Alien: Covenant | Filmkritik: Macht kaputt, was euch kaputt macht

17. Mai 2017

Alien: Covenant

[Lesedauer: ca. 2:30 Minuten]

Es kommt der Moment, da möchte man wüste Beschimpfungen in Richtung Leinwand schleudern. Doch was würde das schon nützen? Die Verantwortlichen sind eh nicht da und so bleibt einem nur die Wahl, entweder den Saal zu verlassen oder das Elend dieses Films bis zum bitteren Ende zu ertragen. Mit zwei fatalen Plotwendungen hat Ridley Scott (oder wer auch immer hier die Verantwortung trägt) zuerst den Vorgängerfilm und dann gleich das ganze „Alien“-Franchise zerschossen. Am Ende ist von dem, was einst Dan O’Bannons in Obdachlosigkeit und finanziellem Ruin erdachten Space-Horror im Kern ausgemacht hat, nichts mehr übrig.

Stattdessen wird eine Origin-Story geboten, die sich selber zwar mächtig sophisticated vorkommt, tatsächlich aber nur eine weitere Version eines x-fach variierten Genre-Topos darstellt. „Alien: Burial“ wäre der passendere Titel für diesen Sargnagel von einem Film gewesen. – So, das musste erstmal raus. Schalten wir jetzt einen Gang zurück und überlegen, ob sich die ganze Angelegenheit nicht doch irgendwie retten lässt. Fangen wir noch einmal an. Am besten am Anfang. Denn dort steht (wie so oft bei Scott) ein Prolog, der rückblickend die entscheidende Wendung bereits vorwegnimmt.

In einer Art kubrick’schem Musikzimmer belehrt Peter Weyland (Guy Pearce), offensichtlich Jahrzehnte vor den Ereignissen von „Prometheus“, seinen Androiden David (Michael Fassbender) über die Frage nach den Ursprüngen der Menschheit und darüber, dass er ihn geschaffen habe, um eben diesen auf die Spur zu kommen. Auf Geheiß klimpert David am Flügel virtuos Richard Wagners „Einzug der Götter in Walhall“ und bringt seinen Schöpfer schließlich mit der Frage nach dessen Sterblichkeit aus der Balance. Am Ende muss der Android wie ein Haussklave Tee servieren, während Weyland vermutlich angestrengt darüber grübelt, wie er dem sicheren Tod doch noch entrinnen kann. Es wird ihm nicht gelingen.

Alien: Covenant | Guy Pearce, Michael Fassbender

Dass diese an sich alberne Sequenz nicht ganz ohne eine gewisse Bedrohlichkeit bleibt, ist einzig Michael Fassbender und dessen eiskaltem Porträt des undurchsichtigen Maschinenmenschen zu verdanken, bei dem man nie so genau weiß, was in seinem künstlichen Hirn gerade so vor sich geht. Im Regelfall ist es aller Wahrscheinlichkeit nach jedenfalls nichts Gutes. Ganz anders ein späteres Modell namens Walter (ebenfalls Fassbender). 10 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängerfilms ist der Android zusammen mit der Mannschaft eines Kolonieschiffs auf dem Weg zu einem Besiedlungsplaneten unterwegs. Walter erweist sich als nett, hilfsbereit, harmlos, und das hat einen einfachen Grund: er besitzt bauplanmäßig keinerlei Anlagen zu kreativem Schaffen.

Kreativität und Schöpfungskraft sind also zerstörerische Kräfte. Von der Banalität dieser These mag man halten, was man will, Sir Ridley jedenfalls beweist am praktischen Beispiel seines Films, das da einiges dran ist. Erst zerstört er den Raumtransporter (jedenfalls in Teilen), dann die gesamte Alien-Mythologie. Aber hatten wir das nicht schon gesagt? Jedenfalls landet die Mannschaft, angelockt von Spuren menschlichen Lebens, auf einem anderen Planeten als geplant (welcher Planet ist das zufälligerweise wohl?), stößt dort – wie könnte es anders sein – auf dem Zuschauer wohlbekannte Kreaturen und das Abzählreimschicksal nimmt seinen Lauf. Allerdings mit dem bereits angedeuteten Twist, auf den man lieber verzichtet hätte.

Alien: Covenant

Scott sagt, er habe den Fans genau zugehört, habe berücksichtigt, was ihnen bei „Prometheus“ gegen den Strich gegangen sei (zu viele offene Fragen; kein Xenomorph), und deshalb seine ursprünglichen Pläne von Grund auf geändert. Lassen wir einmal dahingestellt, ob das wirklich seine Entscheidung war oder doch eher eine Vorgabe des Studios – in jedem Fall ist „Covenant“ die Antwort. Und die fällt in etwa so aus, als wolle uns der angenervte Meister sagen: „Ihr wolltet Aliens? Ihr wolltet Erklärungen? Bitteschön! Hier seht ihr, was ihr davon habt. Selber schuld.“

Und vielleicht hat er damit sogar Recht, denn was er eigentlich im Sinn hatte (eine erschreckende Reise zu den Ursprüngen der Menschheit), wäre ganz sicher fruchtbarer gewesen als die ewige Wiederkehr des immer Gleichen. Ein größerer Verrat an dem Film, der seine Karriere begründet hat, wäre jedenfalls kaum drin gewesen. Dass Jerry Goldsmiths schleichend-beunruhigende Originalmusik (mit der Sir Ridley einst ziemlich respektlos umgegangen war) hier eine unerwartet große Rolle spielt, macht alles nur noch schlimmer. Weitere Sequels sind angekündigt, aber die können nun nichts mehr retten.

Für alle, die dem Alien-Universum eher gleichgültig gegenüberstehen, bietet „Covenant“ solide Scifi-Unterhaltung mit einer Menge bekannter Muster, einem viel zu langen ersten Akt, weitestgehend belanglosen Figuren, einer Dosis unfreiwilliger Komik und einem völlig sinnlosen Cameo von James Franco. Visuell gibt es nichts zu beanstanden. Wem das ausreicht, dem wünschen wir viel Spaß. Wir hatten keinen. [LZ]

OT: Alien: Covenant (UK/AU/NZ/USA 2017). REGIE: Ridley Scott. BUCH: John Logan, Dante Harper. MUSIK: Jed Kurzel. KAMERA: Dariusz Wolski. DARSTELLER: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Carmen Ejogo, Jussie Smollett, Callie Hernandez, Amy Seimetz, Guy Pearce. LAUFZEIT: 122 Min.

Alien: Covenant | Poster

[Abbildungen © 2017 Twentieth Century Fox]

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