David Lynch im Max Ernst Museum

16. Oktober 2009

„I like to kill Deer“ heißt ein Ringtone, der sich auf seiner Homepage downloaden lässt, doch im Fall des Mannes, der seit ein paar Jahren den Weltfrieden mithilfe von Meditation herbeiführen will, ist ganz sicher das Gegenteil der Fall. Nichts im Universum des David Lynch lebt von klassischer Konsistenz, und das meiste lehnt alle gewohnte Sicherheit so entschieden ab, dass es einem den Boden unter den Füßen wegziehen kann. Eine Ausstellung im Max Ernst Museum ermöglicht ab dem 22. November einen Blick in die dunkle Herrlichkeit des Meisters und heißt deshalb auch „Dark Splendor“.

Obwohl es in erster Linie seine äußerst beunruhigenden Kino-Alpträume sind, mit denen er im Allgemeinen identifiziert wird, ist Lynch doch auf keine Kunstform festgelegt. Beständig erprobt er alle Ausdrucksformen, die ihm zwischen die Finger kommen und macht dabei selbst vor Möbeldesign keinen Halt. Wie selbstverständlich produziert er zudem einen täglichen Wetterreport und vertreibt eine eigene Kaffeemarke. Doch egal, welche seiner Aktivitäten es auch sein mögen, sie alle sind dunkel schillernde Mosaiksteine einer rätselhaften Weltwahrnehmung, und wer diese zu begreifen versucht, ist schon auf verlorenem Posten.

Erstmalig in Deutschland zeigt das Max Ernst Museum Brühl bei Köln demnächst eine umfassende Ausstellung mit Arbeiten des Meisters. Über 160 Exponate wird es zu sehen geben, darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Lithografien, Rauminstallationen und frühe Kurzfilme. Im Epson Kunstbetrieb Düsseldorf waren bereits im vergangenen Jahr fotografische Arbeiten Lynchs gezeigt worden. Einige von ihnen könnten nun auch in Brühl wieder auftauchen.

Da die kommende Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Fondation Cartier pour l’art contemporain entstanden ist, wird vermutlich ein Großteil von Werken aus „The Air is on Fire“, Lynchs Pariser Ausstellung von 2007, zu sehen sein. Begleitend erscheint ein 336-seitiger KatalogDavid Lynch | Dark Splendor mit rund 200 teils farbigen Abbildungen und einer Reihe von Essays.

Ein echter Clou am Rande: Seitens des Museums (kein Scherz) wird darauf hingewiesen, dass sich das gezeigte Material nicht für Jugendliche unter 18 Jahren eignet. Und das ist fast so absurd wie Lynchs Exponate selber.

[Abbildungen © David Lynch (Pressematerial zur Ausstellung)]

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