CASSADAGA: Erster Film von Anthony DiBlasi ohne Clive Barker

03. Oktober 2011

Cassadaga

Was Mick Garris für Stephen King ist, das war Anthony DiBlasi in den letzten Jahren auf ähnliche Weise für Clive Barker. Als Partner auf Augenhöhe fungierte er zunächst bei drei Projekten nach Vorlagen des Autors als Executive Producer (darunter „Midnight Meat Train“ von Ryuhei Kitamura) und lieferte dann 2009 mit „Dread“ ein viel beachtetes Regiedebüt ab, das Fans und Kritiker gleichermaßen zu den gelungensten Barker-Adaptionen überhaupt zählen. Jetzt macht DiBlasi zum ersten Mal ohne Beteiligung des Meisters auf sich aufmerksam, und das mit einem Film, der dem Horrorgenre eine neue ikonische Schreckensfigur bescheren will.

Im neuen Jahrtausend sind die tumben Slasherheroen bekanntlich längst einer anderen Spezies gewichen, deren Vertreter systematisch vorgehen und mehr Interesse an der Inszenierung haben als am kurzen Prozess. Sie bewegen sich irgendwo zwischen den kindisch-sadistischen Spielereien eines Freddy Krueger und der intellektuellen Genussjustiz eines Hannibal Lecter. Letztere bilden die Koordinaten, von denen her sich Figuren wie Jigsaw als Folterknecht einer schwarzen Pädagogik („Saw“, zumindest I bis III) und Dr. Joseph Heiter als mentaler Erbe faschistoider Experimentalmedizin („The Human Centipede“) definieren. Beide gehören auf ihre Art zum Subgenre des „Torture Porn“, dessen Dramaturgie per se nach Strategien verlangt, den Tötungsakt (im Gegensatz zum klassischen Slasher) möglichst lange hinauszuzögern.

Wo genau sich DiBlasis Film da einreiht, lässt sich vorab nur vermuten. „Cassadaga“ präsentiert einen Serienkiller mit dem bezeichnenden Namen „Gepetto“ (Pinocchios Puppenvater), der seine Opfer offenbar zu lebenden Marionetten verarbeitet. Ein erster Trailer und ein Teaser-Poster, das in bewusst plakativer Weise an den Stil der sogenannten „Video-Nasties“ der 80er und Illustratoren wie Graham Humphreys erinnert, vermitteln ein drastisches erstes Bild. Doch auch Elemente des Geisterfilms spielen eine Rolle und setzen die Handlung überhaupt erst in Gang.

Ob die unterschiedlichen Subgenres schlüssig ineinander greifen und DiBlasi den guten Eindruck seines Erstlings bestätigen kann, wird sich erstmals am 22. Oktober auf dem Screamfest L.A. herausstellen.

Cassadaga

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[Abbildungen: Screencaptures | Poileywood Entertainment (Poster)]

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