Dieter Laser: Tabus, Tausendfüßler und der Tod von Dr. Heiter | Interview

25. Oktober 2015

Wenn er die passende Rolle hat, verleiht er menschlichen Abgründen ein ziemlich angsteinflößendes Gesicht. Privat hingegen ist Dieter Laser der netteste Zeitgenosse, den man sich vorstellen kann. Mit ungezählten Einsätzen auf der Bühne und vor der Kamera im Gepäck weiß er zudem genau, wie man ein simples Interview in eine Show eigener Güteklasse verwandelt. Mit uns sprach er über zukünftige und vergangene Projekte, die Zweischneidigkeit von Tabubrüchen, das Abschütteln lästiger Figuren und was unter anderen Umständen aus Dr. Heiter und Bill Boss, den Hauptfiguren der „Human Centipede“-Filme, hätte werden können.

screen/read: Nach dem immensen Erfolg von „The Human Centipede“ warst du eine Weile nicht auf der Leinwand zu sehen und hast dich stattdessen auf die Arbeit am Theater konzentriert. Umso präsenter jetzt dein Auftritt im abschließenden Teil der Trilogie, in dem keine einzige Szene ohne dich auskommt. Wie geht man als Schauspieler mit so einer 102-minütigen One-Man-Show um?

Dieter Laser: Das ist natürlich hochgradig gefährlich! So einen Marathon kannst Du nur mit einer unendlich sorgfältigen Vorbereitung und höchster Konzentration bestreiten, um vor Ort total entspannt und angstfrei spielen zu können. Dann ist das Ganze ein einziges Vergnügen.

screen/read: Bill Boss ist über weite Strecken hinweg eine grell überzeichnete Karikatur, wie man sie sonst am ehesten in einem Underground-Cartoon finden würde. Nichtsdestotrotz gibt es auch einige bemerkenswert leise Momente, die einen kurzen Blick hinter die Kulissen dieser Figur erlauben. Wie bist du vorgegangen, um diese Balance zu entwickeln, ohne die Rolle in zwei disparate Teile zerfallen zu lassen?

Dieter Laser: Um diese kurzen Blicke hinter die Maske einer so schrillen Comicstrip-Figur zu ermöglichen, muss sie total ernsthaft und vollgeknallt mit versteckten, verdrängten und überspielten Gefühlen „gespielt“ werden. Das bedeutet, unter der komischen Oberfläche läuft ein ständiges „Selbstgespräch“ aus Rechtfertigungen, Selbstmitleid, Verletzungen und Ängsten, die vom „Charakterpanzer“ nur mühsam in Schach gehalten werden. Diesen inneren Dialog zu erfinden und hinter der Cartoon-Fassade gut zu verstecken, war Ziel und Reiz der Vorbereitung.

screen/read: Nun ist deine Figur nicht nur unüberhörbar von deutscher Herkunft, sie hat auch eine im Film wiederholt angedeutete und erwartungsgemäß sehr skurrile Vergangenheit in Schweinfurt im Gepäck – nomen es omen in diesem Fall. Für alle, die den Film noch nicht gesehen haben: Könntest du uns die Backstory von Bill (vermutlich ursprünglich Wilhelm) Boss einmal im Detail wiedergeben?

Dieter Laser: Jawohl, Wilhelm Boss ist Deutsch-Amerikaner – darauf habe ich sofort gedrungen, noch bevor das Drehbuch überhaupt geschrieben war. Henry Kissinger, Billy Wilder und hunderttausende andere deutsche Migranten sind ihren fetten deutschen Akzent lebenslänglich nie losgeworden. Das hat mehrere Vorteile: Ich muss beim Spielen nicht dauernd auf meinen Akzent achten, sondern kann mich um meine Gefühle kümmern. Und ich kann Bill Boss zum grotesken Über-Amerikaner machen, so wie es bei uns auch über-angepasste Migranten gibt, die deutscher als deutsch sind. Dritter Vorteil: Ich mache mich lieber über einen Deutschen lustig – und damit auch über mich selbst – als über andere Nationalitäten, von denen ich weniger Ahnung habe. – Wilhelm Boss ist bei seinem Grossvater in Schweinfurt aufgewachsen, der dort eine grosse, dem Ortsnamen angemessene Schweinezucht betrieb. Sein Opa hat ihm schon als ganz kleinem Jungen die hohe Kunst der Kastration ohne überflüssige Betäubungsmassnahmen beigebracht, die Wilhelm an süssen kleinen Ferkeln üben und schätzen lernte. Deshalb betrachtet er sein US-Zuchthaus wie eine Schweinefarm und seine Häftlinge wie Ferkel, die man durch Kastration von ihrem überschüssigen Testosteron befreien muss, um aus aggressiven Schweinehunden zarte, gefügige Lämmlein zu machen.

