Hands of Stone | Filmkritik: Harte Männer tanzen nicht

01. Mai 2018

Hands of Stone

Das Glück ist wie eine Frau, die man verführen lernen muss (was auch immer das heißen mag). Lebensweisheiten dieser Güteklasse trichtert Ray Arcel, eine echte Legende unter den Boxtrainern, seinem neuen Schützling nachdrücklich ein und ahnt dabei vermutlich nicht, wie dieser den Rat des Mentors parallel bei seiner zukünftigen Frau in die Tat umsetzt. Das Leben findet eben im Ring statt – das wissen wir seit den beiden einschlägigen (sic!) Klassikern des k.o.-Kinos. Für Roberto Durán, den ungestümen jungen Mann aus Panama, der die Amerikaner hasst, weil sie sich in seinem Land wie Kolonialherren aufspielen, trifft dieser Umstand uneingeschränkt zu. Als Zuschauer hingegen kann einen das ganz schön kalt lassen.

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Ghost Wars | Garantiert gruselfrei: Syfy-Serie ist Stephen King ultra-light

25. März 2018

Ghost Wars

[Lesedauer: ca. 2:20 Minuten]

Das größte Problem am nicht nachlassenden Serienwahn ist die begrenzte Lebenszeit des Konsumenten. Als Showrunner muss man alles daran setzen, ihr ein möglichst großes Stück abzuringen – und das bestenfalls über mehrere Staffeln hinweg. Gar nicht so einfach, denn wer kann schon alles wegbingen, was da praktisch wöchentlich auf dem Markt erscheint und die volle Aufmerksamkeit verlangt? Bei Netflix glaubt man (angeblich), der Herausforderung mit Verschlagwortung und Useranalyse beizukommen. Andere setzen auf eine mehr oder weniger ausgewogene Balance aus Originalität und Gutbewährtem. Schlimmstenfalls kommt lauwarme Ware dabei herum. „Ghost Wars“, eine Produktion des Syfy-Channels, ist dafür ein echtes Vorzeigebeispiel.

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Good Time | Filmkritik: Murphy’s Law

14. März 2018

Good Time

[Lesedauer: ca. 2:30 Minuten]

Man mag von Robert Pattinson ja halten, was man will, aber dass er es sich karrieretechnisch einfach machen würde, dürfte ihm niemand ernsthaft unterstellen. Denn während so mancher seiner Kollegen nicht schnell genug auf den Marvel-Zug aufspringen kann, sucht sich der gerade mal 31-jährige Engländer lieber Independent-Produktionen aus, die ihn schauspielerisch herausfordern, und bei denen er auch nichts dagegen hat, mal nur eine Nebenrolle zu spielen. Cronenberg, Herzog, Corbijn finden sich in seiner Filmographie, für „Die versunkene Stadt Z“ machte er sich fast unsichtbar, „The Childhood of a Leader“ (2015) kämpft immer noch mit dem Weltvertrieb. „Good Time“ bildet in dieser Reihe bemerkenswerter Entscheidungen jenseits eines breiten Zuschauergeschmacks keine Ausnahme.

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The Secret Man | Filmkritik: Whistleblowing

05. März 2018

The Secret Man

[Lesedauer: ca. 2:00 Minuten]

Es ist für Amerika eine gute Zeit, um an aufrechte Frauen und Männer zu erinnern, die sich dem Druck antidemokratischer Kräfte in der eigenen Regierung entgegengestellt und damit nicht selten ihre Existenz aufs Spiel gesetzt haben. Gerade erst erzählt Steven Spielberg in „The Post“ eine solche Geschichte und erinnert gegen Ende in einem Atemzug an „All the President’s Men“, jenen Klassiker des politischen US-Kinos von 1976 über den Watergate-Skandal und dessen Protagonisten. Einer davon heißt dort lediglich „Deep Throat“ (damals Hal Holbrook), nach dem gleichnamigen Pornofilm, der die Nation mindestens so erschütterte wie die Verwicklung ihres Präsidenten in die Abhör-Affäre. Seinen echten Namen erfuhr die Öffentlichkeit erst 2005 und vergaß ihn auch gleich wieder. Dabei ist er in der Sache bis heute einer der bekanntesten Whistleblower nach Edward Snowden.

