Batman v Superman: Dawn of Justice | Filmkritik: DC Overkill

25. März 2016

Batman v Superman: Dawn of Justice

Auf Instagram postete Henry Cavill kürzlich ein paar Videoschnipsel, die ihn am Londoner Times Square zeigen, das ikonische „S“ auf der Brust und überdimensionale Riesenplakate seines aktuellen Films im Hintergrund. Niemand habe ihn erkannt, erklärt er dazu. Und wie auch? Der Mann hat ein Allerweltsgesicht und ist damit der ideale Clark Kent, den schließlich auch niemand mit Superman identifiziert, Ähnlichkeit hin oder her. Kein Wunder also, dass Cavill nächstes Jahr ganz offiziell auch noch ein drittes Mal den roten Umhang tragen wird, dann als Teil der „Justice League“ – ein Umstand, der die vermeintlich überraschendste Wendung von „Batman v Superman“ mal ganz nebenbei als billigen Taschenspielertrick entlarvt.

Überhaupt muss man immer wieder achtgeben, dass einen dieser Film nicht unbemerkt über den Tisch zieht, denn er verspricht eine Menge und löst nur sehr wenig ein. Das beginnt schon beim Titel, der mit seiner ziemlich unwahrscheinlichen Prämisse immense Hoffnungen weckt (was soll ein Normalsterblicher im Fledermauskostüm schon gegen einen quasi unbesiegbaren Außerirdischen mit enormen Superkräften ausrichten?), am Ende aber nicht viel mehr bietet als eine ausgiebige Klopperei unter Einsatz von Kryptonit. Dass die beiden Opponenten dabei lediglich Marionetten eines manipulativen Spiels sind, macht die Sache nur noch schlimmer.

Denn die Fäden hier zieht ein von Allmachtsfantasien getriebener Lex Luthor, den Jesse Eisenberg wahlweise als Ersatz-Joker oder Startup-Nerd auf Speed anlegt und dabei ganz entsetzlich chargiert. Er faselt eine Menge von gestürzten und toten Göttern (Superman natürlich), ergötzt sich an den Höllenfantasien eines Hieronymus Bosch und bastelt sich schließlich mithilfe der DNA des im Vorgängerfilm getöteten Generals Zod (erneut Michael Shannon, vermutlich hier lediglich digital reproduziert) ein eigenes Riesenmonster, das aussieht wie alle diese muskelbepackten CGI-Kreaturen ohne Eigenschaften eben aussehen.

Dabei fängt die ganze Angelegenheit durchaus vielversprechend an (noch so ein unerfülltes Versprechen). In einem unerwarteten Perspektivwechsel gibt es den Endkampf aus „Man of Steel“ noch einmal zu sehen – diesmal allerdings aus der Sicht der betroffenen Zivilisten, die vor der Totalzerstörung von Metropolis davonlaufen oder unter den Trümmern begraben werden. Ausgerechnet Bruce Wayne ist zufällig vor Ort und muss (in mittlerweile standardisierter 9/11-Ästhetik) hautnah miterleben, wie sein eigener Firmenkomplex mitsamt allen Mitarbeitern in Schutt und Asche gelegt wird.

Batman v Superman: Dawn of Justice

Das ist zunächst einmal eine interessante Meta-Reflexion über die völlige Ignoranz, die das Superhelden- und Comic-Kino allen menschlichen Kollateralschäden gegenüber für gewöhnlich einnimmt. „Transformers“, „Avengers“, „Godzilla“ und eben auch „Man of Steel“ zelebrieren ihre urbanen Zerstörungsorgien als audiovisuelles Spektakel, lassen die Opferfrage dabei aber in aller Regel entspannt außen vor. Anders hier. Zu einem späteren Zeitpunkt wird ein Betroffener sich aus seinem Rollstuhl aufschwingen, die am Ground Zero errichtete Superman-Statue erklimmen und sie mit den anklagenden Worten „False God“ besprühen.

