Blochin: ZDF verzichtet endgültig auf zweite Staffel

12. April 2017

Blochin | Keine zweite Staffel

[Lesedauer: ca. 2:30 Minuten]

Als gestern die Pressemitteilung in den Redaktionen eintrudelte, wird sich so mancher verwundert die Augen gerieben haben. Das ZDF, so heißt es da, drehe derzeit das „Finale“ eines Fünfteilers, den die meisten vermutlich schon wieder vergessen haben. „Blochin“ von Matthias Glasner sollte 2015 der erste großangelegte Versuch der Mainzer sein, den deutschen Serienmarkt mit modernen Erzählformen amerikanischer Prägung aufzumischen. So überzeugt waren die Verantwortlichen vom Endprodukt, dass bereits vor TV-Ausstrahlung in der Primetime eine zweite Staffel in Auftrag gegeben wurde. Deren Schicksal ist nun besiegelt. Sie wird nicht stattfinden.

Stattdessen kündigt der Sender nun einen 105-minütigen Fernsehfilm an, der die Geschichte zuende erzählen soll. Dazu darf man durchaus gemischte Gefühle haben. Auf der einen Seite ist es erfreulich, dass nicht schon wieder eine ZDF-Produktion ins Leere läuft und der Zuschauer mit offenen Fragen zurückbleibt (wie etwa im Fall der beliebten Vorabendserie „Herzensbrecher“). Zum anderen ist die Entscheidung gegen eine zweite Staffel ein deutliches Zeichen für einen Rückfall in die sendertypische konservative Angstpolitik, die alles vermeidet, was ein Wagnis sein könnte. Für das vielbeschworene horizontale Erzählen im deutschen Fernsehen kann das kein Fortschritt sein.

Eine offizielle Begründung gibt es bislang nicht. Richtig ist, „Blochin“ war bei der Kritik nicht gerade auf sonderlich positives Echo gestoßen. Vier Millionen Zuschauer, die danach auf drei abstürzten, reichten den Entscheidern vermutlich nicht aus. Dass man sämtliche Folgen an drei aufeinanderfolgenden Tagen einfach so wegsendete – na klar, so stellt man sich beim ZDF zeitgemäße Sehgewohnheiten vor – und dabei mit alteingesessener Showkonkurrenz am Samstagabend konkurrieren musste, war der Quote ganz sicher nicht zuträglich. Im Vergleich konnte die nach konservativem Modell gerade erst ausgestrahlte ARD-Produktion „Charité“ mit wöchentlichem Sendetermin am Dienstagabend immer locker zwischen rund sieben und acht Millionen vor den Bildschirm locken.

Auf der damaligen Berlinale hatte man „Blochin“ mit einigem Trommelwirbel präsentiert und in voller Länge von sitzfleischfordernden sechs Stunden über die Leinwand flackern lassen – eine Schnapsidee, denn nur Hardcore-Fans aus dem Tolkien- oder Lucas-Universum halten es so lange auf ihren Sitzen aus, ohne ab einem bestimmten Punkt die Geduld zu verlieren und alles Mögliche unfreiwillig komisch zu finden. Die durchwachsenen Vorabkritiken war man da ganz unabhängig von der Qualität der Produktion selber schuld. Aber woher sollte man beim ZDF auch schon Ahnung von Zuschauerverhalten haben?

Auch überschwengliches Eigenlob mag eher kontraproduktiv gewirkt haben. Produzentin Lisa Blumenberg pries das „Wunder von Mainz“ und der stellvertretende Programmdirektor Reinhold Elschot versprach gar ein echtes Erweckunsgerlebnis („Sie werden Dinge so sehen, wie Sie sie noch nie gesehen haben“). Nach der Ausstrahlung war man offenbar nicht mehr ganz so euphorisch. Ja, an einer Weiterführung werde bereits gearbeitet, „die endgültige Entscheidung für oder gegen eine zweite Staffel (stehe aber) noch aus und soll erst nach Ansicht der Bücher gefällt werden“ [1] – so ein ZDF-Sprecher im Oktober 2015 gegenüber dwdl.

Was heißt das angesichts der gestrigen Pressemeldung nun? Dass die Bücher nicht gut genug waren? Offenbar. Haben sie möglicherweise gegen die hauseigenen Qualitätsansprüche verstoßen, an denen letztes Jahr schon Jan Böhmermann gescheitert war? Wir wissen es nicht. In jedem Fall kann man davon ausgehen, dass die Risikobereitschaft auf dem Lerchenberg nach einem kurzen Hoch nun wieder im Keller gelandet ist. Schade um die trotz aller (aus unserer Sicht nicht immer treffenden) Kritik sehenswerte Serie, die problemlos gegen das Mittelmaß von deutlich weniger gewagten Beispielen wie „Deutschland 83“ oder (ganz furchtbar) „Weinberg“ bestehen konnte. [LZ]

[Abbildung © ZDF / Stephan Rabold]

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