Monster-Fastfood im Doppelpack: BAIT – Haie im Supermarkt vs PIRANHACONDA

29. Juli 2013

Bait - Haie im Supermarkt / Piranhaconda

In Fällen wie diesen lässt sich die Grundidee am besten im Stil einer Schlagzeile wiedergeben. Zum Beispiel so: „Tsunami überflutet Supermarkt: Einkäufer von weißen Haien bedroht“ und „Horror im Paradies: Riesenschlangen verschlingen entführtes Filmteam!“ Klingt gaga und ist es auch. Der entscheidende Unterschied zwischen „Bait“, einer 30 Millionen Dollar teuren Kinoproduktion von Down Under, und „Piranhaconda“, einem schnell dahingeschluderten TV-Movie für den Syfy-Channel, ist der Grad der Ernsthaftigkeit, mit dem die Macher ihre Sache angegangen sind. Beide Filme erscheinen dieser Tage auf dem hiesigen Home-Entertainment-Markt und empfehlen sich für ein häusliches Double Feature.

Die Figuren sind allesamt am Reißbrett entworfen und dienen in erster Linie als potentielles Tierfutter. Dass sich der australische Beitrag „Bait“ dabei durch und durch ernst nimmt, ist ein echtes Problem. Aufgebaut nach dem Schema eines klassischen Katastrophenfilms (man denke etwa „Poseidon Inferno“) – eingeschlossene heterogene Gruppe mit internen Konflikten, mindestens je einem Kriminellen, einem Märtyrer und einer Heldenfigur muss einen gemeinsamen Weg nach draußen finden – ist jeder Schritt vorhersehbar und jede Dialogzeile schon früher gedacht als gesprochen. Die (von insgesamt sechs Autoren entwickelten) Klischees geben sich die Klinke in die Hand und die Haiangriffe orientieren sich an der Uhr. Wer soll das ernst nehmen?

Der deutsche Verleih hat das Problem offenbar erkannt und dem Film direkt einmal den passenden Titelzusatz verpasst („Haie im Supermarkt“) und ein paar arg bemühte Spaßphrasen aufs Cover gestempelt. Das macht die Sache im Grunde nur noch schlimmer, denn der Film selber erfüllt den derart unterstellten Trash-Charakter nur bedingt und versteht sich eher als Creature-Thriller. Doch wo einem die Figuren völlig gleichgültig sind, lässt sich keine Spannung erzeugen. Leidlich kurzweilig ist das Ganze zwar, doch mehr als ein Schulterzucken kann der Film kaum hervorrufen.

Xavier Samuel (vielversprechend in „The Loved Ones“, unauffällig in „Twilight: Eclipse“) mag die wichtigste, da für ein jüngeres Publikum prominenteste Casting-Entscheidung gewesen sein, bleibt aber völlig blass. Die Macher wären gut beraten gewesen, Julian McMahon („Nip/Tuck“) verstärkt ins Zentrum des Geschehens zu rücken, doch stattdessen verkommt der charismatische Australier (wurde immerhin schon einmal als Bond-Darsteller gehandelt) in einer unentschlossenen Nebenrolle. Dass er im Gegensatz zu allen anderen Schauspielern nicht für MakingOf-Interviews zur Verfügung stand, spricht Bände.

OT: Bait (AU/SG 2012) REGIE: Kimble Rendall. BUCH: Shayne Armstrong, Duncan Kennedy, John Kim, Shane Krause, Justin Monjo, Russell Mulcahy. MUSIK: Joe Ng, Alex Oh. KAMERA: Ross Emery. DARSTELLER: Xavier Samuel, Sharni Vinson, Phoebe Tonkin, Julian McMahon, Alice Parkinson, Richard Brancatisano, Dan Wyllie, Damien Garvey. LAUFZEIT: 90 Min. (DVD), 93 Min. (Blu-ray). VÖ: 19.07.2013

Piranhaconda

Konsequenter und letztlich zufriedenstellender fällt da im Vergleich der von Roger Corman produzierte Nonsens um zwei urzeitliche Riesenschlangen im Hawaiianischen Hinterland aus. Jede Menge Bikini-Schönheiten mit hohem Silikonanteil, kostengünstige CGI-Monster und zwei namhafte Ex-Stars auf der untersten Stufe ihrer Karriereleiter (Michael Madsen und Rachel Hunter) reichen für das Fastfood-Konzept dieser TV-Produktion aus. Story, Charakterzeichnung oder gar Logik (ein absurder Gedanke) sind völlig verzichtbar. „Piranhaconda“ ist eine einzige Nummernrevue, die schnell satt macht und (mit Ausnahme des eingängigen Titelsongs) sofort wieder vergessen ist.

Corman liefert seit einer Weile kostengünstige Schnellschüsse für Spartenkanäle ab und macht dabei wie immer gutes Geld. Oftmals mit von der Partie: Jim Wynorski. Frühere Syfy-Movies wie „Dinocroc vs Supergator“ und „Camel Spiders“ gehen auf das Konto der beiden, und auch diesmal galt: „Never change a winning team“. Wynorski, der seit fast drei Jahrzehnten an der Trashfront arbeitet, kennt sein Business gut genug, um 80 Minuten mit bewährten Darstellern (Diana Terranova, Rib Hillis, Michael Swan) und kostengünstigen Schauwerten auszufüllen, die ausreichen, um die halb improvisierte Handlung vom Niveau eines Groschenromans akzeptabel zu halten.

Noch unterhaltsamer als der Film selber ist allerdings Wynorskis kommentierte Fassung, in der er entspannt davon berichtet, wie etwa ein vorbeiradelnder Biker schnell mal ein Maschinengewehr in die Hand gedrückt bekam, weil ein Statist gebraucht wurde, oder das Crew-Hotel gleich auch als Set herhalten musste. Und als nach offiziellem Drehschluss noch nicht genug Material für die beauftragte Laufzeit zustande gekommen war, wurde eben noch rasch ein weiterer Schlangenangriff gedreht. Diese und andere entwaffnende Einblicke in die alltäglichen Produktionsstandards dieses Filmemachers sind schlicht unbezahlbar und lassen jeden Neueinsteiger verblüfft zurück. [LZ]

P.S.: Unter dem Titel „Popatopolis“ erschien 2009 eine vielgelobte Wynorski-Dokumentation, die den B-Filmer über drei Tage hinweg (und damit die gesamte Drehzeit über) am Set beobachtete, Interviews mit Weggefährten führte (darunter Corman) und auf diese Weise einen ebenso faszinierenden wie urkomischen Einblick in die Arbeit an einer echten Low-Budget-Produktion und die Mentalität der Beteiligten bietet. Bis heute wartet der Film auf einen deutschen Verleih. Ein Interview unsererseits mit Regisseur Clay Westervelt findet sich hier.

OT: Piranhaconda (USA 2012) REGIE: Jim Wynorski. BUCH: Mike MacLean, J. Brad Wilke. MUSIK: Jasmin Poncelet, Al Kaplan, Jon Kaplan. KAMERA: Andrea V. Rossotto. DARSTELLER: Rib Hillis, Terri Ivens, Shandi Finnessey, Michael Madsen, Rachel Hunter, Michael Swan, Kurt Yaeger, Diana Terranova, Angie Savage, Cindy Lucas, Christina DeRosa, Jenny Lin. LAUFZEIT: 83 Min. (DVD), 86 Min. (Blu-ray). VÖ: 01.08.2013

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