Archiv für die Kategorie ‘Filmkritik’

Kurz belichtet: Der Nebelmann (La Ragazza nella Nebbia | 2017)

Montag, 10. September 2018

Der Nebelmann | La Ragazza nella Nebbia

Als ein 16-jähriges Mädchen verschwindet, gerät ein verschlafenes Alpendorf in den Fokus der Sensationsmedien. Ein umstrittener Sonderermittler (Toni Servillo, „La Grande Bellezza“) nutzt die Situation, um den möglichen Täter zu überführen, und erweist sich dabei als zynischer Manipulator. Wirft er der Meute den Hauptverdächtigen zum Fraß vor, ohne brauchbare Beweise in der Hand zu haben? Und warum verbringt er die Rahmenhandlung bei einem Polizeipsychologen, der gerne davon erzählt, dass er immer nach dem gleichen Fisch angelt?

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Titan | Filmkritik: Die Zukunft der Menschheit ist geschlechtslos

Samstag, 28. Juli 2018

Titan

Also dann. Auf der Erde wird es eng. Überbevölkerung und kriegerische Konflikte haben es ungemütlich werden lassen. Zeit also, dass man sich einen neuen Planeten ausguckt, der zur Besiedelung taugt. Da wäre zum Beispiel der Saturnmond Titan im Angebot. Besucht hat ihn bislang niemand, aber das soll sich jetzt ändern. Ein kleines Problem gibt es allerdings noch: So richtig tauglich ist der herkömmliche Mensch für das Leben auf der neuen Erde nicht. Hmm. Zum Glück gibt es die Wissenschaft, und die hat bereits das passende Doping entwickelt, um den regulären Homo Sapiens so aufzupeppen, dass der Kolonialisierung des Weltalls nichts mehr im Weg steht. So einfach könnte es sein. Aber natürlich geht die Sache gründlich schief.

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Hands of Stone | Filmkritik: Harte Männer tanzen nicht

Dienstag, 01. Mai 2018

Hands of Stone

Das Glück ist wie eine Frau, die man verführen lernen muss (was auch immer das heißen mag). Lebensweisheiten dieser Güteklasse trichtert Ray Arcel, eine echte Legende unter den Boxtrainern, seinem neuen Schützling nachdrücklich ein und ahnt dabei vermutlich nicht, wie dieser den Rat des Mentors parallel bei seiner zukünftigen Frau in die Tat umsetzt. Das Leben findet eben im Ring statt – das wissen wir seit den beiden einschlägigen (sic!) Klassikern des k.o.-Kinos. Für Roberto Durán, den ungestümen jungen Mann aus Panama, der die Amerikaner hasst, weil sie sich in seinem Land wie Kolonialherren aufspielen, trifft dieser Umstand uneingeschränkt zu. Als Zuschauer hingegen kann einen das ganz schön kalt lassen.

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Good Time | Filmkritik: Murphy’s Law

Mittwoch, 14. März 2018

Good Time

[Lesedauer: ca. 2:30 Minuten]

Man mag von Robert Pattinson ja halten, was man will, aber dass er es sich karrieretechnisch einfach machen würde, dürfte ihm niemand ernsthaft unterstellen. Denn während so mancher seiner Kollegen nicht schnell genug auf den Marvel-Zug aufspringen kann, sucht sich der gerade mal 31-jährige Engländer lieber Independent-Produktionen aus, die ihn schauspielerisch herausfordern, und bei denen er auch nichts dagegen hat, mal nur eine Nebenrolle zu spielen. Cronenberg, Herzog, Corbijn finden sich in seiner Filmographie, für „Die versunkene Stadt Z“ machte er sich fast unsichtbar, „The Childhood of a Leader“ (2015) kämpft immer noch mit dem Weltvertrieb. „Good Time“ bildet in dieser Reihe bemerkenswerter Entscheidungen jenseits eines breiten Zuschauergeschmacks keine Ausnahme.

