3 Minutes | Filmkritik

08. Januar 2015

3 Minutes

Nicht zum ersten Mal dient ein feststeckender Aufzug als Basis für einen mehr oder weniger packenden Thriller-Stoff. So sperrte Carl Schenkel in „Abwärts“ (1984) unter anderem Götz George und Wolfgang Kieling auf engstem Raum ein und ließ die Spannungen in der Kabine zusehends eskalieren. 2010 legte John Erick Dowdle (zuletzt: „Katakomben“) den von M. Night Shyamalan erdachten Horrorfilm „Devil: Fahrstuhl zur Hölle“ vor, bei dem sich kein Geringerer als der Leibhaftige unter eine festsitzende Menschengruppe mischt. Deutlich reduzierter präsentiert sich Massimo Coglitores mit englischsprachigen Darstellern in Italien entstandene Produktion „3 Minutes“ (Originaltitel: „The Elevator“), die vorwiegend als Zweipersonenstück daherkommt

Der Quizshow-Moderator Jack Tramell ist beruflich überaus erfolgreich und scheint auf jede Frage eine passende Antwort zu haben. Als er eines Abends nach einer Aufzeichnung nach Hause kommt und in den Fahrstuhl zu seiner Wohnung steigt, denkt er an nichts Böses, findet sich Sekunden später aber in einer äußerst misslichen Lage wieder. Eine ihm unbekannte Frau hält den Aufzug an, setzt den Fernsehstar mit einem Taser außer Gefecht und zwängt ihn, an Händen und Füßen gefesselt, in eine Gurtvorrichtung, die an der Kabinendecke befestigt ist. Ausgerechnet Jack muss sich nun einem perfiden Frage-und-Antwort-Spiel stellen, das den Regeln seiner „3 Minutes“-Show folgt und bei dem es um nichts anderes als sein Leben geht.

Viel Zeit nehmen sich Regie und Drehbuch für die Zeichnung des Protagonisten nicht. Schon nach rund zehn Minuten ist das Bedrohungsszenario im Fahrstuhl etabliert, und bis dahin lassen lediglich einige flüchtige Begegnungen Rückschlüsse auf Jacks Charakter zu. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Moderator offensichtlich nicht. Mitunter tritt er anderen Menschen sogar recht überheblich entgegen, weshalb er vom Überfall der Unbekannten umso kälter erwischt wird. Was die mit allerlei Folterutensilien ausgestattete Frau antreibt, bleibt zunächst im Dunkeln, da erst einmal das perfide Quiz im Fokus steht, dem sich Tramell widerwillig unterziehen muss (ähnliches Schema aus der jüngeren Vergangenheit: „Unter Freunden“). Er, der ansonsten eine allwissende Position einnimmt, gerät nun selbst in folgenschweren Zugzwang.

3 Minutes

Auch wenn Coglitore in seinem Feature-Debüt das dramatische Hin und Her für einige fesselnde Momente nutzt, will sich so etwas wie eine klaustrophobische Kammerspielatmosphäre nur bedingt einstellen. Um den Zuschauer durchgehend an das Geschehen zu binden, fehlt es dem Drehbuch an ausreichender psychologischer Raffinesse. Manche Dialogpassagen wiederholen sich, das Verhalten kurzzeitig auftauchender Nebenfiguren ist übertrieben kopflos, und das pervertierte Quiz entpuppt sich, zumindest rückblickend, als recht unmotiviertes Vorspiel zum eigentlichen Kerngedanken einer Geschichte, die andernfalls ihre 90 Minuten Laufzeit vermutlich nicht erreicht hätte.

Unter den erzählerischen Schwächen zu leiden haben auch die tragischen Untertöne, die ab einem gewissen Zeitpunkt auf die Handlung einwirken. Die Kritik an gesellschaftlichen Missständen und der Gier privilegierter Kreise kommt zwar zur Geltung, kratzt aber trotz des aufgezeigten Schicksals stets nur an der Oberfläche. Eine Mitschuld trifft hier sicher auch die beiden Hauptdarsteller James Parks (vor allem bekannt als Gesicht des in vier Tarantino-Filmen auftauchenden Deputy McGraw) und Caroline Goodall, denen es nur bedingt gelingt, die wechselnden Kräfteverhältnisse und Gemütszustände differenziert auszuspielen.

Handwerklich gibt es hingegen wenig zu beanstanden. Schön anzusehen sind etwa die schwindelerregende Aufnahmen im Fahrstuhlschacht oder einige überraschende Wechsel von der Innen- zur Außenperspektive. Positiv fällt außerdem das bitterböse Ende auf, das noch einmal Bezug auf einige der vermeintlich unbedeutenden Anfangsszenen nimmt. [Christopher Diekhaus]

OT: The Elevator: Three minutes can change your life (IT 2013) REGIE: Massimo Coglitore. BUCH: Mauro Graiani, Riccardo Irrera. MUSIK: Stefano Caprioli. KAMERA: Vincenzo Carpineta. DARSTELLER: James Parks, Caroline Goodall, Burt Young, Katie McGovern, Niccolò Senni, Sara Lazzaro. LAUFZEIT: 88 Min (DVD), 92 Min (Blu-ray). VÖ: 02.01.2014.

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[Abbildungen: OFDb Filmworks]

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