Clive Barkers NIGHTBREED erstmals in einer ungekürzten Rohschnittfassung zu sehen

06. Februar 2010

Nightbreed

Von den drei Filmen, bei denen der britische Horrorautor Clive Barker bislang auf dem Regiestuhl gesessen hat, konnte lediglich „Hellraiser“ eine breitere Öffentlichkeit erreichen. Die ikonische Figur des Pinhead gehört zu den bekanntesten Erfindungen des Genres, doch im Grunde ist sie nur ein Beispiel für Barkers ausufernde Monster-Fantasien. Seine zweite Regiearbeit hatte sich nicht weniger zum Ziel gesetzt, als eine Art „Star Wars“ des Horrorkinos zu werden. An bizarren Kreaturen sollte es nicht scheitern, denn die Geschichte um die unterirdische Stadt Midian, die von allerlei erschreckenden Gestalten bevölkert ist, bot reichlich Raum für ebenso grauenerregende wie faszinierende Fabulierlust. Im Weg standen Barker damals allerdings die Entscheider von Fox und Morgan Creek.

Die vergleichsweise wenigen, die den fertigen Film 1990 unter dem Titel „Nightbreed“ zu sehen bekamen (die Studioverantwortlichen konnten mit „Cabal“, wie Barkers Romanvorlage hieß, wenig anfangen), blieben ratlos zurück. Was von Fox nach ausgiebigen Kürzungen schließlich in die Kinos gebracht worden war, hatte kaum mehr etwas mit Barkers ursprünglicher Vision zu tun. Von der etwa zweieinhalbstündigen Schnittfassung des Autors waren grob zusammengestauchte 102 Minuten übrig geblieben, die in vielerlei Hinsicht keinen rechten Sinn machen wollten.

„Nightbreed“ erwies sich als typisches Beispiel für die Scheuklappenpolitik großer Studios. Nachdem das Projekt mehr oder weniger uneingeschränkt grünes Licht bekommen hatte, war man bei Morgan Creek dazu übergegangen, zunehmend Bedenken auszubrüten. Die Streichung des originalen Titels markierte bereits den Anfang vom Ende. Ganze 12 Mal musste der Film schließlich geschnitten werden, um von der MPAA das gewünschte R-Rating zu bekommen. Danach war von der Ursprungsfassung schlicht nichts mehr übrig. Die aus heutiger Sicht vergleichsweise lächerlichen 11 Millionen USD, die man dem Autor damals als Budget zur Verfügung gestellt hatte, wären mit größerem Vertrauen in die Macher vermutlich problemlos einspielbar gewesen. So jedoch hatte man sich zwischen alle Stühle gesetzt und konnte keine Zielgruppe zufrieden stellen.

Lange Jahre war Barker hinter den Verantwortlichen hergelaufen, immer wieder hatte man ihm versprochen, einen Director´s Cut erstellen zu lassen – aber nichts geschah. Das fehlende Material schien verloren, doch tatsächlich lag es (und liegt es immer noch) unbeschädigt in den Giftschränken des Studios. Eine Veröffentlichung aber, so einer der Verantwortlichen, werde es nicht geben. Zu gering sei das Käuferpotential und deshalb eine Aufbereitung schlicht unrentabel.

Jetzt jedoch ist eine VHS-Kopie der ursprünglichen Schnittfassung aufgetaucht, und sie enthält rund 44 Minuten mehr als die offizielle Kinoversion. Eine (zunächst) einmalige öffentliche Aufführung wird es in Anwesenheit des Autors und einiger Mitglieder der originalen Besetzung (aber wohl ohne David Cronenberg) am 27. März auf dem HorrorHound Weekend Indianapolis geben. Eine Petition auf Barkers Homepage versucht zeitgleich, eine möglichst große Anzahl von Fans zu mobilisieren, um den Studioverantwortlichen eine Idee davon zu verschaffen, wie groß das Interesse für eine mögliche Veröffentlichung tatsächlich ist.

Ob hier ein Schritt hin zu einer späteren offiziell zugänglichen Version des Films gemacht wird, kann man trotz allem Enthusiasmus der Beteiligten bezweifeln, zumal der von Barker 2008 produzierte „Midnight Meat Train“ hinsichtlich einer Kinoauswertung mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.

Nightbreed

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