Jonas Alexander Arnby begibt sich gerne auf unbekanntes Terrain | Interview mit dem Regisseur von WHEN ANIMALS DREAM

12. Juli 2014

Jonas Alexander Arnby

Wer gerade die letzte Folge von „Hemlock Grove“ gesehen hat und Appetit auf eine weitere Werwolf-Schlachtplatte hat, ist hier vermutlich an der falschen Stelle. Das letzte jedenfalls, was man von dem Spielfilm-Debüt des Dänen Jonas Alexander Arnby erwarten darf, sind ausgefuchste Verwandlungs-Sequenzen oder blutige Metzeleien. Ausgewählt für die diesjährige Critic’s Week in Cannes, fügt „When animals dream“ dem Genre stattdessen eine ganze Portion skandinavischen Realismus hinzu und erinnerte nicht wenige Kritiker an das artverwandten Vampirdrama „Let the right one in“. Wie sprachen mit Anby anlässlich der Präsentation seines Films im München und erfuhren (offen gestanden wenig überrascht), dass ein US-Reamke bereits in Reichweite ist.

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Jonas Alexander Arnby likes to leave the comfort zone | Interview with the director of WHEN ANIMALS DREAM [english version]

12. Juli 2014

Jonas Alexander Arnby

In case you just finished watching the latest episode of „Hemlock Grove“ and hunger for more werewolf madness you may be on the wrong track. The last thing you should expect from the remarkable feature film debut of Danish helmer Jonas Alexander Arnby are elaborated transformation sequences or a high blood rate. Quite the opposite is what the film has to offer. Selected for Critics’ Week at this years’ Cannes Film Festival, „When animals dream“ adds a good deal of Scandinavian realism to the genre and reminded quite a few critics of „Let the right one in“. We spoke to the director when presenting his film in Munich and learned that a US remake might already be in sight.

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Boyhood | Von der Schönheit des ganz normalen Lebens

03. Juli 2014

Boyhood

Würden Sie die Zeit ihrer Kindheit bis zum Beginn des Studiums als Film sehen wollen? Und nein, nicht die dramatischen Ereignisse, ganz im Gegenteil. Im Fokus stehen gerade die leisen Stunden, etwa wenn man sich in seinem Zimmer gelangweilt hat, oder die banalen Streitereien mit der Mutter, weil man zu lange draußen war, und die lauwarmen Sommerabende mit Freunden, in denen man nichts getan, sondern sich einfach nur lebendig gefühlt hat. Kurz, es geht um die feinen Momente, die das Leben und uns ausmachen, aber doch so schnell vergessen werden. Richard Linklater, der Meister der stillen und deswegen bewegenden Bilder, hat mit „Boyhood“ nun den Beweis dafür geliefert, dass das Leben an sich mit seiner alltäglichen Schönheit der beste Film von allen ist.

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The Body (El Cuerpo, 2012) | Filmkritik

01. Juli 2014

The Body

Während sich abgründige Kinostoffe made in Germany weiterhin schwer tun, schießen in anderen europäischen Filmlandschaften regelmäßig sehenswerte Genre-Beispiele aus dem Boden. Frankreich ist seit einer Weile ein echtes Epizentrum düsterer Leinwandfantasien, steht jedoch bei weitem nicht alleine da. Auch und gerade das spanische Kino hat sich in den letzten Jahren äußerst produktiv gezeigt. Filme wie „Sleep Tight“ oder die „[rec]“-Reihe zeugen von einem ausgeprägten Selbstbewusstsein im Umgang mit Codes und Konventionen des Spannungsgenres. Nicht fehlen darf in dieser Auflistung der von Guillermo del Toro produzierte Thriller „Julia’s Eyes“. Dessen Co-Autor Oriol Paulo legte kürzlich mit dem stimmungsvollen Filmrätsel „The Body“ sein Regiedebüt vor. In Deutschland hat es zumindest für eine DVD-/Blu-ray-Premiere gereicht.

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Being Joe Pesci: Ein Interview mit Schauspieler Joseph Russo (JERSEY BOYS)

30. Juni 2014

Joseph Russo spielt Joe Pesci in JERSEY BOYS

Es ist mittlerweile eine ganze Weile her, dass sich Joe Pesci offiziell vom Filmgeschäft zurückgezogen hat. Und doch gibt es ihn derzeit wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Aber ist das wirklich er? Nicht ganz. Hinter der wesentlich jüngeren Version des legendären italo-amerikanischen Schauspielers in Clint Eastwoods Verfilmung des erfolgreichen Broadway-Hits „Jersey Boys“ steckt Newcomer Joseph Russo. Wir sprachen mit dem charmanten Darsteller nur wenige Stunden vor der Premiere seines Films in Los Angeles, wo er hoffte, keinen Geringeren treffen zu können als – richtig geraten – Joe Pesci.

