Zarah – Wilde Jahre | Abtreibung, Bukowski, Nazi-Väter: die 70er als Klischeecollage

07. Dezember 2017

Zarah - Wilde Jahre

[Lesedauer: ca. 2:55 Minuten]

Und wieder so ein Musterbeispiel für die gründliche verkorkste Programmplanung des ZDF, das sich immer gerne als Privatsender missversteht und deshalb Produktionen, die nicht die erwünschte Quote bringen, entweder ins Nachtprogramm verschiebt („The Missing“) oder gleich ganz absetzt („Herzensbrecher“). Im Fall von „Zarah – Wilde Jahre“ hatte die Hauptredaktionsleiterin Fernsehfilm / Serie II vorab noch betont, dass man bei der Etablierung neuer Formate häufig einen längeren Atem benötige, musste ihre Worte aber kurz darauf wieder schlucken, als die Verantwortlichen nämlich das neue Inhouse-Produkt bereits nach zwei Folgen aus der Primetime entfernten und in die Geisterstunde bzw. zu ZDFneo strafversetzten (wo neuerdings ebenfalls quotenabhängig liquidiert wird – siehe „Schulz und Böhmermann“). Stattdessen gab es in Wiederholung eine echte Mainzer Geheimwaffe zu sehen: „Die Bergretter“. Gute Nacht, Seriendeutschland.

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The Sinner | Im Käfig: Fesselnder Mehrteiler mit Jessica Biel und Bill Pullman

27. November 2017

[Lesedauer: ca. 2:00 Minuten]

Frage in die Runde: Wann genau ist das letzte Mal eine US-Serie nach einer deutschen Vorlage entstanden? Die wahrscheinlichste Antwort, die einem da einfällt: Nie. Dieser Umstand hat sich gerade geändert, denn auch wenn man die End Credits bis zum Schluss durchhalten muss, um den entscheidenden Hinweis zu lesen, beruht „The Sinner“ doch ausdrücklich auf dem gleichnamigen, bereits 1999 erschienenen Roman von Petra Hammesfahr. Im September vergangenen Jahres hatte USA Network zunächst einen Pilotfilm in Auftrag gegeben, im Januar dann die gesamte Serie. Erstausstrahlung: August. In Deutschland sind seit Anfang November alle acht Teile auf Netflix zu sehen. Das ist ein Tempo, mit dem das Kino einfach nicht mehr mithalten kann.

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Unlocked | Filmkritik: Kein Franchise für Noomi Rapace

12. November 2017

Unlocked

[Lesedauer: ca. 2:15 Minuten]

Es gibt Gründe, warum Filme wie dieser nach und nach vollständig aus den Kinos verschwunden sein werden: Sie haben kein Zielpublikum mehr. Für Blockbuster zu klein, für Arthouse zu Mainstream. Wer da bereit ist, sein hart verdientes Geld in ein Ticket zu investieren, gehört zu einer Minderheit. Die 90er, als das Sterben der mittelgroßen Leinwände noch unvorstellbar schien und CGI-freie Thriller wie „Class Action“ oder „The Pelican Brief“ ihre Kosten mithilfe prominenter Hauptdarsteller problemlos wieder reinholen konnten, sind lange vorbei. Heute gehören Produktionen wie „Unlocked“ den Streaming-Diensten. In seiner britischen Heimat spielte Michael Apteds aus der Zeit gefallenes Spionage-Allerlei gerade einmal rund 250.000 Pfund ein. In Deutschland reichte es lediglich für eine DVD-Premiere.

