Doug Adams: The Music of THE LORD OF THE RINGS films | Interview (deutsche Fassung)

05. Januar 2011

Doug Adams: The Music of The Lord of the Rings films | Interview

Dass ein Buch über eine spezifische Filmmusik auf das Interesse eines breiteren Publikums stößt, ist nicht sonderlich wahrscheinlich. So jedenfalls würde man es vermuten. Aber wie zutreffend diese Annahme in der Vergangenheit auch gewesen ist, so gründlich wurde sie jetzt von einem Beispiel widerlegt, das in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung darstellt. „The Music of the Lord of the Rings Films“, verfasst von Filmmusikjournalist Doug Adams, ist eine beeindruckende Untersuchung von Howard Shores vielgepriesenem Score für Peter Jacksons Tolkien-Trilogie. Vom ersten Tag an arbeitete Adams eng mit dem Komponisten zusammen, traf die Filmemacher, besuchte zahlreiche Aufnahmesessions und stellte Unmengen an Material zusammen. Im Gespräch mit uns berichtet er detailliert über das Zustandekommen des Buches, beschreibt Fanreaktionen, Live-Aufführungen und diskutiert den gegenwärtigen Status von Filmmusik im Allgemeinen.

screen/read: Zunächst einmal vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst. Ich glaube, das hier ist das erste Interview, das Du einer deutschen Publikation gibst, oder?

Doug Adams: Ich denke schon.

screen/read: Generell hast Du jedoch in letzter Zeit jede Menge Interviews, Buchpräsentationen und Signierstunden absolviert, denn das Interesse an Deinem Buch ist erstaunlich groß und vor allem wesentlich größer als man es bei diesem Thema erwarten würde. Bis heute waren Bücher über Filmmusik ja eher für ein eingeschränktes Publikum bestimmt, doch in Deinem Fall sieht das ganz anders aus. Hast Du ein derart breites Interesse erwartet?

Doug Adams: Es ist sehr verblüffend. Ich bin eigentlich mit dem Gedanken an die Sache herangegangen, dass wir es mit einer Art Nischenmarkt zu tun haben, der aus einer sehr kleinen Gruppe von Sammlern mit sehr spezifischen Interessen besteht. Umso mehr ist es jetzt überraschend und erfreulich zu sehen, dass dieses Buch bei so vielen Leute aus den unterschiedlichsten Alters- und Interessengruppen gut ankommt. Manche sind in musikalischer Hinsicht interessiert, andere wegen ihrer Begeisterung für Tolkien und wieder andere, weil sie sich mit Filmemachen an sich beschäftigen. Ich finde das sehr aufregend. Und dann ist es auch für die Kunstform im Allgemeinen großartig, dass so viele Leute diese Musik nicht als ein elitäres Spezialgebiet betrachten, sondern den größeren Zusammenhang sehen. Natürlich ist sie ein Teil des Filmemachens, aber darüber hinaus eben auch Teil der modernen Musikwelt, und in ihrer Verbindung zu Tolkien, auf die Weise wie Howard Shore es angegangen ist, gibt es da auch noch eine literarische Seite. Und so ist es schön zu sehen, dass diese Musik offenbar so viele unterschiedliche Kunstformen und Interessengebiete umspannt.

screen/read: Du hast ursprünglich als Filmmusikjournalist gearbeitet und für Filmscore Monthly geschrieben, hast Dich also schon lange Zeit mit dem Thema beschäftigt, bevor es zu diesem Projekt kam. Lass uns ein bisschen darüber sprechen, wie Du dorthin gekommen bist. Wie sahen Deine erstem Begegnungen mit Filmmusik aus?

Doug Adams: Filmmusik war eigentlich die erste orchestrale Musik, die ich gehört habe. Ich bin ein typisches Kind der 70er und 80er und war verrückt nach allem, was mit „Star Wars“ zu tun hatte. Irgendwann einmal war mein Vater losgezogen, um mir die LP mit der Geschichte von „Das Imperium schlägt zurück“ zu kaufen, aber tatsächlich brachte er den Soundtrack mit der Musik von John Williams mit nach Hause. Er entschuldigte sich also für den Fehler und wollte die LP umtauschen, aber ich war völlig begeistert und konnte nicht genug bekommen, und ganz sicher wollte ich die Platte nicht zurückgeben. Und das war dann auch meine Art, wie ich von da an Musik hören würde. Ich habe Beethoven auf die gleiche Weise gehört wie „Star Wars“. Für mich war das eben der Klang eines Orchesters. Ich habe also nie diese Grenzen aufgebaut zwischen dem, was ernsthafte Musik sein soll, und dem, was eher für die breite Masse gedacht ist. Für mich war es wie in dem alten Zitat von Duke Ellington, wonach es nur zwei Arten von Musik gibt, nämlich gute und andere. Filmmusik sprach also diesen Teil meines Empfindens an, weil sie keinerlei Bestreben kennt, solche Grenzen wieder aufzubauen. Es gibt da keinen Grund, warum ein Score von Jerry Goldsmith nicht innerhalb von 14 Takten zwischen einem Wiener Walzer und irgendeiner verrückten synthetischen Musique Concréte wechseln sollte. Und ich habe diese Seite der Filmmusik immer geliebt, dass sie nämlich so offen ist für alle Formen von Stilen und Technologien – und das ohne diese ironische Geste, die sich in postmoderner Konzertmusik immer wieder finden lässt. Filmmusik macht das stattdessen mit großer Ernsthaftigkeit und Schönheit und erzeugt so eine ganz eigene Ästhetik. Ich glaube, das ist etwas, das mich wirklich angezogen hat. Und dann gibt es natürlich die narrative Seite. Wer hört nicht gerne eine schöne Geschichte? Filmmusik kann da auf eine Weise etwas leisten, was im Konzertsaal nur sehr selten möglich ist. Die Art, wie sich Ideen, denen eine Erzählung zugrunde liegt, auf organische Weise entwickeln, hat einfach etwas Faszinierendes an sich. Und ich glaube, das war eine Seite, die mich beim „Herrn der Ringe“ ganz besonders angezogen hat. Die Form ist so wahnsinnig unüberschaubar. Wenn man sich die Langfassung des Films ansieht, das sind ganze elf Stunden, die man in Bewegung halten und auf eine Weise strukturieren muss, die Sinn macht. Und das ist für einen Komponisten eine riesige Herausforderung.