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Altered Carbon | Ich ist ein anderer: Netflix macht sich unsterblich

03. März 2018

Altered Carbon

[Lesedauer: ca. 2:50 Minuten]

Gegen Ende des 24. Jahrhunderts ist der alte Cartesische Leib-Seele-Dualismus endgültig ad acta gelegt. Die eigene Persönlichkeit lässt sich auf eine Art Speicherstick herunterladen und beliebig in einen neuen Körper einsetzen, wenn der alte ausgedient hat. In der Welt von „Altered Carbon“ heißen diese beiden Elemente „Stack“ und „Sleeve“, aber am Ende sind das auch nur Vokabeln. Ohne Haken ist diese ziemlich vereinfachte Form der Metempsychose allerdings nicht. Denn wo die Schere zwischen Arm und Reich besonders weit aufgeht, müssen die weniger gut Betuchten leider mit den Körpern auskommen, die gerade zur Verfügung stehen – und da kann der Stack eines verstorbenen Kindes schon mal im Sleeve eines alternden Erwachsenen wiederkehren. Geschlechtswechsel inklusive.

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American Assassin | Filmkritik: The Boring Legacy

28. Februar 2018

American Assassin

[Lesedauer: ca. 2:20 Minuten]

Seitdem er dank „Birdman“ in der allgemeinen Wahrnehmung wieder zu Hollywoods A-Liste gehört, hat Michael Keaton eine Reihe guter Entscheidungen getroffen, auch wenn nicht alle davon auf ein breiteres Publikum gestoßen sind (etwa „The Founder“). Dazu gehört zwar ein gutes Gespür, aber so ganz ohne Glück kommt man trotzdem nicht aus. Während der Dreharbeiten zu „American Assassin“ jedenfalls mag Keaton irgendwann aufgegangen sein, dass er hier eher danebengegriffen hat, und weil es da sowieso schon zu spät war und gerade eine alberne Dosis Torture Porn auf dem Plan stand, hat er möglicherweise die Chance genutzt, sich einfach mal in hemmungslosem Overacting auszuprobieren. Passiert den Besten.

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Rose McGowan: Brave | UK-Ausgabe deutlich kürzer als US-Fassung

27. Februar 2018

Rose McGowan

[Lesedauer: ca. 1:20 Minuten]

Bis am 3. April die deutschsprachige Version von Rose McGowans vieldiskutierter Autobiographie erscheint, bleibt dem interessierten Leser hierzulande nur der Griff zur Originalausgabe. Wer sie im Buchhandel oder bei einem einschlägigen Online-Dienstleister bestellt, wird in aller Regel eine Ausgabe von Harper Collins UK bekommen und sich nicht weiter darüber wundern. Dass er eigentlich jedoch lieber die für den US-Markt bestimmte Fassung lesen würde, davon weiß er nichts. Zwischen beiden Versionen gibt es nämlich erhebliche Unterschiede.

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Rose McGowan: Brave | Alice im Traumaland

18. Februar 2018

Rose McGowan | Brave

[Lesedauer: ca. 12:50 Minuten]

Für das kollektive (popkulturelle) Gedächtnis war Rose McGowan lange Zeit vor allem zweierlei: Das blonde Mädchen, das im ersten Film der „Scream“-Reihe auf fatale Weise im Garagentor steckenbleibt, und das brünette Starlet, das auf dem Red Carpet der MTV Awards in nichts als einem Netzkleid posiert. Beide Momente sind mit zwei der wenigen Männer verbunden, die in „Brave“, ihrer mit Wut, Blut und Tränen in die Tasten gehämmerten Autobiographie, vergleichweise gut davonkommen: Wes Craven und (mit Einschränkungen) Marilyn Manson. Ansonsten liest sich das schwer erträgliche und ebenso schwer aus der Hand zu legende Buch wahlweise wie ein misogyner Entwicklungsroman aus der Hölle, eine Urban-Horror-Version von „Alice im Wunderland“ oder ein perverses Videospiel über Macht und Missbrauch mit multiplen Endgegnern auf jedem Level.

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Dark Stages: Lithographien von David Lynch in Düsseldorf

20. Januar 2018

David Lynch | Dark Stages: Lithographien (I hold you tight)

[Lesedauer: ca. 1:30 Minuten]

„I hold you tight“, liest es sich in übermäßig spationierten Lettern über der Szenerie, doch was sich darunter abspielt, hat wenig mit einer zärtlichen Umarmung zu tun. Die Distanz zwischen den beiden Figuren ist enorm, denn die Arme des Mannes, über dem eine tiefschwarze Sprechblase seinen Anspruch auf das Gegenüber manifestiert („Mine“), sind länger als sein eigener Körper, und das Objekt seiner Begierde, eine nackte Frau, hat dem Würgegriff seiner gewaltigen Pranken nur wenig entgegenzusetzen – außer einem seltsamen Oszillieren aus Entsetzen und Ekstase, das sich für den Betrachter schwerlich greifen lässt. Wen das Motiv an jene ikonische Szenerie zwischen Frank Booth und Dorothy Vallens aus „Blue Velvet“ erinnert, ist auf dem richtigen Weg, denn der bereits leicht vergilbte Schwarzweißdruck stammt von David Lynch.