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Rillington Place: Der Biedermann als Serienkiller | Tim Roth und Samantha Morton brillieren in BBC-Drama

01. November 2017

Rillington Place

[Lesedauer: ca. 2:50 Minuten]

In Englands Kriminalhistorie ist John Christie nach Jack the Ripper vielleicht der bekannteste aller Frauenmörder. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass seine Geschichte auf Umwegen dazu beitrug, die Todesstrafe im Vereinigten Königreich 1965 abzuschaffen. Nach seiner Festnahme gestand Christie unter anderem einen Mord, für den drei Jahre zuvor ein anderer gehängt worden war, und bei dessen Prozess er zu allem Überfluss auch noch eine entscheidende Rolle als Hauptzeuge gespielt hatte. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten sich wenig mit Ruhm bekleckert, schlampig ermittelt und vermutlich gar ein Geständnis erzwungen. Immerhin erhielt der unschuldig verurteilte Timothy Evans posthum eine offizielle Entschuldigung vom damaligen Innenminister (wovon er sich herzlich wenig kaufen konnte). Die BBC hat den vielfach beleuchteten Fall nun erneut aufgerollt und einen finsteren Dreiteiler produziert, der alles andere als gute Laune verbreitet – und deshalb umso gelungener ist.

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Weinstein und Grindhouse: Robert Rodriguez singt ein Heldenlied auf sich selbst

28. Oktober 2017

Robert Rodriguez

[Lesedauer: ca. 8:20 Minuten]

Wenige Tage nachdem Quentin Tarantino in Gestalt eines Interviews zum Fall Harvey Weinstein leidlich versucht hat, Schadensbegrenzung in eigener Sache zu betreiben [1], zieht jetzt auch Robert Rodriguez nach und hinterlässt dabei ein noch schlimmeres Bild als sein langjähriger Freund und Geschäftspartner. Beide waren über den Großteil ihrer Karrieren hinweg Protegés des mittlerweile gestürzten Moguls und hatten sich zunächst geschockt über die Enthüllungen gezeigt, die Anfang Oktober in einem Beitrag der New York Times öffentlich gemacht worden waren [2]. Beide haben nun zugegeben, schon lange von dem einen oder anderen Fall gewusst zu haben. Doch im Gegensatz zu Tarantino, der wenigstens ein (wenn auch kalkuliertes) Schuldeingeständnis ablieferte, verzichtet Rodriguez auf jegliche Selbstreflexion und steckt sich stattdessen lieber einen Orden an. Wer will das noch toppen?

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National Treasure (2016) | Beklemmender Vierteiler über sexuellen Missbrauch

23. Oktober 2017

National Treasure

[Lesedauer: ca. 2:40 Minuten]

Es ist natürlich bloßer Zufall, dass diese mehrfach preisgekrönte britische Mini-Serie ausgerechnet zu einer Zeit auf dem deutschen Markt erscheint, da die Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein weltweit hohe Wellen schlagen. Ein Grund mehr jedoch, sie für das zu preisen, was sie ist – ein schmerzhafter und schonungsloser Blick auf dasjenige, was mit Menschen geschieht, die (möglicherweise) Opfer oder Täter geworden sind, mit ihren Angehörigen und Freunden, und einer Öffentlichkeit, die nicht glauben kann oder will oder sich wie hungrige Aasgeier auf alle Beteiligten stürzt. Vor allem aber geht es um den Zuschauer, der im Dunkeln gelassen wird darüber, ob die Vorwürfe echt sind oder inszeniert, was die Unklarheit mit uns macht, und auf welche Seite wir uns zu schlagen bereit sind.

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Mea Culpa: Quentin Tarantinos Weinstein-Geständnis ist ein Fall von klassischer Krisen-PR

21. Oktober 2017

Quentin Tarantino

[Lesedauer: ca. 8:30 Minuten]