Doug Adams: The Music of The Lord of the Rings films

screen/read: Damals war es ziemlich überraschend zu hören, dass Howard Shore den Auftrag für HdR bekommen hatte, also jemand, der vor allem für seine Zusammenarbeit mit David Cronenberg bekannt war, einen Stil mit Ecken und Kanten hatte, eher unthematische Musik schrieb und damit nicht gerade als die naheliegendste Wahl galt. Was waren Deine Gedanken damals, wie sahen Deine Erwartungen aus?

Doug Adams: Meine spontane Reaktion war Erleichterung. Da war dieses Riesenprojekt und ein unbekannter Regisseur aus Neuseeland, über den man nicht allzu viel wusste, aber die ganze Sache schien für einen Komponisten die ideale Chance zu sein, etwas Ungewöhnliches zu leisten. Es gab jede Menge Gerüchte, dass James Horner interessiert wäre oder Basil Poledouris oder Wojciech Kilar, und wir haben halt irgendwie erwartet, dass es jemand machen würde, der für diesen großangelegten post-romantischen Abenteuersound bekannt ist. Poledouris war in gewissem Sinn der Fanliebling, weil er diesen Hintergrund mit den „Conan“-Filmen hatte. Er kannte sich in einer solchen Welt also aus, und es wäre wahrscheinlich auch eine fantastische Arbeit geworden, aber man wusste eben irgendwie, was einen da erwartet. Es wäre ein Gang auf sicherem Boden gewesen. Als Howard allerdings zusagte, wusste man, dass es ganz anders werden würde, denn er ist zwar ein absolut brillanter Komponist, aber dieses Gebiet hatte er zuvor niemals betreten. Ich glaube, das gab mir die Lizenz, mich für das ganze Projekt zu begeistern, zumal es an einem wichtigen Punkt in Howards Karriere passierte, an dem er von allem ein bisschen versuchte. In einem Zeitraum von wenigen Jahren hatte er Cronenbergs „Crash“ gemacht, „Looking for Richard“, „Copland“, und es schien so, als hätte alles, was er schrieb, einen völlig anderen Klang. Die Scores waren für den jeweiligen Film maßgeschneidert, hatten eine Menge Kraft und waren musikalisch sehr versiert. Es gab nicht einfach nur ein gutes Drama, sondern es war Musik, die Dramatik erst hervorrief, und das ist einfach eine brillante Kombination. Was also würde man erwarten können, wenn man ihn mit einem großen Abenteuerspektakel voller Schwertkämpfe und Magie konfrontierte?

screen/read: Wie kam es dann dazu, dass Du in das Projekt involviert wurdest, und wie entstand die Idee des Buches?

