The Monster | Filmkritik: Co-abhängig

23. März 2017

The Monster

Wer sich in den letzten neun Jahren gefragt hat, was eigentlich aus Bryan Bertino geworden ist, nachdem er 2008 mit „The Strangers“ einen vielbeachtetes und leidlich verstörendes (zudem starbesetztes) Debüt abgeliefert hatte, der bekommt hier die Antwort in Gestalt eines kleinen, für überschaubares Geld produzierten Horrorjuwels, in dem die Figuren wichtiger sind als die Monster, von denen sie heimgesucht werden. Und weil der Film so gut geworden ist, verschweigen wir auch gerne, dass Bertino zuvor mit „Mockingbird [dt. Play]“ einen lauen FoundFootage-Beitrag zwischengeschoben hatte, der insgesamt eher unterhalb des Radars geblieben ist.

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Waxwork Records: Blut auf dem Plattenteller, Horror auf Vinyl

15. März 2017

Friday the 13th | Waxwork Records

Dass ein technisch völlig überholtes Medium wie die Schallplatte nicht nur nie ganz vom Markt verschwunden ist, sondern sich seit einer Weile sogar wieder zunehmender Beliebtheit erfreut, wundert Sammler, Händler und Liebhaber nicht im Geringsten: Streaming sei Hintergrundbeschallung, Vinyl hingegen echtes Musikhören. Da ist sicher etwas dran. Denn wer mit den schwarzen Scheiben aufgewachsen ist, kennt den ritalisiert anmutenden Abspielprozess mit all seinen multisensullen Komponenten nur zu gut. Hier gilt: Je hochwertiger, desto besser. Kein Wunder also, dass sich spezialisierte Labels heute eine eigene Fanbase aufbauen können. Ein schönes Beispiel dafür bieten Kevin Bergeron und Suzy Soto von Waxwork Records aus New Orleans.

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Gold (2016) | Filmkritik: Big Business

12. März 2017

Gold | Filmkritik

Es gibt eine Menge Gründe, Matthew McConaughey zu hassen und die meisten davon tragen einen Filmtitel. „Interstellar“ zum Beispiel, Christopher Nolans Ausflug ins Raum-Zeit-Kontinuum, der dank seines Hauptdarstellers ohne eine tragende Rolle auskommen muss, die man auch mögen kann. Ganz anders liegt der Fall, wenn der Mann, der jahrelang auf romantische Komödien abonniert war, all seine natürliche Schmierigkeit vollgültig auslebt, damit man seine Figur ausgiebig verachten, fürchten oder belachen kann – so auf optimale Weise etwa geschehen in William Friedkins „Killer Joe“. Auf andere Weise schlüssig funktioniert McConaughey auch in „Gold“, ein Film, in dem er zu allem Übel auch noch permanent ausgiebig schwitzen muss.

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Logan – The Wolverine | Filmkritik: Shane mit den Scherenhänden

05. März 2017

Logan - The Wolverine

Wenn sich das Zielpublikum nicht irgendwann voller Überdruss abwendet, werden DC und Marvel 2029 mit großer Wahrscheinlichkeit weit über 100 Superheldenfilme auf die Leinwand gebracht haben. Und warum auch nicht? Seit über einem Jahrzehnt verzeichnet das Genre keine relevanten Schwankungen oder gar Einbrüche. Offizielle Starttermine für einzelne Titel reichen bereits über 2020 hinaus. Die Zeichen stehen also gut. Weniger rosig sieht es für Superhelden in der fiktiven Variante des Jahres 2029 aus. Die X-Men sind ausgestorben, neue Mutanten gibt es keine und Logan arbeitet unter seinem bürgerlichen Namen unerkannt als Limousinenfahrer. Nur noch ein paar abgegriffene Comichefte erinnern an bessere Zeiten. Wie konnte es bloß so weit kommen?

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Lüsterne Lachse, blanke Brüste: Das Grauen aus der Tiefe (Humanoids from the Deep) [1980] | Corman-Klassiker als neue Collector’s Edition

24. Februar 2017

Humanoids from the Deep (Das Grauen aus der Tiefe)

Warum die Initiatorinnen ausgerechnet den Februar zum „Women in Horror“-Monat auserkoren haben [1], ist wohl weniger entscheidend als die Tatsache, dass die Idee an sich seit mittlerweile bereits acht Jahren erfolgreich dazu beiträgt, die Rolle von Frauen im Genre genauer zu beleuchten. Man muss allerdings schon einigermaßen im Thema sein, um nicht ausschließlich an die einschlägigen Screamqueens vor der Kamera zu denken, sondern auch die seit einer Weile erfreulicherweise steigende Zahl weiblicher Filmschaffenden dahinter im Blick zu haben. Anfang der 80er sah das noch ganz anders aus und so war Roger Cormans Entscheidung, eine Frau mit der Regie einer seiner Monsterfilme zu betreuen, durchaus ein Ausnahmefall.