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The Secret Man | Filmkritik: Whistleblowing

Montag, 05. März 2018

The Secret Man

[Lesedauer: ca. 2:00 Minuten]

Es ist für Amerika eine gute Zeit, um an aufrechte Frauen und Männer zu erinnern, die sich dem Druck antidemokratischer Kräfte in der eigenen Regierung entgegengestellt und damit nicht selten ihre Existenz aufs Spiel gesetzt haben. Gerade erst erzählt Steven Spielberg in „The Post“ eine solche Geschichte und erinnert gegen Ende in einem Atemzug an „All the President’s Men“, jenen Klassiker des politischen US-Kinos von 1976 über den Watergate-Skandal und dessen Protagonisten. Einer davon heißt dort lediglich „Deep Throat“ (damals Hal Holbrook), nach dem gleichnamigen Pornofilm, der die Nation mindestens so erschütterte wie die Verwicklung ihres Präsidenten in die Abhör-Affäre. Seinen echten Namen erfuhr die Öffentlichkeit erst 2005 und vergaß ihn auch gleich wieder. Dabei ist er in der Sache bis heute einer der bekanntesten Whistleblower nach Edward Snowden.

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American Assassin | Filmkritik: The Boring Legacy

Mittwoch, 28. Februar 2018

American Assassin

[Lesedauer: ca. 2:20 Minuten]

Seitdem er dank „Birdman“ in der allgemeinen Wahrnehmung wieder zu Hollywoods A-Liste gehört, hat Michael Keaton eine Reihe guter Entscheidungen getroffen, auch wenn nicht alle davon auf ein breiteres Publikum gestoßen sind (etwa „The Founder“). Dazu gehört zwar ein gutes Gespür, aber so ganz ohne Glück kommt man trotzdem nicht aus. Während der Dreharbeiten zu „American Assassin“ jedenfalls mag Keaton irgendwann aufgegangen sein, dass er hier eher danebengegriffen hat, und weil es da sowieso schon zu spät war und gerade eine alberne Dosis Torture Porn auf dem Plan stand, hat er möglicherweise die Chance genutzt, sich einfach mal in hemmungslosem Overacting auszuprobieren. Passiert den Besten.

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Alles Geld der Welt | Filmkritik: Mehr ist mehr

Montag, 15. Januar 2018

Alles Geld der Welt

[Lesedauer: ca. 3:15 Minuten]

Reich werden, das kann jeder, reich bleiben hingegen, das ist eine echte Leistung – doziert John Paul Getty I, zu seiner Zeit der vermutlich reichste Mann der Welt. Es ist der zentrale Glaubenssatz, in dem alle Fäden seines Handelns zusammenlaufen (zumindest in dieser Filmversion des historischen Getty aus der Feder von David Scarpa). Nachvollziehbar also, dass er für die Freilassung seines entführten Lieblingsenkels Paul weder die geforderten 17 Millionen Dollar, noch später 4, noch überhaupt irgendetwas zahlen will. Öffentlich begründet er seine Entscheidung wie ein Staatsoberhaupt: Er ist nicht erpressbar. Wer für einen Enkel zahlt, zahlt bald auch schon für alle anderen (und davon gibt es 14). Einen Vertrauten wird er an anderer Stelle mit der albernen Aussage abweisen, er könne sich das Lösegeld momentan schlichtweg nicht leisten. Punkt. Wer das alles für ziemlich unrealistisch hält, hat vermutlich noch nie mit Menschen zu tun gehabt, gegen die Dagobert Duck wie ein bescheidener Tagelöhner aussieht. Reichtum ist ein Wert an sich.

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Bright | Erster Netflix-Blockbuster ist die teuerste Schlaftablette der Welt

Samstag, 06. Januar 2018

Bright

[Lesedauer: ca. 3:30 Minuten]

In einem Anfall von Größenwahn (oder war es Ironie?) ließ Max Landis kürzlich den Rest der Welt wissen, dass „Bright“ das Potential hätte, sein persönliches Pendant zu „Star Wars“ zu werden. Angesichts des Ergebnisses kann man da nur verständnislos mit dem Kopf schütteln – eine Reaktion übrigens, für die der Film auch sonst eine Menge Anlässe bietet. Inzwischen ist der zugehörige Tweet zwar verschwunden, aber das Netz vergisst ja bekanntlich nichts. Was genau sich der Autor von „Chronicle“ (gut) und „Victor Frankenstein“ (weniger gut) dabei gedacht hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Viel wichtiger ist allerdings die Frage, wie es nur wenige Tage nach Veröffentlichung bereits zur Beauftragung eines Sequels kommen konnte, und was das für die zukünftige Politik von Netflix bedeuten mag.

