Doctor Who – Der Film | Deutsche Synchronfassung nach fast zwei Jahrzehnten wieder erhältlich | Erstveröffentlichung auf DVD und Blu-ray

02. April 2017

Doctor Who - Der Film

1996 war ein gutes Jahr für Whovians: Nach 26 erfolgreichen Jahren hatte die BBC 1989 beschlossen, die bis heute langlebigste Scifi-Serie der TV-Geschichte einzustellen. Andere Erfolgsformate hatten den Markt übernommen (ganz vorne: „Star Trek: The Next Generation“), mit deren Quoten wie Produktionswerten es „Doctor Who“ einfach nicht aufnehmen konnte. Aber vielleicht war so mancher Verantwortliche des Formates auch einfach überdrüssig und wollte sich einiger Altlasten entledigen. Keinen Überdruss jedenfalls empfanden die Fans, für die der berühmteste Zeitreisende neben Marty McFly in Fanzines, Büchern und Comics munter weiterlebte. Einer dieser Fans: TV-Produzent Philip Segal. Ganze sieben Jahre kämpfte er hartnäckig für eine Wiederbelebung. Am Ende gelang ihm ein Kompromiss in Form eines rund 90-minütigen Fernsehfilms.

Die im Original schlicht „Doctor Who“ betitelte Produktion gibt es nun endlich wieder ganz offiziell in der deutschen Synchronfassung zu sehen. Eine VHS von 1998 war bald vom Markt verschwunden, und da der Time Lord vom Planeten Gallifrey hierzulande bis vor wenigen Jahren nahezu gar keine Rolle spielte, war an ein Re-Release auf DVD und Blu-ray lange Zeit gar nicht zu denken. Mittlerweile sieht das ganz anders aus. Nach ersten Anläufen 2012 beim Bezahlsender FOX strahlt der ARD-Ableger ONE (vormals Einsfestival) die aktuelle Inkarnation der Serie seit vergangenem Jahr regelmäßig aus und hat kürzlich sogar mit der BBC gleichgezogen. Der Verkauf ganzer Staffelboxen läuft entsprechend gut – ausreichend Grund, den Markt mit Archivmaterial zu beglücken. Also rein in die TARDIS und zurück in die 90er.

Wer den Doktor und seine Abenteuer allerdings bislang nur aus der modernen Neuauflage kennt, wird seinen Augen kaum trauen und aus dem Lachen nicht herauskommen. Denn zwischen den aufwendigen, komplexen, manchmal philosophisch anmutenden Ansätzen des letzten Jahrzehnts (insbesondere aus der Feder von „Sherlock“-Macher Stephen Moffat) hat der auf amüsante Weise trashige TV-Film herzlich wenig zu tun. Als britisch-amerikanische Co-Produktion, bei der eine ganze Menge Leute mitgeredet haben, muss sie es allen möglichen Zielgruppen recht machen und sieht auch so aus. Den Unterhaltungswert mindert das aber in keinster Weise.

Doctor Who - Der Film

Tatsächlich interessanter als der Film selber ist jedoch seine Entstehungsgeschichte, die in mehreren Bonus-Featurettes (Stand: 2010) mal mehr, mal weniger ausführlich nachgezeichnet wird. Bereits im Jahr 2000 hatte Segal unter dem Titel „Doctor Who: Regeneration“ ein ganzes Buch über die Wiederbelebung des Doktors veröffentlicht. Die Fakten sind also nicht neu, zusammengenommen aber ein echtes Lehrstück über die Funktionsweise von TV-Sendern, Eitelkeiten im Umgang mit etablierten Marken und die Lichtjahre, die manchmal zwischen Fans und Machern liegen. Dass Segal angesichts all der absurden Reibereien, Zusagen (Spielberg!), Absagen (auch Spielberg) und Wendungen trotzdem so lange am Ball geblieben ist, kann man ihm gar nicht hoch genug anrechnen. Heute produziert er Formate wie „Jay Leno’s Garage“ oder „Storage Wars“ – und das ganz sicher mit weniger Stress.

Die Geschichte selber ist aus allen möglichen Versatzstücken zusammengestrickt: Zum Jahrtausendwechsel muss der Doktor die Welt vor der Vernichtung retten und dabei verhindern, dass der Master, ein alter Erzfeind, von seinem Körper Besitz ergreift, um sich weitere Leben zu sichern (für Non-Whovians: die Time Lords können sich mehrfach in neuer Gestalt regenerieren). Eine Romanze am Rand, Verfolgungsjagden durch San Francisco und ein absurder Endkampf sorgen dafür, dass die ganze Sache ausreichend amerikanisch wirkt, während die klassischen Trademarks der Serie einigermaßen erhalten bleiben. Hauptzutat des Doctor-Cocktails: Eric Roberts als herrlich chargierender Gegenspieler mit grün leuchtenden Augen und Terminator-Sonnenbrille. Hätte hier nur John Carpenter Regie geführt!

Doctor Who - Der Film

Segal konnte mit Ach und Krach durchsetzen, dass Sylvester McCoy, der bis dato letzte Doktordarsteller (der siebte), den Film zumindest eröffnet, um sich dann in Paul McGann zu verwandeln, dem leider keine weitere Who-Karriere beschieden war. Denn der Plan, den TV-Film als Backdoorpiloten anzusetzen (eine Art Versuchsballon, um das Potential für eine Serie auszutesten), scheiterte trotz verhältnismäßig guter Quoten. Neun Jahre sollten vergehen, bis „Doctor Who“ unter veränderten Vorzeichen auf den Bildschirm zurückkehrte. McGann, der einen guten Eindruck hinterließ, führte die Rolle in der Zwischenzeit zumindest in Hörspielen und einer animierten Mini-Serie nach Douglas Adams („Doctor Who: Shada“) weiter. 2013 bekam er von Steven Moffat ein schönes Special auf den Leib geschrieben, das im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums ausgestrahlt wurde (und auf DVD wie Blu-ray enthalten ist).

Das Re-Release von „Doctor Who – Der Film“ macht alles in allem durchweg Spaß. Randvoll mit Extras und einem hübschen Booklet zielt es in erster Linie zwar auf echte Hardcore-Fans, funktioniert seines Standalone-Status wegen aber auch als guter Einstieg ins Whoniverse. Unser Fazit: Geronimo! [LZ]

OT: Doctor Who (USA/UK 1996). REGIE: Geoffrey Sax. BUCH: Matthew Jacobs. MUSIK: John Debney. KAMERA: Glen MacPherson. DARSTELLER: Paul McGann, Daphne Ashbrook, Eric Roberts, Yee Jee Tso, Sylvester McCoy, John Novak, Michael David Simms, Catherine Lough. LAUFZEIT: 86 Min. VÖ: 31.03.2017.

Doctor Who - Der Film | DVD-Cover

[Abbildungen: Pandastorm Pictures]

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