Doug Adams: Wie Du schon sagtest, ich habe damals für Filmscore Monthly geschrieben und mache das gelegentlich auch heute noch. Ich hatte Howard ein paar mal interviewt, und wir kamen so gut miteinander aus, dass wir im Anschluss immer noch eine Weile zusammensaßen und uns unterhielten. Wir haben eine Menge gemeinsam, was unsere Interessen für die Künste betrifft, musikalisch, visuell, aber auch einfach generell. Ich hatte ihn also im Mai 2001 anlässlich von „The Score“ interviewt, dem Film von Frank Oz mit Robert De Niro und Marlon Brando, und wusste damals bereits, dass er an den „Ringen“ beteiligt war. Ich hatte es ein paar Wochen zuvor gehört, wollte aber nicht wirklich etwas dazu sagen, sondern lieber ganz professionell beim eigentlichen Thema unseres Gesprächs bleiben, anstatt einfach vorzupreschen und zu sagen: „Erzähl mir vom Herrn der Ringe!“ Wir machten also das Interview, das auch gut lief, und kamen dann zu dem Punkt, an dem wir uns im Anschluss weiter unterhielten, und er sagte einfach, „Ich habe gerade für ’Herr der Ringe’ unterschrieben, und es sieht so aus, als könnte das eine etwas größere Sache werden als sonst. Würdest Du das Ganze gerne begleiten und sehen, ob es etwas gibt, was man damit machen kann?“ Und klar, natürlich wollte ich das. Allerdings hatte ich keine Idee, was daraus werden könnte, vielleicht ein größerer Artikel, vielleicht Liner Notes für eine CD, wer wusste das schon? Über die nächsten anderthalb Jahre habe ich ihn dann regelmäßig in seinem Büro in New York besucht. Ich kam also vorbei und studierte die Partituren, und wir schauten uns zusammen die Filme an und hörten die Musik und sprachen über seine Ideen, darüber, was gerade passiert und so weiter. Und irgendwann zur Zeit von „Die zwei Türme“ habe ich dann alles, was ich gesammelt hatte, einmal geordnet, ihm gezeigt und gesagt, ok, hier ist alles, was ich habe. Wir haben dann beide beschlossen, dass es auf irgendeine Art von Buch hinausläuft. Also haben wir einen Handschlagvertrag geschlossen und entschieden, dieser Idee zu folgen. Nach und nach bekam ich so sein Vertrauen, und sein Vertrauen zu bekommen hieß eben auch, das Vertrauen des Studios zu bekommen. So kam es dazu, dass ich nicht nur sein Büro in New York besuchte, sondern auch zu den Aufnahmen in London eingeladen wurde. Ich flog also rüber und traf die Leute vom Studio und die Filmemacher, Peter Jackson und all die anderen wundervollen Individuen. Und das führte dann zu weiteren Trips nach Los Angeles, um einmal mit den Produzenten zu sprechen, und so weiter und so fort. Das war der Punkt, an dem die Sache richtig ins Laufen kam. Ich hatte nicht nur die Möglichkeit, Howards Material zu studieren, sondern auch noch dasjenige des Studios, und so ging es einfach an die Arbeit. Es gab nie irgendeine Art von Plan, die besagte, „So sieht das Buch aus, und das ist, was reinkommt.“  Wir fanden das vielmehr während der Arbeit heraus. Dann machten wir die Liner Notes für die CD-Box mit den vollständigen Aufnahmen, und nachdem wir damit fertig waren, wussten wir irgendwie, dass wir jetzt das eigentliche Buch angehen mussten.

Doug Adams: The Music of The Lord of the Rings films

Doug Adams: The Music of The Lord of the Rings films

screen/read: Das fertige Produkt ist sehr hochwertig, umfangreich designt, beinhaltet Auszüge aus der Partitur, Bilder aus den Filmen, und sogar eine CD mit zuvor unveröffentlichten Aufnahmen. An welchem Punkt im Schreibprozess entstand die Idee, aus dem Buch ein solches Sammlerstück zu machen, und wie stark warst Du in den Designprozess eingebunden?

Doug Adams: Es hat Jahre gedauert, das ganze Material zu sammeln und auszusortieren, was in den Text des Buches gehören sollte. Beim Schreiben habe ich immer so eine Art Testbuch benutzt. Es gab nie eine reine Textdatei. Stattdessen habe ich mich damit beschäftigt, wie die Musikbeispiele hineinpassen würden und ähnliches. Aber das hat eben Jahre um Jahre gekostet, und als wir dann in den letzten Monaten in die Schlussphase kamen, wurde uns klar, dass wir das Ding ja auch designen mussten. Also machten wir uns auf die Suche nach einem Designer und stießen auf Gary Day-Ellison, der zuvor bereits mit Alan Lee gearbeitet hatte, einem berühmten Tolkien-Künstler und zugleich einer der Konzeptkünstler der Filmtrilogie. Gary hatte mit ihm an einigen seiner Zeichenbücher gearbeitet, die nach den Filmen herauskamen. Wir dachten uns, dass er ein gutes Gefühl für den Gegenstand haben würde, weil er ja das ganze Tolkien-Universum kannte, also holten wir ihn ins Boot und zeigten ihm, was wir hatten. Und dann brachte Gary auch Alan Lee selber mit hinzu und John Howe, der ebenfalls ein brillanter Tolkien-Künstler ist. Er und Lee haben mit ihren Zeichnungen eine Menge von dem gestaltet, was man im Film zu sehen bekommt. Sie alle kamen also irgendwie zum Projekt hinzu, und wir begannen mit dem wohl intensivsten Arbeitspensum dieses Buches. Gary lebt in England, ich wohne in Chicago, also stand ich jeden Morgen um 4 Uhr auf, um mit ihm zu sprechen und die Materialien durchzugehen, die er über die Nacht geschickt hatte. Wir haben wortwörtlich rund um die Uhr gearbeitet. Wenn ich morgens aufstand, haben wir ein paar Stunden gearbeitet, dann ging er ins Bett, und als er aufstand, ging ich wiederum ins Bett, und so hatten wir einfach einen durchgängigen Arbeitskreislauf. Aber es gab auch einfach so vieles zu berücksichtigen, begonnen bei den Zeichnungen bis zu technischen Fragen der Bildqualität, von Dingen, die retuschiert werden mussten, bis zu den ganzseitigen Notenbeispielen, Howards handschriftlichen Notizen, und anderes mehr. Aber das wurde uns erst während der Arbeit klar. Wenn man ein Buch über HdR macht, egal ob über Tolkiens Bücher oder Peter Jacksons Filme, dann muss das etwas sein, das einfach schön ist. Da gibt es eben eine Art Tadition handgemachter Eleganz, und deshalb hätte man dieses Buch einfach nicht in Form einer nüchternen Enzyklopädie machen können. Es musste seine eigene Eleganz haben. Und das galt auch für den Text. Als ich das Buch also schrieb, haben wir versucht, einen erzählerischen Fluss aufrecht zu erhalten und eine Menge Tolkien-ähnlicher Formulierungen zu benutzen, um der Sprache einen gewissen Platz in diesem spezifischen Universum zu sichern. Und das hat mir wirklich Spaß gemacht, denn als ich ursprünglich begonnen hatte, kam ich ja aus der Welt des Journalismus, und dem gemäß war ich bis dato an Dinge herangegangen. Man sammelt Material, zitiert Personen, zeigt seine Recherchen, und das ist eben die Art, wie man da vorgeht und eine gewisse akademische Glaubwürdigkeit erzielt. Doch über die Jahre wurde dieses Projekt tatsächlich immer kreativer und entwickelte sich zu einem eigenen künstlerischen Statement über Musik aus einem Film zu einem Buch.

