Archiv für Mai 2016

Warcraft: The Beginning | Filmkritik: Zweiweltentheorie

Samstag, 28. Mai 2016

Warcraft: The Beginning

Man muss schon eine Menge Ballast beiseite räumen, um jene unschuldige Zeit wieder aufleben zu lassen, als ein Kinobesuch noch bedeutete, sich für zwei Stunden berauschen zu lassen, ohne dafür mit schalem Nachgeschmack und schlechtem Gewissen bestraft zu werden. Als die Leinwand die bessere Welt war, Helden noch nicht von Traumata und deren Manifestationen heimgesucht wurden (oder man zumindest nichts davon mitbekommen hat) und epische Gut/Böse-Geschichten auch ohne die unvermeidliche Spiegelung von 9/11 in fiktiven Weltbedrohungsszenarien funktionierten. Eine gute Zeit, aber wann war das nochmal genau? Ach ja, als man selber etwa 12 Jahre alt war. Oder jünger. Ab und an kann einem der richtige Film vorgaukeln, das sei immer noch so. „John Carter“ zum Beispiel. Oder eben dieser hier.

(weiterlesen…)

X-Men: Apocalypse | Filmkritik: Rückkehr nach Auschwitz

Sonntag, 22. Mai 2016

X-Men: Apocalypse

Er hätte Nietzsche gefallen, dieser erste Träger des X-Gens namens En Sabah Nur, besitzt er doch (und da wird einem selbst beim Zitieren übel) „jene ungeheure Energie der Größe“, die nötig ist, um „durch Vernichtung von Millionen Mißrathener [sic], den zukünftigen Menschen zu gestalten“. Denn als er nach über fünfeinhalb Jahrtausenden aus dem Koma erwacht, scannt er, der Unsterbliche, der im antiken Ägypten als Gott verehrt und von seinen Anhängern verraten wurde, rasch sämtliche TV-Kanäle des Planeten und erkennt so, dass es um die Moral des Homo Sapiens 1983 A.D. nicht sonderlich gut bestellt ist. Kein Wunder, Ronald Reagan ist US-Präsident, das Wettrüsten boomt und im Kino kehren die Jedi-Ritter zurück. Für den Ur-Mutanten gibt es also nur eine Lösung: die aktuelle Menschheit vernichten und unter seiner Herrschaft eine neue aufbauen. Daher sein Alternativname, Apocalypse.

(weiterlesen…)

Lucia – Engel des Todes? | Filmkritik: Lehrstück in Eigendynamik

Dienstag, 17. Mai 2016

Lucia - Engel des Todes?

Das Leben schreibt die unglaublichsten Geschichten, besagt eine Floskel, die sich erstaunlich oft als zutreffend erweist. So auch im Fall der niederländischen Krankenschwester Lucia de Berk, die 2003 trotz fragwürdiger Beweislage wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde. Erst 2010 konnte sie nach diversen Revisionsprozessen das Gefängnis von allen Anschuldigungen befreit verlassen. Ihr Schicksal erregte großes Aufsehen und gilt in unserem Nachbarland als einer der schlimmsten Justizirrtümer der jüngeren Vergangenheit. Mit „Lucia – Engel des Todes?“ (tatsächlich mit politisch korrektem Fragezeichen), der es auf die Shortlist für den Auslands-Oscar schaffte, arbeitet die Filmemacherin Paula van der Oest („Black Butterflies“) die skandalösen Ereignisse auf, bekommt das umfangreiche Material jedoch nur sehr eingeschränkt in den Griff.

