Doc of the Dead | Unterhaltsamer Blick auf ein unkaputtbares Genre

15. November 2014

Doc of the Dead

Der Titel mag missverständlich sein, doch Mediziner spielen in dieser Anfang des Jahres auf dem SXSW-Festival uraufgeführten TV-Dokumentation keine Rolle. Knappe 80 Minuten lang plaudern Zombie-Experten unterschiedlicher Güteklasse über das Phänomen der Untoten in der Popkultur. Einsteiger bekommen eine Menge interessante Basisinfos über Wurzeln und Entwicklung des Genres, Kenner dürften sich hingegen vor allem über Machart und oftmals humorvolle Statements prominenter Vertreter wie George A. Romero, Robert Kirkman, Bruce Campbell, Greg Nicotero, Max Brooks oder Simon Pegg freuen. Wer bahnbrechende neue Thesen oder Fakten erwartet, wird sich allerdings eher enttäuscht sehen.

Bunt und fantasiereich kommt diese Dokumentation daher. Eigens erstellte kurze Filmsequenzen, fiktive Newsberichte, Fanbefragungen und Zombie-Songs auf dem Soundtrack sorgen für die nötige Auflockerung und überspielen die Tatsache, dass man es eigentlich mit einem klassischen „Talking Heads“-Format zu tun hat. Direkt zu Beginn gibt es eine Debatte aus dem kanadischen Unterhaus zu sehen, wo ernsthaft über die Folgen einer Zombie-Epidemie debattiert wird. Später folgen Bilder der sich zunehmender Beliebtheit erfreuenden Zombie-Walks. Die Botschaft ist unmissverständlich: Die Untoten sind überall.

Eine konservativere Machart ist von Dokumentarfilmer Alexandre O. Philippe kaum zu erwarten. „The People vs. George Lucas“ war als eine Art Gerichtsprozess angelegt und in „The Life and Times of Paul the Psychic Octopus“ hatte er die deutsche Hellseher-Krake als Celebrity inszeniert (ein Film übrigens, der immer noch keinen hiesigen Verleiher hat). „Doc of the Dead“ reiht sich nahtlos ein und ist leicht konsumierbar. Echte Aha-Erlebnisse bleiben jedoch aus, denn inhaltlich gehen Philippe und sein Co-Autor Chad Herschberger den Weg des geringsten Widerstands.

Die historisch ausschlaggebenden Filme bleiben „White Zombie“ und „Night of the Living Dead“, „Day of the Dead“ wird für seine Abbildfunktion der Konsumgesellschaft gefeiert, „The Walking Dead“ als Endloserzählung nach Romero-Vorbild erklärt (so jedenfalls in den Worten von Robert Kirkman). Ein bisschen beleuchten Philippe und Herschberger mögliche Auslöser für den anhaltenden Erfolg der Welle und streuen skurrile Randphänomene aus dem allzeit ideenreichen Vermarktungsumfeld möglicher Zombie-Pandemien ein. Unvermeidlich: die Kontroverse Fast Zombies vs. Slow Zombies.

„Doc of the Dead“ ist nicht die erste Dokumentation über die Untoten, aber sicher eine der unterhaltsamsten. Absolut geeignet als Ergänzung zu Jovanca Vuckovics Coffeetable-Enzyklopädie „Zombies: Die illustrierte Geschichte der Untoten“ und „Birth of the Dead“, der sehr schönen filmischen Aufarbeitung von Romeros Klassiker. [LZ]

Doc of the Dead

OT: Doc of the Dead (USA 2014) REGIE: Alexandre O. Philippe. BUCH: Alexandre O. Philippe, Chad Herschberger. MUSIK: Shawn King. KAMERA: Robert Muratore. DARSTELLER: George A. Romero, Simon Pegg, Bruce Campbell, Max Brooks, Robert Kirkman, Alex Cox, Greg Nicotero, Tom Savini, Stuart Gordon, Joanna Angel, Thea Munster, John A. Russo. LAUFZEIT: 81 Min (DVD, Blu-ray). VÖ: 28.11.2014.

[Abbildungen: WVG Medien (Cover) | Screencaptures]

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