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Being Joe Pesci: An interview with JERSEY BOYS actor Joseph Russo [englisch version]

30. Juni 2014

Joseph Russo plays Joe Pesci

It has been quite a while now since Joe Pesci officially retired from acting and yet we can see him on the big screen these days. But is it really him? Not quite. The much younger version of the legendary Italian-American actor appearing in Clint Eastwood’s take on the successful broadway play „Jersey Boys“ is portrayed by newcomer Joseph Russo. We talked to the charming actor only hours before the Los Angeles premiere where he was expecting to meet – you guessed it – Joe Pesci.

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TENEBRAE: Giallo-Klassiker von Dario Argento in Deutschland erneut beschlagnahmt

18. Juni 2014

Auch eine 32-jährige Wirk- und Rezensionshistorie hält die hiesige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM) nicht davon ab, ein von Cineasten, Filmhistorikern, Medienwissenschaftlern und nicht zuletzt Branchenkollegen hoch geschätztes und als Klassiker seiner Art eingestuftes Werk in seiner Ursprungsfassung weiterhin vom mündigen Bürger fernzuhalten. In Deutschland erstmals 1985 erschienen (und damals bereits in einer gekürzten Fassung), wurde „Tenebrae“, Dario Argentos Rückkehr zum Giallo-Genre, im September 1987 beschlagnahmt und ist seitdem legal nur in einer deutlich gekürzten und sinnentstellten Version erhältlich.

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Here comes the Devil | Filmkritik

14. Juni 2014

Here comes the devil

Ein Segen, dass dieser lang vergessene Klassiker des spanischen Horrorkinos jetzt endlich auf DVD und Blu-ray vorliegt und dabei in Bild und Ton bestes Remastering bietet. Vergleichbares sucht man unter gegenwärtigen Produktion vergeblich und umso erfreulicher muss die Tatsache erscheinen, dass offenbar immer mal wieder in den Archiven gestöbert wird, um verborgene Schätze zu bergen. – So oder ähnlich mag es einem angesichts dieses kleinen gemeinen Teufelsfilms durch den Kopf gehen, doch der Irrtum könnte nicht größer sein: „Here comes the Devil“ (auch ein Trend: englischsprachige Titel von nicht englischsprachigen Produktionen einfach übernehmen) ist gerade einmal zwei Jahre alt und verbreitet doch mit allen Mitteln den Geist der frühen 70er.

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Das Schicksal ist ein mieser Verräter | Einmal tragische Liebesgeschichte mit Zuckerguss bitte!

13. Juni 2014

Was kann man über einen Film sagen, der von zwei todkranken Teenager handelt, die sich ineinander verlieben, mit dem Wissen, dass diese erste große Liebe auch die allerletzte sein könnte? Genau: Es wird tragisch, es wird herzzerreißend traurig und vor allem wird es kitschig. Für „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ nach der vielfach (unter anderem 2013 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis) ausgezeichneten Vorlage des US-Autors John Greene gilt all das in vollem Maß und trotzdem ist der Film eine Empfehlung wert.

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STOPLIGHT: Eric Stanze kündigt neuen Film an

05. Juni 2014

Stoplight | Eric Stanze

Ein alter Freund unserer Redaktion kehrt nach drei Jahren Second Unit (unter anderem für das Kannibalen-Remake „We are what we are“ von Jim Mickle) endlich wieder auf den eigenen Regiestuhl zurück. Hierzulande gänzlich unbekannt, gehört Eric Stanze in der US-Undergroundszene zu den wichtigsten Vertretern seiner Zunft. Titel wie „Savage Harvest“, „Ice from the Sun“ oder das immens verstörende Kammerspiel „Scrapbook“ begründeten seinen Ruf als ebenso kompromisslosen wie eigenwilligen Filmemacher. Stanze hat Relevanz. Drei Jahre nach „Ratline“, einer wilden Melange aus Satanismus und Nazisploitation, geht im kommenden Herbst nun sein nächster Langfilm in Produktion.