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SS-GB | Alternative Fakten: BBC-Mehrteiler bringt deutsche Besatzer an die Themse

19. Januar 2018

SS-GB

[Lesedauer: ca. 2:30 Minuten]

Was denn? Schon wieder eine Serie, bei der Deutschland den Krieg gewonnen und internationale Wahrzeichen mit Hakenkreuzen dekoriert hat? Genau. Nur dass sich diesmal nicht ganz Nordamerika zum Führergruß gedrängt sehen muss (wie in der Amazon-Serie „The Man in the High Castle“), sondern der britische Nachbar. Die Luftschlacht um England ist ganz anders ausgegangen, als man es aus den Geschichtsbüchern kennt, und so machen es sich die Nazis 1941 bei einem Earl Grey gemütlich und importieren den Judenstern nach London. Scotland Yard untersteht der SS und von politischer Neutralität, wie sie sich die Polizei trotz Invasion gerne auf die Fahne schreibt, bleibt bald nicht mehr viel übrig. Eine gute Zeit für Kollaborateure.

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Alles Geld der Welt | Filmkritik: Mehr ist mehr

15. Januar 2018

Alles Geld der Welt

[Lesedauer: ca. 3:15 Minuten]

Reich werden, das kann jeder, reich bleiben hingegen, das ist eine echte Leistung – doziert John Paul Getty I, zu seiner Zeit der vermutlich reichste Mann der Welt. Es ist der zentrale Glaubenssatz, in dem alle Fäden seines Handelns zusammenlaufen (zumindest in dieser Filmversion des historischen Getty aus der Feder von David Scarpa). Nachvollziehbar also, dass er für die Freilassung seines entführten Lieblingsenkels Paul weder die geforderten 17 Millionen Dollar, noch später 4, noch überhaupt irgendetwas zahlen will. Öffentlich begründet er seine Entscheidung wie ein Staatsoberhaupt: Er ist nicht erpressbar. Wer für einen Enkel zahlt, zahlt bald auch schon für alle anderen (und davon gibt es 14). Einen Vertrauten wird er an anderer Stelle mit der albernen Aussage abweisen, er könne sich das Lösegeld momentan schlichtweg nicht leisten. Punkt. Wer das alles für ziemlich unrealistisch hält, hat vermutlich noch nie mit Menschen zu tun gehabt, gegen die Dagobert Duck wie ein bescheidener Tagelöhner aussieht. Reichtum ist ein Wert an sich.

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The Expanse (Staffel 1) | Mars macht mobil: Visuell beachtliche Scifi-Serie des Syfy-Channels schwächelt in der Figurenzeichnung

13. Januar 2018

The Expanse (Staffel 1)

[Lesedauer: ca. 2:20 Minuten]

Während die UN zur Weltregierung aufgestiegen ist, hat sich der Mars als ernstzunehmende Militärmacht etabliert. Und als ob diese Konstellation nicht schon explosiv genug wäre, wächst im ausgebeuteten Asteroidengürtel eine Widerstandsgruppierung heran, die keiner der beiden Parteien gut gefällt. Doch ist es wirklich sie, die im Verborgenen für eine Destabilisierung der Verhältnisse sorgt, um einen Krieg heraufzubeschwören, oder lauert da noch eine unbekannte Gefahr von außen, die niemand kennt? So in etwa sieht das Grundszenario der vielgelobten, visuell beachtlichen und mittlerweile auf drei Staffeln angewachsenen Serie „The Expanse“ des Syfy-Channels aus, die man hierzulande auf Netflix oder neuerdings auch auf DVD und Blu-ray verfolgen kann. Doch was helfen aufwendige Sets und ein dystopischer Konflikt kosmischen Ausmaßes, wenn die handelnden Figuren kreuzlangweilig sind?

