Dark Stages: Lithographien von David Lynch in Düsseldorf

20. Januar 2018

David Lynch | Dark Stages: Lithographien (I hold you tight)

[Lesedauer: ca. 1:30 Minuten]

„I hold you tight“, liest es sich in übermäßig spationierten Lettern über der Szenerie, doch was sich darunter abspielt, hat wenig mit einer zärtlichen Umarmung zu tun. Die Distanz zwischen den beiden Figuren ist enorm, denn die Arme des Mannes, über dem eine tiefschwarze Sprechblase seinen Anspruch auf das Gegenüber manifestiert („Mine“), sind länger als sein eigener Körper, und das Objekt seiner Begierde, eine nackte Frau, hat dem Würgegriff seiner gewaltigen Pranken nur wenig entgegenzusetzen – außer einem seltsamen Oszillieren aus Entsetzen und Ekstase, das sich für den Betrachter schwerlich greifen lässt. Wen das Motiv an jene ikonische Szenerie zwischen Frank Booth und Dorothy Vallens aus „Blue Velvet“ erinnert, ist auf dem richtigen Weg, denn der bereits leicht vergilbte Schwarzweißdruck stammt von David Lynch.

Blue Velvet | Dennis Hopper, Isabella Rossellini

Noch bis zum 25. Januar 2018 (bereits zweimal verlängert) zeigt die Düsseldorfer TZR Galerie eine Auswahl von Lithographien des Meisters, und damit vergleichsweise junge Arbeiten, denn die Technik des Steindruckverfahrens verfolgt er gerade mal seit einem guten Jahrzehnt. Auslöser war 2007 die Entdeckung der Pariser Druckerei Item, in der bereits Künstler wie Picasso, Matisse oder Miró ihre Grafiken hatten produzieren lassen. Frühe Arbeiten blieben zunächst kleinformatig. Die meisten Exponate der aktuellen Ausstellung messen im Maximum 66 x 89 cm. Großformatige Drucke aus späteren Jahren liegen etwa bei 126 x 168 cm (in Düsseldorf zu sehen: „Crude Oil“, „Someone is in my House“ und „I take you to my House“, allesamt von 2013 bzw. 2014). Lithographien erstellt Lynch bis heute. Auf der Homepage von Item Éditions etwa finden sich zwei Arbeiten von 2017.

„Dark Stages“ hat Galerist Kai Brückner die Ausstellung der „bühnenähnliche(n) Räume“ wegen betitelt, die sich – so seine Erklärung – in den Bildern entwickeln. Tatsächlich hat Lynch einige seiner Motive von angedeuteten Theatervorhängen einrahmen lassen und den Inhalten damit einen inszenierten Charakter beigeordnet (etwa „Fire on Stage“). Das muss niemanden wundern, denn seit „Eraserhead“ gehören bühnenartige Konstellationen zu den immer wiederkehrenden Standards in Lynchs Oeuvre, und auch sonst sind seine Drucke vielfach ein inhaltliches Best-of mit anderen Mitteln: Engel, Feuer, Träume, Bäume, Schusswaffen, häusliche Gewalt, you name it. Auch die Tatsache, dass die zugrundeliegende Technik die Erstellung eines spiegelverkehrten Originals voraussetzt, fügt sich wie von selbst ins Gesamtwerk ein (gerade erst wurde in den neuen Folgen von „Twin Peaks“ wieder fleißig rückwärts gesprochen).

Wer es zur Ausstellung selbst nicht schafft, kann alternativ zu dem rund 190-seitigen Bildband „David Lynch: Lithos, 2007 – 2009“ aus dem Verlag Hatje Cantz greifen oder sich durch den Online-Katalog von Item klicken. Die Öffnungszeiten der Galerie finden sich hier. [LZ]

David Lynch: Fire on Stage (Lithographie, 2008)

David Lynch: Fire on Stage (Lithographie, 2008)

[Abbildungen © Dirk Rose Düsseldorf (Fotografien) | © Item Editions Paris (Werke) | Twentieth Century Fox (Blue Velvet)]

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