screen/read: Es gibt in diesem Film eine ganze Reihe forcierter Tabubrüche, bei denen die meisten deiner Kollegen aus Angst um ihren Ruf vermutlich schreiend davonlaufen würden. Viele Kritikern haben sich darüber entweder aufgeregt oder angewidert abgewendet. Als Theaterveteran gehört für dich der gepflegte Tabubruch ja eher zum Bühnenalltag und hat seine Zeit eigentlich längst hinter sich. Wie stehst du selber zum Tabubruch in der Kunst?

Dieter Laser: Ich will nicht verhehlen, dass ich mich genauso wie viele Kritiker „angewidert abgewendet“ habe, als das Drehbuch bei mir zu Hause eintraf. Der Filmtitel wird mit der Unterzeile „100% politisch unkorrekt“ beworben und ich habe die damit angekündigten Tabubrüche beim Lesen des Drehbuchs um hundert Prozent zu ernst genommen. Ich bin „schreiend davongelaufen“, indem ich mich strikt weigerte, die Rolle zu spielen, obwohl es schon einen Vertrag gab. Erst als es Tom Six nach vielem Hin und Her gelungen war, mir die Augen für die ätzende, pechschwarze Comedy zu öffnen, erst dann entdeckte ich Schritt für Schritt die Möglichkeit, aus Bill Boss eine Cartoonfigur in einem Comicstrip zu basteln und ihn derart lächerlich zu machen, dass kein Sadist, kein Rassist, kein Vergewaltiger oder Frauenschläger sich mit ihm identifizieren mag. Dadurch werden die „100% politische Unkorrektheit“ auf den Kopf gestellt und für mich auf absurde Weise „politisch korrekt“, weil sie damit solche Feiglinge der Lächerlichkeit preisgeben. Tabubrüche sind halt zweischneidig. Für mich ist entscheidend, welcher Inhalt damit transportiert wird. Um ihrer selbst willen sind sie todlangweilig. Wenn sie aber der Wahrheitsfindung dienen, dann bitte radikal und volles Rohr.

screen/read: Lass uns hier einmal direkt anschließen: Eines der vielen tabureichen Beispiele im Film ist die Vergewaltigung einer bewusstlosen weiblichen Nebenfigur. Tarantino kommt damit in „Kill Bill“ unbeschadet durch, hier hingegen haben sich eine Menge Kritiker arg echauffiert. Wie bist du und deine Partnerin Bree Olson – von Haus aus eine etablierte Porno-Darstellerin – mit dieser zunächst einmal ja durchaus bedenklich anmutenden Szene umgegangen? Und was erwiderst du Kritikern, die hier implizite Frauenfeindlichkeit unterstellen?

Dieter Laser: Zunächst ist es ein Riesenvorteil, so eine Szene mit einer Partnerin spielen zu können, die nicht nur eine erstklassige Schauspielerin ist, sondern auch frei von jedem Zickentum und verlogener Prüderie. Kurze, sachliche Verständigung zwischen uns beiden und das Ding ist mit einer Klappe im Kasten. Einschliesslich einer spontanen Improvisation, die erzählt, dass es oft nicht so leicht geht, „Ihn“ reinzuschieben, wie uns tausende von langweilige Vögelszenen im Fernsehen immer wieder weismachen wollen. Beim Lesen des Drehbuches war diese Szene natürlich einer der Hauptgründe, warum ich mich anfänglich, genauso wie ein klischeebehafteter Kritiker mit Grausen abgewendet habe. Erst als Tom Six meinen Vorschlag akzeptierte, aus dieser Szene den zärtlichsten Moment der ganzen Rolle Bill Boss zu machen, konnte ich meinen Abscheu überwinden. Der Plan war, anhand dieser Szene die unglaubliche Zuwendung und Zärtlichkeit zu spiegeln, die viele gestörte Männer zu aufblasbaren Frauenpuppen aufbringen: Der Vergewaltiger Bill Boss kann seine Angst vor Frauen nur loslassen, wenn er eine Frau im Koma wie eine Puppe vor sich hat. Aber leider ist von dieser Szene nur das „Reinstecken“ übrig geblieben.

