Archiv für März 2017

Die versunkene Stadt Z | Filmkritik: Eldorado im Schützengraben

Donnerstag, 30. März 2017

Die versunkene Stadt Z | Filmkritik

Wenn man sich mit eingefleischten Cineasten über David Lean austauscht und zugibt, „Lawrence von Arabien“ nur vom Fernsehbildschirm zu kennen, wird man sich wohl oder übel anhören müssen, erst dann ernsthaft behaupten zu können, diesen Klassiker des Biopics gesehen zu haben, wenn man ihn auf der Großleinwand gesehen hat. Trotz aller elitären Arroganz ist da einiges dran. Im Fall von James Grays („The Immigrant“) im besten Sinne altmodischem Abenteurerfilm nach realem Vorbild mag man vielleicht nicht ganz so streng sein, doch dass er dem analogen Kino Lean’scher Prägung näher steht als modernen CGI-Spektakeln, deren Ästhetik mit der Spielekonsole konkurrieren muss, lässt sich schwerlich bestreiten. Und weil es da auch keine Kompromisse gibt, ist „The Lost City of Z“ möglicherweise der Film, den Steven Spielberg seit langem vergeblich zu machen versucht.

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The Monster | Filmkritik: Co-abhängig

Donnerstag, 23. März 2017

The Monster

Wer sich in den letzten neun Jahren gefragt hat, was eigentlich aus Bryan Bertino geworden ist, nachdem er 2008 mit „The Strangers“ einen vielbeachtetes und leidlich verstörendes (zudem starbesetztes) Debüt abgeliefert hatte, der bekommt hier die Antwort in Gestalt eines kleinen, für überschaubares Geld produzierten Horrorjuwels, in dem die Figuren wichtiger sind als die Monster, von denen sie heimgesucht werden. Und weil der Film so gut geworden ist, verschweigen wir auch gerne, dass Bertino zuvor mit „Mockingbird [dt. Play]“ einen lauen FoundFootage-Beitrag zwischengeschoben hatte, der insgesamt eher unterhalb des Radars geblieben ist.

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Waxwork Records: Blut auf dem Plattenteller, Horror auf Vinyl

Mittwoch, 15. März 2017

Friday the 13th | Waxwork Records

Dass ein technisch völlig überholtes Medium wie die Schallplatte nicht nur nie ganz vom Markt verschwunden ist, sondern sich seit einer Weile sogar wieder zunehmender Beliebtheit erfreut, wundert Sammler, Händler und Liebhaber nicht im Geringsten: Streaming sei Hintergrundbeschallung, Vinyl hingegen echtes Musikhören. Da ist sicher etwas dran. Denn wer mit den schwarzen Scheiben aufgewachsen ist, kennt den ritalisiert anmutenden Abspielprozess mit all seinen multisensullen Komponenten nur zu gut. Hier gilt: Je hochwertiger, desto besser. Kein Wunder also, dass sich spezialisierte Labels heute eine eigene Fanbase aufbauen können. Ein schönes Beispiel dafür bieten Kevin Bergeron und Suzy Soto von Waxwork Records aus New Orleans.

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Gold (2016) | Filmkritik: Big Business

Sonntag, 12. März 2017

Gold | Filmkritik

Es gibt eine Menge Gründe, Matthew McConaughey zu hassen und die meisten davon tragen einen Filmtitel. „Interstellar“ zum Beispiel, Christopher Nolans Ausflug ins Raum-Zeit-Kontinuum, der dank seines Hauptdarstellers ohne eine tragende Rolle auskommen muss, die man auch mögen kann. Ganz anders liegt der Fall, wenn der Mann, der jahrelang auf romantische Komödien abonniert war, all seine natürliche Schmierigkeit vollgültig auslebt, damit man seine Figur ausgiebig verachten, fürchten oder belachen kann – so auf optimale Weise etwa geschehen in William Friedkins „Killer Joe“. Auf andere Weise schlüssig funktioniert McConaughey auch in „Gold“, ein Film, in dem er zu allem Übel auch noch permanent ausgiebig schwitzen muss.

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Logan – The Wolverine | Filmkritik: Shane mit den Scherenhänden

Sonntag, 05. März 2017

Logan - The Wolverine

Wenn sich das Zielpublikum nicht irgendwann voller Überdruss abwendet, werden DC und Marvel 2029 mit großer Wahrscheinlichkeit weit über 100 Superheldenfilme auf die Leinwand gebracht haben. Und warum auch nicht? Seit über einem Jahrzehnt verzeichnet das Genre keine relevanten Schwankungen oder gar Einbrüche. Offizielle Starttermine für einzelne Titel reichen bereits über 2020 hinaus. Die Zeichen stehen also gut. Weniger rosig sieht es für Superhelden in der fiktiven Variante des Jahres 2029 aus. Die X-Men sind ausgestorben, neue Mutanten gibt es keine und Logan arbeitet unter seinem bürgerlichen Namen unerkannt als Limousinenfahrer. Nur noch ein paar abgegriffene Comichefte erinnern an bessere Zeiten. Wie konnte es bloß so weit kommen?

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