Dark Skies – Sie sind unter uns | Filmkritik

31. Januar 2015

Dark Skies

Von der Alien-Invasion als wiederkehrendem Trend in den narrativen Medien zu sprechen, wäre vermutlich etwas voreilig. Dass die Zeichen aber nicht schlecht stehen, lässt sich durchaus konstatieren. Im TV hält sich „Falling Skies“ tapfer und eine Neuauflage von „Akte X“ scheint beschlossene Sache zu sein. Im Kino spielen die feindlich gestimmten Besucher aus dem All aktuell noch keine ernstzunehmende Rolle, doch Low-Budget-Produktionen aus dem Horror-Umfeld wie „Alien Abduction“ (2014), demnächst „Extraterrestrial“ von den Vicious Brothers und eben „Dark Skies“ (nicht zu verwechseln mit der US-Serie von 1997) haben sie bereits für sich entdeckt

Wobei die Betonung ausdrücklich auf „Horror“ liegt. Die Aliens der betreffenden Filme übernehmen nämlich die Funktion des Monsters, dem die Protagonisten hilflos ausgeliefert sind. Das ist nun zwar kein echtes Novum, wohl aber eine durchaus beobachtenswerte Entwicklung, denn in gewissem Sinne treten die außerirdischen Besucher in Konkurrenz zu den allgegenwärtigen Untoten, mit denen sie sich den apokalyptischen Beigeschmack und die dramaturgische Fokussierung auf die menschlichen Protagonisten teilen.

Im Grunde bietet „Dark Skies“ dafür ein Schulbuchbeispiel, das durchaus seinen Reiz hat. Im Zentrum der Bedrohung aus dem All steht eine typische amerikanische Vorstadtfamilie, die sich nach und nach mit seltsamen Ereignissen konfrontiert sieht und schließlich eingestehen muss, dass die allgemeine UFO-Hysterie nicht nur auf einer realen Grundlage fußt, sondern die Invasoren aus dem All auch noch hinter einem der Kinder her sind. Dass der Showdown ausgerechnet am Independence Day stattfindet, muss wohl ein extraterrestrialer Insider-Witz sein.

So weit, so überschaubar. Doch der relativ kostengünstig produzierte Film aus der Blumhouse-Schmiede („Paranormal Activity“ und gerade erst „Ouija“) ruht sich erfreulicherweise nicht auf seiner simplen Geschichte aus, sondern gibt sich Mühe, die vier Hauptcharaktere einigermaßen lebendig zu gestalten, ohne dabei allzu sehr in erwartbare Klischees abzudriften, und widersteht zudem der Versuchung, sich auf ein versöhnliches Ende einzulassen (stattdessen haben offensichtlich Lynch und Kubrick ungefragt Pate gestanden). Beides darf man den Machern gerne hoch anrechnen.

Dark Skies

Das Grauen zieht leise ein in den Alltag der Familienmitglieder. Bevor sie es begreifen, sind sie längst Opfer einer schleichenden Form von Home-Invasion geworden. Jesse, der ältere der beiden Söhne, erzählt seinem Bruder Sammy vor dem Schlafengehen vom Sandmann, der den Kindern die Augen stiehlt, ohne freilich zu ahnen, dass der Kleine bald regelmäßig von einem nächtlichen Beobachter heimgesucht wird, der kaum weniger unheimlich ausfällt als die Fantasiegestalt.

Es dauert nicht lange, bis der Zuschauer beschlossen hat, diese insgesamt doch recht durchschnittliche Familie zu mögen, auch wenn die beiden Jungs deutlich interessanter sind als ihre Eltern und bei anderer Gewichtung das Potential geboten hätten für einen jener Horrorfilme aus den 80ern, in denen die Kinder dem Grauen alleine gegenüberstehen (etwa „The Gate“ oder in der späteren Hommage-Form von „The Hole“ und „Under the Bed“). Besonders Jesse, der im Verlauf weiter in den Vordergrund rückt, eignet sich langfristig eher zur Hauptfigur als beide Elternteile zusammen.

Doch wie gesagt, alles in allem präsentiert der Film gänzlich durchschnittliche Menschen mit ihren durchschnittlichen Problemen – und zieht genau daraus eine der gleichzeitg erschreckendsten wie ernüchterndsten Erkenntnisse. Als die Eltern einen Ufo-Experten aufsuchen (abgeklärt und fatalistisch: J.K. Simmons als eine Art Alienfilm-Pendant zum Exorzisten) und ihm die brennende Frage stellen, was denn so besonders an dieser Familie sei, dass die Außerirdischen sich ausgerechnet auf sie gestürzt haben, wird er ihnen die schlimmste aller denkbaren Antworten liefern: Nichts. Denn im Kosmos ist der Mensch ein zufällig ausgewähltes Spielzeug. [LZ]

P.S.: Eine echte Kuriosität am Rande. Bevor Regisseur, Autor und VfX-Experte Scott Stewart sich einen Namen mit Filmen wie „Legion“ und „Priest“ machte und wiederholt bei der TV-Serie „Defiance“ auf dem Regiestuhl Platz nahm, drehte er 2000 einen 13-minütigen Kurzfilm nach Raymond Carver mit dem Titel „What we talk about when we talk about Love“ – basierend auf jener Short Story, die Michael Keatons Charakter in „Birdman“ zu einem wenig erfolgversprechenden Broadway-Drama verarbeitet.

OT: Dark Skies (USA 2013) REGIE: Scott Stewart. BUCH: Scott Stewart. MUSIK: Joseph Bishara. KAMERA: David Boyd. DARSTELLER: Keri Russell, Josh Hamilton, Dakota Goyo, Kadan Rockett, J.K. Simmons, L.J. Benet, Annie Thurman. LAUFZEIT: 93 Min (DVD), 97 Min (Blu-ray). VÖ: 29.01.2015.

Dark Skies

[Abbildungen: Koch Media GmbH]

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