Christopher Salmon: Adapting THE PRICE by Neil Gaiman | Interview (deutsche Fassung)

15. November 2010

The Price | Neil Gaiman | Filmemacher Christopher Salmon im Interview

Crowdfunding scheint für unabhängige Filmemacher mehr und mehr eine echte Alternative zu klassischen Finanzierungsmodellen zu werden – speziell im Hinblick auf Projekte, die deutlich von den standardisierten Vorstellungen der Industrie, aber auch der jeweiligen Förderungsanstalten abweichen. Christopher Salmon ist diesen Weg eingeschlagen. Doch sein Kurzfilm hebt sich nicht nur deutlich von anderen Projekten ab, die ihr Glück per Crowdfunding versuchen, sondern nimmt auch im Genre an sich eine Sonderstellung ein. Der Filmemacher aus Utah mit einem umfassenden Hintergrund als Art Director für Videospiele und Kunden wie Disney Interactive, Atari oder Majesco arbeitet an einer computeranimierten Adaption von „The Price“, einer Kurzgeschichte von Neil Gaiman – und das mit voller Unterstützung des Autors selber. Salmons Demo-Video und seine entwaffnende Begeisterung hatten schnell ein breites Publikum angezogen, und so war bereits nach drei Wochen nahezu ein Drittel des Gesamtbudgets von insgesamt 150.000 USD zusammen gekommen. Mit uns sprach er über die Ursprünge seines Projekts, Reaktionen von Fans, seine Leidenschaft für Monster und die nachhaltige Wirkung von „The Price“.

screen/read: Christopher, danke, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Schon beim ersten Ansehen Deines Demovideos hatte ich direkt das Gefühl, dass Du da etwas machst, was sich von den meisten Projekten grundlegend unterscheidet, die sich sonst so auf Crowdfunding-Seiten wir Kickstarter finden lassen. Es war ganz offensichtlich, dass Du eine kraftvolle Vision von etwas hast, von dem Du glaubst, dass es einfach gemacht werden muss. Nun ist „The Price“, die Kurzgeschichte, die Du mit Deinem Film adaptierst, ja nun alles andere als eine klassische Erzählung, und es gibt nicht einmal Dialoge. Die Idee, hieraus einen Film zu machen, liegt also eigentlich nicht unbedingt auf der Hand. Für Dich war das allerdings tatsächlich der erste Gedanke.

Christopher Salmon: Das passiert ziemlich oft, wenn ich etwas lese. Ich visualisiere es, und was Neil schreibt, regt das visuelle Vorstellungsvermögen ohnehin sehr an. Da war irgendetwas an dieser Geschichte, das mich dazu bewegt hat zu sagen, das hier will ich machen. Also habe ich Neil einfach in einer Email von meiner Idee erzählt, und davon, was ich vorhatte, und dann kam tatsächlich eine Woche später eine Antwort zurück! Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich schon eine ganze Weile über ein Projekt nachgedacht, das ich alleine auf die Beine stellen könnte. Ich habe eine Menge im Umfeld von Videospielen gearbeitet und mir dabei eine Handvoll Fähigkeiten angeeignet, die es mir erlauben, unterschiedlichste Aufgaben selber zu bewältigen. Also war ich auf der Suche nach etwas als eine Art Projekt nebenher, bei dem ich das meiste selber machen konnte, ohne eine größere Anzahl von Leuten anheuern zu müssen, die mir dabei helfen.

screen/read: Das ist schon ziemlich ungewöhnlich, dass Neil Gaiman da tatsächlich geantwortet hat. Er bekommt ja sicher eine unfassbare Menge von Fan-Anfragen, also muss ihn Deine schon auf besondere Weise angesprochen haben.