Er kann einfach nichts in Bescheidenheit tun. Selbst im Fall des üblen Bekenntnisses, über Jahrzehnte hinweg stiller Mitwisser von Harvey Weinsteins sexuellen Übergriffen gewesen zu sein, muss sich Quentin Tarantino einen großen Auftritt zurechtinszenieren. Zunächst hatte er beharrlich geschwiegen, dann mitteilen lassen, den Schock erst ein paar Tage verarbeiten zu müssen, und schließlich ein Interview mit der New York Times geführt [1], dessen Sensationscharakter abschätzbar war – durchdacht und geplant wie ein Drehbuch von Big Quentin himself. Tatsächlich steckt dahinter aber vor allem eine Form von Kalkül, die Kommunikationsexperten als Krisen-PR kennen. Denn Tarantinos Mea Culpa ist wahlweise ein strategischer Schachzug zur Schadensbegrenzung oder ein manipulativer Versuch, den eigenen Kopf aus der eng anliegenden Schlinge zu ziehen.

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Hollywood Babylon: Für Harvey Weinsteins stille Mitwisser ist Rose McGowan der ultimative Alptraum

14. Oktober 2017

Rose McGowan

[Lesedauer: ca. 11:30 Minuten]

In „Planet Terror“, jenem albernen Versuch, mit einem Millionenbudget im Rücken dem Billigkino der 70er Jahre Tribut zu zollen, übernahm Mitinitiator Quentin Tarantino unter der Regie seines Lieblingskollaborateurs Robert Rodriguez einen besonders unrühmlichen Part. In den Credits schlicht als „Rapist#1“ gelistet, zwingt er die Protagonistin mit vorgehaltener Waffe erst zum Tanz und lässt dann die Hosen runter, um seinem Rollennamen gerecht zu werden. Bevor es jedoch dazu kommen kann, ätzt ihm ein Zombievirus die Genitalien weg. Gerechte Strafe für den Vergewaltiger? So sehen es die Herren QT und RR in ihren Filmen gern. Im echten Leben hingegen haben sie sich offenbar die Karriere von einem solchen aufbauen und bis zum heutigen Tage fördern lassen. Eines seiner Opfer heißt Rose McGowan.

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The Missing (2016) | The truth is out there: BBC-Mehrteiler um verschwundene Kinder überzeugt auch in der zweiten Staffel

01. Oktober 2017

The Missing (Staffel 2)

[Lesedauer: ca. 3:30 Minuten]

In ihrer unendlichen Weisheit hatte die Programmplanung des ZDF vergangenen Mai beschlossen, ausgerechnet den letzten Teil der hochgelobten BBC-Serie „The Missing“ (Staffel 1) ins Nachtprogramm zu verlagern und stattdessen eine Wiederholung der deutlich harmloseren Krimireihe „Lewis“ zu zeigen. Begründung: mangelndes Zuschauerinteresse. „Bei der letzten von acht Folgen?“ denkt sich der kritische Beobachter da. „Hätte das den gebührenfinanzierten Profis vom Lerchenberg nicht schon früher auffallen müssen?“ – Nun, allerdings. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass den Verantwortlichen plötzlich Parallelen zum Fall Maddie McCann aufgefallen waren, deren 10-jähriges Verschwinden in jenen Tagen fleißig durch die Medien geisterte. Das (so mag man vermuten) war den Mainzern dann wohl ein bisschen arg nah an der Wirklichkeit, also setzte man lieber auf vorauseilenden Gehorsam und ersparte dem mündigen Zuschauer das erschreckende Finale. Dass es die zweite Staffel nun irgendwann ins Free-TV schafft, kann man vor diesem Hintergrund getrost vergessen.

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mother! | Filmkritik: Paradise Lost

16. September 2017

mother!

