31 | Filmkritik: Nazizwerge, Killerclowns, ein Deutscher im Tutu

01. Oktober 2016

31 | Rob Zombie

Die gute Nachricht zuerst: Rob Zombies aktuelle Schlachtplatte kann mit einem wirklich schicken Retro-Plakat im klassischen Exploitation-Look aufwarten. Die schlechte Nachricht: Mehr Positives gibt es über dieses unsäglich dumme, lieblose und amateurhaft zusammengezimmerte Machwerk kaum zu sagen. Man kann die früheren Arbeiten des hauptberuflichen Musikers mögen oder nicht, ihre individuelle, eigenwillige und non-konforme Herangehensweise jedoch, mit der sie sich deutlich von der Mehrheit vergleichbarer Genre-Produktionen abheben, lässt sich schwerlich ignorieren. Insbesondere vor diesem Hintergrund ist „31“ nicht mehr und nicht weniger als eine künstlerische Bankrotterklärung.

Die Story, eine unoriginelle Motivsammlung aus „Cube“, „Running Man“, „Hunger Games“ bzw. „Battle Royale“ und „Hostel“ (drei Männer und zwei Frauen finden sich in der Vornacht zu Halloween in einer Art industriellem Labyrinth wieder und müssen zur Belustigung dreier reicher Spinner über 12 Stunden hinweg um ihr Leben kämpfen), aufgepeppt mit den typischen Fetisch-Ingredienzien aus dem Zombie-Universum (Nazis und Killerclowns), ist dabei noch das geringste Problem. Dass jede Art von Dramaturgie aber einfach durch den beständigen Wechsel von grenzdebilen Dialogen und katastrophal unübersichtlich montierten Blutorgien ersetzt wird, während die eindimensionalen Figuren so sehr nerven, dass man ihr Verschwinden kaum abwarten kann, versetzt dem Film schon früh den Todesstoß.

31 | Rob Zombie

Dabei weckt eine durchaus vielversprechende Eröffnungssequenz jede Menge Hoffnung. In stimmungsvollem Schwarzweiß durchbricht ein blutverschmierter Psychopath mit philosophischen Ambitionen scheinbar die vierte Wand und verspricht dem Zuschauer in tarantinoesker Manier einen gewaltsamen Tod. Erst als er mit seiner Ansprache durch ist, gibt es sein eigentliches Opfer zu sehen – einen Priester. Es folgen die Credits über einer Collage im Super8-Look: Eine Gruppe Späthippies posiert für die Kamera, Schausteller auf Tour (stellt sich später heraus), gefilmt in ausgewaschenen Farben, wie Zombie sie am liebsten hat.

Danach steigt man besser aus, denn von nun an geht es nur noch bergab. Endlos lange, pointenfreie Wortwechsel, die kein Klischee auslassen, schleppen die Handlung dahin, vielleicht, um den Figuren (allerdings erfolglos) Konturen zu verpassen, vielleicht auch einfach, damit man nicht direkt in medias res gehen muss. Bis die Truppe dann endlich überfallen wird, einige (warum eigentlich?) im Jenseits und die Überlebenden in jener Arena landen, wo das ebenso perfide wie hundertfach zuvor schon besser gesehene Spiel ums Überleben beginnt.

Die Killer heißen Doom-, Sick-, Schizo-, Psycho-, Death- und Sex-Head. Dazu bitte keine weiteren Fragen. Einer von ihnen ist Deutscher (Torsten Voges, am ehestem bekannt aus der TV-Serie „Eastwick“) und trägt Tutu. Auch dazu kann man nur mit den Schultern zucken. Als Zeremonienmeister hat sich Malcolm McDowell einen Honorarscheck gesichert und ist in der Hauptsache damit beschäftigt, in einem albernen Sonnenkönigs-Kostüm Wettchancen auf die einzelnen Kandidaten zu verteilen – geringer Aufwand also, der vermutlich an einem Drehtag zu bewältigen war und die Kosten weiter niedrig gehalten hat.

31 | Malcolm McDowell

Dass nicht viel Geld zur Verfügung stand, ist dem Film an allen Ecken und Enden anzusehen, aber auch umfangreichere Mittel hätten hier nicht weitergeholfen. Zombie hatte einen Teil des Budgets über die weniger bekannte Crowdfunding-Plattform Fanbacked zusammengetragen und seinen Schritt mit der größeren Unabhängigkeit begründet, die das Projekt benötige. Angesichts des Resultats ist diese Aussage kaum nachvollziehbar, denn simple Metzeleien nach dem Abzählreimprinzip sogenannter „Countdown-Movies“ tummeln sich auf dem Direct-to-DVD-Markt bekanntlich zuhauf. Zuletzt erst lieferte Marcus Nispel mit „Exeter“ ein ähnlich unoriginelles und gähnend langweiliges Exemplar ab.

Wie immer hat Zombie die weibliche Hauptrolle mit seiner Ehefrau Sheri Moon besetzt, die je nach Film eine bessere Schauspielerin ist, als es ihr so mancher zugestehen will, und auch hier eine weniger schlechte Figur macht als die meisten ihrer Mitspieler. Die Personalie selbst lässt allerdings schon zu Beginn keinen Zweifel daran, dass „31“ kaum ohne Final Girl auskommen wird. Wer diese Vermutung eigenhändig verifizieren will, muss leider 100 Minuten Lebenszeit opfern. Wir für unseren Teil raten davon eher ab. [LZ]

OT: 31 (USA/UK 2016). REGIE: Rob Zombie. BUCH: Rob Zombie. MUSIK: John 5, Chris Harris, Bob Marlette, Rob Zombie. KAMERA: David Daniel. DARSTELLER: Sheri Moon Zombie, Jeff Daniel Phillips, Meg Foster, Richard Brake, Lawrence Hilton-Jacobs, Kevin Jackson, Malcolm McDowell, Elizabeth Daily, Pancho Moler, Jane Carr, Judy Geeson, Torsten Voges, Andrea Dora. LAUFZEIT: 142 Min.

[Abbildungen: © Tiberius Film GmbH]

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