Archiv für September 2017

mother! | Filmkritik: Paradise Lost

Samstag, 16. September 2017

mother!

[Lesedauer: ca. 2:50 Minuten]

Da fällt die Entscheidung nicht leicht: eigenwillige Variation einer Bestsellervorlage, ultimative Home-Invasion oder doch einfach der längste Witz der Welt? Bei der Premiere in Venedig fand die Uneinigkeit über Darren Aronofskys 120-minütige Totalzumutung ihren Niederschlag in einer konsequenten Kakophonie aus Buh- und Bravorufen. Seitdem hat sich die Lage kaum geändert. Kritiker- und Zuschauerreaktionen schwanken verlässlich zwischen Ablehnung, Bewunderung und völliger Ratlosigkeit. Mark Kermode zufolge soll den Teilnehmern einer Pressevorführung in England seitens des Verleihs geraten worden sein, den Film erst einmal sacken zu lassen [1]. Tatsächlich ist das die einzig sinnvolle Gebrauchsanweisung, denn „mother!“ (mit „Zing“-Laut auf dem Exklamationsszeichen) will es niemandem leicht machen, setzt sich in den Hirnwindungen fest und entwickelt dort ein parasitäres Eigenleben.

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Get Out | Filmkritik: Morgen schwarz, heute weiß

Donnerstag, 07. September 2017

Get Out

[Lesedauer: ca. 2:55 Minuten]

Am Ende von „Night of the Living Dead“ wird der Protagonist bekanntlich erschossen, weil man ihn für einen Untoten hält. Und weil er schwarz ist, werden bis heute Deutungen verfasst, die hier ein politisches Statement zu erkennen glauben. Für George A. Romero blanker Nonsens. Jegliches Kalkül wies er weit von sich, die Besetzung des farbigen Schauspielers Duane Jones sei reiner Zufall gewesen. Für die Wirkungshistorie ist das allerdings völlig belanglos, zumal schwarze Hauptfiguren im Horrorkino auch ein halbes Jahrhundert später noch Ausnahmefälle sind. Jordan Peele ist sich dessen wohl bewusst, und die Einflüsse, die seinem Debütfilm zugrundeliegen, reichen zurück bis zu „White Zombie“, jenem Pre-Code-Klassiker, der Rassismus als Thema erstmals ins Genre einführte, ohne ihn freilich zu thematisieren.

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Generation der Verdammten | BBC-Weltkriegsdrama ist vor allem bebilderte Historie

Samstag, 02. September 2017

Generation der Verdammten

[Lesedauer: ca. 2:00 Minuten]

Wer sich während der arg zerdehnten 180 Minuten dieses Mehrteilers auf seltsame Weise an seine Schulzeit erinnert fühlt, ist damit nicht allein. „The Passing Bells [dt. Generation der Verdammten]“ gehört zu jenem Typus bebilderter Historie, den Geschichtslehrer gerne einsetzen, um sich die Vorbereitung mehrerer Stunden Unterricht zu ersparen. Die BBC hatte die Produktion im Rahmen des weltweiten Gedenkprogramms zu 100 Jahren Erster Weltkrieg in Auftrag gegeben und gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen wollen. Mit drei Jahren Verspätung erscheint das gut gemeinte Stück Bildungsfernsehen nun auch auf dem deutschen Markt.

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