Christopher Salmon: Das denke ich auch. Klar fragen eine Menge Leute Dinge bei ihm an, aber in meinem Fall war es so, dass ich ja gar nichts von Neil haben wollte. Ich habe einfach nur gesagt, „Ich habe da diese Idee, ich würde gerne eine Art CG-Animationsfilm aus dieser Kurzgeschichte machen. Was muss ich tun, um die Rechte dafür zu bekommen?“ Im Grundsatz habe ich allerdings die Erfahrung gemacht, dass Autoren unter der Bedingung, dass ihnen gefällt, was man macht, auch das Bedürfnis haben, mit einem zusammenzuarbeiten. Ich habe zum Beispiel einmal an einem Videospiel-Projekt namens „Advent Rising“ gearbeitet, und wir bekamen da einiges an Hilfe von einem anderen tollen Autor, Orson Scott Card, der die „Ender’s Game“-Serie geschrieben hat, und das lief auch ausgesprochen gut.

screen/read: Einmal verglichen mit den berüchtigten „Dollar Babies“, die auf Kurzgeschichten von Stephen King basieren und in den allermeisten Fällen von ziemlich fragwürdiger filmischer Güteklasse sind, ist Dein Ansatz ja schon auf den ersten Blick in höchstem Maße professionell. Als Du zum ersten Mal drüber nachgedacht hast, hattest Du da schon eine Idee davon, wie das fertige Produkt aussehen würde, oder in welche Richtung Du Dich hinsichtlich Technik, Look, Sound, Atmosphäre etc. bewegen würdest? Und hattest Du möglicherweise vergleichbare Filme im Hinterkopf, wie etwa „Coraline“ zum Beispiel?

Christopher Salmon: Nein, nicht wirklich, denn ich hatte die Idee bereits 2006. Das war etwas, mit dem ich schon eine ganze Weile gedanklich gespielt hatte.  „Coraline“ war damals noch nicht gedreht worden, aber das war tatsächlich die erste Geschichte von Neil, aus der ich einen Film machen wollte. Ich fand dann allerdings ziemlich schnell heraus, dass die Rechte bereits an Henry Selick vergeben waren, der dann später den Film gemacht hat. Dann stieß ich aber auf „The Price“, und diese Geschichte liebte ich mindestens genauso sehr. Also habe ich mich einfach kopfüber da hineingestürzt und mir gesagt, das hier ist, was ich machen will.

The Price | Neil Gaiman | Christopher Salmon

screen/read: Du hast in Deinem Werbeclip ja schon angedeutet, dass Du zunächst einen klassischen Animationsfilm machen wolltest und Dich dann aber für eine Art Motion Comic entschieden hast. Was genau war die Motivation, da einen anderen Weg einzuschlagen?

Christopher Salmon: Neils Agent war bei unserer ersten Begegnung ziemlich offen und ehrlich zu mir im Sinne von „Wer bist Du eigentlich?“, und da wurde mir klar, dass ich etwas brauchte, das ich ihm zeigen konnte. Also habe ich mich hingesetzt und begonnen, Animatics zu erstellen, ein Video vorzubereiten und eine ganze Menge Bilder zu zeichnen. Aber dann wurde das alles immer ausgefuchster, und ich fand, dass ich ein fertiges Stück rundum abgeschlossener Animation haben sollte. Also machte ich die ganze Sache in diesem irgendwie blauweißen Look, um zu zeigen, dass das nur vorübergehend war. Ich legte etwas Geld zur Seite und beauftragte jemanden, mit beim Erstellen eines 3D-Modells von eimem der Charaktere zu helfen, des Teufels nämlich, weil ich mir dachte, diese Figur wäre für ein Demo die wichtigste. Also ließ ich sie modellieren und animieren und einen vollständigen 3D-Hintergrund bauen. Wenn man sich das Animatic-Demo jetzt ansieht, läuft es von den sich bewegenden Bildern bis zu dem Punkt, wo der Teufel auftaucht, und da war er dann eben: gänzlich animiert. Er sah ziemlich cool aus, also habe ich das Demo dann zusammengebaut. Der Effekt war gut, und es hat wirklich jedem gut gefallen, aber dann habe ich begonnen zu kalkulieren, was es mich kosten würde, die ganze Sache zu animieren. Und das stellte sich als echtes Problem heraus, denn, wie Du gesagt hast, es ist eine Kurzgeschichte, also muss es ein Kurzfilm sein, und zudem einer ohne klassische Erzählstruktur. Und als ich begann, über eine mögliche Finanzierung zu sprechen, begann jeder mit dem üblichen Hollywoodmodell im Sinne von „Wie willst Du damit Geld machen, wenn der Film so kurz ist?“

