Dream House | Filmkritik

08. November 2012

Dream House

Auf dem Papier mag alles ganz vielversprechend ausgesehen haben. Doch am Ende ist aus dem hochkarätig (also teuer) besetzten Psychothriller nicht viel mehr geworden als ein unausgegorenes Verwirrspiel auf mittleren TV-Niveau. Das ist ein bitteres Urteil für einen Film mit Daniel Craig, Rachel Weisz, Naomi Watts und einem zum Statisten degradierten Elias Koteas vor und Jim Sheridan hinter der Kamera. Letzterer hatte nach Informationen der L. A. Times gar erfolglos versucht, seinen Namen aus den Credits entfernen zu lassen, und verweigerte schließlich jegliche PR-Arbeit. Am Startwochenende spielte „Dream House“ in den USA gerade einmal bescheidene 9 Millionen Dollar ein. Für Deutschland nutze der Verleih die Gunst der Stunde und schickte den Film parallel zur Kinoauswertung von „Skyfall“ auf den Home-Entertainment-Markt.

Doch ausgerechnet für Daniel Craig, dessen Rollenauswahl zwischen seinen Einsätzen als Spion mit der Lizenz zum Töten bislang von gutem Gespür zeugte, hat die klischeelastige Story mit x-fach zuvor gesehener Wendung im Rückblick wenig Gutes zu bieten. Was vermutlich als möglichst weit angelegte Abweichung von der Bond-Routine (und ihren geringfügigen Variationen in „Cowboys vs. Aliens“ und „Verblendung“) gedacht war, gerät in der jetzige Fassung des Films zu einem echten Fehlgriff, bei dem manches, was vielleicht gut gedacht war, im Endergebnis den unangenehmen Beigeschmack echten Chargierens mit sich bringt.

Dream House

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Craigs Figur ist ein Abziehbild und soll es auch sein: Erfolgreicher Verleger und treusorgender Familienvater, der seinen gut dotierten Job in der Großstadt gegen ein Kleinstadt-Idyll mit Frau und Kindern tauscht. Doch der Frieden hält nicht lange. Das hübsche Haus mit Vorgarten hat eine dunkle Vergangenheit, und die undurchsichtige Nachbarin scheint mehr zu wissen, als sie preisgibt. So weit, so vorhersehbar. Doch wer genau hinschaut, ahnt möglicherweise frühzeitig, welche Wende der Film schon bald zu bieten hat.

Wenn es so weit ist, reibt man sich nichts desto trotz die Augen und denkt unmittelbar an einen Blockbuster von 2010, der mit genau demselben Trick arbeitet. Ob sich Autor David Loucka, sonst eher bekannt für heute arg aus der Zeit gefallene Komödien wie „The Dream Team“ oder „Eddie“ (ein Film, wie ihn Whoopi Goldberg in den 90ern zu Dutzenden drehte), von diesem Vorbild ein bisschen hat beflügeln lassen, sei einmal dahingestellt. Problematisch ist dabei aber weniger die Übereinstimmung in dramaturgischer Hinsicht, sondern die Tatsache, dass „Dream House“ im Vergleich noch schlechter wegkommt als ohnehin schon.

Ob die Rollen von Naomi Watts (eine völlige Verschwendung von Talent und Budget) und Elias Koteas in einer früheren Fassung des Films größer waren, darüber lässt sich nur spekulieren. Wettereinbrüche, Terminschwierigkeiten bei Craig, ein katastrophales Testscreening, Nachdrehs und schließlich die Übernahme des Endschnitts durch die Produktionsfirma haben in der Summe zu einem unbefriedigendes Produkt geführt, das niemandem wirklich gefallen kann. [LZ]

[Über Jim Sheridans Distanzierung hatten wir hier bereits berichtet]

OT: Dream House (USA 2011). REGIE: Jim Sheridan. BUCH: David Loucka. KAMERA: Caleb Deschanel. MUSIK: John Debney. DARSTELLER: Daniel Craig, Rachel Weisz, Naomi Watts, Marton Csokas, Elias Koteas, Taylor Geare, Claire Geare, Rachel Fox. LAUFZEIT: 88 Minuten. Erhältlich auf DVD und Blu-ray.

Dream House

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[Abbildungen © 2012 Universum Film GmbH]

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