[Lesedauer: ca. 2:50 Minuten]

Da fällt die Entscheidung nicht leicht: eigenwillige Variation einer Bestsellervorlage, ultimative Home-Invasion oder doch einfach der längste Witz der Welt? Bei der Premiere in Venedig fand die Uneinigkeit über Darren Aronofskys 120-minütige Totalzumutung ihren Niederschlag in einer konsequenten Kakophonie aus Buh- und Bravorufen. Seitdem hat sich die Lage kaum geändert. Kritiker- und Zuschauerreaktionen schwanken verlässlich zwischen Ablehnung, Bewunderung und völliger Ratlosigkeit. Mark Kermode zufolge soll den Teilnehmern einer Pressevorführung in England seitens des Verleihs geraten worden sein, den Film erst einmal sacken zu lassen [1]. Tatsächlich ist das die einzig sinnvolle Gebrauchsanweisung, denn „mother!“ (mit „Zing“-Laut auf dem Exklamationsszeichen) will es niemandem leicht machen, setzt sich in den Hirnwindungen fest und entwickelt dort ein parasitäres Eigenleben.

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Get Out | Filmkritik: Morgen schwarz, heute weiß

07. September 2017

Get Out

[Lesedauer: ca. 2:55 Minuten]

Am Ende von „Night of the Living Dead“ wird der Protagonist bekanntlich erschossen, weil man ihn für einen Untoten hält. Und weil er schwarz ist, werden bis heute Deutungen verfasst, die hier ein politisches Statement zu erkennen glauben. Für George A. Romero blanker Nonsens. Jegliches Kalkül wies er weit von sich, die Besetzung des farbigen Schauspielers Duane Jones sei reiner Zufall gewesen. Für die Wirkungshistorie ist das allerdings völlig belanglos, zumal schwarze Hauptfiguren im Horrorkino auch ein halbes Jahrhundert später noch Ausnahmefälle sind. Jordan Peele ist sich dessen wohl bewusst, und die Einflüsse, die seinem Debütfilm zugrundeliegen, reichen zurück bis zu „White Zombie“, jenem Pre-Code-Klassiker, der Rassismus als Thema erstmals ins Genre einführte, ohne ihn freilich zu thematisieren.

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Generation der Verdammten | BBC-Weltkriegsdrama ist vor allem bebilderte Historie

02. September 2017

Generation der Verdammten

[Lesedauer: ca. 2:00 Minuten]

Wer sich während der arg zerdehnten 180 Minuten dieses Mehrteilers auf seltsame Weise an seine Schulzeit erinnert fühlt, ist damit nicht allein. „The Passing Bells [dt. Generation der Verdammten]“ gehört zu jenem Typus bebilderter Historie, den Geschichtslehrer gerne einsetzen, um sich die Vorbereitung mehrerer Stunden Unterricht zu ersparen. Die BBC hatte die Produktion im Rahmen des weltweiten Gedenkprogramms zu 100 Jahren Erster Weltkrieg in Auftrag gegeben und gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen wollen. Mit drei Jahren Verspätung erscheint das gut gemeinte Stück Bildungsfernsehen nun auch auf dem deutschen Markt.

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The Promise – Die Erinnerung bleibt | Filmkritik: Genozid ist Genozid ist Genozid

20. August 2017

The Promise

[Lesedauer: ca. 3:00 Minuten]

Hier kommt der feuchte Traum eines jedes Filmproduzenten: Ein milliardenschwerer Gönner greift in die Portokasse und stellt mal schnell 90 Millionen Dollar für sein eigenes Wunschprojekt bereit. Da überlegt man nicht lange, sondern gibt ein Drehbuch in Auftrag, sucht sich Cast und Crew zusammen, sichert sich zugkräftige Namen und lässt die Kameras laufen. So oder ähnlich geschehen im Fall von „The Promise“, einem der größten Kassenflops des ersten Halbjahres 2017. Kirk Kerkorian, einstiger Eigner von MGM, Hauptaktionär von Chrysler und mächtiger Strippenzieher in Las Vegas, hatte sich einen Film über den armenischen Völkermord gewünscht und dafür nahezu das gesamte Budget zur Verfügung gestellt. Das fertige Produkt bekam er zwar nicht mehr zu sehen, verstarb im Juni 2015 aber zumindest mit dem sicheren Wissen, dass sein Wunsch in Erfüllung gehen würde.