screen/read: Und das ist ein weitere Punkt, der dieses Buch von allem anderen unterscheidet, was bislang über Filmmusik geschrieben wurde. Umso mehr wäre wirklich zu wünschen, dass Ihr damit ein Modell für zukünftige Publikationen geschaffen habt.

Doug Adams: Das wäre was. Ich meine, wir waren tatsächlich die ersten, die so etwas gemacht haben, aber ich hoffe, dass Du da recht hast. Es ist so ein bisschen wie bei den Büchern über die Dinge hinter den Kulissen eines Films, die gab es früher ja auch nicht, und heute gibt es Bücher über das Design, über Special Effects, das Drehbuch, und wie großartig wäre es da, wenn es auch immer ein Buch über die Musik gäbe – jedenfalls sofern sie das im Einzelfall verdient.

Doug Adams: The Music of The Lord of the Rings films

screen/read: Kanntest Du Tolkiens Werk eigentlich bereits, als Du in das Projekt eingestiegen bist, oder war das völliges Neuland für Dich?

Doug Adams: Ich kannte es, ich hatte es als Kind gelesen, aber ich kannte es vor allem als Geschichte, also als etwas, das man als junger Mensch liest und mag, und das war es dann aber auch schon. Als ich wusste, dass ich bei diesem Projekt dabei sein würde, war jeder der Beteiligten schon ganz tief in dieser Welt drin. Wenn es da zum Beispiel eine Szene irgendwo in der Mitte des Films gab, dann sprach niemals jemand von Elijah und Sean an diesem oder jenem Set, sondern es waren immer Frodo und Sam in Moria. Die Leute, die all diese Dinge kreierten, glaubten wirklich fest an Mittelerde. Mir wurde also klar, dass ich die Bücher besser noch einmal vorwärts und rückwärts lesen sollte. Und das machte ich dann auch, ich kaufte sie mir als Audiofassung, die ich dann ständig im Auto dabei hatte, so dass ich immer mal wieder ein Kapitel hören konnte. Und das war der Punkt, an dem ich begann, Tolkiens auch als Schriftsteller zu schätzen, und nicht nur als Geschichtenerzähler. Ich bin also im Verlauf des Projektes tiefer in diese Welt abgetaucht, und ich denke, das gilt auch für die meisten anderen Beteiligten.

screen/read: Wenn Du Howard Shores Musik mit Leonard Rosenmans Score für Ralph Bakshis Zeichentrickverfilmung vergleichst, was würdest Du als die grundlegenden Unterschiede im Ansatz erachten? Und erkennst Du vielleicht auch Ähnlichkeiten, die in beiden Arbeiten auftauchen?

Doug Adams: Ich denke, beide sind ziemlich unterschiedlich. Wenn man sich Rosenman und Howard anschaut, sind das doch Komponisten mit einer sehr eindeutigen und persönlichen Stimme. Keiner von ihnen klingt wie irgendein anderer Komponist da draußen. Es wird sicher gewisse dramatische Figuren geben, die beiden gemein sind, aber ich glaube nicht, dass Howard Rosenmans Partitur allzu gut kannte, und die musikalische Sprache ist ohnehin sehr unterschiedlich. Rosenmans Sound ist noch sehr stark im spätromantischen Kompositionstypus der 60er Jahre verwurzelt. Man könnte zudem auch sagen, dass er der Erzählung eine musikalische Struktur übergestülpt hat – was nicht negativ sein muss. Das ist in gewissem Sinne auch der Ansatz von „Star Wars“, wobei es mehr darum geht, eine Struktur mithilfe der Musik aufzubauen anstatt ihr eine spezielle Betonung zu geben. Im Gegensatz dazu hat sich Howard als strukturierendes Element die zugrundeliegende Literatur gewählt und seine Partitur um diese herum aufgebaut. Die Art und Weise, wie seine Themen funktionieren, basiert auf der Kultur von Mittelerde.

screen/read: Es ist interessant zu sehen, dass Rosenmans Musik jahrelang ein echter Fanliebling war, jetzt aber praktisch vollkommen verschwunden ist. Und es sieht so aus, als wäre nicht nur Peter Jacksons Filmtrilogie, sondern eben auch Howard Shores Musik zu einem kulturellen Phänomen mit eigener Relevanz geworden. Sogar Leute, denen die Filme nicht allzu viel sagen, kennen die Musik.

