Ed Wood: Pulp und Porno | Ausstellung zeigt Sammlung von Paperbacks

23. Oktober 2011

Ed Wood

Würde er heute Filme machen, wäre Edward Davis Wood jr. vielleicht nur einer von vielen, die ihr eingeschränktes Talent einfach ignorieren und mithilfe von Digitalkamera, Youtube und Facebook zu ebenso überschaubarem wie zweifelhaftem Ruhm kommen. In jedem Fall ist der Vorreiter des Micro-Budget-Filmmakings seiner Zeit weit voraus gewesen, denn die Rahmenbedingungen für seine Art des Arbeitens waren in den 50er und 60er Jahren, als Wood seine berüchtigten Klassiker schuf, noch ein gutes halbes Jahrhundert von ihrer technischen und distributorischen Umsetzung entfernt. Umso mehr wurde das Verfassen von Pulpliteratur irgendwann zunehmend seine einzige Einkommensquelle. Wie viele Romane und Kurzgeschichten er tatsächlich verfasst hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Eine Ausstellung in der New Yorker Galerie „Boo-Hooray“ zeigt ab dem 2. November eine Sammlung von Paperbacks, die Ed Wood zugeordnet werden können. Siebzig Titel gibt es zu sehen, doch Experten gehen davon aus, dass noch wesentlich mehr existieren. Die Festlegung der Autorschaft ist mit einer ganzen Reihe von Problemen belastet, und die Vielzahl von Pseudonymen (wie Ann Gora, Dick Trent, Shirlee Lane), die zum Teil mit anderen Verfassern geteilt wurden, stellt dabei die größte Schwierigkeit dar.

Daran wird sich vermutlich auch in Zukunft nichts ändern. In seinem Buch „Bad Mags“ beschreibt Tom Brinkmann das mühsame Unterfangen, Woods Beiträge zu zahlreichen Adult-Magazinen der späten 60er und 70er Jahre zu identifizieren – ein Gebiet, das noch unzureichender bearbeitet ist als das der Paperbacks. Ende 2010 stellte der US-Verlag Feral House zudem den Vertrieb sämtlicher über längere Jahre hinweg neu aufgelegter Romane des Filmemachers vollständig ein. Woods Erben hatten eine Unterlassungsanordnung beantragt, da die Autorschaft einiger Titel schlicht nicht nachgewiesen werden konnte.

Vieles aus Woods Feder gilt heute als antiquarische Rarität und selbst Bücher, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen, erzielen im Handel beachtliche Preise. Einige dieser Beispiele sind ebenfalls Bestandteil der Ausstellung. Begleitend erscheint ein umfangreicher, vollständig farbiger Katalog in limitierter Auflage von 750 Stück zum Preis von 40 USD, sowie eine 60 Dollar teurere Deluxe-Edition.

Die gezeigte Sammlung ist mittlerweile an die Bibliothek seltener Bücher der Cornell University verkauft und wird dort Teil des Archivs für menschliche Sexualität.

Ed Wood’s Sleazy Paperbacks
2. November bis 1. Dezember 2011
Kuratiert von Michael Daley und Johan Kugelberg
Boo-Hooray Gallery, 265 Canal St. #601, New York, NY 10013

Ed Wood

Ed Wood’s Sleaze Paperbacks

[Abbildungen: Boo-Hooray Gallery (Bookcover) | Public Domain (Ed Wood)]

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