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Bright | Erster Netflix-Blockbuster ist die teuerste Schlaftablette der Welt

06. Januar 2018

Bright

[Lesedauer: ca. 3:30 Minuten]

In einem Anfall von Größenwahn (oder war es Ironie?) ließ Max Landis kürzlich den Rest der Welt wissen, dass „Bright“ das Potential hätte, sein persönliches Pendant zu „Star Wars“ zu werden. Angesichts des Ergebnisses kann man da nur verständnislos mit dem Kopf schütteln – eine Reaktion übrigens, für die der Film auch sonst eine Menge Anlässe bietet. Inzwischen ist der zugehörige Tweet zwar verschwunden, aber das Netz vergisst ja bekanntlich nichts. Was genau sich der Autor von „Chronicle“ (gut) und „Victor Frankenstein“ (weniger gut) dabei gedacht hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Viel wichtiger ist allerdings die Frage, wie es nur wenige Tage nach Veröffentlichung bereits zur Beauftragung eines Sequels kommen konnte, und was das für die zukünftige Politik von Netflix bedeuten mag.

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Beutolomäus und der wahre Weihnachtsmann | KiKA-Serie mit Simon Böer ist ein Highlight im deutschen TV-Einerlei

19. Dezember 2017

Beutolomäus und der wahre Weihnachtsmann

[Lesedauer: ca. 4:35 Minuten]

Wer hätte das gedacht? Alle 100 Jahre wird der Weihnachtsmann ausgetauscht. Ähnlich wie James Bond oder der Papst, halt nur wesentlich später. Eigentlich nachvollziehbar, denn irgendwann machen die rheumatischen Gelenke die Kletterei durch den Kamin einfach nicht mehr mit, und die ständige Reiserei mit einem fliegenden Schlitten birgt im Alter deutliche Risiken (die Konzentrationsfähigkeit lässt nach und Kollisionen mit anderen Flugobjekten werden zunehmend wahrscheinlicher). Ausgerechnet jetzt ist es gerade wieder so weit. Schon bemerkenswert, denn das letzte Mal muss rechnerisch mitten im Ersten Weltkrieg gewesen sein. Aber auch die aktuelle Wahl steht unter keinem guten Stern. Denn im Zeitalter des Cyberterrorismus hackt ein übler Geselle namens Ruprecht das System und krönt sich – ganz ohne Hilfe der Russen – selber zum neuen Weihnachtsmann. Eine ziemliche Katastrophe.

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Zarah – Wilde Jahre | Abtreibung, Bukowski, Nazi-Väter: die 70er als Klischeecollage

07. Dezember 2017

Zarah - Wilde Jahre

[Lesedauer: ca. 2:55 Minuten]

Und wieder so ein Musterbeispiel für die gründliche verkorkste Programmplanung des ZDF, das sich immer gerne als Privatsender missversteht und deshalb Produktionen, die nicht die erwünschte Quote bringen, entweder ins Nachtprogramm verschiebt („The Missing“) oder gleich ganz absetzt („Herzensbrecher“). Im Fall von „Zarah – Wilde Jahre“ hatte die Hauptredaktionsleiterin Fernsehfilm / Serie II vorab noch betont, dass man bei der Etablierung neuer Formate häufig einen längeren Atem benötige, musste ihre Worte aber kurz darauf wieder schlucken, als die Verantwortlichen nämlich das neue Inhouse-Produkt bereits nach zwei Folgen aus der Primetime entfernten und in die Geisterstunde bzw. zu ZDFneo strafversetzten (wo neuerdings ebenfalls quotenabhängig liquidiert wird – siehe „Schulz und Böhmermann“). Stattdessen gab es in Wiederholung eine echte Mainzer Geheimwaffe zu sehen: „Die Bergretter“. Gute Nacht, Seriendeutschland.

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The Sinner | Im Käfig: Fesselnder Mehrteiler mit Jessica Biel und Bill Pullman

27. November 2017

[Lesedauer: ca. 2:00 Minuten]

Frage in die Runde: Wann genau ist das letzte Mal eine US-Serie nach einer deutschen Vorlage entstanden? Die wahrscheinlichste Antwort, die einem da einfällt: Nie. Dieser Umstand hat sich gerade geändert, denn auch wenn man die End Credits bis zum Schluss durchhalten muss, um den entscheidenden Hinweis zu lesen, beruht „The Sinner“ doch ausdrücklich auf dem gleichnamigen, bereits 1999 erschienenen Roman von Petra Hammesfahr. Im September vergangenen Jahres hatte USA Network zunächst einen Pilotfilm in Auftrag gegeben, im Januar dann die gesamte Serie. Erstausstrahlung: August. In Deutschland sind seit Anfang November alle acht Teile auf Netflix zu sehen. Das ist ein Tempo, mit dem das Kino einfach nicht mehr mithalten kann.

