Elektroschock: Eli Roth moderiert das Milgram-Experiment

26. Oktober 2011

Eli Roth

Welches immense Ansehen Eli Roth unter Genre-Fans genießt, ist angesichts seines Outputs als Filmemacher ziemlich erstaunlich. Seine letzte Arbeit auf dem Regiestuhl absolvierte er, lässt man seinen Beitrag zu Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ einmal außen vor, 2007 mit dem nur mäßig erfolgreichen Sequel zu „Hostel“, jenem Film, der nicht nur seinen Ruf begründete, sondern auch den von Kritiker David Edelstein erfundenen Begriff „Torture Porn“ erstmals aufs Tablett brachte. Seitdem tritt Roth vor allem als Produzent („Der letzte Exorzismus“), Gelegenheitsschauspieler („Piranha 3D“), Drehbuchautor („The Man with the Iron Fists“) oder Kommentator für Joe Dantes Online-Filmschule „Trailers from Hell“ in Erscheinung. Auf dem Discovery Channel versucht er sich jetzt erstmals als Moderator.

Dass Roth inhaltlich durchaus zum Gegenstand passt, liegt auf der Hand. Thema ist jenes berühmte, nach seinem Entwickler Stanley Milgram benannte Experiment von 1961, in dem Probanden angewiesen wurden, anderen Versuchsteilnehmern scheinbar harmlose Elektroschocks zu verpassen, sobald diesen ein Fehler beim Zusammensetzen von Wortpaaren unterlief. Dass die Voltzahl von Mal zu Mal erhöht wurde, hielt die Beteiligten in aller Regel nicht davon ab, den Anweisungen des Versuchsleiter weiterhin brav zu folgen. Immerhin 26 Personen waren bereit, einen Stromstoß von 450V offenbar bedenkenlos zuzulassen. Am Ende erwies sich das Experiment selbstverständlich als bloße Inszenierung, doch das änderte nichts am durchaus beunruhigenden Ergebnis.

Usprünglich hatte Milgram damit erforschen wollen, ob sich die Verbrechen des Nazi-Regimes durch eine spezifisch deutsche Obrigkeitsgläubigkeit erklären ließen. Wissenschaftler wiederholten die originale Versuchsanordnung später auch in anderen Kulturräumen, doch die Resultate blieben im Wesentlichen die gleichen. Ob ähnliches ein halbes Jahrhundert später immer noch gilt, sollte eine erneute Durchführung im Rahmen der Folge „How evil are you“ aus der Reihe „Curiosity“ des Discovery Channels aufzeigen.

„Hostel“-Erfinder Roth fungiert also in gewissem Sinne als Testimonial für die fiktive Wiederbelebung eines vermeintlich wissenschaftlichen Folterszenarios. Dass er sich angesichts der erwartungsgemäßen Bereitwilligkeit der jeweiligen Probanden besonders schockiert zeigt, mag man ihm zwar gerne abkaufen, doch vermutlich gehört das auch einfach zum Image.

Curiosity

Curiosity

Curiosity

[Abbildungen: Screencaptures | Discovery Networks]

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