Es würde alles zusammen ganz locker etwa eine Million Dollar kosten, und das für einen Film, der gerade mal etwa zwanzig Minuten dauert. Und das passt einfach nicht zusammen. Ich war also ziemlich frustriert und dachte mir, ich könnte zwar ein paar Freunde um Hilfe fragen und damit den Preis senken, aber das würde auf Kosten der Qualität gehen – und das, während Animationsfilme an sich ständig besser und besser aussehen. Man muss sich nur „Drachenzähmen leicht gemacht (How to train your Dragon)“ ansehen und die Detailgenauigkeit, die da vorherrscht. Aber dann kam mir ein anderer Gedanke, und mir wurde bewußt, dass diese einfachen kleinen Zeichnungen, die sich ein bisschen bewegten, bereits als Mittel hilfreich waren, um die Geschichte zu erzählen. Denn jeder, dem ich das Demo gezeigt hatte, war auf emotionaler Ebene stark bewegt. Und es schien auch einfach zu passen, weil Neil ursprünglich mit Comics und Graphic Novels angefangen hat. Also habe ich mir gesagt, ich kann immer noch hochauflösende 3D-Modelle bauen und sie aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen, aber ich muss sie nicht vollständig animieren. Und das ist cool, das ist ein anderer Look, ein anderes Feeling, und es passt zum Projekt an sich, also kann ich das Kind aus dem Brunnen holen, obwohl es noch gar nicht reingefallen ist.

The Price | Neil Gaiman | Christopher Salmon

screen/read: Nun sind 150.000 Dollar schon eine ziemliche Summe und wesentlich mehr, als was man sonst so auf Kickstarter oder anderen Crowdfunding-Seiten findet. Umso überraschender ist es zu sehen, wie schnell Leute reagiert haben, und wie viel Geld in einer vergleichsweise kurzen Zeit zusammen gekommen ist.

Christopher Salmon: Ja, aber da gibt es auch andere Projekte auf Kickstarter mit vergleichbarem Budget, die ihr Ziel bereits erreicht haben. Du hast vielleicht dieses eine mit dem Titel „Blue Like Jazz“ gesehen, das gerade seine Finanzierung abgeschlossen hat. Die hatten einen Bedarf von 125.000, und am Ende waren um die 349.000 zusammen gekommen. Sowas ist also tatsächlich möglich. Kickstarter war der Ort, wo ich begriffen habe, dass es Leute gibt, die diesen Film haben wollen, sehen wollen, kaufen wollen und ihn unterstützen wollen. Das sind Fans, also können wir einen Weg finden, sie zu erreichen. Neil hat ganz offensichtlich eine starke Fangemeinde im Netz, und wenn die den Film sehen will, dann kann sie ihn wahr werden lassen. Und wenn nicht, dann bin ich wieder so weit, wie ich noch vor zwei Wochen war, und das ist dann auch in Ordnung.

screen/read: Hast Du auch auch andere, traditionellere Möglichkeiten der Finanzierung ausgetestet, bevor Du zu Kickstarter gegangen bist?

Christopher Salmon: Es gab eine Reihe von Versuchen, aber keiner davon hat zu irgendetwas geführt. Es ist einfach schwierig, jemanden zu finden, der in progressiver Weise darüber nachdenkt, was man mit einem Film wie diesem machen könnte. Die meisten wollen einfach in den üblichen Schienen weiterfahren. Immer wieder habe ich Leute sagen hören, „Vielleicht könnten wir da eine TV-Serie draus machen“ oder „Kannst Du das zu einem zweistündigen Spielfilm verarbeiten?“ Nein, kann ich nicht, das ist nicht die Geschichte, das ist nicht der Witz dabei. Wie Du gesagt hast, es gibt keine traditionelle Erzählstruktur, sondern eine, die zum Weiterdenken anregen will.

screen/read: Einen Spielfilm daraus zu machen, wäre ja völlig absurd und würde die ganze Idee dahinter zerstören.