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Genius (2016) | Filmkritik: Gut behütet

17. Februar 2017

Genius

Im offiziellen Programm einer jeden Berlinale gibt es diese seltsamen Fremdkörper, die ganz offensichtlich nur dazu da sind, den einen oder anderen Hollywood-Star auf den Roten Teppich zu locken, ansonsten aber nicht wirklich dazugehören, weil sie dem semipolitischen / weltkinofreundlichen Image, das dieses Festival so gerne vor sich herträgt, nicht das Geringste anzubieten haben. Dieses Jahr mussten dafür Danny Boyles „Trainspotting“-Sequel sowie Hugh Jackmans letzter Auftritt als „Logan – The Wolverine“ herhalten. 2016 fiel das Los auf eine handzahme biographische Annäherung an zwei der wichtigsten Figuren amerikanischer Literaturgeschichte – im Kern ein Fernsehfilm, der außer seinen kostspieligen Darstellern wenig stichhaltige Gründe für eine Kinoauswertung liefert.

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Neil Gaiman adaptiert Good Omens für Amazon Studios und die BBC

20. Januar 2017

Good Omens | Neil Gaiman, Terry Pratchett

2017 dürfte ein echtes Freudenjahr für Fans des britischen Autors Neil Gaiman werden. Im Februar erscheint mit „Norse Mythology“ seine eigenwillige und von Marvel-Einflüssen gänzlich freie Intepretation nordischer Göttersagen rund um Odin, Thor und Loki. Im April zeigt der US-Sender Starz die von Bryan Fuller („Hannibal“) entwickelte Adaption seines Opus Magnum „American Gods“ in Form einer hochkarätig besetzten TV-Serie. Und für Amazon Studios wird Gaiman aktuell seinen zusammen mit Terry Pratchett verfassten Roman „Good Omens“ zu einem 6-Teiler verarbeiten.

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Captain Future | Sternen-Nostalgie aus dem Schneideraum

07. Januar 2017

Captain Future

Für die Generation 40+ eine echte Kindheitserinnerung: Im September 1980 begann das ZDF mit der Ausstrahlung eines japanischen Animes, der perfekt auf die Generation „Star Wars“ zugeschnitten schien. Faktisch existierte „Captain Future“ zwar schon lange vor dem Lucas-Universum, doch als man sich 1978 bei Toei Animation (damals noch Toei Doga) der amerikanischen Scifi-Romane aus der Hochphase des Zweiten Weltkriegs annahm, hätte die Zeit kaum reifer sein können. Die heranwachsende Nerdwelt lechzte nach interplanetaren Abenteuern. Das hatte man auch auf dem Mainzer Lerchenberg erkannt.

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2017: Mit halbnackten Slasher-Ikonen durch das Jahr | Ama Lea fotografiert reichlich Fleisch

01. Januar 2017

Year of Fear by Ama Lea

Wer schon immer wissen wollte, was aus Leatherface und Freddy Krueger geworden wäre, hätten sie öfters mal ein Fitness-Studio besucht, sollte sich dringend den 2017er Fotokalender unserer guten Freundin Ama Lea zulegen. Unter dem bezeichnenden Titel „Year of Fear“ wird man 12 Monate lang von ebenso spärlich bekleideten wie ansehnlich gebauten Variationen beliebter Slasher-Ikonen begleitet. Manchem mag es da eiskalt den Rücken herunter-, anderen hingegen eher das Wasser im Mund zusammenlaufen.

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Rudolph-Dirks-Award im Rahmen der Comic Con Dortmund erstmals vergeben

04. Dezember 2016

Rudolph-Dirks-Award 2016

Die Ziele sind eher unbescheiden: Mit dem frisch aus der Taufe gehobenen und nach dem deutschen Comic-Pionier Rudolph Dirks benannten Preis will man eine Art hiesiges Pendant zum renommierten Eisner-Award etablieren. Das scheint einigen der einschlägigen Verlage aber derzeit noch ziemlich egal zu sein, denn zur feierlichen Vergabe am vergangenen Freitag im Rahmen der Comic Con Dortmund hatten nur wenige nominierte Publisher auch tatsächlich (mindestens) einen Vertreter geschickt.

