Air Force Trump: Der Soundtrack zur Kampagne

09. November 2016

Air Force One

Als Donald Trump gegen 3 Uhr morgens Ortszeit des 9. Novembers 2016 die Bühne des New Yorker Hilton Hotels betrat, könnte sich Jerry Goldsmith möglicherweise zum letzten Mal im Grab herumgedreht haben. Über Monate hinweg hatte Musik aus der Feder des 2004 verstorbenen Hollywood-Komponisten die Auftritte des jetzt frisch gewählten 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten begleitet – ein Szenario, das sich der Meister ganz sicher nicht gewünscht hätte.

Das majestätisch-heroische Thema stammt aus dem Soundtrack zu Wolfgang Petersens „Air Force One“. Hauptfigur des 1997er Action-Thrillers: der US-Präsident in Gestalt von Harrison Ford. Um einen gerade festgesetzten Diktator frei zu pressen, entführen Terroristen den ersten Mann im Staat, nichtsahnend, dass dieser ein echter amerikanischer Held ist, der die Angelegenheit am Ende mit eigenen Händen (und Fäusten) mehr oder weniger ganz alleine klärt. Ein patriotisch-idiotischer B-Film also, wenn auch ein millionenschwerer. So zupackend möchten sich Trumps Befürworter ihren kommenden ersten Mann im Staat zumindest im übertragenen Sinne vermutlich gerne vorstellen.

Dass Gail Katz, einst Produzentin des Films, schon vor Monaten öffentlich auf die fehlende Genehmigung zur Verwendung der Musik hingewiesen und die Verantwortlichen schriftlich zur Einstellung aufgefordert hat [1] , scherte den Kandidaten und sein Team selbstverständlich nicht im Geringsten. Für Goldsmiths Komposition an sich ist der Umstand jedenfalls eine echte Katastrophe, denn egal wie Trumps Präsidentschaft ausfallen wird, die langwierig hergestellte Assoziation dürfte sich kaum mehr neutralisieren lassen.

Air Force One | Jerry Goldsmith

[Abbildungen: Warner Home Entertainment | Varése Sarabande]

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