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Stark – The Dark Half | Ungeschnittene Neuauflage mit zahlreichen Extras

13. August 2017

Stark - The Dark Half

[Lesedauer: ca. 3:00 Minuten]

Als George A. Romeros Stephen-King-Verfilmung 1993 arg verspätet in die Kinos kam, war Orion bereits pleite. Panisch angeordnete Nachdrehs hatte das klamme Studio schon kaum mehr finanzieren können. Die finalen CGI-Shots sahen verdächtig nach Atari ST aus und weil für eine Orchestereinspielung kein Geld übrig war, musste die Musik von Christopher Young aus bestehenden Versatzstücken zusammengebastelt werden. An den Kinokassen ging der Film dank einer halbgaren Marketingkampagne praktisch unter und geriet schnell in Vergessenheit. Gut also, dass eine aktuelle Neuauflage von OFDb Filmworks jetzt daran erinnert, wie sehenswert dieser seltsame Doppelgänger-Horror tatsächlich ist – und dabei die Frage aufwirft, warum er in Deutschland immer noch auf dem Index steht (oder dort überhaupt landen konnte) [1].

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A Cure for Wellness | Filmkritik: Wassertreten in der Schweiz

05. August 2017

A Cure for Wellness

[Lesedauer: ca. 3:20 Minuten]

Da ist er wieder, der Zweidrittelfilm, jenes Bewegtbildpendant zu saurer Milch, das über lange Zeit extrem vielversprechend daherkommt, Klischees gekonnt umschifft, manchmal gar eine echte Offenbarung erhoffen lässt, nur um dann gegen Ende umso gründlicher in haarsträubenden Nonsens umzukippen. Leider, leider gehört auch Gore Verbinskis („The Ring“) extrem ambitionierte und mit rund 2 ½ Stunden Laufzeit überlange Rückkehr in die Gefilde des Horror-Genres zu diesem Typus herber Enttäuschungen, wie sie nur die erzählenden Künste zu bieten haben. Ob das Studio interveniert hat? Ob schlimme Testvorführungen die Schuld tragen? Ob noch mindestens drei Enden hinzugefügt wurden? Wir wissen es nicht. Schockierender als der Film selber jedenfalls wäre die Erkenntnis, dass hier in Wahrheit überhaupt niemand dazwischengefunkt hat. Schwer vorstellbar, aber keineswegs ausgeschlossen.

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Valerian: Die Comic-Vorlage zum Film von Luc Besson in neuer Edition

28. Juli 2017

Valerian | Comic-Verlage | Filmausgabe

[Lesedauer: ca. 1:50 Minuten]

Luc Besson ruht in sich. Die katastrophalen Einspielergebnisse, die „Valerian“ in den USA am Startwochenende hinlegte, sind nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Tatsache, dass der Film nach all den Jahren der Vorarbeit überhaupt existiert und daran niemand mehr etwas ändern kann – so sein Statement kürzlich in einem Interview mit BBC Radio 5 [1]. Schon als 10-Jähriger sei er den Comics aus der Feder von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières verfallen gewesen, doch erst letzterer (und zwar anlässlich seiner Designarbeiten für „Das fünfte Element“) habe ihn auf die Idee einer Verfilmung gebracht. Was aus dem Leseerlebnis aus Kindheitstagen geworden ist, lässt sich nun zwar auf der Großleinwand begutachten, doch erst ein Blick auf die Vorlagen komplettiert das Bild. Eine Sonderausgabe zum Kinostart macht es einem da leicht.

