Back to the 60s: Christina Ricci fliegt mit PAN AM

23. Mai 2011

Pan Am

Noch eine neue US-Serie, die das Lebensgefühl und Zeitkolorit der frühen 60er Jahre feiert. Während NBC mit „The Playboy Club“ in die Welt von Bunnys, Cocktails und Havannas eintaucht, hebt ABC mit „Pan Am“ in höhere Gefilde ab. Beide Produktionen haben jede Menge gemein. Klinisch rein ist die Ausstattung, klar aufgeteilt das Gesellschaftsbild. Die weibliche Hauptrollen sind mit Amber Heard im ersteren und Christina Ricci im letzteren Fall prominent besetzt, und doch stehen Männer auffällig im Mittelpunkt der Handlung. In erster Linie aber docken beide Produktionen am Erfolgsmodell von „Mad Men“ an, und das mit gutem Grund.

Die Serie um die fiktive Werbeagentur „Sterling & Cooper“ auf der New Yorker Madison Avenue hat ein Erfolgsmodell in Gang gesetzt, das bei Publikum wie Kritik gleichermaßen gut ankommt. Look und Feel der Zeit sind detailgenau nachempfunden, und die Einbindung historischer Ereignisse sorgt für einen angemessen realitätsgetreuen Eindruck. Doch genau das ist selbstverständlich Nonsens. Was hier als ein Abbild eines Jahrzehnts verkauft wird, spielt mehr oder weniger in einem Paralleluniversum, das mit der Wirklichkeit nur sehr bedingt zu tun hat.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Die idealisierte Variante eines Amerikas der 60er, in dem es ebenso konservativ wie kosmopolitisch zugeht, lässt sich gut verkaufen, und das auch ganz wörtlich. Aus Sicht der Historikers Michael Allen, der Seminare über „Man Men“ abhält, ist das Konzept hochgradig werbewirksam, „weil es Werte der oberen Mittelklasse widerspiegelt.“ Das angepriesene Produktumfeld ist entsprechend ausgerichtet, klar definiert und der werbetreibenden Industrie gezielter zu verkaufen. Und darum geht es den betreffenden Networks nun einmal in erster Linie.

Im Wesentlichen weiß und gut gebildet seien die Menschen der Serien-60er, so Allen weiter, und deshalb nicht wirklich repräsentativ für die Mehrheit der Amerikaner jener Zeit. Die Nähe zu Gesellschaftskomödien wie „Lover come back“ oder dessen 2003er Quasi-Remake „Down with Love“ ist eben wesentlich größer als zur tatsächlichen historischen Realität. Nicht umsonst swingen die Trailer der beiden neuen Serien gut gelaunt zu zwei Sinatra-Titeln.

„Pan Am“ spielt in den revolutionären frühen Jahren des Düsenzeitalters, als sich erstmals innerhalb weniger Stunden um die halbe Welt reisen ließ. Pan American war die erste Fluggesellschaft, die mit der neuen Technik von New York nach Paris flog und dazu an Bord die Korken knallen ließ. Die Stars der Serie sind jedoch nicht die Macher hinter dem Konzern, sondern (ähnlich den Bunnys im „Playboy Club“) die Piloten, Stewards und Stewardessen – allesamt hoch kultivierte, gebildete und durchweg gutaussehende Imageträger. In den Worten des Pressetextes:

„The planes are glamorous, the pilots are rock stars and the stewardesses are the most desirable women in the world.”

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[Abbildungen: Screencaptures © ABC]

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