screen/read: Männer, die ihre Machtposition ausnutzen, um Frauen sexuell zu unterdrücken, sind ein im Kino erstaunlich selten bespielter Topos – und das, obwohl das Thema leider einen allzu weit verbreiteten realen Hintergrund hat. 1975 hast du die Problematik in „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ schon einmal bearbeitet, wenn auch in ganz anderem Rahmen. Ungeachtet der vielen Unterschiede zwischen dem dortigen Sensationsreporter Tötges und einer grellen Karikatur wie Bill Boss, lassen sich beide Figuren nicht auch zu einem gewissen Grad miteinander vergleichen?

Dieter Laser: Erst ab etwa 25 hörte ich ganz allmählich auf, mich zu prügeln, weil ich immer deutlicher spürte, dass die scheinbare „Männlichkeit“ eines Schlägers im tiefsten Grunde von Angst gespeist wird. Ich glaube, dass Gewalttäter gegen Frauen noch grössere Angsthasen sind, als ich es damals war. Bill Boss ist ein angstbesessenes Monstrum und auch bei Reporter Werner Tötges von der „Zeitung“ (Heinrich Böll meinte natürlich die „BILD-Zeitung“) in „Katharina Blum“ – kann man natürlich Unsicherheit und Angst hinter seinem Getue vermuten.

screen/read: Wie viel nimmst du von moralisch so überaus fragwürdigen Charakteren wie diesen mit nach Hause? Legst du eine Rolle einfach ab, wenn du nach einem Drehtag ins Hotel kommst oder trägst du sie auch lange nach Filmende noch mit dir herum?

Dieter Laser: Die Rollen bleiben so lange aktiv oder auf „stand by“, bis sie abgedreht sind. Dann beginnt eine Phase der Abnabelung mit Rotwein und vielen Träumen, in denen die Figuren um ihr Überleben in meinem Psychohaushalt kämpfen, aber immer verlieren: Denn bis zur Premiere sind sie längst vergessen, und wenn ich mich auf der Leinwand nicht mehr wiedererkenne und gar nicht glauben kann, dass ich das bin, der da oben rumspringt, dann bin ich mit mir und der Welt zufrieden.

screen/read: Nun haben deine Figuren aus den beiden Centipede-Filmen ein gewisses Eigen- und damit Überleben entwickelt. Gerade Dr. Heiter genießt bis heute einen beachtlichen Kultstatus. Wie gehst du da mit Fanreaktionen um? Denn immerhin lebt der Charakter ja in ihrer Verehrung weiter und demnächst wirst du auf einer Convention auch für Fotos im Eppendorfer Arztmantel zur Verfügung stehen.

Dieter Laser: Der „Eppendorfer“ Arztmantel gibt den Fans einen zusätzlichen kleinen Kick, so nah am Darsteller des bösen Dr. Heiter in seinem Original-Kostüm zu sein. Wenn der dann noch verblüffend höflich und nett ist, aber auf den gemeinsamen Fotos schön böse guckt, dann hat sich die Begegnung gelohnt. Die „Horror-Family“ ist erstaunlich treu und liebevoll, und ich nehme diese Tätigkeit dementsprechend ernst. Dr. Heiter schaut wie eine Erinnerung aus weiter Ferne zu.

screen/read: Nun ist die Centipede-Reihe ja beendet und jede deiner beiden Figuren zuende erzählt. Was wäre aus deiner Sicht wohl aus Dr Heiter geworden, hätte er überlebt, und was aus Bill Boss? Und ganz generell, spinnst du gedanklich manchmal die Entwicklung einer Figur über die Erzählung hinaus weiter? Etwa als Teil der Vorbereitung auf die jeweilige Rolle, und um die Figur noch besser zu verstehen?

