Outpost 37 | Filmkritik

26. Februar 2015

Outpost 37

Und noch eine Alien-Invasion. Gerade einmal sechs Jahre von heute müssen sich die Erdlinge mit eroberungswilligen Besuchern aus dem All herumschlagen (die sie ihrer starken Bepanzerung wegen „Heavies“ taufen). Zwar ziehen die Außerirdischen schon ein Jahr später wieder von dannen, lassen aber eine ganze Reihe ihrer Soldaten auf dem blauen Planeten zurück. Umgehend werden weltweit militärische Außenposten installiert, um der Plage Herr zu werden. Ein Jahrzehnt Säuberungsarbeit vergeht, dann haben Regierungen und Weltöffentlichkeit kein Interesse mehr an den Sondereinsatzkommandos. Mittelkürzungen und chronische Unterbesetzung machen den in ehemaligen Kriesenherden stationierten Trupps schwer zu schaffen: Anlass für eine Filmdokumentation, um an die vergessenen Männer im Dienste der Menschheit zu erinnern.

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American Sniper | Filmkritik

20. Februar 2015

American Sniper

„Don’t mess with Texas“ warnt ein Sticker auf dem Kühlschrank in der schäbigen Hütte, die sich Chris Kyle mit seiner aktuellen Freundin teilt. Doch Chris ist nie zu Hause, weil er zu sehr auf andere Dinge fokussiert ist und seine Zeit lieber in männlichen Parallelwelten verbringt. Für eine gesunde Beziehung keine gute Grundlage, doch das wird der mit Wut und Testosteron aufgeladene Sohn aus einfachen Verhältnissen so schnell nicht begreifen. Später warten Frau und Kinder daheim, während er in den Krieg zieht, um sein Land zu verteidigen und im Ernstfall auch anderer Frauen und Kinder mit einem gezielten Schuss aus dem Leben zu entfernen.

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Die Verführbarkeit der Bourgeoisie: Ist Alex van Warmerdams Borgman eine Teorema-Variation?

13. Februar 2015

Dass Pier Paolo Pasolini auch nach fast vier Jahrzehnten offenbar immer noch nicht frei von Kontroversen wahrgenommen werden kann, belegt etwa die Tatsache, dass sein berüchtigtes Antifa-Zeugnis „Saló oder Die 120 Tage von Sodom“ in Deutschland weiterhin nur mit massiven Kürzungen erhältlich ist (die 2014 von Eurovideo veröffentlichte Fassung verzichtet auf sage und schreibe 17 Minuten). Dass sein künstlerisches Schaffen dabei gerade erst umfangreich mit einer Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau gewürdigt wurde, muss die Haltung der hiesigen Zensurbehörden umso anachronistischer erscheinen lassen.

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Borgman | Filmkritik

08. Februar 2015

Borgman

Eine beliebte Spielart des Psychothrillers findet sich im Subgenre des Home-Invasion-Films, das seinen besonderen Reiz daraus zieht, dass die eigenen vier Wände, die Keimzelle unserer Privatsphäre, ganz unvermittelt zum Ort des Schreckens avancieren. Das gewaltsame Eindringen von außen straft die unterstellte Sicherheit Lügen und wirft die Figuren, aber auch den Zuschauer auf echte Urängste zurück. Dargeboten wird ein solches Szenario auch im jüngsten Werk des Regie-Exzentrikers Alex van Warmerdam. Wer mit dem bisherigen Schaffen des Niederländers vertraut ist (etwa „Grimm“), weiß allerdings schon vorab, dass man hier weitaus mehr erwarten sollte als einen formelhaften Reißer, der lediglich die üblichen Zutaten mehr oder weniger originell vermengt.

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Die Alien-Invasion als Schläfer-Parabel: Kollektive Paranoia zwischen Dark Skies und Independence Day

04. Februar 2015

Independence Day

Als Roland Emmerich 1996 das Weiße Haus von den mächtigen Waffen einer außerirdischen Rasse dem Erdboden gleichmachen ließ, hätte die Mehrheit der Amerikaner die Vorstellung einer realen Invasion im eigenen Land vermutlich als Absurdität abgetan. Folgerichtig bot „Independence Day“ einen Lobgesang auf die Army und den Stand militärischer Abwehr made in USA. Nicht einmal technologisch weit fortgeschrittene Invasoren aus dem All konnten da mithalten, und so flogen ihnen ihre Welteroberungspläne am Schluss gründlich um die Ohren. Fünf Jahre später geschah mit einem Angriff auf vermeintlich sicherem Heimatboden das Undenkbare. Seitdem liegt das Kartenhaus der eigenen Unverwundbarkeit einer ganzen Nation in Schutt und Asche.

