DJANGO UNCHAINED: Vertrieb der Actionfiguren zum Film gestoppt

18. Januar 2013

Jetzt sind sie also eingeknickt, die Weinsteins. Nach Protesten von unterschiedlichen Interessengruppen wurde heute ganz offiziell der Vertrieb von Actionfiguren zu Quentin Tarantinos „Django Unchained“ eingestellt. In einem begleitenden Statement heißt es: „Wir haben großen Respekt vor den Zuschauern und es war niemals unsere Absicht, irgendjemanden zu kränken. [Die Figuren] waren als Sammlerstücke für Personen über 17 Jahre gedacht, die wir als Zielpublikum des Films verstehen.“ Auf der Homepage des Herstellers NECA ist davon allerdings derzeit noch nichts lesen.

Entscheidung und Statement sind ebenso überraschend wie lächerlich. Bislang waren Actionfiguren zu Tarantino-Filmen kein Problem für die Weinsteins und Kritik prallte von den Beteiligten eher ab. Selbst die vom Filmemacher selber im „Grindhouse“-Segment „Planet Terror“ verkörperte Rolle eines Vergewaltigers wurde aller Kritik zum Trotz im Verkauf belassen. Zuletzt erfreute sich Judenjäger Hans Landa aus „Inglourious Basterds“ bei den Sammlern großer Beliebtheit. Kontroversen blieben aus.

Doch diesmal ist die Lage eine andere. Die Bürgerrechtsorganisation National Action Network (NAN) hatte zum landesweiten Boykott der Figuren aufgerufen. Najee Ali, Vorstand der Interessengruppe Project Islamic Hope war sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Das Spielzeug sei „ein Schlag ins Gesicht unserer Vorfahren … Für uns trivialisiert es das Grauen der Sklaverei und alles, was Afro-Amerikaner erlebt haben.“ Im Rahmen einer Pressekonferenz forderte er, den Verkauf einzustellen.

Zunächst hatte es keine Reaktion der Weinsteins gegeben. Doch der Druck war wohl bald schon zu hoch geworden, zumal vor allem die NAN mit Unterstützung von Barack Obama bis Martin Luther King III ein nicht zu unterschätzendes Machtinstrument darstellt und man es sich im Hinblick auf die Oscars vermutlich lieber mit niemandem verderben will.

Schon vor seiner Kinopremiere war „Django Unchained“ kontrovers diskutiert worden. Streitpunkt ist in erster Linie Tarantinos trashig-unterhaltsamer Umgang mit einem dunklen Kapitel der amerikanischen Historie. Regiekollege Spike Lee hatte öffentlichkeitswirksam erklärt, sich den Film aus Respekt vor seinen Vorfahren nicht ansehen zu wollen. Mit dem Vertriebsstopp der Actionfiguren hat die Affäre jetzt noch einmal an Absurdität gewonnen.

Kurz nach Veröffentlichung des offiziellen Statements heute schossen die Sammlerpreise übrigens in die Höhe. Auf Amazon.com etwa wurden Dr. King Schultz (Christoph Waltz) und Broomhilda (Kerry Washington) nur drei Stunden später bereits zu Rekordsummen von 4.999 bzw. 6.999 Dollar angeboten.

[Abbildungen: NECA]

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