Das Schicksal ist ein mieser Verräter | Einmal tragische Liebesgeschichte mit Zuckerguss bitte!

13. Juni 2014

Was kann man über einen Film sagen, der von zwei todkranken Teenager handelt, die sich ineinander verlieben, mit dem Wissen, dass diese erste große Liebe auch die allerletzte sein könnte? Genau: Es wird tragisch, es wird herzzerreißend traurig und vor allem wird es kitschig. Für „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ nach der vielfach (unter anderem 2013 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis) ausgezeichneten Vorlage des US-Autors John Greene gilt all das in vollem Maß und trotzdem ist der Film eine Empfehlung wert.

Die 16-jährige Hazel – zum Verlieben schön gespielt von Shailene Woodley (zuletzt in „Divergent“) – hat in ihrem Leben schon zu viel erlebt. Als sie 13 ist, erkrankt sie an Schilddrüsenkrebs, der sich auf ihre Lungen ausbreitet. Eine besonderen Therapie macht es ihr jedoch möglich, einigermaßen ungehindert am Alltagsleben teilzunehmen. Seitdem ist ein Sauerstoffgerät ihr ständiger Begleiter, aber genauso auch das Wissen, dass ihr kein langes Leben beschert ist.

Nur ihren Eltern zuliebe geht Hazel zu einer Selbsthilfegruppe für Krebserkrankte. Hier lernt sie den liebenswerten 18-jährigen Augustus kennen (Ansel Elgort, ebenfalls aus „Divergent“), der durch den Krebs ein Bein verloren hat. Mit seiner unbekümmerten und bemerkenswert optimistischen Art schafft er es, Hazel für sich einzunehmen. Gemeinsam erleben sie ein Stück Normalität. Wenn sie gemeinsam picknicken oder einen schlechten Film schauen, vergisst man Hazels Sauerstoffgerät und Augustus Prothese sehr schnell. Die Bilder zeigen einfach das behutsame und zärtliche Verlieben zweier Teenager.

Obwohl beide Gefühle füreinander haben, hält Hazel Augustus auf Distanz, davon überzeugt, dass ihre Beziehung angesichts ihrer Krankheit keine Chance hat. Eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, ein Überraschungstrip nach Amsterdam, wo Hazels Lieblingsautor (Willem Dafoe) lebt, und schließlich die Bedrohung durch den Tod schweißt die Liebenden unwiderruflich zusammen.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Filme über Krebskranke scheinen sich in zwei Kategorien einteilen zu lassen: Entweder ist der Krebs so allgegenwärtig, dass die Protagonisten wie Marionetten wirken, oder es wird gezeigt, wie der Protagonist seinem Schicksal zum Trotz sein Leben enstpannt auf die Reihe bekommt und der Krebs zur Nebensache degradiert wird.

„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ schafft es hingegen, die Tragik der Krankheit in Szene zu setzen, ohne voyeuristisch oder beschönigend zu wirken. Der Film erzählt den Umgang mit ihr hochemotional und bestimmt von einem Optimismus, der nie übertrieben scheint. Der trockene Humor der Darsteller, die Absurdität des Alltags und die Träume und Wünsche von normalen Teenagern erinnern den Zuschauer daran, dass der Mensch es ist, der die Krankheit definiert, und nicht umgekehrt.

Selten waren einem Protagonisten in einem Jugendfilm so sympathisch wie hier. Sie sind stark und trotzdem schwach, sie sind witzig und trotzdem tieftraurig. So erwartet Hazel den Anruf nach dem ersten Date mit derselben Ungeduld und Unsicherheit wie das Testergebnis der letzten Untersuchung. Es sind Menschen mit Struktur und Persönlichkeit, was die Schauspieler exzellent darstellen können.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Ein Film über todkranke, verliebte Teenager kommt nicht ohne Tränen und Kitsch aus. Dieser hier ist keine Ausnahme, auch wenn man ihm zugute halten muss, dass er sich weitestgehend um Natürlichkeit bemüht. Leider hält er die Balance nicht immer und so gibt es eine ganze Reihe von Sequenzen, die das Ganze teilweise unerträglich machen. Ist es etwa wirklich notwendig, dass alle Besucher im Anne-Frank-Haus applaudieren, nur weil das Paar sich jetzt küsst? Eigentlich nicht. Ein Beispiel wie dieses kann man umso mehr bedauern, da der Film derart plakative Emotionen gar nicht braucht, um zu funktionieren.

Doch derartige Momente verzeiht man dann doch auch wieder schnell, denn im Großen und Ganzen erweist sich „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ als außergewöhnlicher Liebesfilm, der durch grandiose Inszenierung, liebevoll umgesetzte visuelle Details (alle SMS werden als kleine, zerplatzende Sprechblasen gezeigt) und eine unprätentiöse Darstellung des Leidens einen starken Eindruck hinterlässt.

Nicht zuletzt lohnt er sich alleine seiner Schlussszene wegen, die alle Kitschanwandlungen verzeihen lässt – und wegen des Schniefkonzerts im Publikum. [Laila Oudray]

PS: Gerüchte, dass die Verfasserin dieser Zeilen ebenfalls ein paar Tränen geweint hat, sind infame Unterstellungen. *Schnief*

OT: The Fault in our Stars (USA 2014) REGIE: Josh Boone. BUCH: Scott Neustadter, Michael H. Weber. KAMERA: Ben Richardson. MUSIK: Mike Mogis, Nate Walcott. DARSTELLER: Shailene Woodley, Ansel Elgort, Nat Wolff, Laura Dern, Sam Trammell, Willem Dafoe, Lotte Verbeek. LAUFZEIT: 125 Min.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

[Abbildungen: 20th Century Fox]

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The Walking Dead

Eine Antwort zu “Das Schicksal ist ein mieser Verräter | Einmal tragische Liebesgeschichte mit Zuckerguss bitte!”

  1. Sabine sagt:

    Mir persönlich gefällt der Film sehr, würde ich auch nochmal mit Freundin zusammen gucken. Da ich das Buch vorher gelesen habe, sind mir zwar hier und da einige Ungereimtheiten aufgefallen, dass lässt sich in Filmen ja leider nicht vermeiden. Ansonsten kann ich den Film empfehlen.

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