Christopher Salmon: Genau, aber die haben das eben mit Ernsthaftigkeit so gesagt, weil sie versuchen wollten, mein Projekt an dasjenige anzupassen, was sie bereits kennen.

screen/read: Und weil sie Geld damit machen wollen. Für ein klassisches Investitionsmodell ist so ein Projekt also völlig untauglich. Aber unabhängig davon, wie sehen Deine Pläne für den Vertrieb aus? Hast Du da unabhängig von Festivals spezielle Optionen im Blick?

Christopher Salmon: Im Moment nicht wirklich. Als ich damit begonnen hatte, andere Leute für das Projekt zu interessieren, habe ich Focus Features und Universal angesprochen, die „Coraline“ herausgebracht haben, weil nämlich mein erster Gedanke war, es so zu machen wie Pixar früher, als sie ihre Kurzfilme vor dem Hauptfilm gezeigt haben. Ich habe also gesagt, „Schaut mal, das wird eine tolle Sache, und ich bin dabei, es zu finanzieren“, aber niemand war interessiert. Also will ich die Sache einfach fertig kriegen und mich danach dann um alles andere kümmern. Aber vor dem Hintergrund der ganzen Aufmerksamkeit, die das Projekt bisher bekommen hat, habe ich das Gefühl, dass wir es auf Festivals schaffen, dass wir den Film gezeigt bekommen, und dass diese Schritte sich ganz natürlich ergeben.

The Price | Neil Gaiman | Christopher Salmon

screen/read: Wie viele Leute denkst Du werden mit Dir an dem Film arbeiten, wie groß wird die Crew sein?

Christopher Salmon: Es wird auf jeden Fall ein sehr, sehr kleines Team. Ich habe eine Menge Zeichnungen gemacht, eine Menge Figuren gebaut, eine Menge Special Effects erstellt, aber ich mache keine 3D-Modelle. Bei der Arbeit als Creative Director von Videospielen habe ich eine Menge gelernt, aber ich habe mich nie in 3D-Programme eingearbeitet. Ich habe eine Handvoll Leute, die da wirklich sehr, sehr talentiert sind, geradezu spektakulär, möchte ich sagen, und diese Jungs werden mit helfen, die Modelle und anderes zu bauen. Ich kümmere mich dann um Kamera, Licht und Effekte, und auf diesem Weg erzielen wir dann diesen speziellen 2½ D-Look. Es wird ein bisschen komplexer als der Motion Comic aus dem Demo, aber es bleibt trotzdem dieselbe Grundidee mit virtueller Kamera und Schärfentiefe und so weiter. Ich glaube, dass wir einen sehr schönen und einzigartigen Look haben werden, wenn alles fertig ist.  Was den Sound und die Musik angeht, werde ich andere Leute damit beauftragen. Wir sind sogar mit Zoe Keating, einer bekannten Cellistin, im Gespräch, die vielleicht auf dem Soundtrack spielen wird. Es gibt also eine Menge unterschiedlicher Elemente, aber im Grundsatz will ich es auf kleiner Flamme halten und jeden Cent dazu nutzen, alles einfach fantastisch aussehen zu lassen.

screen/read: Aus gutem Grund. Würde die ganze Sache zu aufgeblasen, würde das der Geschichte völlig widersprechen.

Christopher Salmon: Das sehe ich ganz genauso. Und eben darum geht es. Ich weiß, dass 150.000 Dollar zunächst mal nach einer Menge Geld klingen, aber wenn ich anfange, darüber nachzudenken, wie viel Zeit es kostet, auch nur ein einziges 3D-Modell mit all den kleinen Details zu bauen, da gehen Wochen an Arbeit ins Land, und die Leute, die das machen, sind ungemein talentiert. Da kann ich nicht einfach fragen, ob sie das umsonst für mich machen. Wir haben das alle unser ganzes Leben lang gehört: „Das nächste Projekt wird ein Riesending, damit machen wir alle großes Geld“, aber genau das passiert einfach nie. Also will ich diese Leute vernünftig bezahlen und im Gegenzug die bestmögliche Qualität bekommen.