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11.22.63 | Killing Oswald: Mini-Serie nach Stephen King

28. November 2016

11.22.63

Der allgemeine Serienboom und der damit einhergehende Relevanzwandel weg vom Kino und hin zum heimischen TV (als Überbegriff für alle erdenklichen Endgeräte, mit denen sich streamen und klassisch fernsehen lässt) raubt dem Zuschauer vor allem eine Menge Zeit. Staffel für Staffel fordern die angesagtesten Blockbuster aus dem Hause Netflix, AMC, HBO, Amazon (Liste beliebig erweiterbar) uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Denn wer zwischendurch mal pausiert, ist raus. Ein Grund mehr, die Tugenden der Mini-Serie wiederzuentdecken, die sich problemlos in einer Nacht konsumieren lässt und dann aber auch auserzählt ist. Für die Adaption von Stephen Kings voluminösem Zeitreiseroman „11.22.63 [dt. Der Anschlag]“ schien sie dem umtriebigen J.J. Abrams genau das passende Format zu sein.

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Das Ritual (The Believers) [1987] | Wenig bekannter Okkult-Thriller in vorbildlicher Neuauflage

12. November 2016

Das Ritual (The Believers) [1987]

Der große Money Shot dieses fast vergessenen Ausflugs von John Schlesinger ins Horror-Genre wäre unter vergleichbaren Umständen heute wohl kaum mehr denkbar: Im Gesicht der Schauspielerin Helen Shaver platzt ein übles Geschwür auf, winzige Spinnen schießen hervor und krabbeln zielsicher in Richtung Augen, Nase und Ohren – alles in Nahaufnahme, ohne Netz und doppelten Boden. Das muss niemanden wundern, denn schließlich schreiben wir das Jahr 1987, CGI ist noch Zukunftsmusik und Bilder wie diese benötigen wahlweise verzweifelte, wahnsinnige oder gänzlich unerschrockene Darsteller.

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Irvine Welsh: Ein ordentlicher Ritt (A Decent Ride) | Review: Sex und Taxameter

10. November 2016

Irvine Welsh: Ein ordentlicher Ritt (A decent ride)

Auch ein Vierteljahrhundert später hat die Edinburgh-Gang um Mark Renton, „Spud“ Murphy und „Sick Boy“ ihren Autor noch gut im Griff. In London ist gerade erst die umjubelte Premiere einer „Trainspotting“-Live-Version über die Bühne gegangen, in wenigen Wochen läuft Danny Boyles langersehntes Sequel in den Kinos an („T2“) und in seinem aktuellen Roman „The Blade Artist“ lässt Irvine Welsh den unberechenbaren „Franco“ Begbie erneut sein Unwesen treiben. Und auch im Vorgänger von 2015 sind Spuren und Figuren des Punk-und-Heroin-Klassikers enthalten. Für Allergiker also ungeeignet.

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Air Force Trump: Der Soundtrack zur Kampagne

09. November 2016

Air Force One

Als Donald Trump gegen 3 Uhr morgens Ortszeit des 9. Novembers 2016 die Bühne des New Yorker Hilton Hotels betrat, könnte sich Jerry Goldsmith möglicherweise zum letzten Mal im Grab herumgedreht haben. Über Monate hinweg hatte Musik aus der Feder des 2004 verstorbenen Hollywood-Komponisten die Auftritte des jetzt frisch gewählten 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten begleitet – ein Szenario, das sich der Meister ganz sicher nicht gewünscht hätte.

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Submerged – Gefangen in der Tiefe | Filmkritik: Limo auf Eis

11. Oktober 2016

Submerged - Gefangen in der Tiefe

Eine unwillommene Ausgangslage für Klaustrophobiker: Luxuslimousine mit Spezialpanzerung stürzt in einen Fluss, geht unter und treibt aufs offene Meer zu. Entkommen nicht möglich. Während vorne der eingeklemmte Fahrer als einziger die Ruhe bewahrt, drehen die Passagiere hinten schon bald durch. Für den Zuschauer ergeben sich zwei entscheidende Fragen: Wird die disparate Gruppe rechtzeitig gerettet? Und wie konnte es zu dieser unglückseligen Konstellation kommen? Eine komatöse Beifahrerin macht die Angelegenheit zusätzlich rätselhaft.