(weiterlesen…)

Genreware aus Chilewood: The Stranger

Montag, 16. Mai 2016

The Stranger

Auf dem Schiff kommt er angereist, ganz so wie der bekannteste aller Blutsauger. Doch dieser hier flieht eher vor dem, was er ist, als dass er sein Revier ausdehnen will, und am Ende seiner Suche nach einer verlorenen Geliebten wartet nur ein Grabstein auf ihn. Lebensmüde lässt er sich von einer übermütigen Straßengang abstechen, wird jedoch von einem aufmerksamen Jungen vor dem Verbluten bewahrt. Stehen die beiden möglicherweise in einem besonderen Verhältnis zueinander? Auf dem Weg zur Antwort bekämpfen sich Söhne, die keine Mütter, und Väter, die keine Frauen mehr haben, Gesichter verbrennen im Sonnenlicht (oder per Brandstiftung) und Blut fließt naturgemäß sowieso. Wer am Schluss die Andeutung eines Sequels vermutet, liegt goldrichtig.

(weiterlesen…)

Licht und Schatten: The Twilight Zone (1985) | Staffel 1 erstmals im deutschen Heimkino

Montag, 09. Mai 2016

The Twilight Zone (1985)

Zweimal ist Rod Serlings legendäre Anthologie-Serie bislang wiederbelebt worden, beide Male mit eher mäßigem Erfolg (nicht, dass die Originalshow ein Riesenrenner gewesen wäre). Aber Kult gilt nun einmal als kassenträchtig, und da übernatürliche Themen Mitte der 80er das Mainstream-Kino erobert hatten, sprach eine Menge dafür, die alte Marke wiederaufleben zu lassen. Steven Spielbergs Breitwand-Remake einiger klassischer „Twilight Zone“-Episoden war zwar weit unter den Erwartungen geblieben, aber das mochte durchaus am Medium liegen. Serling selber jedenfalls hatte seine Anteile noch zu Lebzeiten an den produzierenden Sender CBS verkauft und so stand einem Reboot – wie man heute sagen würde – eigentlich nichts mehr im Wege.

(weiterlesen…)

Let Us Prey: BpjM setzt Horrorfilm mit Pollyanna McIntosh auf den Index

Freitag, 06. Mai 2016

Let us prey

Herzlichen Glückwunsch, BpjM. Wieder einmal ist es der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gelungen, sich mit einer Indizierung (Liste A) hinreichend lächerlich zu machen. Aktueller Stein des Anstoßes: der irisch-britische Horrorfilm „Let us prey“ mit Pollyanna McIntosh und Liam Cunningham in den Hauptrollen. Ein absurder Vorgang, der eine über 15-monatige Geschichte hat: Die ungeschnittene Fassung war bereits im Januar 2015 an der FSK gescheitert, kam aber zwei Wochen später bei der SPIO/JK mit dem Titel „keine schwere Jugendgefährdung“ durch. Der Verleih Pierrot le Fou veröffentlichte im Anschluss sowohl eine Uncut-Version als auch eine gekürzte Fassung mit FSK18-Freigabe.

(weiterlesen…)

The First Avenger: Civil War | Filmkritik: Staffelfinale

Montag, 02. Mai 2016

The First Avenger: Civil War

Die beste Strategie, als Deutscher unauffällig in einem deutschen Hotel zu residieren: den Namen „Müller“ angeben (Meldegesetz dabei ignorieren), das Zimmermädchen als „Fräulein“ betiteln und zum Frühstück schwarzen Kaffee mit Speck ordern. Nonsens? Mitnichten. Denn im aktuellen „Avengers“-Ableger/Sequel/Spin-Off funktioniert genau das reibungslos und sagt eine Menge darüber aus, welche Klischeevorstellung von Hans, Fritz und Helmut man dem amerikanischen Blockbusterpublikum wohl servieren zu müssen glaubt, wenn man sich schon dazu bereit erklärt, mehrere hiesige Filmförderungen um rund 1,2 Millionen Euro zu erleichtern. Dafür prügeln sich die Superhelden aus dem Marvel-Universum dann auch gerne durch den Flughafen Leipzig/Halle und machen kaputt, was ihnen so im Wege steht.

(weiterlesen…)