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Unlocked | Filmkritik: Kein Franchise für Noomi Rapace

12. November 2017

Unlocked

[Lesedauer: ca. 2:15 Minuten]

Es gibt Gründe, warum Filme wie dieser nach und nach vollständig aus den Kinos verschwunden sein werden: Sie haben kein Zielpublikum mehr. Für Blockbuster zu klein, für Arthouse zu Mainstream. Wer da bereit ist, sein hart verdientes Geld in ein Ticket zu investieren, gehört zu einer Minderheit. Die 90er, als das Sterben der mittelgroßen Leinwände noch unvorstellbar schien und CGI-freie Thriller wie „Class Action“ oder „The Pelican Brief“ ihre Kosten mithilfe prominenter Hauptdarsteller problemlos wieder reinholen konnten, sind lange vorbei. Heute gehören Produktionen wie „Unlocked“ den Streaming-Diensten. In seiner britischen Heimat spielte Michael Apteds aus der Zeit gefallenes Spionage-Allerlei gerade einmal rund 250.000 Pfund ein. In Deutschland reichte es lediglich für eine DVD-Premiere.

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Rillington Place: Der Biedermann als Serienkiller | Tim Roth und Samantha Morton brillieren in BBC-Drama

01. November 2017

Rillington Place

[Lesedauer: ca. 2:50 Minuten]

In Englands Kriminalhistorie ist John Christie nach Jack the Ripper vielleicht der bekannteste aller Frauenmörder. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass seine Geschichte auf Umwegen dazu beitrug, die Todesstrafe im Vereinigten Königreich 1965 abzuschaffen. Nach seiner Festnahme gestand Christie unter anderem einen Mord, für den drei Jahre zuvor ein anderer gehängt worden war, und bei dessen Prozess er zu allem Überfluss auch noch eine entscheidende Rolle als Hauptzeuge gespielt hatte. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten sich wenig mit Ruhm bekleckert, schlampig ermittelt und vermutlich gar ein Geständnis erzwungen. Immerhin erhielt der unschuldig verurteilte Timothy Evans posthum eine offizielle Entschuldigung vom damaligen Innenminister (wovon er sich herzlich wenig kaufen konnte). Die BBC hat den vielfach beleuchteten Fall nun erneut aufgerollt und einen finsteren Dreiteiler produziert, der alles andere als gute Laune verbreitet – und deshalb umso gelungener ist.

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Weinstein und Grindhouse: Robert Rodriguez singt ein Heldenlied auf sich selbst

28. Oktober 2017

Robert Rodriguez

[Lesedauer: ca. 8:20 Minuten]

Wenige Tage nachdem Quentin Tarantino in Gestalt eines Interviews zum Fall Harvey Weinstein leidlich versucht hat, Schadensbegrenzung in eigener Sache zu betreiben [1], zieht jetzt auch Robert Rodriguez nach und hinterlässt dabei ein noch schlimmeres Bild als sein langjähriger Freund und Geschäftspartner. Beide waren über den Großteil ihrer Karrieren hinweg Protegés des mittlerweile gestürzten Moguls und hatten sich zunächst geschockt über die Enthüllungen gezeigt, die Anfang Oktober in einem Beitrag der New York Times öffentlich gemacht worden waren [2]. Beide haben nun zugegeben, schon lange von dem einen oder anderen Fall gewusst zu haben. Doch im Gegensatz zu Tarantino, der wenigstens ein (wenn auch kalkuliertes) Schuldeingeständnis ablieferte, verzichtet Rodriguez auf jegliche Selbstreflexion und steckt sich stattdessen lieber einen Orden an. Wer will das noch toppen?

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National Treasure (2016) | Beklemmender Vierteiler über sexuellen Missbrauch

23. Oktober 2017

National Treasure

[Lesedauer: ca. 2:40 Minuten]

Es ist natürlich bloßer Zufall, dass diese mehrfach preisgekrönte britische Mini-Serie ausgerechnet zu einer Zeit auf dem deutschen Markt erscheint, da die Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein weltweit hohe Wellen schlagen. Ein Grund mehr jedoch, sie für das zu preisen, was sie ist – ein schmerzhafter und schonungsloser Blick auf dasjenige, was mit Menschen geschieht, die (möglicherweise) Opfer oder Täter geworden sind, mit ihren Angehörigen und Freunden, und einer Öffentlichkeit, die nicht glauben kann oder will oder sich wie hungrige Aasgeier auf alle Beteiligten stürzt. Vor allem aber geht es um den Zuschauer, der im Dunkeln gelassen wird darüber, ob die Vorwürfe echt sind oder inszeniert, was die Unklarheit mit uns macht, und auf welche Seite wir uns zu schlagen bereit sind.

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