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Silicon Horror: KILLER RACK | Lloyd Kaufman, Brooke Lewis und die Implantate des Grauens

03. Juni 2014

Brooke Lewis

Das Subgenre des sogenannten „Body Horrors“ erfährt seit kurzem ein überraschendes Revival und treibt dabei die erstaunlichsten Blüten. Erst 2012 waren mit „Antiviral“, „American Mary“ und „Thanatamorphose“ fast zeitgleich drei bemerkenswerte Beispiele aufgetaucht, die dem Grauen des eigenen Körpers einiges abgewinnen konnten. Angestoßen wurde die Welle aber bereits 2010, als der Holländer Tom Six und der deutsche Bühnenveteran Dieter Laser mit „The Human Centipede“ ein popkulturelles Phänomen in Gang setzten, das rasch weit über den Verbreitungsgrad des Films hinausreichte. Ähnlichen Kultstatus wünschen sich die Macher von „Killer Rack“ und bieten dafür zumindest eine angenemessen absurde Grundidee.

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GODZILLA (2014) | Filmkritik

29. Mai 2014

Godzilla

Wer die gefühlten viertelstündigen End Credits dieses neuerlichen Auftritts des Nuklearmonsters aus Fernost bis zum Schluss durchhält, dem könnte Zweierlei auffallen: Zum einen lässt sich da lesen, dass kein Geringerer als Performance-Capture-König Andy Serkis für entsprechende Beratungsleistungen auf der Gehaltsliste der Produktion stand, was angesichts der zuvor abgelaufenen rund 120 Minuten die Frage aufwirft, ob man sich diese Kostennote nicht auch hätte schenken können. Zum anderen haben die Macher offenbar allen Grund, sich bei einer stolzen Anzahl von Vertretern und Abteilungen der US-Army zu bedanken. Anders herum würde es mindestens genaus viel Sinn machen, denn nicht zuletzt ist „Godzilla“ ein ziemlich ausgedehntes Werbevideo für den beherzten Militäreinsatz amerikanischer Prägung (auch wenn der Film in Japan spielt).

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ENEMY | Filmkritik

28. Mai 2014

Enemy

Dass er filmische Konventionen eigenwillig, aber intelligent auszutesten versteht, stellte der frankokanadische Regisseur Denis Villeneuve mit seinem letztjährigen Hollywood-Debüt „Prisoners“ unter Beweis: Einem packenden, moralisch hochgradig ambivalenten Entführungsthriller, der seine Hauptfiguren echte Grenzerfahrungen durchleben lässt. Noch eine Stufe konsequenter kommt seine Experimentierfreudigkeit allerdings im kurz zuvor gedrehten Psychodrama „Enemy“ zum Vorschein, einer recht freien Adaption des Romans „Der Doppelgänger“ von José Saramago, die Themen wie Ich-Verlust, sexuelle Obsession und zwischenmenschliche Entfremdung umkreist.

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X-MEN: Zukunft ist Vergangenheit | Filmkritik

24. Mai 2014

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

Prequel, Sequel, Reboot – warum sich für eine Variante entscheiden, wenn auch alle drei auf einmal möglich sind? Im Marvel-Universum, und erst recht im verflixt komplexen Kreativ-Kosmos der X-Men, geht grundsätzlich erst einmal alles. Und so staunt der Kenner der Vorgängerfilme nicht schlecht, wenn er nach den ersten Minuten Patrick Stewarts Inkarnation von Charles Xavier wiederbegegnet, nachdem dieser doch im (zeitlich früher verorteten) dritten Teil praktisch pulverisiert worden war. Lange darüber nachzugrübeln lohnt sich nicht, denn schon kurz darauf wird Wolverines Bewusstsein in sein rund 50 Jahre jüngeres Ich – ja, was eigentlich? – teleportiert, um die aktuelle Zukunftsversion grundlegend zu verändern.

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GETAWAY | Filmkritik

17. Mai 2014

Getaway

Der Titel ist Programm. Zum einen, weil er die simple Handlung treffend auf den Punkt bringt. Zum anderen, weil er (bewusst?) auf den fast gleichnamigen Peckinpah-Klassiker bzw. dessen Remake verweist. Ein nachvollziehbarer Schachzug, der allerdings gänzlich überhöhte Erwartungen schürt. Denn „Getaway“ unter der Regie von Courtney Solomon („An American Haunting“) ist vor allem ein lieblos heruntergekurbelter Reißer, der wie so manche überschaubar budgetierte US-Produktion der letzten Jahre größtenteils im kostengünstigen Osteuropa (in diesem Fall Bulgarien) entstand.