Doug Adams: Ja, und die Leute haben sehr persönliche Erfahrungen mit der Musik. Ich habe viele erlebt, die sagten, „Die Filme waren uns nicht so wichtig, aber wir lieben diese Musik, und deshalb wollen wir dieses Buch haben.“ Und das fasziniert mich, es ist ein echter Lifestyle geworden. Wie viele Sekunden von der Musik von HdR sind nötig, damit die Leute sie wiedererkennen? In der Regel passiert das sehr schnell. Die Musik hat ein Eigenleben entwickelt.

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screen/read: Ich kann mir gut vorstellen, dass speziell Du mittlerweile eine ausgesprochen persönliche Beziehung zu dieser Musik hast, die Du ja vermutlich über die Jahre hinweg mehrere tausend Mal gehört hast. Sie muss also doch ein wirklich wichtiger Teil Deines Lebens geworden sein. Wie erlebst Du sie heute?

Doug Adams: Es ist seltsam, für mich ist es so, als würde ich mir ein altes Fotoalbum mit meinen eigenen Erfahrungen anschauen. (lacht) Ich weiß, dass es Howard Shores Musik ist, ich weiß, dass er der Schöpfer ist, ich habe gesehen, wie er sie kreiert hat, aber da ist nichts desto trotz ein so starker Beschützerinstinkt über diese Musik, als wäre sie meine eigene. Wenn ich einzelne Stücke höre, erinnere ich mich zum Beispiel daran, wie ich meine Freundin kennen gelernt habe, oder wie ich bei einer bestimmten Live-Aufführung war. Ich glaube, es war einer meiner ersten Tage bei den Aufnahmen von „Die Rückkehr des Königs“, als die wunderschöne Fassung des Shire-Themas für die Szene eingespielt wurde, in der sich alle vor den Hobbits verbeugen. Und schon im Film ist das ein so unglaublich emotionaler Moment, doch für mich gibt es da eben auch noch diese persönliche Seite. Damals war das mein erstes Mal alleine außerhalb der Staaten, ich war noch ziemlich jung, es war sehr seltsam, ganz alleine durch die Welt zu reisen, und ich war niemals zuvor an einer Produktion beteiligt, die in einem solchen Maße Energie und Enthusiasmus hatte. Jedes mal also, wenn ich das Ende von „Die Rückkehr des Königs“ sehe, muss ich ein bisschen schlucken, aber eben nicht nur wegen der Geschichte, sondern auch weil mich das an mein eigenes Leben erinnert. Da habe ich also Ebenen, diese Musik zu genießen, die kein anderer jemals nachempfinden kann, eben weil sie so lange ein Teil meiner eigenen Geschichte war. Und das ist ziemlich cool und ein guter Ausgleich für alle die unglaublich lange Zeit, die ich mit diesem Projekt verbracht habe.

screen/read: Vielleicht kennst Du ja diese Fernsehshow mit dem Titel „The Soundtrack of your life“, in der Prominente über Musik reden, die ihr Leben geprägt hat. Für Dich jedenfalls ist das ganz sicher HdR.

Doug Adams: Das stimmt. Lustigerweise hat sich Howard immer mit Frodo verglichen, und dass es seine Aufgabe sei, diesen Ring zu tragen, während Peter Jackson sein Gandolf war, der ihn beständig angetrieben und ermutigt hat. Und in gewissem Sinn habe ich mich nach einer gewissen Zeit genauso gefühlt, dass ich also meine eigene kleine Frodo-Aufgabe erfüllte, und dass Howard mein Gandolf war, der mir immer wieder sagte, dass wir dieses Projekt gemeinsam zuende bringen werden, und das es wunderschön wird.

Doug Adams: The Music of The Lord of the Rings films

screen/read: Jetzt hat es ja auch schon eine ganze Reihe von Live-Aufführungen der Musik gegeben, und zwar entweder als HdR-Symphonie oder als Zyklus, bei dem es auch die Filme zu sehen gibt. Wie erfährst Du da das Publikum, das ein solches Konzert besucht?