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Valerian – Die Stadt der tausend Planeten | Filmkritik: Zwei von 17 Millionen

21. Juli 2017

Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

[Lesedauer: ca. 4:30 Minuten]

Luc Besson hat diesen (so heißt es) aktuell teuersten europäischen Film überhaupt ganz alleine finanziert. Das heißt: ohne eines der großen Studios im Rücken. Wie man das bei Independent-Produktionen eben so macht, hat er schickes Anschauungsmaterial erstellt, den Flieger nach Cannes bestiegen und die weltweiten Vertriebsrechte vorab Stück um Stück an den Mann gebracht. Damit war der Löwenanteil des Budgets von runden 200 Millionen Euro zusammengetragen und das lange verfolgte Lieblingsprojekt gesichert, ohne dass sich irgendein Anzugträger aus der Chefetage inhaltlich würde einmischen können. Grund genug, dem Film allen erdenklich Erfolg zu wünschen. Grund genug auch, ihn wirklich, wirklich mögen zu wollen, doch (und hier stelle man sich einen tiefen Seufzer vor) genau das macht er einem nicht gerade leicht.

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Viral | Filmkritik: Frühlings Erwachen

17. Juli 2017

Viral

[Lesedauer: ca. 2:30 Minuten]

Diese leicht verspätet in Deutschland angekommene Blumhouse-Produktion hat eine lange Historie hinter sich. Sie reicht nämlich zurück bis ins Jahr 1968 – so wie jede moderne Zombiegeschichte, egal ob als Film, Roman, Kurzgeschichte, Game oder TV-Serie. Vermutlich wüsste die Popkultur gerade mal nur am Rande, was genau Zombies sind, hätte nicht George A. Romero sie mit „Night of the Living Dead“ quasi erst in ihrer uns bekannten Form erfunden. Nur wenige Stunden vor Verfassen dieses kleinen Textes ist der Meister der Untoten im Alter von 77 Jahren verstorben, und so kann kein Gedanke naheliegender und angemessener sein, als der eben aufgezeigte, wenn es um einen Film wie diesen hier geht, dessen thematisches Umfeld, dessen Abläufe und unausgesprochenen Regeln uns heute so selbstverständlich erscheinen und doch ohne Romeros ultimative Blaupause kaum existieren würden.

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Das Kindermädchen [The Guardian] | Hexenhorror von William Friedkin erstmals in legaler Uncut-Fassung auf dem deutschen Markt

13. Juli 2017

Das Kindermädchen [The Guardian]

[Lesedauer: ca. 3:20 Minuten]

Es sei der erschreckendste Film, den er je gesehen habe, gab William Friedkin vor zwei Jahren enthusiastisch zu Protokoll und meinte damit „The Babadook“, den viel umjubelten Erstling der bis dato völlig unbekannten Jennifer Kent. Das war ein ziemlicher Ritterschlag, denn schließlich ist genau dasselbe vier Jahrzehnte lang immer wieder über „The Exorcist“ gesagt worden, seinen eigenen Beitrag zum cineastischen Horrorkanon, und Friedkin ging in der Folge gar so weit, öffentliche Screenings seines neuen Lieblingsfilms abzuhalten. Nicht bekannt ist, ob er dabei irgendwann an seinen 1990er Kassenflop „The Guardian“ gedacht hat, von dem sich Kent ein besonders einprägsames Requisit abgeschaut haben könnte: das Popup-Buch des Grauens.

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SoundTrack_Cologne 2017: Bruce Broughton erhält Lifetime Achievement Award

11. Juli 2017

Bruce Broughton | SoundTrack Cologne 14

[Lesedauer: ca. 1:30 Minuten]

Im mittlerweile 14. Jahr hat sich der Kölner Filmmusik-Kongress mit der seltsamen Schreibweise für die Vergabe des Ehrenpreises erstmals einen lupenreinen Mainstream-Komponisten aus Hollywood ausgesucht. Dagegen ist nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil: Nach einer langen Phase fast ausnahmsloser Konzentration auf hiesige Größen wie Irmin Schmidt, Peter Thomas, Christian Bruhn oder Eberhard Schoener kann man die Öffnung in Richtung Übersee nur begrüßen. Eine Umorientierung deutete bereits die vorjährige Auszeichnung von Cliff Martinez an. Jetzt also Bruce Broughton.

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