zusätzlicher Aufmerksamkeit verschafft. Jetzt wird der Filmemacher erneut nach Rom reisen, um dort am 4. Januar im Rahmen eines Gala-Screenings den Preis für sein Lebenswerk in Empfang zu nehmen. Kein Geringerer als Ennio Morricone soll ihm die Auszeichnung übergeben und damit der Angelegenheit zusätzlichen Ereignischarakter verleihen.

Morricone, einst der meistbeschäftigte Filmkomponist überhaupt und heute im Quasi-Ruhestand, hatte für „Django Unchained“ einen Originalsong aus seiner Feder zur Verfügung gestellt. Schon für „Inglourious Basterds“ war Tarantino bemüht gewesen, den Altmeister als Komponisten zu gewinnen, hatte sein Ziel jedoch nicht erreichen können. Musik von Morricone ließ sich zuvor bereits auf den Soundtracks von „Kill Bill“ und „Death Proof“ finden.

Django Unchained

Django Unchained

[Abbildungen © Sony Pictures Releasing GmbH]

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