Borderland: Auch in der deutschen Neuauflage gekürzt und sinnentstellt

22. September 2014

Borderland

Dass man sich hierzulande auch ganze sieben Jahre nach ihrem Entstehen immer noch über eine an sich ganz ordentliche, filmhistorisch aber eher irrelevante Produktion ärgern kann, ist einer Wiederveröffentlichung zu verdanken, die am 2. Oktober als „Collector’s Edition“ auf den Markt kommt. Die Rede ist von „Borderland“, einem leidlich blutigen Horrorfilm, der im Zuge des Erfolgs von „Hostel“ zwar einen guten Eindruck hinterließ, im Grunde aber auch schnell wieder in Vergessenheit geriet.

Der Film selber ist also nicht der Stein des Anstoßes. Den liefert (wie so oft) die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. 2008 war „Borderland“ bereits einmal bei der Prüfung der FSK durchgefallen und in einer um ganze 10 Minuten gekürzten Fassung veröffentlicht worden. Exakt dieselbe Version erscheint nun erneut – wenn auch etwas schicker verpackt und mit zwei Postkarten versehen.

Die juristische Prüfung der SPIO hatte dem Film damals „keine schwere Jugendgefährdung“ bescheinigt und damit der ungekürzten Fassung den Weg in die Videotheken freigegeben. Doch weil auch ein derartiges Gutachten nicht vor einer möglichen Beschlagnahmung schützt, halten sich die Verleiher in aller Regel und verständlicherweise lieber mit der Vermarktung im regulären Handel zurück.

Borderland

An der Ausgangslage hat sich also in den letzten sechs Jahren nichts geändert. Dabei ist das Problem hier wie bei vielen anderen Beispielen weniger die bloße Entfernung besonders expliziter Gewaltdarstellungen (auf die sich – je nach Ausgangslage – noch verlustfrei verzichten ließe), sondern die Entstellung des Films an sich. Im Fall von „Borderland“ ist vor allem der dritte Akt von entscheidenden Kürzungen betroffen, die so massiv ausfallen, dass sich der Handlung zeitweise nur noch hypothetisch folgen lässt.

Für den überwiegenden Rest des Films gilt das zum Glück nicht. Umso ernüchternder fallen dafür aber dann die Eingriffe im Finale aus, da man sich das Schicksal einiger Figuren mehr oder weniger selber zusammenreimen muss. Das muss angesichts einer durchaus ansehnlichen Charakterzeichnung, die vergleichbaren Produktionen merklich überlegen ist, besonders unbefriedigend erscheinen.

Die Geschichte ist simpel und bis zu einem bestimmten Punkt sichtbar nach dem Modell von „Hostel“ aufgebaut: Mit nagelneuem College-Abschluss in der Tasche zieht es drei Hallodris für einen entspannten Sex- und Drogenausflug ins mexikanische Grenzland. Als einer von ihnen spurlos verschwindet, ist es vorbei mit dem Lotterleben. Ein ehemaliger Cop macht das verbliebene Duo ausfindig und lässt die beiden wissen, dass ihr Freund von einer satanischen Sekte entführt wurde, um ihr als Menschenopfer zu dienen. Und die Teufelsanbeter haben auch auf sie bereits ein Auge geworfen.

Das ist nicht sonderlich originell, aber effektiv und trotz des nach Blaupause gestrickten Plots erstaunlich klischeefrei. Solide Schauspielerleistungen – darunter von Sean Astin (zuletzt kurz vor dem künstlerischen Totalausverkauf in „Cabin Fever 3“) und Rider Strong (auch ein „Cabin Fever“-Alumnus) – sowie interessante Regieeinfälle (ein Drogentrip wird gänzlich mithilfe von Linseneffekten illustriert) lassen über so manche Schwäche hinwegsehen.

Borderland

„Borderland“ ist nicht „Citizen Kane“, aber am Ende würde man dann doch gerne wissen, was wirklich mit dem Entführungsopfer passiert und was für ein Ritual die Satanssekte genau praktiziert. Über beides schweigt sich die FSK-kompatible Fassung leider mehr oder weniger aus. Das alte Lied von der Bevormundung volljähriger Staatsbürger in einem demokratischen System braucht man gar nicht erst anzustimmen. Es singt sich von selbst.

DVD und Blu-ray bieten neben dem Film ein interessantes Feature über die reale Sekte, deren Hintergrund die fiktive Geschichte beeinflusste. Mindestens genauso sehenswert ist ein längeres Interview mit Regisseur und Co-Autor Zev Berman (der bislang, wie so viele seiner Art, kein Projekt mehr über die Vorproduktion hinausbringen konnte), zumal dort eine Reihe von kurzen Ausschnitten und Stills zu sehen sind, die aus der FSK-Fassung entfernt wurden. [LZ]

OT: Borderland (USA 2007) REGIE: Zev Berman. BUCH: Zev Berman, Eric Poppen. MUSIK: Andrés Levin. KAMERA: Scott Kevan. DARSTELLER: Brian Presley, Rider Strong, Jake Muxworthy, Martha Higareda, Sean Astin, Damián Alcázar, Beto Cuevas, Marco Bacuzzi, Roberto Sosa, Francesca Guillén. LAUFZEIT: 95 Min (DVD), 96 Min (Blu-ray), 105 Min (OL). VÖ: 02.10.2014.

Borderland

[Abbildungen: Tiberius/Sunfilm]

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