Doug Adams: Sie kommen zu den Aufführungen so, als gingen sie zu einem Rockkonzert. Es wird viel gequatscht, und die Leute bringen Snacks mit und sind aufgeregt und so weiter. Aber am Ende gehen sie nach Hause, als hätten sie gerade die emotionalste Oper ihres Lebens gesehen. Oft signieren wir nach den Konzerten CDs und Bücher, und dann kommen Leute vorbei, die sich ihre Sachen signieren lassen wollen, und sie haben diesen Ausdruck in ihren Augen, als hätten sie gerade eine unglaublich kathartische Erfahrung gemacht. Am Anfang kommen sie eben zu diesem popkulturellen Phänomen, von dem sie nicht ahnen, wie bewegend es wird, und danach sind sie dann völlig überwältigt. Und das zu sehen, ist sehr faszinierend.

screen/read: Ich denke, das könnte auch die Akzeptanz von Filmmusik im Allgemeinen vorantreiben. Konzerte dieser Art hat es vor HdR ja eher nicht gegeben. Sollte das Schule machen, so würde das ganz sicher die Art und Weise ändern, wie die Bedeutung der Musik für einen Film eingeschätzt wird. Es ist einfach etwas ganz anderes, wenn man sich einen Film im Konzertsaal ansieht, als wenn man ins Kino geht. Die Gewichtung ändert sich.

Doug Adams: Ja, das ist großartig und auch sehr gut für die Kunstform an sich, denn meistens denken Leute bei Filmmusik doch eher nur an eine Melodie. Sie erinnern sich an einen Film und summen das Titelthema, und das ist es, oder? Aber Filmmusik ist mehr als bloß eine Melodie, es geht darum, dass der Komponist sein Material über den Verlauf des gesamten Films hinweg entwickelt, egal ob es ein leitmotivischer Score ist oder einer mit nur einem einzigen Thema, oder auch einer, der sich über eine bestimmte Instrumentierung definiert, in jedem Fall aber es geht immer um die musikalische Integrität, die sich durch die gesamte Dauer des Films zieht. Und das ist etwas, das wir wirklich mit dem Buch betonen wollten. Es will sagen, schau doch mal, hier geht es nicht nur um eine Ansammlung von Melodien, die ein- und ausgeschaltet werden, wenn eine bestimmte Figur über die Leinwand läuft. Es geht um die Frage, wie das Material eingesetzt wird, um die gesamte Geschichte zu erzählen. Und das ist die Kunst dabei. Jeder kann einem Film eine eingängige Melodie beifügen. Aber es geht darum, wie man diese in eine musikalische und narrative Struktur übersetzt. Und das ist der Grund, warum diese Konzerte so cool sind, weil man genau dies dort live erleben kann und nicht bloß ein Stück Melodie zu hören bekommt. Man versteht, wie diese kleine Notenfolge in eine unendliche Zahl von unterschiedlichen Gestalten übersetzt wird, um die Geschichte zu erzählen. Und das ist ziemlich beeindruckend.

screen/read: Und durch die Tatsache, dass Du im Buch aufzeigst, wie diese 80 bis 90 Themen eine Struktur aufbauen, lässt Du auch begreifen, wie stark dieser Score leitmotivisch aufgebaut ist, und mit welcher Perfektion Filmmusik auf dieser Basis funktionieren kann. Auf der anderen Seite gibt es in den letzten Jahren zunehmend weniger Kompositionen, die grundlegend leitmotivisch arbeiten. Stimmst Du da zu, und wenn ja, wo siehst Du die Gründe?

Doug Adams: Leitmotive sind schon ein sehr spezieller Ansatz in der Filmmusik. Die ursprüngliche Idee für HdR zielte darauf ab, Klarheit zu schaffen. Da gibt es so viele Figuren, so viele Kulturen, wie hält man die alle auseinander? Speziell wenn jemand die Filme sieht, der Tolkiens Bücher überhaupt nicht kennt. Diese Klarheit musste in eine musikalische Struktur übersetzt werden, und diese wiederum in die Entwicklung spezieller Ideen. Und ich würde mal vermuten, dass „Star Wars“ ganz ähnlich vorgegangen ist. John Williams hat einmal erwähnt, dass George Lucas Beispiele wie „Peter und der Wolf“ als Orientierungsmodelle benutzt hat. Eine Menge Filme haben gegenwärtig keine derartige Menge an Figuren, was ja nichts Schlimmes ist, sondern einfach nur eine andere Art, Geschichten zu erzählen. Es ist deshalb interessant, dass Williams „Harry Potter“ nur in gewissem Sinne, aber nicht vollends leitmotivisch angegangen ist. Vermutlich ist es eine Frage des Zeitgeistes, dass diese Art von Filmen, diese Art von Narration und bestimmte Typologien von Filmmusik einfach kommen und gehen.

screen/read: Im Fall von Filmen wie „Inception“ oder „The Dark Knight“ gibt es zwar eine Menge unterschiedlicher Charaktere, aber keine dezidiert leitmotivisch ausgerichtete Musik. Beide Scores sind ziemlich populär, aber für konzertante Aufführungen würden sie sich eher nicht eignen. Und das ist vermutlich weniger die Schuld des Komponisten, als vielmehr der Wunsch der Filmemacher und Produzenten.

