Klassische Disney-Cartoons bekommen neue Orchester-Aufnahmen

13. Juni 2012

Disney

Eine angemessene Würdigung großer Disney-Komponisten der ersten Stunde wie Oliver Wallace, Paul Smith oder Charles Wolcott ist lange überfällig. Jetzt sorgt ausgerechnet das veränderte Konsumverhalten des jüngeren TV-Publikums dafür, dass eine ganze Reihe von Originalmusik klassischer Cartoons zu einer symphonischen Neuaufnahme kommt. Bereits 60 animierte Kurzfilme aus den Jahren 1935 bis 1953 erhielten gerade erst eine zeitgemäße Aufbereitung ihrer Tonspur. Weitere werden wohl folgen.

Schon seit einer Weile zeigen die unterschiedlichen Disney-Kanäle unter dem Titel „Have a laugh“ kompensierte Versionen alter Cartoons mit Micky, Goofy, Donald und anderen beliebten Figuren aus der frühen Blütezeit des Animationsfilms. Durch eine Reduzierung auf zweieinhalb Minuten Spieldauer will man dabei den Sehgewohnheiten und der Aufmerksamkeitsspanne der jungen Zuschauer entgegenkommen. Doch mit der Raffung alleine konnte es aus Sicht von Kreativdirektor Dave Bossert nicht bereits getan sein. Notwendig wurde zusätzlich eine vollständige Modernisierung auf Audio-Ebene, einschließlich Sprache, Soundeffekten und eben Musik.

Doch statt den Fehler zu begehen, neue, vermeintlich zeitgemäßere Musik in Auftrag zu geben, entschied man sich für aktualisierte Einspielungen der Originalpartituren mit einem 28-köpfigen Symphonieorchester unter Leitung von Disney-Hauskomponist und Emmy-Gewinner Mark Watters. In den Archiven des Konzerns war zum Glück nichts verloren gegangen – auch wenn vieles nur noch auf Mikrofilm existierte und erst wiederhergestellt werden musste.

Besonders erfreulich dabei: Die Bemühungen beschränken sich nicht auf die modernen Kurzversionen, sondern auch die ursprünglichen Langfassungen werden restauriert. Mit 5.1 Surround-Sound und HD-Bildqualität sollen die Zweieinhalb-Minüter, so Bossert gegenüber Variety, vor allem als „Appetitanreger“ dienen, um das jüngere Publikum mit den klassischen Figuren vertraut zu machen. Man darf also vermuten, dass eine Auswertung der Originale auf DVD und Blu-ray bereits in Planung ist.

Eine gute Gelegenheit, die Komponisten der damals noch jungen Cartoon-Ära neu- und wiederzuentdecken. Lange Zeit seitens der vermeintlich seriösen Musikkritik als „Mickymousing“ belächelt, definierte die Herangehensweise von Wallace und seinen Kollegen das präzise Nach- und Überzeichnen jeglichen Geschehens auf der Leinwand und erzielte so den maximalen, meist komischen Effekt.

[Filmbeispiel: „Crazy over Daisy“ (1950), Musik: Oliver Wallace]

Crazy over Daisy

[Abbildungen: Screencaptures (Disney Animation)]

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