Dieter Laser: Fantastische Frage! In der Tat, mache ich mir in der Vorbereitung Gedanken über das „Vor- und Nachher“ einer Figur. Aus Dr. Heiter wäre wohl ein Staatenloser geworden, der von Interpol gehetzt, in allen Teilen der Welt Centipede-Sequenzen hinterlassen hätte, um irgendwann in Afrika selbst zum Opfer zu werden und sein klägliches Ende als „Middlepiece“ zu finden. Bill Boss hingegen geht nach Washington und wird als Centipede-Beauftragter der UNO mit seinem „Modernen Kommunismus“ sowohl die Unruheherde der Welt befrieden, als auch den Hunger auf der Erde besiegen und damit unendliches Wachstum für alle Besserverdienenden westlicher Prägung sichern.

screen/read: Gerade hast du „The Human Centipede 3“ erstmals im Rahmen eines Genrefestivals in Deutschland vorgestellt und einem Mitternachts-Screening beigewohnt. Zuvor warst du bei den Premieren in England und den USA. Würdest du sagen, die Reaktionen unterscheiden sich voneinander? Ist man hierzulande zurückhaltender oder ist das aus deiner Beobachtung nur ein Klischee?

Dieter Laser: „Centipede 3“ ist mehr Comedy als Horror. Wer sich eine Steigerung von Teil 2 erhofft hat – wird enttäuscht. Wer sich etwas Ähnliches wie Teil 1 erhofft hat – wird auch enttäuscht. Das ist bei Hardcore-Fans auch deutlich zu spüren. Das britische Publikum mit seiner ausgeprägten Vorliebe für schwarzen Humor ist bei der England-Premiere auf den Film bombastisch gut abgefahren. In den USA spürte man bei der Premiere eine gewisse Unsicherheit, ob und wie viel über die angekündigte „100% politische Unkorrektheit“ gelacht werden darf. Bei der deutschen Premiere im englischen Originalton schien mir die eine Hälfte des Publikums mucksmäuschen still zu sein, während die andere Hälfte sich laut und köstlich amüsierte – wie weit das mit der Sprache oder mit verschiedenen Erwartungen zu tun hatte, kann ich nicht sagen.

screen/read: Kürzlich wurde bekannt, dass du in dem seit einer Weile durch die Netzwelt geisternden Nazisploitation-Projekt „Sky Sharks“ mitwirken wirst – überraschenderweise eine deutsche Produktion. Wie kam es dazu und was hat dich an dem Konzept gereizt?

Dieter Laser: Das Konzept ist mega. Nicht, wie man ja vermuten könnte, nur wieder mal ein bemüht witziger Nazi-Klamauk am Himmel. Das Drehbuch ist klasse, und die Rolle ist Bombe. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, was natürlich immer ein sehr gutes Zeichen dafür ist, dass auch das Publikum den fertigen Film spannend finden könnte, falls alles wie geplant gelingt. Also habe ich ganz spontan zugesagt, habe die Jungs kennengelernt und bin total begeistert. Fehlt nur noch eine geile Verhandlung.

screen/read: Schon bei einem unserer früheren Gespräche erwähntest du, auch an einem eigenen Film zu arbeiten, zu dem du das Drehbuch geschrieben hast und bei dem du Regie führen wirst. Verrätst du uns ein bisschen mehr? Was für eine Art Film wird es sein und worum geht es?

Dieter Laser: „Sonnenfinsternis“ ist ein utopisches Kammerspiel über die Zukunft der Vergangenheit. Es spielt in einem menschenleeren Niemandsland, in einem entmenschten Nazideutschland, das aber genausogut ein fremder Planet im Jahre 2084 sein könnte. Mehr will ich dazu noch nicht sagen.

screen/read: Als Regisseur wäre das zwar dein Langfilmdebüt, doch Regieführen ist an sich ja nichts Neues für dich. Über die Jahre hast du zahlreiche Theaterprojekte selber inszeniert und zum Teil auch geschrieben. Wie fühlt sich das an, quasi die Seiten zu wechseln? Als was für eine Art Regisseur würdest du dich bezeichnen? Welche Regieerfahrungen waren für dich besonders prägend? Und wer hat dich da am meisten beeinflusst, von wem hast du gelernt?

