Lüsterne Lachse, blanke Brüste: Das Grauen aus der Tiefe (Humanoids from the Deep) [1980] | Corman-Klassiker als neue Collector’s Edition

24. Februar 2017

Humanoids from the Deep (Das Grauen aus der Tiefe)

Warum die Initiatorinnen ausgerechnet den Februar zum „Women in Horror“-Monat auserkoren haben [1], ist wohl weniger entscheidend als die Tatsache, dass die Idee an sich seit mittlerweile bereits acht Jahren erfolgreich dazu beiträgt, die Rolle von Frauen im Genre genauer zu beleuchten. Man muss allerdings schon einigermaßen im Thema sein, um nicht ausschließlich an die einschlägigen Screamqueens vor der Kamera zu denken, sondern auch die seit einer Weile erfreulicherweise steigende Zahl weiblicher Filmschaffenden dahinter im Blick zu haben. Anfang der 80er sah das noch ganz anders aus und so war Roger Cormans Entscheidung, eine Frau mit der Regie einer seiner Monsterfilme zu betreuen, durchaus ein Ausnahmefall.

Was jedoch die Gründe dafür angeht, herrscht zwischen den Beteiligten das Gegenteil von Einigkeit. Barbara Peeters jedenfalls, die ihren Namen im Nachhinein gerne aus den Credits von „Humanoids from the Deep“ hätte entfernen lassen, gibt Jahrzehnte später in einem Interview [2] zu Protokoll, dass Corman erst dann zu ihr gekommen sei, als alle ihre männlichen Kollegen, die damals für New World Pictures in Frage kamen, bereits abgewunken hatten (namentlich unter anderem Joe Dante). Das Drehbuch sei einfach zu schlecht gewesen. Dass Corman dazu selbstverständlich eine völlig andere Meinung hat, kann man in einem der zahlreichen Bonus-Featurettes der kürzlich in Deutschland erschienenen Collector’s Edition aus dem Hause OFDb Filmworks selbst nachhören.

Humanoids from the Deep (Das Grauen aus der Tiefe)

Dass Peeters aber zuvor bereits für den König der B-Movies gearbeitet hatte, ist ebenso unstrittig wie die Tatsache, dass „Humanoids“ auch die letzte Zusammenarbeit der beiden war – und so ganz im Frieden ist man wohl nicht auseinander gegangen. Im Nachhinein mag Corman klargeworden sein, dass bei manchen Stoffen eben doch ein Unterschied besteht, ob ein Mann oder eine Frau auf dem Regiestuhl sitzt. Lüsterne Seemonster (mutierte Lachse!), die leicht bekleidete Strandschönheiten begatten, mögen im Universum des Trash-Kinos eine echte Bereicherung sein, aus weiblicher Sicht jedoch bestimmte Grenzen der Darstellung mit sich bringen. Im Grunde kann man das, was sich Corman arg unbedarft von Peeters erhofft hatte, nur als Zumutung begreifen: die Inszenierung einer Vergewaltigung als Entertainment.

Das Ergebnis war entsprechend: explizite Bilder blieben aus. Da genau diese aber das Verkaufsargument sein sollten, musste nachgedreht werden – ein Job, den Corman, jetzt klüger als zuvor, diesmal einem Mann übertrug. Und da waren sie dann endlich, nackte Brüste und zwanghaft kopulierende Fischmonster. Gale Anne Hurd, spätere „Terminator“- und „Walking Dead“-Produzentin, soll den Vorführraum laut schimpfend verlassen haben, und Peeters, nun ja, siehe oben. Dem Film selber schadete nichts davon. Über die Jahre erarbeitete er sich einen überschaubaren Kultstatus und erfuhr 1996 gar ein Remake. Peeters hingegen hinterließ im Gegensatz zu vielen anderen Corman-Protegés keine auffälligen Spuren in der Filmgeschichte und wechselte stattdessen zum Fernsehen.

Humanoids from the Deep (Das Grauen aus der Tiefe)

Dass „Humanoids“ trotz allem harmloser Blödsinn ist (mit den damals üblichen Tabubrüchen: tote Kinder und tote Hunde), muss kaum extra erwähnt werden. Allzu präzises Handwerk sollte man woanders suchen und Logiklöcher gehören hier zum gute Ton. Überdurchschnittlich fällt einzig die Musik des damals noch am Anfang seiner Karriere stehenden James Horner aus, der wie kein zweiter bewies, dass sich auch mit geringen finanziellen und zeitlichen Ressourcen ein effektiver orchestraler Soundtrack bewerkstelligen lässt (während andere damals unter ähnlichen Bedingungen gänzlich auf Elekronik setzten – und es bis heute noch tun).

Wer Anekdoten mag, bekommt im Bonus-Material des schick gestalteten neuen Mediabooks reichlich davon. Selbst Kenner der US-Jubiläumsausgabe von Shout!Factory dürften noch neues, eigens produziertes Material finden. Insgesamt ein unverzichtbarer Beitrag zur Corman-Werkausgabe. [LZ]

OT: Humanoids from the Deep (USA 1980). REGIE: Barbara Peeters. BUCH: Frederick James. MUSIK: James Horner. KAMERA: Daniel Lacambre. DARSTELLER: Doug McClure, Ann Turkel, Vic Morrow, Cindy Weintraub, Anthony Penya, Linda Shayne, Hoke Howell, Lynn Theel. LAUFZEIT: 76 Min (DVD), 80 Min (Blu-ray). VÖ: 25.11.2016

Das Grauen aus der Tiefe (Humanoids from the Deep)

[Abbildungen: OFDb Filmworks (Cover) / Screengrabs]

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