Doug Adams: Wir sind interessanter Weise an einem Punkt in der Geschichte des Kinos angekommen, an dem Realität ein ganz wichtiger Faktor ist. Du hast „The Dark Knight“ erwähnt. Man muss sich nur ansehen, wie sich die Art der Darstellung von Batman über die letzten zwanzig Jahre hinweg entwickelt hat. Wir hatten also den Batman von Tim Burton, bei dem alles noch ziemlich überhöht daherkommt. Und das hat Schumacher für den Publikumsgeschmack möglicherweise etwas überdehnt, bis dann Nolans Batman-Filme in die gegenteilige Richtung geschwenkt sind, wo alles durch und durch von Realismus bestimmt ist. Für so ziemlich alles, was in diesen Filmen passiert, bekommt man ja auch eine logische Erklärung geliefert. Und die Art, wie die Musik funktioniert, hat sich eben auch in genau dieselbe Richtung entwickelt. Elfmans Score hat eine Menge Leitmotive – da ist ein Liebesthema, ein Batman-Thema, ein Joker-Thema. Da schwingt ein geradezu Wagnerianisches Gefühl mit. Und dann muss man sich mal ansehen, wie Hans Zimmer und James Newton Howard vorgehen. „The Dark Knight“ hatte in gewissem Sinne durchaus Leitmotive – da gibt es diese verstörenden Portamento-Streicher für den Joker, dann diese kurze Bläserhymne für Harvey, und ich glaube, Batman hat zwei Noten, die sich öfters wiederholen – aber ja, das ist alles nicht in dem Sinne überhöht, als dass da ausgedehnte musikalische Statements zu hören wären. Stattdessen bekommt man sehr kompakte Ideen, die vermutlich weniger auf Melodie als auf bestimmten Klangfarben beruhen, und weil diese Klangfarben so spezifisch und einzigartig sind, haben sie nicht viel miteinander zu tun. Das Thema des Jokers hat nicht viel mit dem von Harvey zu tun. Beide könnten problemlos aus zwei ganz unterschiedlichen Filmen sein, weil sie eben ihre ganz spezifischen Klangwelten haben. Und das ist eine eigene Art des Geschichtenerzählens, durchaus legitim, doch man verliert dabei den gewissen mythologischen Ansatz, den wir noch vor fünf oder zehn Jahren hatten. Möglicherweise haben wir uns zu sehr an die Welt des Reality-Fernsehens gewöhnt und daran, dass wir mit unseren Handys Videos machen können und ständig miteinander im Internet sprechen, und jetzt akzeptieren wir überhöhte Geschichten nur noch, wenn sie uns in Form von Cinema Verité präsentiert werden. Ich denke, dass die Filmmusik diesem Trend folgt. Aber vielleicht bereiten wir auch nur den Boden dafür, dass sich alles wieder in die entgegengesetzte Richtung dreht.

Doug Adams: The Music of The Lord of the Rings films

screen/read: Wenn Du an andere Filmmusiken der letzten Jahre denkst, welche würdest Du da als besonders relevant, einflussreich oder auf irgendeine Weise bemerkenswert erachten? Unabhängig von HdR natürlich.

Doug Adams: Ich denke, dass sich das „Harry Potter“-Thema im kollektiven Bewußtsein eingenistet hat, und ich glaube, dass es dort auch noch für eine ganze Weile bleiben wird. Es ist ganz einfach die spezielle Gabe von Williams, eine Melodie zu komponieren, die echte musikalische Substanz hat, und trotzdem kann sie jeder Mensch auf dem Planeten vor sich hinsummen, ohne darüber nachdenken zu müssen. Allerdings ist es interessant zu beobachten, dass andere Komponisten, die an den „Harry Potter“-Filmen gearbeitet haben, eben dieses Thema nicht allzu oft einsetzen wollen. Sie streifen es hier und da, aber ansonsten bleiben sie ihm lieber fern. – Ich glaube aber auch, dass Zimmers Musik für die Nolan-Filme sehr einflussreich gewesen sind. Bleiben sie aber auch in den nächsten Jahren noch relevant? Keine Ahnung. Ich denke, jeder wird diesen großen „Wooaam“-Sound aus „Inception“ noch so lange im Ohr haben, bis er sich als Gag auf Youtube totgelaufen hat und sie Leute ihn satt haben.

screen/read: Den kannst Du Dir übrigens bereits als Klingelton für Dein Handy runterladen.

Doug Adams: (lacht) Ich wette, das klingt super. – Aber unabhängig davon, tja, da habe ich keine Idee, welche Soundtracks ich nennen sollte. Erinnerst Du Dich an die Zeit, als Varése ihre „Best Themes“-Alben eines Jahres rausbrachten? Wie könnte man das heutzutage noch machen? Was wären die Hits von 2010? Welche wären die Themen? Müsste ein ziemlich kurzes Album werden.

screen/read: Ich vermute, wenn es da heute ein „Best Themes“-Album geben sollte, dann müsste es wohl am ehesten Themen aus komplexeren TV-Serien wie „Dexter“ oder „Lost“ beinhalten. Dort ist thematisches Schreiben lebendig und vielleicht sogar relevanter als je zuvor. Manche dieser Serien haben eben jede Menge Charaktere, und so bietet sich der leitmotivische Ansatz einfach an.