Die Bevölkerung richtet sich gegen ihre Helden, denn auch Batman hinterlässt nicht den besten Eindruck. Übeltäter dingfest machen und an Commissioner Gordon ausliefern (der überhaupt nicht in Erscheinung tritt), das war gestern. Gerechtigkeit wiederherstellen heißt hier: Angst erzeugen. Das geht so weit, dass selbst die Opfer von Gewaltverbrechen mehr vor ihrem Befreier im Fledermauspanzer zittern (sieht aus wie ein Robocop-Ableger) als vor ihrem Peiniger. Kein Wunder also, dass die beiden selbsternannten Kämpfer für die gute Sache sich gegenseitig argwöhnisch beäugen. Denn hier wie überall, wo Protektion mit unkontrollierter Macht einher geht, lautet die entscheidende Frage: Who watches the Watchmen?

Genau daran muss auch Zack Snyder gedacht haben, als er die bei Frank Miller entlehnte Konfrontation der beiden ungleichen Protagonisten konzipiert hat. Nicht von ungefähr wird er Bruce Waynes Vater für die unvermeidliche Eröffnungssequenz (unglaublich aber wahr: auch diesmal muss die Ermordung der Eltern dem Film vorangestellt werden) ausgerechnet mit Jeffrey Dean Morgan besetzt haben, dem Comedian aus seiner „Watchmen“-Verfilmung, dessen gewaltsamer Tod auch dort die Handlung in Gang setzt. Zugleich ist das natürlich ein Spiel mit Insiderwissen, denn der Schauspieler erscheint später nicht einmal in den End Credits.

Jedoch: Nicht wenige Parallelen drängen sich auf, sobald man den Bezug einmal auf dem Schirm hat, und der Film macht auch keinen Hehl daraus. Am offensichtlichsten sind die Überschneidungen zwischen Superman und Dr. Manhattan (die Kollateralschäden; der Einsatz im Kriegsgebiet; die Bereitschaft, sich öffentlich richten zu lassen; der Rückzug in eine menschenleere Einöde), doch das ist keine Erfindung von Snyder und seinen Autoren Chris Terrio („Argo“) / David S. Goyer, sondern genau eben Alan Moores Originalkonzept, das der Film hier quasi zurückspiegelt.

Batman v Superman: Dawn of Justice

Es gibt also Potential, doch bevor sich die interessanten Ansätze mit Substanz füllen können, wird alles gnadenlos zerbombt und in die Luft gejagt. Und genau da liegt der Verrat, den Snyder an seinem eigenen Ansatz begeht. Am Ende bleibt – wenn auch unverschuldet durch die Hauptcharaktere – erneut kein Stein auf dem anderen. Das ist so uninspiriert, austauschbar und repetitiv, dass man mit Kryptonit um sich schmeißen möchte. Wieder einmal wird eine explosive Bedrohung ins All transportiert, um den größtmöglichen Schaden abzuwehren (wie zuvor schon in „Avengers“, „The Dark Knight rises“ oder auch „Illuminati“), wieder einmal muss sich eine Figur opfern und erneut bleiben am Schluss nur Trümmer.

Über weite Strecken ist „Batman v Superman“ Dienst nach Vorschrift, sieht dabei – wie immer bei Snyder – zwar fantastisch aus, macht aber keinerlei Spaß. Schwerfällig, unausgegoren und mit enervierender Ernsthaftigkeit hakt der Film eine Pflichtübung nach der anderen ab und gibt sich dabei zunehmend als millionenschwerer Trailer für die kommenden Ausflüge ins Expanded Universe von DC zu erkennen (den Auftritt von Wonder Woman inhaltlich zu rechtfertigen, fällt den Autoren merklich schwer). Aber so kündigt es der Untertitel ja auch an und Hardcore-Fans mögen das tatsächlich beglückend finden. Jeder andere wird eher froh sein, wenn die anstrengenden 151 Minuten Laufzeit endlich um sind. [LZ]

OT: Batman v Superman: Dawn of Justice (USA 2016). REGIE: Zack Snyder. BUCH: Chris Terrio, David S. Goyer. MUSIK: Hans Zimmer, Tom Holkenborg (Junkie XL). KAMERA: Larry Fong. DARSTELLER: Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Jesse Eisenberg, Diane Lane, Laurence Fishburne, Jeremy Irons, Holly Hunter, Gal Gadot, Tao Okamoto, Kevin Costner, Michael Shannon. LAUFZEIT: 151 Min.

Batman v Superman: Dawn of Justice

[Abbildungen: © 2016 Warner Bros. Enterntainment Inc., Ratpac-Dune Entertainment LLC and Ratpac Entertainment, LLC | Fotos: Clay Enos / TM & © DC DC Comics]

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