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Dark Skies – Sie sind unter uns | Filmkritik

31. Januar 2015

Dark Skies

Von der Alien-Invasion als wiederkehrendem Trend in den narrativen Medien zu sprechen, wäre vermutlich etwas voreilig. Dass die Zeichen aber nicht schlecht stehen, lässt sich durchaus konstatieren. Im TV hält sich „Falling Skies“ tapfer und eine Neuauflage von „Akte X“ scheint beschlossene Sache zu sein. Im Kino spielen die feindlich gestimmten Besucher aus dem All aktuell noch keine ernstzunehmende Rolle, doch Low-Budget-Produktionen aus dem Horror-Umfeld wie „Alien Abduction“ (2014), demnächst „Extraterrestrial“ von den Vicious Brothers und eben „Dark Skies“ (nicht zu verwechseln mit der US-Serie von 1997) haben sie bereits für sich entdeckt

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Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel | Filmkritik

23. Januar 2015

Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel

Es scheint eine Art filmisches Naturgesetz zu geben, dem gemäß folgende Ereignisse unabdingbar miteinander verbunden sind: 1. Eine Gruppe, deren Mitglieder nur sehr eingeschränkt an Übersinnliches glauben, beschließt aus dem einen oder anderen Grund, mithilfe eines Hexenbretts (Ouija) Kontakt zur Geisterwelt aufzunehmen. Dazu legt jeder einen Finger auf den pyramidenförmigen Zeiger (Planchett) und wartet ab, was passiert. 2. Sobald tatsächlich Bewegung ins Spiel kommt und der erste Buchstabe wie von Geisterhand angesteuert wird, ruft einer der Beteiligten mit untrüglicher Sicherheit: „Wer von Euch war das?“ – Daran führt kein Weg vorbei, und Autoren, die sich dieser kausalen Notwendigkeit verweigern, werden umgehend mit einem lebenslangen Arbeitsverbot belegt. So jedenfalls muss man wohl vermuten.

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Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel | Der Film zum Brettspiel ist vor allem verbranntes Geld

20. Januar 2015

Ouija - Spiel nicht mit dem Teufel

Der deutsche Titelzusatz mag zwar generell einen guten Rat erteilen, hat mit dem Film selber aber herzlich wenig zu tun. Der Leibhaftige bleibt entgegen aller Erwartung jedenfalls außen vor. Möglicherweise hatte er einer Beteiligung ja sogar aktiv widersprochen – und das wäre nur allzu verständlich, denn wer will sein über Jahrhunderte hinweg hart erarbeitetes Image schon A. generell in den Dienst von Michael Bays wenig subtilem Kawumm-Kino stellen und B. in einem 90-minütigen Werbefilm als Testimonial für ein Brettspiel herhalten? „Ouija“ („Wie-Dschah“ für alle, die an der Kinokasse nicht wissen, was sie sagen sollen) ist genau dies und damit ein weiteres Beispiel für die unheilige Allianz zwischen Hollywood und der Spielzeugindustrie.

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The Resurrected: Lovecraft-Verfilmung von Dan O’Bannon | Re-Release mit unveröffentlichten Szenen

10. Januar 2015

Dan O´Bannon

Den meisten ist Dan O’Bannon vor allem als Schöpfer von Ridley Scotts „Alien“ bekannt, und das zurecht. Dass der bahnbrechende Klassiker dabei jedoch so manch anderen bemerkenswerten Genre-Beitrag des 2009 verstorbenen Autors und Filmemachers gnadenlos überschattet, ist durchaus bedauerlich. Bis heute liegen zahlreiche Drehbücher aus dem Nachlass brach, die vermutlich nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken werden. Umso wichtiger muss die genauere Betrachtung von O’Bannons zu Lebzeiten realisierten Arbeiten erscheinen. In diesem Zusammenhang kann man es nur gut heißen, dass sich die rührigen Kollegen von OFDb Filmworks aktuell um ein gründliches Re-Release der Lovecraft-Verfilmung „The Resurrected“ kümmern.