Dieter Laser: Regisseur ist einer der geilsten Berufe der Welt. Mit entsprechender Manipulation kann sich ein Regisseur an einer nahezu gottgleichen Macht über andere Menschen delektieren. Deshalb fliegen so viele Wichser und Psychos auf diesen Beruf. Die schönste Macht aber ist die, die man nicht ausübt. Ich bezeichne mich als „Liebes-Regisseur“. Bei mir gibt es keine Manipulation, kein Zuckerbrot und Peitsche, kein „Falsch!“, kein „Schlecht!“, keine Taktik und keine Strategie. Das einzige Ziel ist, durch genaues Zuschauen und Zuhören in Verbindung mit einem extrem liebevollen Umgang, die Geschichte und ihre Darsteller zum Blühen zu bringen. Macht wird einzig und allein zum Schutz dieser empfindlichen Atmosphäre ausgeübt. Bei meiner zweiten Theaterregie wurden nach der Premiere die Kündigungen von zwei älteren Schauspielern von der Direktion zurückgezogen: Das nenne ich einen Erfolg – die beiden hatten geblüht! Von Gustaf Gründgens, Peter Stein und Rudolf Noelte habe ich das Schweigen des Regisseurs gelernt: Solange den Mund halten und geduldig warten können, bis man den Schauspieler oder sein Problem wirklich kapiert hat, ihm deshalb wirklich helfen kann und etwas wirklich Substantielles zu empfehlen hat. Den Regisseur spielen oder gar jede Form von „Pädagogik“ anwenden zu wollen, ist tödlich. Das riecht ein guter Schauspieler und verliert sofort Vertrauen. Deshalb darf man bei meiner Methode schlichtweg niemals lügen (bei der Arbeit).

screen/read: Mit einer reichen Erfahrung auf der Bühne und vor der Kamera kannst du natürlich eine Menge Vergleiche ziehen. Wodurch unterscheidet sich die Arbeit in beiden Medien deiner Meinung nach? Was ist für dich als Schauspieler anders?

Dieter Laser: Im Theater finden gemeinsame Proben für alle Beteiligten zwischen kurzen drei Wochen und oft schrecklich langen und oftmals auch schrecklich langweiligen zwei bis drei Monaten statt. Beim Film sind Proben nur zur knappen Verständigung für Licht, Ton und Kamera da. Die Rolle muss fertig sein, und Rollenproben sind de facto reine Privatsache des Schauspielers. Die Dreharbeiten selbst sind eine einzige lange Premiere in kleinsten Häppchen. Das hat den Vorteil, dass Filmregisseure unter viel grösserem Zeitdruck stehen, und Wichser, Psychos und Sadisten viel weniger Spielraum haben, sich zu produzieren. Und der Schmerz lässt beim Film schneller nach, weil man nicht wie auf der Bühne die Regie-Suppe jeden Abend erneut auslöffeln muss. Dennoch gibt es auch beim Film „Regie-Psychos“ die lieber eine Szene kaputt gehen lassen, als ihr Ego zu zügeln.

screen/read: Was sind deine nächsten Projekte?

Dieter Laser: Das „Weekend of Hell“ mit „Dr. Joseph Heiter im Eppendorfer Arztmantel“ vom 06. bis 08. November in Oberhausen. Im Anschluss daran ein Arthouse-Film in Estland mit dem Titel „Jesus’ Blood and Red Currants“. Februar bis März Dreharbeiten zu „Sky Sharks“. Für Mai bis Juni laufen gerade Verhandlungen für Theaterfestspiele, und ein äusserst windiges Angebot aus Hollywood für einen höchstwahrscheinlich schrecklichen Horrorfilm steht ins Haus. Schau’n wir mal.

[Eine neue offizielle, von Dieter Laser autorisierte Facebook-Site hält unter dieterlaser.actor über aktuelle Projekte und News auf dem Laufenden.]


[Abbildungen: Screencaptures (The Human Centipede 1, 3 / Die verlorene Ehre der Katharina Blum]

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David Cronenberg | Verzehrt

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