Crowdfunding für Joe Dante: Fans wollen einen Film über Roger Corman finanzieren

02. Mai 2013

Joe Dante

Seit ein paar Wochen wird reichlich kontrovers über die Versuche prominenter Namen diskutiert, ihre Filmprojekte mithilfe von Crowdfunding in trockene Tücher zu bringen – darunter Kristen Bell, Melissa Joan Hart oder Zach Braff (ganz abgesehen von Eliza Dushku, Colin Hanks oder vielen anderen, die weitestgehend unbemerkt blieben). Sind die Reichen und Schönen auf dem besten Weg, unabhängigen Neueinsteigern eine populäre Finanzierungsquelle unter der Nase wegzuschnappen? Sicher nicht. Doch jetzt, da die Türen der Schwarmfinanzierung offenbar ganz offiziell für alle geöffnet sind (was sie in Wahrheit natürlich schon immer waren), warum sollten da nicht auch einmal solche Filmemacher in den Fokus rücken, die sich zwar großer Beliebtheit erfreuen, aber auf der Leinwand schon lange nicht mehr wirklich stattfinden? Könnte Crowdfunding nicht eine ideale Möglichkeit sein, sie genau dorthin zurückzubringen?

Es war in etwa dies, was uns durch den Kopf ging, als wir uns spontan dazu entschlossen, unsere Follower bei Twitter zu fragen, welche Filmemacher sie bei ihren Projekten finanziell unterstützen würden. Wir schlugen eine Reihe von Namen vor und konzentrierten uns dabei auf echte Helden aus den 80ern, die zwar immer noch gelegentlich auf dem Regiestuhl Platz nehmen, aber doch im Wesentlichen entweder gezwungen sind, halbgare Auftragsproduktionen abzuliefern oder in Projekten feststecken, die es nicht über die Vorproduktion hinaus schaffen: Genre-Ikonen wie John Carpenter, Wes Craven, Clive Barker oder wer einem sonst noch so einfallen mag. Am meisten dachten wir allerdings an Joe Dante, und wie sich herausstellte, waren wir dabei nicht die einzigen.

Nicht, dass wir wirklich viel Erwartung in unsere kleine inoffizielle Umfrage gesetzt hätten. Umso überraschender fielen aber dann die Reaktionen aus, denn die waren zahlreich. Keiner der Namen, die wir aufgezählt hatten, rief dabei ein größeres Echo hervor als Dante. Binnen relativ kurzer Zeit wurde unser Vorschlag dutzendfach als Retweet verbreitet, und ähnlich gepolte Fans äußerten ihre Bereitschaft, einen Film des Machers von Klassikern wie „Gremlins“, „Das Tier“ und „Piranhas“ mitzufinanzieren.

Dante selber wurde auf die Diskussion aufmerksam und fragte „Was crowdfunden wir denn?“ – eine Frage, über dessen Antwort wir nicht lange nachdenken mussten. 2011 hatte er uns in einem Interview eine Reihe von Projekten aufgezählt, in die er damals auf die eine oder andere Weise involviert war. Jedes von ihnen stand damals hinsichtlich seiner Finanzierung auf tönernen Füßen, und obwohl sie alle ihren eigenen Reiz hatten, stach ein Film ganz klar hervor. Unter dem elektrisierenden Titel „The Man with Kaleidoscope Eyes“ erzählt er eine einscheidende Episode im Leben von Roger Corman – seine Arbeit an „The Trip“, jenem berüchtigten Sonderfall des B-Films nach einem Drehbuch von (tatsächlich) Jack Nicholson. Mit Corman in einer Nebenrolle als sein heutiges Alter Ego besetzt, kam das Projekt nie richtig in die Gänge und konnte sein Budget selbst mit der Zusage eines prominenten Hauptdarstellers nicht sicherstellen.

Wir schlugen diesen Film also für eine hypothetische Dante-Kampagne vor und erlebten eine erneute Überraschung. Es folgte auch hier eine Welle enthusiastischer Zuspruchsbekundungen in 140 Zeichen. Selbst Fans, die noch nie etwas von dem Projekt gehört hatten, zeigten für die Idee, dass Dante einen Film über seinen alten Freund und Mentor drehen könnte, unmittelbare Begeisterung.

Nun sind Tweets natürlich nur Tweets. Sie garantieren nichts und sie finanzieren keinen Film. In diesem Fall zeigten sie aber mit ziemlicher Deutlichkeit, dass es da eine Reihe von Leuten gibt, die an dem Projekt selber durchaus Interesse hätten, und das hat durchaus Relevanz. Zudem ist die Sache eine echte Herzensangelegenheit. Für Dante. Für seine Fans. Für jeden, der den immensen Einfluss zu schätzen weiß, den Roger Corman auf die Entwicklung und Rolle des Independentkinos gehabt hat.

Wer sich hier wiederfindet, kann auf einfache Weise dazu beitragen, dass aus einer spontane Idee am Ende vielleicht tatsächlich ein Film wird. Ein Tweet mit dem Hashtag #crowdfunddante reicht schon aus. Join the force, make it happen.

[Nachtrag vom 11.09.2013: Inzwischen konnte die Finanzierung von Dantes Projekt offenbar auch ohne Crowdfunding gesichert werden. Details dazu in unserem Beitrag.]

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