CONAN 3D | Filmkritik

10. September 2011

Conan 3D

Man kann über Arnold Schwarzenegger denken, was man will, aber jeder Ansatz, einen seiner Filmerfolge auch ohne ihn erfolgreich an den Mann zu bringen, ist bislang gescheitert. Weder das an sich nicht uninteressante „Terminator Salvation“-Sequel, noch das belanglose „Predators“-Reboot haben an der Kasse funktioniert. Derzeit versucht sich Len Wiseman an einer Neuadaption von „Total Recall“ und wird den Vergleich mit Paul Verhoevens Version aushalten müssen. Nichts jedoch kann so sehr auf ganzer Linie scheitern wie „Conan 3D“, jener unfassbar misslungene Versuch, das Zeitalter von Hyboria erneut auf die Leinwand zu bringen. In den USA straften die Zuschauer die gänzlich in Bulgarien gefilmte Schlachtplatte mit Nichtachtung und machten das krude Spektakel zu einem der größten Kassenflops des laufenden Kinojahres.

Wann genau sich die Verantwortlichen bei Lionsgate bewusst darüber geworden sind, dass sie hier eine echte Gurke produziert haben, lässt sich nur vermuten. Vermutlich aber war die Entscheidung zur nachträglichen 3D-Konvertierung bereits ein Versuch zu retten, was noch zu retten ist, um der unglückseligen Neuadaption des klassischen „Conan“-Stoffes aus der Feder von Robert E. Howard wenigstens den Anschein von Ereignischarakter zu verpassen. Im Nachhinein betrachtet hätte man sich das Geld auch sparen können, denn das Resultat ist der mit Abstand ineffektivste und überflüssigste Einsatz dreidimensionaler Technik seit „Kampf der Titanen“. Über weite Strecken muss man sich schon die Brille von der Nase nehmen, um sicher zu gehen, dass der Film nicht längst wieder auf 2D umgeschwenkt ist – vom leidigen Problem der viel zu dunklen Bilder ganz zu schweigen.

Doch 3D ist nur ein Nebenkriegsschauplatz, denn auch sonst lässt sich das Wenige, was hier bestenfalls im Ansatz funktioniert, mit Leichtigkeit an einer Hand abzählen. Dass die Story denkbar einfach bleibt, ist das geringste Problem, denn im „Sword & Sorcery“-Subgenre zählen naturgemäß weniger originelle Erzählstränge und komplexe Charakterzeichnungen als vielmehr ein möglichst ausuferndes Maß an Schauwerten, Schwertkämpfen, Monstern und Magie. Doch genau daran scheitert dieser Film bereits. Die Actionsequenzen fallen in Inszenierung und Schnitt denkbar konfus aus, ein einziger schaler Zaubertrick deckt den Bedarf nach Hexenkunst ab (zudem schon x-fach gesehen: Krieger, die aus Sand entstehen), eine überdimensionale Wasserschlange absolviert einen Kurzauftritt, und der durchgängige Look, der ganz dezidiert an die stilbildenden Illustrationen von Frank Frazetta erinnern soll, gerät erschreckend eintönig und grobschlächtig.

Conan 3D

An Frazetta zu scheitern ist eines, doch einem denkbar einfachen Sujet wie dem des „Conan“-Universums keinerlei auch nur halbwegs zufriedenstellende Leinwand-Variante abzugewinnen, spricht nicht wirklich für die Beteiligten. In vielerlei Hinsicht mag das mit der arg unglücklichen Produktionsgeschichte zu tun haben, die zu keinem Zeitpunkt auf ein sorgfältig vorbereitetes Endergebnis hindeutete. Nachdem Warner ein ganzes Jahrzehnt keinen Nachfolger zu den ersten beiden „Conan“-Filmen von John Milius und Richard Fleischer zustande gebracht hatte, war die Nutzungsoption irgendwann ausgelaufen, und Paradox Entertainment, der eigentliche Rechteinhaber an der Marke, machte sich auf die Suche nach einem neuen Partner. Konzepte, die zuvor unter Warner entstanden waren und unter anderem von den Wachowski-Brüdern, Robert Rodriguez und erneut Milius (in Fankreisen sehr bekannt: „King Conan“) stammten, blieben auch dort und waren somit nicht umsetzbar.