The Price | Neil Gaiman | Christopher Salmon

screen/read: Lass uns ein bisschen über Deine Herkunft sprechen. Wie bist Du zur Animation und zum Filmemachen an sich gekommen?

Christopher Salmon: Eigentlich wollte ich schon immer irgendwas mit Filmen zu tun haben, ein Regisseur sein. Und schon als Kind war ich von Monstern fasziniert. Monster waren in allen Formen und Größen einfach cool für mich, und das hatte nicht einmal etwas mit Horrorfilmen zu tun, obwohl sie dort natürlich meistens zu finden sind. Ich habe Monster gezeichnet und Bücher darüber gelesen, wie man selber welche baut, und das dann auch getan. Mein Vater war Zahnarzt, und deshalb konnte er mir die passenden Materialien besorgen, um Zahnreihen zu bauen und Klauen und Augen. Er hatte außerdem eine Kamera, und ich habe immer versucht, meine eigenen Science-Fiction-Filme zu drehen, auch wenn das nie wirklich geklappt hat. Als ich dann aber 1981 oder 82 auf die Highschool kam, hatten die dort eine richtig hochwertige Videoausstattung, und das war für mich wie Schokolade. Ich habe nie Sport betrieben, sondern war immer damit beschäftigt, Monster zu machen, Filme zu drehen, Dinge zu malen, Geschichten zu schreiben, ich habe sogar versucht, Musik zu komponieren und generell einfach alles zu lernen, was nötig ist, um meine eigenen Filme zu drehen. Und das ist eben immer so weiter gegangen.

Später dann, als ich schon etwas älter war, habe ich eine Menge Makeup-Künstler angeschrieben und gefragt, ob ich für sie arbeiten könnte, und an einem bestimmten Punkt bin ich dann als eine Art Creative Director bei Videospielen gelandet. Und obwohl das nicht wirkliches Filmemachen war, hatte es doch damit zu tun, Welten zu kreieren und Charaktere und Atmosphäre. Irgenwann fand ich dann heraus, dass eine Menge dieser Firmen und der großen Spielverlage, von denen sie finanziert wurden, nicht wirklich über die Vermarktung ihrer Produkte nachdachten, solange sie noch nicht fertig waren. Ich dachte genau in die andere Richtung im Sinne von: Wir brauchen Poster, wir brauchen das Internet und anderes mehr. So bin ich dann immer mehr in den Marketingprozess hineingerutscht. Und das ist, was ich jetzt auf professioneller Ebene mache, Marketing mit Motion Graphics und Werbefilmen für eine Reihe unterschiedlicher Kunden, und auf diesem Weg bin ich da gelandet. But eigentlich war mir die ganze Zeit über das Filmemachen immer das liebste. Ich lese alles darüber, was ich kriegen kann, ich sehe mir soviel an wie möglich, und dabei vor allem das Behind-the-Scenes-Material, denn das ist in gewissem Sinn die beste Filmschule der Welt. Der ganze kreative Prozess fasziniert mich einfach. Und Videospiele waren ein guter Boden, von dem aus ich gestartet bin. Es gibt da eine Menge unglaublich guter Leute, und es hat mir wirklich eine Menge geholfen.

screen/read: In Deinem Büro gibt es ja einige Monster und sonstige Kreaturen zu sehen, um eine ziemlich klare Idee davon zu bekommen, was Dich fasziniert und motiviert.