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Unlocked | Filmkritik: Kein Franchise für Noomi Rapace

Sonntag, 12. November 2017

Unlocked

[Lesedauer: ca. 2:15 Minuten]

Es gibt Gründe, warum Filme wie dieser nach und nach vollständig aus den Kinos verschwunden sein werden: Sie haben kein Zielpublikum mehr. Für Blockbuster zu klein, für Arthouse zu Mainstream. Wer da bereit ist, sein hart verdientes Geld in ein Ticket zu investieren, gehört zu einer Minderheit. Die 90er, als das Sterben der mittelgroßen Leinwände noch unvorstellbar schien und CGI-freie Thriller wie „Class Action“ oder „The Pelican Brief“ ihre Kosten mithilfe prominenter Hauptdarsteller problemlos wieder reinholen konnten, sind lange vorbei. Heute gehören Produktionen wie „Unlocked“ den Streaming-Diensten. In seiner britischen Heimat spielte Michael Apteds aus der Zeit gefallenes Spionage-Allerlei gerade einmal rund 250.000 Pfund ein. In Deutschland reichte es lediglich für eine DVD-Premiere.

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mother! | Filmkritik: Paradise Lost

Samstag, 16. September 2017

mother!

[Lesedauer: ca. 2:50 Minuten]

Da fällt die Entscheidung nicht leicht: eigenwillige Variation einer Bestsellervorlage, ultimative Home-Invasion oder doch einfach der längste Witz der Welt? Bei der Premiere in Venedig fand die Uneinigkeit über Darren Aronofskys 120-minütige Totalzumutung ihren Niederschlag in einer konsequenten Kakophonie aus Buh- und Bravorufen. Seitdem hat sich die Lage kaum geändert. Kritiker- und Zuschauerreaktionen schwanken verlässlich zwischen Ablehnung, Bewunderung und völliger Ratlosigkeit. Mark Kermode zufolge soll den Teilnehmern einer Pressevorführung in England seitens des Verleihs geraten worden sein, den Film erst einmal sacken zu lassen [1]. Tatsächlich ist das die einzig sinnvolle Gebrauchsanweisung, denn „mother!“ (mit „Zing“-Laut auf dem Exklamationsszeichen) will es niemandem leicht machen, setzt sich in den Hirnwindungen fest und entwickelt dort ein parasitäres Eigenleben.

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Get Out | Filmkritik: Morgen schwarz, heute weiß

Donnerstag, 07. September 2017

Get Out

[Lesedauer: ca. 2:55 Minuten]

Am Ende von „Night of the Living Dead“ wird der Protagonist bekanntlich erschossen, weil man ihn für einen Untoten hält. Und weil er schwarz ist, werden bis heute Deutungen verfasst, die hier ein politisches Statement zu erkennen glauben. Für George A. Romero blanker Nonsens. Jegliches Kalkül wies er weit von sich, die Besetzung des farbigen Schauspielers Duane Jones sei reiner Zufall gewesen. Für die Wirkungshistorie ist das allerdings völlig belanglos, zumal schwarze Hauptfiguren im Horrorkino auch ein halbes Jahrhundert später noch Ausnahmefälle sind. Jordan Peele ist sich dessen wohl bewusst, und die Einflüsse, die seinem Debütfilm zugrundeliegen, reichen zurück bis zu „White Zombie“, jenem Pre-Code-Klassiker, der Rassismus als Thema erstmals ins Genre einführte, ohne ihn freilich zu thematisieren.

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Generation der Verdammten | BBC-Weltkriegsdrama ist vor allem bebilderte Historie

Samstag, 02. September 2017

Generation der Verdammten

[Lesedauer: ca. 2:00 Minuten]

Wer sich während der arg zerdehnten 180 Minuten dieses Mehrteilers auf seltsame Weise an seine Schulzeit erinnert fühlt, ist damit nicht allein. „The Passing Bells [dt. Generation der Verdammten]“ gehört zu jenem Typus bebilderter Historie, den Geschichtslehrer gerne einsetzen, um sich die Vorbereitung mehrerer Stunden Unterricht zu ersparen. Die BBC hatte die Produktion im Rahmen des weltweiten Gedenkprogramms zu 100 Jahren Erster Weltkrieg in Auftrag gegeben und gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen wollen. Mit drei Jahren Verspätung erscheint das gut gemeinte Stück Bildungsfernsehen nun auch auf dem deutschen Markt.