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3 Minutes | Filmkritik

08. Januar 2015

3 Minutes

Nicht zum ersten Mal dient ein feststeckender Aufzug als Basis für einen mehr oder weniger packenden Thriller-Stoff. So sperrte Carl Schenkel in „Abwärts“ (1984) unter anderem Götz George und Wolfgang Kieling auf engstem Raum ein und ließ die Spannungen in der Kabine zusehends eskalieren. 2010 legte John Erick Dowdle (zuletzt: „Katakomben“) den von M. Night Shyamalan erdachten Horrorfilm „Devil: Fahrstuhl zur Hölle“ vor, bei dem sich kein Geringerer als der Leibhaftige unter eine festsitzende Menschengruppe mischt. Deutlich reduzierter präsentiert sich Massimo Coglitores mit englischsprachigen Darstellern in Italien entstandene Produktion „3 Minutes“ (Originaltitel: „The Elevator“), die vorwiegend als Zweipersonenstück daherkommt

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The Crawlers: Jason Lapeyre und Edward R. Pressman adaptieren Philip K. Dick

06. Januar 2015

Jason Lapeyre

Bis heute beruhen rund 20 Filme (meist sehr lose) auf Vorlagen des vor allem für seine philosophischen Zukunftsfantasien bekannten US-Autors Philip K. Dick, darunter Großproduktionen wie „Minority Report“, „Total Recall“ oder Ridley Scotts Genre-Klassiker „Blade Runner“. Dass es dabei vor allem Kurzgeschichten sind, die den Weg auf die Leinwand geschafft haben, muss angesichts seiner fast 50 Romane durchaus verwundern. Keine Ausnahme von der Regel ist die aktuell von Produzent Edward R. Pressman („American Psycho“, „Bad Lieutenant“) und Autorentochter Isa Dick Hackett initiierte Verfilmung von „The Crawlers“, einer frühen Short Story aus dem Jahr 1953.

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Devil’s Knot – Im Schatten der Wahrheit | Filmkritik

04. Januar 2015

Devil´s Knot

Die Schlagworte „West Memphis Three“, die hierzulande in erster Linie eher Achselzucken hervorrufen dürften, stehen im amerikanischen Kollektivgedächtnis für ein grausames Verbrechen und eine Aufsehen erregende Prozesswelle. Reale Ereignisse, die bereits Gegenstand mehrerer Dokumentationen und Tatsachenbücher waren. Etwas verwundert zeigte sich aus diesem Grund die US-Kritik über Atom Egoyans Versuch, den viel diskutierten Fall in Form eines Spielfilms aufzuarbeiten.

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Birdman | Filmkritik

02. Januar 2015

Birdman

Riggan Thomson hat einen Alptraum. Das Flugzeug, in dem er gerade sitzt, gerät in heftige Turbulenzen und alle anderen Passagiere kreischen und zetern vor Angst. Doch er selbst bleibt völlig ruhig, denn ihn beschäftigt nur ein einziger Gedanke: Ein paar Reihen vor ihm sitzt George Clooney mit seinem dämlichen Kinn und all der hysterischen Aufmerksamkeit, die ihm jederzeit sicher ist. Würde der Pilot die Situation nicht unter Kontrolle behalten können und es käme zum Absturz, wessen Foto würde Riggans Tochter dann am nächsten Tag groß in der Zeitung sehen und wessen Foto nicht? Genau.

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The Walking Dead (Staffel 4) | Review

31. Dezember 2014

The Walking Dead | Staffel 4

Soweit hat die erfolgreichste aller Zombie-Serien (bis zum baldigen Spin-Off aus dem eigenen Haus übrigens auch die einzige) noch alle von ihren Machern forcierten Schicksalsschläge unbeschadet überstanden. Sophia, Shane, Dale, Merle, ja selbst Lori Grimes konnten auf Nimmerwiedersehen verschwinden, ohne dass sie längerfristig irreparablen Schaden hinterlassen hätten. Aber der Governor? Ausgerechnet das (vorübergehende) Verschwinden des einäugigen Schlächters, gegen den selbst die angriffslustigsten Untoten gerade einmal so bedrohlich wirken wie ein Mückenstich, macht es den Beteiligten alles andere als leicht, einen einigermaßen packenden Einstieg in die 4. Staffel zu finden.

