Clown | Filmkritik: Bitte lächeln

03. März 2016

Clown | Filmkritik

Horrorfilme sind immer dann am effektivsten, wenn sie den Zuschauer dazu bewegen, sein Verhalten zu ändern: zum Beispiel beim Duschen vorher lieber die Badezimmertür abzuschließen (dank „Psycho“) oder – eine dokumentierte Katastrophe für den Tourismus – vom Badeurlaub am Strand Abstand nehmen (wegen „Jaws“). Nun wird es vermutlich zwar kaum soweit kommen, dass der Verkauf von Clownskostümen aufgrund dieser kleinen, aber leidlich originellen Independent-Produktion einen drastischen Einbruch erlebt. Einen Nutzen erweist der Film dem Berufsstand jedoch auch nicht.

„No good deed goes unpunished“, lautet die Tagline von Eli Roths Kannibalenschocker „The Green Inferno“. Gleiches gilt auch für den vom Meister produzierten (und übrigens hierzulande in der gleichen Woche veröffentlichten) „Clown“. Denn als der gebuchte Spaßmacher nicht auf dem Geburtstag seines kleinen Sohnes erscheint, springt Immobilienmakler Kent kurzerhand selber ein. Das passende Outfit findet er zufällig in der Garderobe eines verstorbenen Klienten, zieht es rasch über – und bekommt es danach nicht mehr vom Leib. Weil es unlösbar festklebt, nein, eigentlich: Weil es mit Kents Körper geradezu verwachsen ist.

Daran wird sich auch bis zum Ende des Films nichts ändern (wie der bedauernswerte Vater da mit seiner Notdurft umgeht? Who knows). Schlimmer noch: Je länger das Kostüm inklusive Schminke und dämlicher Perücke an ihm kleben bleibt, desto mehr verändert sich auch Ken selbst, denn ein jahrtausendealter Dämon ergreift Besitz von ihm – der Urvater aller Clowns, eine grausame Kreatur aus alter Zeit, ein Kinderfresser, der erst Ruhe gibt, wenn er seinen Hunger gestillt hat. Womit auch dies wieder ein Film über Kannibalismus wäre.

Clown

Klingt auf dem Papier ganz schön gaga, funktioniert in der Ausführung aber erstaunlich gut. Das muss umso mehr überraschen, als dass der Film auf einem Fake-Trailer beruht, der 2010 behauptete, angeblich einen neuen Schocker von – genau – Eli Roth anzukündigen. Der wiederum fand die Idee und letztlich auch die Frechheit der Macher so gut, dass er sich motiviert sah, der Angelegenheit eine echte Chance zu geben. Als ganz so einfach erwies sich die Ausführung dann aber doch nicht und es dauerte geschlagene vier Jahre, die blutige Clownerei fertigzustellen.

Ob sich der Aufwand gelohnt hat, darüber kann man geteilter Meinung sein. Für Genrefans hat das Zusammentreffen von Slasher und Creature-Feature jedenfalls seinen Reiz, zumal Tabuthemen organisch in die Geschichte integriert sind: Kinder werden nicht nur getötet, sondern anschließend auch noch genüsslich verzehrt; Kent verspürt Appetit auf den eigenen Sohn; und seine Frau entführt ein kleines Mädchen, das sie dem Monster zum Fraß vorwerfen will, um ihre Familie zu retten. Dass der Film neben allem Grauen auch noch Raum für schrägen Humor findet (so etwa in Gestalt einer absurden Selbstenthauptung), balanciert so manche Kröte aus, die man hier und da schlucken muss, um am Ball zu bleiben.

Evil Clowns mögen im Horrorumfeld bislang zwar nie so richtig ikonischen Status erlangt haben, erfreuen sich aber doch größerer Beliebtheit (bzw. Unbeliebtheit) als man zunächst glauben mag. Nicht umsonst hat sich der mehr oder weniger populärwissenschaftliche Begriff der Coulrophobie irgendwann im Umfeld von Stephen Kings „IT“ zunehmend breit gemacht. Die Zahl weiß geschminkter Possenreißer mit üblen Absichten ist allerdings auch unabhängig von Pennywise Legion. Bekannteste Beispiele sind im Mainstream Carol Anns grinsende Clownspuppe aus „Poltergeist“ und am anderen Ende der Nahrungskette Captain Spaulding (Sid Haig) aus Rob Zombies „House of 1000 Corpses“ und „The Devil’s Rejects“. Kents Alter Ego befindet sich also in guter Gesellschaft. [LZ]

OT: Clown (USA/CA 2014). REGIE: Jon Watts. BUCH: Jon Watts, Christopher Ford. MUSIK: Matt Veligdan. KAMERA: Matthew Santo. DARSTELLER: Andy Powers, Laura Allen, Peter Stormare, Christian Distefano, Chuck Shamata, Elizabeth Whitmere, Matthew Stefiuk, Eli Roth. LAUFZEIT: 95 Min (DVD), 99 Min (Blu-ray). VÖ: 01.03.2015.

Clown | DVD-Cover

[Abbildungen: Tiberius Film]

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