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The Promise – Die Erinnerung bleibt | Filmkritik: Genozid ist Genozid ist Genozid

Sonntag, 20. August 2017

The Promise

[Lesedauer: ca. 3:00 Minuten]

Hier kommt der feuchte Traum eines jedes Filmproduzenten: Ein milliardenschwerer Gönner greift in die Portokasse und stellt mal schnell 90 Millionen Dollar für sein eigenes Wunschprojekt bereit. Da überlegt man nicht lange, sondern gibt ein Drehbuch in Auftrag, sucht sich Cast und Crew zusammen, sichert sich zugkräftige Namen und lässt die Kameras laufen. So oder ähnlich geschehen im Fall von „The Promise“, einem der größten Kassenflops des ersten Halbjahres 2017. Kirk Kerkorian, einstiger Eigner von MGM, Hauptaktionär von Chrysler und mächtiger Strippenzieher in Las Vegas, hatte sich einen Film über den armenischen Völkermord gewünscht und dafür nahezu das gesamte Budget zur Verfügung gestellt. Das fertige Produkt bekam er zwar nicht mehr zu sehen, verstarb im Juni 2015 aber zumindest mit dem sicheren Wissen, dass sein Wunsch in Erfüllung gehen würde.

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Stark – The Dark Half | Ungeschnittene Neuauflage mit zahlreichen Extras

Sonntag, 13. August 2017

Stark - The Dark Half

[Lesedauer: ca. 3:00 Minuten]

Als George A. Romeros Stephen-King-Verfilmung 1993 arg verspätet in die Kinos kam, war Orion bereits pleite. Panisch angeordnete Nachdrehs hatte das klamme Studio schon kaum mehr finanzieren können. Die finalen CGI-Shots sahen verdächtig nach Atari ST aus und weil für eine Orchestereinspielung kein Geld übrig war, musste die Musik von Christopher Young aus bestehenden Versatzstücken zusammengebastelt werden. An den Kinokassen ging der Film dank einer halbgaren Marketingkampagne praktisch unter und geriet schnell in Vergessenheit. Gut also, dass eine aktuelle Neuauflage von OFDb Filmworks jetzt daran erinnert, wie sehenswert dieser seltsame Doppelgänger-Horror tatsächlich ist – und dabei die Frage aufwirft, warum er in Deutschland immer noch auf dem Index steht (oder dort überhaupt landen konnte) [1].

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A Cure for Wellness | Filmkritik: Wassertreten in der Schweiz

Samstag, 05. August 2017

A Cure for Wellness

[Lesedauer: ca. 3:20 Minuten]

Da ist er wieder, der Zweidrittelfilm, jenes Bewegtbildpendant zu saurer Milch, das über lange Zeit extrem vielversprechend daherkommt, Klischees gekonnt umschifft, manchmal gar eine echte Offenbarung erhoffen lässt, nur um dann gegen Ende umso gründlicher in haarsträubenden Nonsens umzukippen. Leider, leider gehört auch Gore Verbinskis („The Ring“) extrem ambitionierte und mit rund 2 ½ Stunden Laufzeit überlange Rückkehr in die Gefilde des Horror-Genres zu diesem Typus herber Enttäuschungen, wie sie nur die erzählenden Künste zu bieten haben. Ob das Studio interveniert hat? Ob schlimme Testvorführungen die Schuld tragen? Ob noch mindestens drei Enden hinzugefügt wurden? Wir wissen es nicht. Schockierender als der Film selber jedenfalls wäre die Erkenntnis, dass hier in Wahrheit überhaupt niemand dazwischengefunkt hat. Schwer vorstellbar, aber keineswegs ausgeschlossen.

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Valerian – Die Stadt der tausend Planeten | Filmkritik: Zwei von 17 Millionen

Freitag, 21. Juli 2017

Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

[Lesedauer: ca. 4:30 Minuten]

Luc Besson hat diesen (so heißt es) aktuell teuersten europäischen Film überhaupt ganz alleine finanziert. Das heißt: ohne eines der großen Studios im Rücken. Wie man das bei Independent-Produktionen eben so macht, hat er schickes Anschauungsmaterial erstellt, den Flieger nach Cannes bestiegen und die weltweiten Vertriebsrechte vorab Stück um Stück an den Mann gebracht. Damit war der Löwenanteil des Budgets von runden 200 Millionen Euro zusammengetragen und das lange verfolgte Lieblingsprojekt gesichert, ohne dass sich irgendein Anzugträger aus der Chefetage inhaltlich würde einmischen können. Grund genug, dem Film allen erdenklich Erfolg zu wünschen. Grund genug auch, ihn wirklich, wirklich mögen zu wollen, doch (und hier stelle man sich einen tiefen Seufzer vor) genau das macht er einem nicht gerade leicht.

