Archiv für Oktober 2017

Weinstein und Grindhouse: Robert Rodriguez singt ein Heldenlied auf sich selbst

Samstag, 28. Oktober 2017

Robert Rodriguez

[Lesedauer: ca. 8:20 Minuten]

Wenige Tage nachdem Quentin Tarantino in Gestalt eines Interviews zum Fall Harvey Weinstein leidlich versucht hat, Schadensbegrenzung in eigener Sache zu betreiben [1], zieht jetzt auch Robert Rodriguez nach und hinterlässt dabei ein noch schlimmeres Bild als sein langjähriger Freund und Geschäftspartner. Beide waren über den Großteil ihrer Karrieren hinweg Protegés des mittlerweile gestürzten Moguls und hatten sich zunächst geschockt über die Enthüllungen gezeigt, die Anfang Oktober in einem Beitrag der New York Times öffentlich gemacht worden waren [2]. Beide haben nun zugegeben, schon lange von dem einen oder anderen Fall gewusst zu haben. Doch im Gegensatz zu Tarantino, der wenigstens ein (wenn auch kalkuliertes) Schuldeingeständnis ablieferte, verzichtet Rodriguez auf jegliche Selbstreflexion und steckt sich stattdessen lieber einen Orden an. Wer will das noch toppen?

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National Treasure (2016) | Beklemmender Vierteiler über sexuellen Missbrauch

Montag, 23. Oktober 2017

National Treasure

[Lesedauer: ca. 2:40 Minuten]

Es ist natürlich bloßer Zufall, dass diese mehrfach preisgekrönte britische Mini-Serie ausgerechnet zu einer Zeit auf dem deutschen Markt erscheint, da die Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein weltweit hohe Wellen schlagen. Ein Grund mehr jedoch, sie für das zu preisen, was sie ist – ein schmerzhafter und schonungsloser Blick auf dasjenige, was mit Menschen geschieht, die (möglicherweise) Opfer oder Täter geworden sind, mit ihren Angehörigen und Freunden, und einer Öffentlichkeit, die nicht glauben kann oder will oder sich wie hungrige Aasgeier auf alle Beteiligten stürzt. Vor allem aber geht es um den Zuschauer, der im Dunkeln gelassen wird darüber, ob die Vorwürfe echt sind oder inszeniert, was die Unklarheit mit uns macht, und auf welche Seite wir uns zu schlagen bereit sind.

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Mea Culpa: Quentin Tarantinos Weinstein-Geständnis ist ein Fall von klassischer Krisen-PR

Samstag, 21. Oktober 2017

Quentin Tarantino

[Lesedauer: ca. 8:30 Minuten]

Er kann einfach nichts in Bescheidenheit tun. Selbst im Fall des üblen Bekenntnisses, über Jahrzehnte hinweg stiller Mitwisser von Harvey Weinsteins sexuellen Übergriffen gewesen zu sein, muss sich Quentin Tarantino einen großen Auftritt zurechtinszenieren. Zunächst hatte er beharrlich geschwiegen, dann mitteilen lassen, den Schock erst ein paar Tage verarbeiten zu müssen, und schließlich ein Interview mit der New York Times geführt [1], dessen Sensationscharakter abschätzbar war – durchdacht und geplant wie ein Drehbuch von Big Quentin himself. Tatsächlich steckt dahinter aber vor allem eine Form von Kalkül, die Kommunikationsexperten als Krisen-PR kennen. Denn Tarantinos Mea Culpa ist wahlweise ein strategischer Schachzug zur Schadensbegrenzung oder ein manipulativer Versuch, den eigenen Kopf aus der eng anliegenden Schlinge zu ziehen.

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Hollywood Babylon: Für Harvey Weinsteins stille Mitwisser ist Rose McGowan der ultimative Alptraum

Samstag, 14. Oktober 2017

Rose McGowan

[Lesedauer: ca. 11:30 Minuten]

In „Planet Terror“, jenem albernen Versuch, mit einem Millionenbudget im Rücken dem Billigkino der 70er Jahre Tribut zu zollen, übernahm Mitinitiator Quentin Tarantino unter der Regie seines Lieblingskollaborateurs Robert Rodriguez einen besonders unrühmlichen Part. In den Credits schlicht als „Rapist#1“ gelistet, zwingt er die Protagonistin mit vorgehaltener Waffe erst zum Tanz und lässt dann die Hosen runter, um seinem Rollennamen gerecht zu werden. Bevor es jedoch dazu kommen kann, ätzt ihm ein Zombievirus die Genitalien weg. Gerechte Strafe für den Vergewaltiger? So sehen es die Herren QT und RR in ihren Filmen gern. Im echten Leben hingegen haben sie sich offenbar die Karriere von einem solchen aufbauen und bis zum heutigen Tage fördern lassen. Eines seiner Opfer heißt Rose McGowan.

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The Missing (2016) | The truth is out there: BBC-Mehrteiler um verschwundene Kinder überzeugt auch in der zweiten Staffel

Sonntag, 01. Oktober 2017

The Missing (Staffel 2)

[Lesedauer: ca. 3:30 Minuten]

In ihrer unendlichen Weisheit hatte die Programmplanung des ZDF vergangenen Mai beschlossen, ausgerechnet den letzten Teil der hochgelobten BBC-Serie „The Missing“ (Staffel 1) ins Nachtprogramm zu verlagern und stattdessen eine Wiederholung der deutlich harmloseren Krimireihe „Lewis“ zu zeigen. Begründung: mangelndes Zuschauerinteresse. „Bei der letzten von acht Folgen?“ denkt sich der kritische Beobachter da. „Hätte das den gebührenfinanzierten Profis vom Lerchenberg nicht schon früher auffallen müssen?“ – Nun, allerdings. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass den Verantwortlichen plötzlich Parallelen zum Fall Maddie McCann aufgefallen waren, deren 10-jähriges Verschwinden in jenen Tagen fleißig durch die Medien geisterte. Das (so mag man vermuten) war den Mainzern dann wohl ein bisschen arg nah an der Wirklichkeit, also setzte man lieber auf vorauseilenden Gehorsam und ersparte dem mündigen Zuschauer das erschreckende Finale. Dass es die zweite Staffel nun irgendwann ins Free-TV schafft, kann man vor diesem Hintergrund getrost vergessen.

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