Christopher Salmon: [lacht] Irgendwie schon. Wenn mich Freunde besuchen kommen, sollte mir das eigentlich unangenehm sein, aber das ist es nicht. So bin ich eben, und das ist, was mich motiviert und bewegt, und es hat nichts mit Horror zu tun, sondern es ist einfach dieser fantastische Look, den ich so sehr mag.

screen/read: Die Musik in Deinem Demo, ist das ein Temp Track oder schon eine Originalkomposition?

Christopher Salmon: Ja, das ist leider nur ein Temp Track, und den kann ich für den fertigen Film nicht nutzen. Die Idee dahinter war, die einzelnen Stücke so zu einzusetzen, dass es klingt, als wären sie extra für diesen Film geschrieben worden. Ich habe mir einfach tonnenweise Soundtracks angehört, bis ich gefunden hatte, was sich für mich richtig anfühlte. Ich hatte eine Kopie eines Hörbuchs, das Neil besprochen hatte, und das habe ich mit der Musik zusammen geschnitten, bevor es auch nur ein einziges Bild gab, einfach um ein Gefühl für das Tempo und die Atmosphäre zu bekommen. Für mich ist ein Film genauso sehr das, was man hört, wie das, was man sieht, und deshalb gab mir das eine klare Vorstellung von dem, was ich visuell zu tun hatte.

screen/read: Ich denke, das die Erzählung aus dem Off in Kombination mit der Musik speziell in einem Fall wie diesem, wo es überhaupt keinen Dialog gibt, schon sehr, sehr wichtig ist, um die richtige Stimmung zu erzeugen. Und obwohl das nur ein Temp Track ist, klingt das schon ziemlich genau so, wie der eigentliche Score später sein sollte.

Christopher Salmon: Genau. Mein Freund Rob King ist ein ausgesprochen talentierter Komponist und Klangprofi. Er ist derjenige, der diese Nuss knacken wird. Ausserdem werden wir Neils Stimme speziell für den Film aufnehmen, und da muss die Musik natürlich auch passen.

The Price | Christopher Salmon adapting a story by Neil Gaiman

screen/read: Was glaubst Du erwarten die Leute, insbesondere Fans von Neil Gaiman, wenn sie in Deinen Film investieren?

Christopher Salmon: Ich lese jetzt all die Kommentare auf Kickstarter, und ich bin tatsächlich ziemlich überwältigt davon, dass soviele Leute genauso über die Geschichte denken wie ich. Sie sagen Dinge wie, „Das ist eine meiner Lieblingsgeschichten“, „Die wollte ich schon immer als Film sehen“, „Das ist zu schön, um wahr zu sein, dass Du das wirklich machst“. Der Zuspruch der Leute ist einfach riesig. Und kein einziger hat bisher gesagt, „Du verlangst viel zu viel Geld“ oder sonst irgendetwas Negatives. Und mehr noch als vorher bin ich total versessen darauf, das Geld hierfür zusammen zu bekommen und den Film nach draußen zu bringen. Eben weil da so viele Leute sind, die ihn sehen wollen. Es mag seltsam klingen, wenn jemand das sagt, der so sehr von Monstern besessen ist, aber ich will einfach etwas erzählen, das ein bisschen Hoffnung gibt und etwas Positives mit sich bringt, über das man nachdenken kann. Für mich ist diese Geschichte sehr kraftvoll und hat viele unterschiedliche Ebenen, mit denen jeder etwas anderes anfangen kann. Und das ist eben der Typus von Geschichten, der mir etwas bedeutet.

screen/read: Christopher, ich drücke Dir die Daumen, dass Du Dein Ziel bis zum 1. Dezember erreichst, und falls es wider Erwarten doch nicht klappen sollte, bin ich mir sicher, dass Du mit all der Leidenschaft und Begeisterung für dieses Projekt in jedem Fall auch einen anderen Weg finden wirst.

Christopher Salmon: Das freut mich sehr. Danke für dieses Interview.

[Dieses Interview haben wir am 6. November geführt. Das Gesamtbudget von 150.000 USD  wurde zum 1. Dezember erfolgreich eingespielt (mehr dazu hier). Eine Zusage von Zoe Keating ist mittlerweile erfolgt.]

Christopher Salmon

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