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Viral | Filmkritik: Frühlings Erwachen

Montag, 17. Juli 2017

Viral

[Lesedauer: ca. 2:30 Minuten]

Diese leicht verspätet in Deutschland angekommene Blumhouse-Produktion hat eine lange Historie hinter sich. Sie reicht nämlich zurück bis ins Jahr 1968 – so wie jede moderne Zombiegeschichte, egal ob als Film, Roman, Kurzgeschichte, Game oder TV-Serie. Vermutlich wüsste die Popkultur gerade mal nur am Rande, was genau Zombies sind, hätte nicht George A. Romero sie mit „Night of the Living Dead“ quasi erst in ihrer uns bekannten Form erfunden. Nur wenige Stunden vor Verfassen dieses kleinen Textes ist der Meister der Untoten im Alter von 77 Jahren verstorben, und so kann kein Gedanke naheliegender und angemessener sein, als der eben aufgezeigte, wenn es um einen Film wie diesen hier geht, dessen thematisches Umfeld, dessen Abläufe und unausgesprochenen Regeln uns heute so selbstverständlich erscheinen und doch ohne Romeros ultimative Blaupause kaum existieren würden.

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Das Kindermädchen [The Guardian] | Hexenhorror von William Friedkin erstmals in legaler Uncut-Fassung auf dem deutschen Markt

Donnerstag, 13. Juli 2017

Das Kindermädchen [The Guardian]

[Lesedauer: ca. 3:20 Minuten]

Es sei der erschreckendste Film, den er je gesehen habe, gab William Friedkin vor zwei Jahren enthusiastisch zu Protokoll und meinte damit „The Babadook“, den viel umjubelten Erstling der bis dato völlig unbekannten Jennifer Kent. Das war ein ziemlicher Ritterschlag, denn schließlich ist genau dasselbe vier Jahrzehnte lang immer wieder über „The Exorcist“ gesagt worden, seinen eigenen Beitrag zum cineastischen Horrorkanon, und Friedkin ging in der Folge gar so weit, öffentliche Screenings seines neuen Lieblingsfilms abzuhalten. Nicht bekannt ist, ob er dabei irgendwann an seinen 1990er Kassenflop „The Guardian“ gedacht hat, von dem sich Kent ein besonders einprägsames Requisit abgeschaut haben könnte: das Popup-Buch des Grauens.

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Shakespeare für Anfänger [The Carer] | Filmkritik: 2B or not 2B

Mittwoch, 05. Juli 2017

Shakespeare für Anfänger | Filmkritik

[Lesedauer: ca. 1:40 Minuten]

Wer immer noch nicht genug hat von der Paarung knurriger Patienten im Rollstuhl und durchsetzungsfähiger Pflegekräfte, die nach der einen oder anderen Auseinandersetzung begreifen, dass sie eigentlich Seelenverwandte sind, bekommt hier Nachschub. Keine lustige Männerfreundschaft diesmal („Ziemlich beste Freunde“), keine tragische Romanze („Ein ganzes halbes Jahr“), sondern so etwas wie das Surrogat einer Vater-Tochter-Beziehung, auch wenn der Altersunterschied dafür viel zu groß ist. Ästhetisch bewegt sich „The Carer“ auf dem Niveau sonntäglicher Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen im ZDF, aber weil Brian Cox die Hauptrolle spielt (und Roger Moore hier einen seiner letzten Auftritte hat), lässt sich diese britisch-ungarische Co-Produktion nicht einfach so ignorieren.

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Voice from the Stone | Filmkritik: Zeit des Erwachens

Mittwoch, 28. Juni 2017

Voice from the Stone

[Lesedauer: ca. 3:00 Minuten]

Vorweg: Weder der reißerische Klappentext noch das scheußliche giftgrüne Cover von DVD und Blu-ray werden diesem Film gerecht, der (ergänzt um ein lieblos zusammengezimmertes und – trotz langer Passagen auf Italienisch – untertitelfreies Making-of) gerade auf dem deutschen Markt erscheint und es leider nicht auf die große Leinwand geschafft hat. Damit ist zum Glück aber auch bereits alles Unerfreuliche zu dieser Veröffentlichung abgehakt. Der Rest erweist sich schon nach den ersten Minuten als stimmungsvoller und erlesen fotografierter Beitrag zum Subgenre des Geisterfilms, das in den letzten Jahren einige interessante Arbeiten hervorgebracht hat (etwa Guillermo del Toros „Crimson Peak“ oder „Soulmate“ von Axelle Carolyn). Dass der Regisseur bislang vor allem als Stuntman und Vfx-Spezialist gearbeitet hat, sieht man „Voice from the Stone“ in keinster Weise an.

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