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Neuer Name, gleiches Konzept: Film Festival Cologne eröffnet mit Bertrand Bonellos Nocturama

08. Oktober 2016

Film Festival Cologne 2016

Im 26. Jahr wechselt die Cologne Conference ihren Namen und heißt ab sofort Film Festival Cologne. Dass damit deutlich zuviel versprochen ist (ein entscheidender Anteil des Programms liegt auch weiterhin bei TV-Produktionen), muss man wohl mit rheinischem Goodwill lässig ignorieren. An der Errichtung eines eigenen Filmfestivals beißt sich Köln jedenfalls seit dem ersten gescheiterten Versuch von 1991 beständig die Zähne aus. Warum also nicht einer bereits gut etablierten Veranstaltung einen Stempel aufdrücken, den man anderweitig nicht auf die Reihe bekommt?

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Blair Witch | Filmkritik: Im Wald nichts Neues

08. Oktober 2016

Blair Witch

Es gibt gute Gründe, warum man sich über Sequels von Filmen, die rund zwei Jahrzehnte oder mehr zurückliegen und zudem eine ganze Armada von Nachahmern auf den Plan gerufen haben, besser keine ernsthaften Gedanken machen sollte. Da ist schon eine geballte künstlerische Vision vonnöten (wie im Ausnahmefall von „Mad Max: Fury Road“), um am Ende mit mehr als einem bemüht-müden Wiederaufguss dazustehen, der seiner Zeit gewaltig hinterher hinkt und mit dem Fluch der eigenen Verzichtbarkeit zu kämpfen hat. Im Fall von „Blair Witch“ (der bessere Titel wäre wohl „Project: Blair Witch Sequel“ gewesen) ist eine solche Vision jedenfalls ausgeblieben.

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Ein Blick ins Disney-Filmarchiv | Umfangreicher Band aus dem Taschen-Verlag

07. Oktober 2016

The Walt Disney Film Archives

Da spricht der Taschen-Verlag doch ganz nebenbei mal vom „erste(n) Band der umfangreichsten Reihe von Bildbänden, die es bislang zu Disneys Animationsfilmen gab.“ Wie viele da geplant sind? Man kann nur raten. Mit sagenhaften 1500 Abbildungen auf gewaltigen 630 Seiten im Großformat von 41,1 x 30 cm lässt sich zwar tief ins Imperium der Maus eintauchen, doch angesichts der füllhorngleichen Materialmenge, die in den Archiven des Konzerns schlummern, ist da gerade mal die Oberfläche angekratzt.

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31 | Filmkritik: Nazizwerge, Killerclowns, ein Deutscher im Tutu

01. Oktober 2016

31 | Rob Zombie

Die gute Nachricht zuerst: Rob Zombies aktuelle Schlachtplatte kann mit einem wirklich schicken Retro-Plakat im klassischen Exploitation-Look aufwarten. Die schlechte Nachricht: Mehr Positives gibt es über dieses unsäglich dumme, lieblose und amateurhaft zusammengezimmerte Machwerk kaum zu sagen. Man kann die früheren Arbeiten des hauptberuflichen Musikers mögen oder nicht, ihre individuelle, eigenwillige und non-konforme Herangehensweise jedoch, mit der sie sich deutlich von der Mehrheit vergleichbarer Genre-Produktionen abheben, lässt sich schwerlich ignorieren. Insbesondere vor diesem Hintergrund ist „31“ nicht mehr und nicht weniger als eine künstlerische Bankrotterklärung.

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Suicide Squad | Filmkritik: Big Shot, Deadshot

23. August 2016

Suicide Squad

Wenn sich eine einzige Erkenntnis aus diesem neuerlichen Ausflug ins Expanded Universe von DC gewinnen lässt, dann diese, dass die Ära, in der Will Smith als letzter Kassengarant Hollywoods gegolten hat, endgültig der Vergangenheit angehört. Und das nicht etwa, weil er mit „After Earth“ (a.k.a. der gescheiterte Versuch, seinem mit überschaubarem Talent ausgestatteten Sohn Jaden ein Franchise zu basteln) nach fast zwei überaus erfolgreichen Jahrzehnten einen üblen Flop gelandet hatte, und auch nicht, weil er die beleidigte Leberwurst spielte, als er für „Concussion“ (noch so ein Flop) keine Oscar-Nominierung bekam. Sondern weil er jetzt – wenn auch mit der meisten Screentime – endgültig in einem Ensemblefilm gelandet ist und weder sein Name noch sein Gesicht auf dem Filmplakat irgendeine erwähnenswerte Rolle spielen. Umso mehr muss man wohl anerkennen, dass ausgerechnet er diese weitere Katastrophe aus dem Hause Snyder vor dem Totalausfall bewahrt.

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