Doug Adams: Das ist ein sehr guter Punkt, und ich denke, da gibt es noch einen zweiten. Zuletzt bin ich über „Die Herrschaft des Feuers“ gestolpert, dieser Drachenfilm von vor ein paar Jahren. Und ich sah mir die Art und Weise an, wie zu Beginn mit Montage gearbeitet wurde, hörte dazu die Musik von Ed Shearmur und hatte diesen Gedanken, dass es da nicht wirklich eine filmische Entsprechung für diese Musik gab. Mich erinnerte das eher an moderne Videospiele. Und ich frage mich, ob das nicht der Ort ist, wo eine Menge des thematischen Komponierens mehr und mehr auftauchen wird – was ja eigentlich längst der Fall ist. Videospiele können eben diese realitätsgebundenen Formen des Entertainments, von denen wir im Moment alle so besessen sind, nicht einfach reproduzieren, sondern es muss einfach eine gewisse Überhöhung dabei sein, weil es diese digitalen Charaktere und die spezifischen Erzählstrukturen gibt. Und das könnte das Gebiet sein, auf dem sich die mythologische Seite des musikalischen Erzählens eine ganze Weile lang finden lassen wird.

screen/read: Das ist mit Sicherheit ein Trend. Eine Menge Komponisten, die heute im Business arbeiten, haben ja mit Scores für Videospiele angefangen, und auf der anderen Seite beginnen etablierte Namen zunehmend, für dieses Medium zu schreiben – was schon ziemlich bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass das vor ein paar Jahren noch als das Allerschlimmste galt, was ein Komponist machen konnte.

Doug Adams: (lacht) Stimmt. Das war übrigens auch Howards nächstes Projekt nach HdR. Direkt nach „Die Rückkehr des Königs“ hat er die Musik für ein Videospiel mit dem Titel „Soul of the ultimate nation (S.U.N.)“ geschrieben. Das ist allerdings, glaube ich, nur in Asien veröffentlicht worden. Aber der Score ist vom Stil her mit HdR zu vergleichen. Es gab ein paar modernistische Elemente, wie sie bei den Arbeiten für Cronenberg vorkommen, doch der Ansatz ist großorchestral. Es ist ein fantastischer Score, eine großartige Komposition. Und das ist, was Videospiele heute möglich machen. Die Komponisten können einfach loslegen und ihr Ding durchziehen.

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screen/read: Da Du jetzt dieses Buch fertiggestellt hast, bist Du vermutlich auch in die bevorstehenden Verfilmungen von „The Hobbit“ involviert. Gibt es einen Plan, auch da wieder über Howard Shores Musik zu schreiben?

Doug Adams: Ja, das ist genau das, was wir gerne machen würden. Wir beginnen gerade wieder, uns auf Mittelerde vorzubereiten. Die Filmaufnahmen starten irgendwann im Februar.

screen/read: Denkst Du, dass der Ansatz und die Art, wie Du Dinge betrachtest, diesmal ein anderer sein wird, oder willst Du einfach so offen wie möglich sein?

Doug Adams: Ich denke, man muss sich da auf zwei unterschiedlichen Ebenen annähern. Man will auf jeden Fall sehr offen sein und die Inhalte darüber bestimmen lassen, wie die Präsentation aussieht. Gleichzeitig wird es eine ziemliche Leistung werden, die „Hobbit“-Filme und die HdR-Trilogie wie aus einem Guss aussehen zu lassen. Und sollte das der Fall sein, dann werden wir vermutlich versuchen, ein Buch zu liefern, das sich so anfühlt, als entstamme es derselben Welt wie dasjenige, das wir gerade fertiggestellt haben. Aber ich denke, es gibt da sicherlich auch neue Wege, manche Dinge anzugehen, und hoffentlich wird der Prozess durch die Vorlage des ersten Buches etwas einfacher. Meine Aufgabe wird es erst einmal sein, in die Welt von „The Hobbit“ einzutauchen und herauszufinden, wie Peter Jackson vorgeht, wie Howard Shore vorgeht, und was ich dann beitragen kann.

screen/read: Viel Glück dafür, gute Reise zurück nach Mittelerde und noch einmal herzlichen Dank für diese Unterhaltung.

Doug Adams: Es war mir ein Vergnügen.

Doug Adams

Über das Buch: „The Music of The Lord of the Rings films“ von Doug Adams ist eine umfassende Analyse von Howard Shores Oscar-prämierter Filmmusik für Peter Jacksons Tolkien-Trilogie. Auf 416 Seiten beinhaltet es ausgiebige Musikbeispiele, Partiturauszüge, viele farbige Filmbilder, sowie Originalzeichnungen von John Howe und Alan Lee. Darüber hinaus enthalten sind ein Vorwort von Howard Shore, eine Einführung der Drehbuchautorin und Produzentin Fran Walsh, sowie „The Lord of the Rings: The Rarities Archive“, eine CD mit 21 bislang unveröffentlichten Titeln und einem Audiointerview mit dem Komponisten.

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Eine Antwort zu “Doug Adams: The Music of THE LORD OF THE RINGS films | Interview (deutsche Fassung)”

  1. Marcus sagt:

    Toll. Ein sehr interessantes und gut geführtes Interview!

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