Erster echter HUMAN CENTIPEDE entstand 1930 in Illinois

05. Februar 2012

Human Centipede

Das hätte Tom Six sich vermutlich auch nicht träumen lassen. Während die Fortsetzung zu seinem weltweit erfolgreichen Horrorfilm „The Human Centipede“ den Gedanken durchspielt, wie es wohl aussähe, wenn ein besessener Fan die chirurgische Monsterfantasie des ersten Teils tatsächlich nachbauen würde, belegt ein neuaufgelegter Katalog aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts jetzt, dass Logen und Bruderschaften schon lange vor Dr. Heiter Gefallen am quälenden Spiel mit menschlichen Tausendfüßlern hatten.

Die Variante der Geheimgesellschaften kam allerdings ganz ohne Skalpell oder Industrietacker aus. Stattdessen diente eine Art sechsbeiniger Lindwurm mit voltreichem Innenleben als Basis. Zur Belustigung der Zuschauer wurden dann vier Personen auf den Rücken des Tiers geschnallt und vom Vordermann nach Lust und Laune mit Stromstößen gequält – ein ideales Spielzeug also für kindische Initiationsriten.

Buchautorin und Cartoonistin Julia Suits war erstmals vor zwanzig Jahren auf einen Katalog der DeMoulin Bros. Company gestoßen, doch was sie dort sah, reichte aus, um sie für die nächsten Jahre auf die Fährte des Unternehmens aus Illinois zu setzen, das damals seltsame Maschinerien aus den frühen Jahren des neuen elektronischen Zeitalters herstellte. Heute gehört DeMoulin zu den größten Uniformanbietern für Spielmannszüge in den USA, doch in den frühen Jahren bot das Familienunternehmen unter dem Titel „Burlesque and Side Degree Specialties, Paraphernalia and Costumes“ vor allem Obskuritäten an.

„The Human Centipede or Night Mare“, einst unter der Artikelnummer D775 für 52 Dollar bestellbar, gehört zur großen Auswahl an rituellen Spielzeugen, die von vielen der im Amerika der 20er und 30er Jahre beliebten Geheimgesellschaften zur Einführung und scherzhaften Folterung von neuen Mitgliedern genutzt wurden. Dass Tom Six allerdings jemals von dem Namensvorgänger seines Films gehört hat, kann eher bezweifelt werden, denn die ursprünglichen, von 1896 bis 1930 erschienenen Kataloge waren lange Zeit echte Raritäten.

Julia Suits hat sie jetzt mit einer schönen Neuausgabe vor dem Vergessen gerettet. „The Extraordinary Catalog of Peculiar Inventions: The Curious World of the DeMoulin Brothers and their Fraternal Lodge Prank Machines” mit einem Vorwort von David Copperfield zeigt auf über 200 Seiten jede Menge Maschinerien, die Stoff für einen eigenen Film bieten könnten.

The Extraordinary Catalog of Peculiar Inventions

[Abbildung: Perigee Trade]



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The Human Centipede

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