Archiv für Januar 2016

Love | Filmkritik: Die Liebe stirbt und kehrt nie mehr zurück

Freitag, 29. Januar 2016

Love | Gaspar Noé

Dieser Ort ist ein Gefängnis. So geht es Murphy durch den Kopf am Morgen jenes ersten Januars an der Seite einer Frau, die er nicht liebt, mit einem Kind, das er mit einer anderen haben wollte, in einer Wohnung, die einmal sein Zuhause war. Davon ist jetzt nur noch ein Bücherbord mit ein paar Filmen übrig geblieben, Restbestände seines ambitionierten Traums, ein bedeutender Regisseur zu werden, der leidenschaftliche Geschichten von Blut, Sperma und Tränen erzählt. In einer leeren VHS-Hülle bewahrt er einen kleinen Beutel mit Opium auf, das letzte Geschenk von Electra, seiner großen Liebe, die spurlos verschwunden ist, sich vermutlich das Leben genommen hat, und mit der er nur noch in schmerzhaften Erinnerungen zusammen sein kann.

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The Hateful Eight | Filmkritik: Das große Faseln

Sonntag, 24. Januar 2016

The Hateful Eight

Es gibt diesen Künstlertypus, dem man gerne bereit ist, eine Menge zuzugestehen – darunter Dinge, die man jedem anderen im natürlichen Reflex um die Ohren hauen würde. Der Grund für diese Ausnahmeregelung, zu der man sich entgegen aller Vernunft breitschlagen lässt: All die Unerträglichkeiten, die einem da zugemutet werden, lösen sich früher oder später angesichts einzelner, gänzlich herausragender Leistungen ins neutrale Nichts der Kategorie „Schwamm drüber“ auf. Quentin Tarantino gehört zu eben diesem Typus von Künstlern, doch was er seinem Publikum mit den (je nach Fassung) bis zu 187 Minuten seines Neo-/Post-/Meta-/Pseudo-Spaghettiwesterns abverlangt, stellt selbst die heißeste Fanliebe auf eine zermürbende Geduldsprobe.

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Hat das deutsche Genrekino eine Zukunft? | Symposium der Filmbüros NRW weckt Hoffnung

Dienstag, 19. Januar 2016

Peter Thorwarth weiß eigentlich gar nicht, was das sein soll, ein Autorenfilm. Schließlich schreibe er auch alles selber und führe Regie. Aber er mache halt Genre. Die entscheidende Frage, die sich dabei stellt: Soll man sich angesichts der spätpubertärsten und am meisten durchgespulten aller Positionen zum Kampfbegriff des deutschen Kinos der 70er direkt übergeben oder reicht es auch, verständnislos den Kopf zu schütteln? Die beiden anderen Fragen dieses vom Filmbüro NRW vergangenen Dezember unter dem weit ausholenden (und – gähn – an Siegfried Kracauer angelehnten) Titel „Von Caligari bis ins finstere Tal“ veranstalteten Syposiums im Kölner Museum Ludwig sind jedenfalls deutlich wichtiger: Warum führt der Genrefilm hierzulande ein Nischendasein? Und wie lässt sich das ändern?

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Shrew’s Nest | Filmkritik: Geschlossene Gesellschaft

Sonntag, 17. Januar 2016

Musarañas

Das spanische Thriller- und Horrorkino ist immer für Überraschungen gut. Bereits 2014 erarbeitete sich das Spielfilmdebüt „Musarañas“ des Regiegespanns Juanfer Andrés und Esteban Roel einen beachtlichen Festivalruf. Lob und Anerkennung kommen nicht von ungefähr, zumal das wirkungsvolle Drama neben aller inhaltlichen und formalen Raffinesse mit einer famosen Macarena Gómez („Witching & Bitching“) gesegnet ist, die jeden noch so grausamen Ausfall ihrer Figur nuanciert und nachhaltig vermitteln kann. Dass auf dem Weg zum blutig-bedrückenden Finale einige Enthüllungen vorauszuahnen sind, darf man daher getrost ignorieren.

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The Revenant | Filmkritik: Wiedergeburt aus dem Pferdeleib

Freitag, 15. Januar 2016

The Revenant

Selbst durch Ryuichi Sakamotos schwermütige Musik weht ein eiskalter Wind. In den langen Pausen zwischen den Noten behauptet er seine Präsenz, verstörend unaufdringlich, und deshalb umso unerbittlicher. Die Natur handelt nicht, zwingt nicht, zögert nicht. Unbeeindruckt vom Menschen, der an ihr zerbricht, folgt sie ihren Gesetzen. Wer sich ihnen ausliefert, muss bereit sein, auf der Strecke zu bleiben. Geschichten darüber können nur vom Überleben erzählen, vom beständigen Aufschub des Unvermeidlichen. Um das zu begreifen, muss man es am eigenen Leib erfahren. Nichts anderes will dieser Film erreichen und deshalb ist „The Revenant“ physisches Kino in Reinform.

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