Adam Rifkin: Neue TV-Serie REALITY SHOW und ein Blick auf THE SHINING

26. Oktober 2012

Pünktlich zu Halloween startet am 1. November Adam Rifkins neue Showtime-Serie „The Reality Show“ und verspricht, ein eigensinniger und neuartiger Blick des Indie-Filmemachers auf die Mechanismen des Fernsehens als Medium des Voyeurismus um jeden Preis zu sein. Fast zeitlich wirft er im Rahmen von Joe Dantes Online-Filmschule „Trailers from Hell“ einen Blick auf einen Klassiker des Horrorkinos, der das Genre nachhaltig geprägt, den Autor der Vorlage aber erheblich verärgert hat: Stanley Kubricks „The Shining“ nach Stephen Kings erstem echten Bestseller.

Adam Rifkin The Shining

In beiden Beispielen sind die Protagonisten Spielbälle fremder Mächte, doch wo bei King/Kubrick Übernatürliches (oder vielleicht auch nur die Psyche) am Werk ist, haben die Strippenzieher in Rifkins „Reality Show“ durchweg menschliche Züge: Mickey Wagner, seines Zeichens Fernsehproduzent auf dem absteigenden Ast, will seine Karriere mit einer völlig neuen und fundamental wörtlich zu nehmenden Variante von Reality TV wieder in Gang bringen. Tag und Nacht soll eine amerikanische Durchschnittsfamilie von Kameras überwacht werden – ohne etwas davon zu wissen.

Rasch stellt sich jedoch heraus, dass die unfreiwilligen Protagonisten enervierend langweilig sind und keinerlei Unterhaltungspotential besitzen. Wagner (dargestellt von Rifkin selbst) bleibt also nur eine Chance, um seine Show (und Karriere) zu retten: Er muss aktiv eingreifen und der Wirklichkeit ein Stück weit nachhelfen. Dass er dabei schon bald die Kontrolle verliert und sich eine Eigendynamik mit fatalen Ausmaßen entwickelt, liegt auf der Hand.

Reality Show

Die Grundidee mag vage an „The Truman Show“ erinnern, doch Rifkins Konzept gerät wesentlich radikaler, ätzender und gnadenloser. Denn die Fiktion ist näher an der Wirklichkeit als man gemeinhin glauben mag, und so müssen die gängigen Typologien und Funktionsweisen von Reality TV, bei denen die Grenzen zwischen Dokumentation und Scripted Reality (oder Realtainment) ständig verschwimmen, nur geringfügig überhöht werden.

Rifkin hatte im vergangenen Jahr mit „Look“ bereits eine ähnlich gelagerte Showtime-Serie produziert. Genau wie in seinem gleichnamigen Film wurde das gesamte Geschehen dort ausschließlich von Überwachungskameras dokumentiert (ein Prinzip, mit dem auch J. J. Abrams und Jonathan Nolan in ihrer Erfolgsserie „Person of Interest“ arbeiten). Im Grunde erweitert „Reality Show“ dieses Konzept lediglich um den eingreifenden Autor und schafft damit zugleich eine neue Perspektive.

Eine nicht unähnliche Variante boten übrigens gerade erst Joss Whedon und Drew Goddard mit „The Cabin in the Woods“. Auch dort galt: Big Brother beobachtet nicht nur, er manipuliert auch.

Reality Show

Reality Show

[Abbildungen: Bump's International TV | Screencaptures]

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