Cabin Fever 3: Patient Zero | Filmkritik

18. August 2014

Cabin Fever 3 - Patient Zero

Es gibt wenig Positives, das sich über diesen dritten Aufguss von Eli Roths Spielfilmdebüt von 2002 sagen ließe. Wer die knappen 90 Minuten allerdings durchhält, wird überrascht feststellen, dass den Machern auf der Zielgeraden doch tatsächlich ein einziger bemerkenswerter Gedanke über den Weg gelaufen ist. Inwiefern allerdings auch dieser – wie so vieles andere – kaum mehr sein kann als ein Gimmick und dem Film selber nicht wirklich hilft, ist zu diesem Zeitpunkt längst egal. Die entscheidende Frage, die sich dabei stellt: Wo ist eigentlich Jim Wynorski, wenn man ihn braucht?

Als lustiger Trash, der sich selber nicht sonderlich ernst nimmt, hätte „Patient Zero“ nämlich vielleicht funktionieren können. So jedoch kommt zu allem Dilettantismus noch erschwerend hinzu, dass dem öden Treiben um den Ursprung des fleischfressenden Virus aus dem Originalfilm jegliche Selbstdistanz abgeht. Charaktere und Dialoge vom Reißbrett, ein Handlungsgerüst, bei dem jede Entwicklung meilenweit vorhersehbar ist, und ein geradezu katastrophales Missverhältnis zwischen Timing und Montage lassen selbst vergleichbare Franchise-Gurken wie „Hellraiser: Revelations“ oder „Wrong Turn 3“ gut aussehen.

Technisch betrachtet ist „Cabin Fever 3“ ein Prequel, doch Vorkenntnisse braucht niemand: In einem Forschungslabor auf einer unbekannten Insel (gedreht wurde in der Dominikanischen Republik) sucht ein skrupelloser Wissenschaftler (Currie Graham, „Murder in the First“) nach einem Heilmittel gegen eine tödliche Infektionskrankheit. Ein Patient, dessen Immunsystem dem Virus offenbar Paroli bieten kann (Sean Astin: Sam aus „Der Herr der Ringe“) dient ihm dabei als unfreiwilliges Versuchskaninchen. Unterstützt wird er von zwei Assistentinnen mit High Heels und tiefem Ausschnitt.

Cabin Fever 3 - Patient Zero

Ach ja, fast vergessen: Eine Gruppe von vier Freunden macht es sich am Strand just eben dieser Insel bequem, um Junggesellenabschied zu feiern, infiziert sich früher oder später und landet ebenfalls im Labor. Zwischendurch gibt es eine Reihe von Gelegenheiten, die zersetzende Wirkung des Virus ausgiebig durchzuspielen: beim Oralverkehr, beim Ringkampf oder einfach nur beim intensiven Kratzen. Von der Snackeinnahme während des Films wird abgeraten.

2002, 2009, 2014 – es gibt einen Grund, warum die Sequels dieser Reihe produktionstechnisch so ungewöhnlich weit auseinanderliegen: „Cabin Fever“ eignet sich nur sehr bedingt zum Franchise. Die Grundidee ist zu vage und beliebig. Wiederkehrende Figuren, Monster, Locations, ein prägender visueller Stil oder wenigstens eine übergeordnete Mythologie fehlen völlig (von Giuseppe Andrews in den beiden ersten Teilen einmal abgesehen). Als einzige Gemeinsamkeit bleibt die Wirkung des Virus übrig, und die ist nicht einmal originell genug, um ein rechtliches Vorgehen gegen ähnliche Konzepte zu ermöglichen.

Bereits beim Vorgängerfilm zeigte sich dieses Problem und es wurde soviel nachgedreht und umgeschnitten, dass Regisseur Ti West sich am Ende gänzlich von der finalen Fassung distanzierte. Parallel zu „Patient Zero“ sollte zunächst ein weiterer Teil mit dem Titel „Outbreak“ fertiggestellt werden (Tatort diesmal: ein Kreuzfahrtschiff), doch die Pläne dazu hatten sich bald schon wieder erledigt. Stattdessen ist mittlerweile ein Remake des Originals in Arbeit – eine beliebte Alternative, die Marke weiter zu melken, wenn das Sequel-Schema nicht mehr greift. [LZ]

Cabin Fever 3 – Patient Zero

OT: Cabin Fever: Patient Zero (USA 2014) REGIE: Kaare Andrews. BUCH: Jake Wade Wall. MUSIK: Kevin Riepl. KAMERA: Norm Li. DARSTELLER: Mitch Ryan, Brando Eaton, Ryan Donowho, Currie Graham, Sean Astin, Jillian Murray, Solly Duran, Lydia Hearst, Claudette Lali. LAUFZEIT: 91 Min. (DVD), 95 Min. (Blu-ray). VÖ: 06.02.1014

Cabin Fever 3 - Patient Zero

[Abbildungen: Tiberius Film]

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