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Jesus – Der Film | Restauriert und digitalisiert

30. Dezember 2014

Jesus - Der Film

Kaum sind die Feiertage erledigt, haben wir bereits den ultimativen Filmtipp für Weihnachten 2015 – oder wahlweise auch für Ostern. Die nicht gerade alltägliche Alternative zu „Der kleine Lord“: „Jesus – Der Film“, ein echtes Stück deutsches Experimentalkino von 1986, das jetzt dank der Unterstützung von SDK, FFA (Sektion „Filmisches Erbe“) und der DEFA-Stiftung in einer restaurierten und digitalisierten Fassung vorliegt. Am 17. Dezember wurde sie im Berliner Filmhaus in Anwesenheit von Initiator Michael Brynntrup, Mitstreiter Jörg Buttgereit und anderen Beteiligten erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

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House of Cards (Staffel 2) | Review

27. Dezember 2014

House of Cards | Staffel 2

Eine Weile lang sieht es so aus, als hätte der frisch ernannte Vizepräsident seinen engsten Vertrauten vergessen: uns. Das ist bedauerlich und erleichternd zugleich. Zum ersten Mal können wir seinem Tun unbeteiligt beiwohnen, ohne den negativen Beigeschmack passiver Mitschuld in Kauf nehmen zu müssen. Und es ist durchaus einiges, was er mit Übernahme seines neuen Amtes auf den Tisch bringt, um sich den Rücken freizuhalten. Doch kann man sich wirklich jemals sicher fühlen, wenn man mit Frank Underwood zu tun hat? Natürlich nicht.

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Schwarzweiße Weihnachten: White Christmas vs. Black Christmas

24. Dezember 2014

White Christmas vs Black Christmas

Wer sich noch nicht so ganz im Klaren darüber ist, ob er an den Feiertagen zum traditionellen Weihnachtsfilm tendiert oder doch lieber im mittlerweile ziemlich reichhaltigen Repertoire der weniger besinnlichen Horrorfraktion stöbern will, dem sei der direkte Vergleich zweier archetypischer Beispiele aus dem jeweiligen Lager empfohlen. In unserer Auswahl steht ein federleichtes Hollywood-Musical auf der einen und die Initialzündung des Slashergenres auf der anderen Seite. Wie auch immer die Entscheidung am Ende ausfallen mag, wir wünschen allen unseren Lesern frohe Weihnachten.

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Alien Rising: Lance Henriksen zurück im All

20. Dezember 2014

Alien Rising

Und schon drauf reingefallen. Natürlich verbirgt sich hinter dem verräterischen Titel kein neuer Beitrag zum „Alien“-Franchise, und Lance Henriksen kehrt auch nicht in seiner alten Rolle als Charles Bishop Weyland oder einer der zahlreichen Androiden-Varianten zurück. Dreimal hatte er die Figur auf der Leinwand und ebenfalls dreimal in zugehörigen Videospiel-Ablegern verkörpert, und das ist wohl auch der Hauptgrund, warum er als Zugpferd dieses überschaubar budgetierten Trittbrettfahrers fungiert, der ausschließlich für den Home-Entertainmentmarkt gedacht ist.

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Silent Night, Deadly Night (1984) | 30 Jahre später

18. Dezember 2014

Silent Night, Deadly Night

Während diese Zeilen verfasst werden, hat Sony aus Angst vor terroristischen Anschlägen gerade die US-Veröffentlichung einer Komödie über Nordkoreas Staatsoberhaupt gestoppt. Um wie vieles harmloser müssen da die Gründe erscheinen, die vor fast genau drei Jahrzehnten die damalige Konzerntochter Tri-Star dazu bewegten, einen an den Kinokassen immens erfolgreichen Slasher nach wenigen Tagen aus den Theatern entfernen zu lassen? Ein paar Proteste und empörte Kritiken waren damals der Anlass. Nichts Weltbewegendes also. Bei genauerer Betrachtung haben die beiden Fälle jedoch mehr gemeinsam als man zunächst glauben mag.

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[REC]4: Apokalypse | Filmkritik

17. Dezember 2014

REC 4 - Apokalypse

Wer den zweiten Teil der REC-Serie nicht mehr so genau in Erinnerung hat, könnte angesichts dieses neuesten (letzten?) Beitrags das Gefühl bekommen, irgendwas verpasst zu haben. Irgendwas war da noch. Nur was? Inhaltlich schließt die Geschichte jedenfalls ohne Bruch an den Vor(vor)gänger an, also scheint alles zu stimmen. Ángela Vidal, die junge Reporterin der ersten beiden Filme, wird aus dem von Zombies befallenen Mietshaus befreit und findet sich kurz darauf mit akuter Amnesie auf einem Quarantäneschiff wieder, wo sie einem Trupp von Medizinern offenbar als Versuchsobjekt dient.

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