Die Rechte gingen schließlich an Millenium bzw. Lionsgate, allerdings mit der Auflage, pro Jahr, in dem kein neuer „Conan“-Film ins Kino kam, eine Million Dollar für eine Optionsverlängerung auf den Tisch zu legen. Man hatte also Grund, sich zu beeilen. Bald schon war ein Produktionstermin für Anfang 2006 anvisiert, doch tatsächlich fiel die erste Klappe mit Marcus Nispel (ersetzte Brett Ratner) auf dem Regiestuhl nicht vor Februar 2010 – in etwa zum selben Zeitpunkt, als man noch schnell einen Skriptdoktor in Gestalt von Sean Hood („Halloween: Resurrection“) verpflichtete. Zuvor hatten bereits die beiden „Outlander“-Autoren Dirk Blackman and Howard McCain eine Bearbeitung des Drehbuchs abliefern sollen, doch in den Credits tauchen beide heute nicht mehr auf. Offenbar wurde also noch am Set mit heißer Nadel gestrickt, während man zugleich mit einigem Unbehagen beobachten musste, wie die Fanbase wenig begeistert auf die Besetzung der ikonischen Hauptrolle mit dem ehemaligen „Baywatch“-Rettungsschwimmer Jason Mamoa reagierte.

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Im Zuge der Vorberichterstattung, die nichts weniger als eine blutgetränkte Sensation versprach, gab Mamoa dann zu allem Überfluss auch noch vollmundig zum Besten, dass er kommenden Sequels gar mit eigenen Drehbüchern seinen Stempel aufdrücken wolle – ein Plan, den er jetzt wohl beruhigt in die Mottenkiste packen kann. Gerade einmal müde 10 Millionen spielte „Conan the Barbarian“ am Startwochenende in den USA ein und verschwand nach nur zwei Wochen bereits wieder gänzlich aus den Top Ten. Schlimmer hatte es kaum kommen können, und so gibt man sich bei Lionsgate ziemlich ratlos. Doch wie gesagt, man hat es vermutlich bereits geahnt, denn der Film ist unübersehbare B-Ware mit holprigem Drehbuch, orientierungslosem Editing, chargierenden Darstellern (ganz schlimm: „Avatar“-Villain Stephen Lang), mittelmäßigem CGI und einer Menge unfreiwilliger Komik, die im Kino wahlweise für ungläubiges Kopfschütteln oder ausgelassene Heiterkeit sorgt.

Ein direkter Vergleich mit der ersten Filmversion von 1982 macht alles noch viel schlimmer, wäre aber auch nicht ganz fair, denn beide Howard-Adaption gehen (genau wie die unsäglich TV-Serie „Conan the Adventurer“ mit Nichtschauspieler und Schwarzenegger-Freund Ralf Möller) völlig unterschiedliche Wege. Nispels Fassung ist, entgegen der gewohnt uninformierten Meinung einer Großzahl von Kritikern, kein Remake des Milius-Films. Ganz im Gegenteil habe man sich, so hieß es bereits frühzeitig, viel stärker an den Vorlagen aus Hyboria orientieren wollen. Am Ende erwies sich auch dies wieder nur als uneingehaltenes Versprechen.

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Einer der wenigen Lichtblicke dieses missglückten Versuchs, aus dem ungebrochenen Interesse an der Figur des Cimmerians (zuletzt belegt durch den Erfolg der Videospiels „Age of Conan“) neues Kapital zu schlagen, ist die allzeit bemerkenswerte Rose McGowan. Als Tyrannentocher mit magischen Kräften und angedeuteter inzestuöser Grundgesinnung bietet sie mit einer martialischen Maskierung nicht nur interessante Schauwerte, sondern verkörpert auch die einzige Figur, die nicht in allgemeiner Belanglosigkeit untergeht. Abgesehen von einer sinnlos-überflüssigen Reminiszenz an Freddy Kruegers berühmte Scherenhände ist Marique nach der beinamputierten Stripperin Cherry Darling in „Planet Terror“ ein weiterer McGowan-Charakter, der mehr Potential birgt als der Film selber. Insgesamt macht genau dies die ganze Angelegenheit aber nur noch eine Stufe ärgerlicher.

Wer gedankenlosen „Sword & Sorcery“-Nonsens sehen will, der sich selber nicht allzu ernst nimmt (noch ein Problem dieses Films), aber gerade deshalb kurzweilig unterhält, greift besser zur gerade erschienenen Sammleredition aus der „Roger Corman Cult Classic Collection“ mit leidlich absurden Muskelspielereien wie „Barbarian Queen“ oder „Deathstalker 2“ von B-Filmer Jim Wynorski. Alternativ ließe sich auch ein eigener „Conan“-Film drehen, denn in vielen Ländern sind Howards Geschichten längst Public Domain – ein Sachverhalt, den man bei den US-Rechteinhabern selbstverständlich ganz anders sieht. [LZ]

OT: Conan the Barbarian (USA 2011). REGIE: Marcus Nispel. BUCH: Thomas Dean Donnelly, Joshua Oppenheimer, Sean Hood. KAMERA: Thomas Kloss. MUSIK: Tyler Bates. DARSTELLER: Jason Mamoa, Rachel Nichols, Rose McGowan, Stephen Lang, Ron Perlman, Leo Howard, Morgan Freeman. LAUFZEIT: 113 Minuten.

Conan 3D

[Abbildungen © 2011 Warner Bros. Ent. All rights reserved]

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