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Clive Barker produziert Langfilmdebüt von Jovanka Vuckovic mit Lena Headey in der Hauptrolle | Jacqueline Ess

08. Mai 2014

Jovanka Vuckovic

Während immer noch niemand so genau weiß, wie es um die Zukunft des „Hellraiser“-Franchise bestellt ist, setzt Clive Barker seine Bemühungen um weitere hochwertige Adaptionen eigener Vorlagen aus seinen „Books of Blood“ fort. Eine der sexuell aggressivsten Kopfgeburten des Autors, „Jacqueline Ess – her Will and Testament (dt. ihr Wille, ihr Vermächtnis)“, soll jetzt den Weg auf die große Leinwand finden. Mit einem überschaubaren Budget von 3 Millionen Dollar ist der Drehbeginn für Herbst angesetzt. Die Produktion wäre zugleich auch das Spielfilmdebüt der ehemaligen „Rue Morgue“-Herausgeberin Jovanka Vuckovic.

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Irvine Welsh schreibt Sequel zu SPRING BREAKERS

07. Mai 2014

Spring Breakers

Was da auch im Mai noch wie ein Aprilscherz klingt, gehört tatsächlich zum diesjährigen Sales-Paket, das Wild Bunch mit nach Cannes nimmt. Unter dem Titel „Spring Breakers: The Second Coming“ bringen die Franzosen eine Art Fortsetzung zu Harmony Korines 2012er Arthouse-Koks- und Bikini-Schau an die Croisette. Wer allerdings eine schnell abgedrehte Resteverwertung vermutet, muss sich offensichtlich eines Besseren belehren lassen, denn das Drehbuch stammt von keinem Geringerem als „Trainspotting“-Autor Irvine Welsh. Als Regisseur ist der Musikclip-Exzentriker Jonas Akerlund vorgesehen. Ob aus dem Projekt aber tatsächlich auch ein Film wird, hängt derzeit noch von der Finanzierung ab.

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Zensur in Ägypten: Ibrahim Mahlab lässt Film mit Haifa Wehbe aus den Kinos entfernen

21. April 2014

Haifa Wehbe

Als er im Februar völlig überraschend das Amt des Premierministers übernahm, erklärte der ehemalige Mubarak-Vertraute Ibrahim Mahlab die vollständige Wiederherstellung der Sicherheit des Landes und die Bekämpfung des Terrors zu den obersten Zielen seiner neuen ägyptischen Regierung. Offenbar hat seine Stabilisierungspolitik jetzt auch die Populärkultur in den Fokus genommen. Vergangenen Mittwoch jedenfalls stoppte er die öffentliche Aufführung des zuvor von der Zensurbehörde offiziell freigegebenen Melodrams „Halawet Rooh (Die Schönheit der Rooh)“. Seiner vermeintlich fragwürdigen Sexualmoral wegen hatte die Produktion mit dem libanesichen Ex-Model Haifa Wehbe in der Hauptrolle bereits für heftige Diskussionen gesorgt.

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AMERICAN BURGER – eine Delikatesse aus Schweden

13. April 2014

American Burger

Die Kannibalenwelle rollt und könnte im Horrorgenre nach und nach den Zombies den Rang ablaufen. Erfolgreich bereitet Mads Mikkelsen als „Hannibal“ bereits in der zweiten Staffel ein delikates Gericht aus menschlichen Überresten nach dem anderen, gerade erst lieferte Jim Mickle mit „We are what we are“ ein ansehnliches Remake des mexikanischen Originals von Jorge Michel Grau ab, und im Herbst erweist Eli Roth mit „The Green Inferno“ den italienischen Drastik-Klassikern um hungrige Amazonasstämme eine verspätete Ehre. Eine vielversprechende Produktion aus Schweden könnte dem Kanon jetzt einen weiteren interessanten Beitrag hinzufügen.

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RUSH: „Bereit für meine Nahaufnahme“ oder: Laila Oudray auf dem Weg nach Hollywood

30. März 2014

Wer immer noch der Auffassung ist, Filmjournalismus sei eine brotlose Kunst, bekommt hier den Gegenbeweis geliefert. Unsere Redakteurin Laila Oudray führte ein simpler Castingbericht direkt auf die große Leinwand. Irgendwie jedenfalls. Auf dem Weg dorthin musste sie jedoch ein bitteres Klischee bestätigt finden: Wer beim Film Erfolg haben will, muss die Hüllen fallen lassen.

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