Alien Rising: Lance Henriksen zurück im All

20. Dezember 2014

Alien Rising

Und schon drauf reingefallen. Natürlich verbirgt sich hinter dem verräterischen Titel kein neuer Beitrag zum „Alien“-Franchise, und Lance Henriksen kehrt auch nicht in seiner alten Rolle als Charles Bishop Weyland oder einer der zahlreichen Androiden-Varianten zurück. Dreimal hatte er die Figur auf der Leinwand und ebenfalls dreimal in zugehörigen Videospiel-Ablegern verkörpert, und das ist wohl auch der Hauptgrund, warum er als Zugpferd dieses überschaubar budgetierten Trittbrettfahrers fungiert, der ausschließlich für den Home-Entertainmentmarkt gedacht ist.

Weiterlesen »

Silent Night, Deadly Night (1984) | 30 Jahre später

18. Dezember 2014

Silent Night, Deadly Night

Während diese Zeilen verfasst werden, hat Sony aus Angst vor terroristischen Anschlägen gerade die US-Veröffentlichung einer Komödie über Nordkoreas Staatsoberhaupt gestoppt. Um wie vieles harmloser müssen da die Gründe erscheinen, die vor fast genau drei Jahrzehnten die damalige Konzerntochter Tri-Star dazu bewegten, einen an den Kinokassen immens erfolgreichen Slasher nach wenigen Tagen aus den Theatern entfernen zu lassen? Ein paar Proteste und empörte Kritiken waren damals der Anlass. Nichts Weltbewegendes also. Bei genauerer Betrachtung haben die beiden Fälle jedoch mehr gemeinsam als man zunächst glauben mag.

Weiterlesen »

[REC]4: Apokalypse | Filmkritik

17. Dezember 2014

REC 4 - Apokalypse

Wer den zweiten Teil der REC-Serie nicht mehr so genau in Erinnerung hat, könnte angesichts dieses neuesten (letzten?) Beitrags das Gefühl bekommen, irgendwas verpasst zu haben. Irgendwas war da noch. Nur was? Inhaltlich schließt die Geschichte jedenfalls ohne Bruch an den Vor(vor)gänger an, also scheint alles zu stimmen. Ángela Vidal, die junge Reporterin der ersten beiden Filme, wird aus dem von Zombies befallenen Mietshaus befreit und findet sich kurz darauf mit akuter Amnesie auf einem Quarantäneschiff wieder, wo sie einem Trupp von Medizinern offenbar als Versuchsobjekt dient.

Weiterlesen »

#FreeTheDevils: Guillermo del Toro provoziert Kampagne zur Veröffentlichung von Ken Russells kontroversem Klassiker

14. Dezember 2014

The Devils

Offenbar wird Warner in den USA von streng konservativen Katholiken geleitet. Das jedenfalls muss man vermuten, wenn man den seit über vier Jahrzehnten unveränderten Umgang mit der 1971 entstandenen Huxley-Adaption „The Devils“ des 2011 verstorbenen Berufsprovokateurs Ken Russell in Augenschein nimmt. Der damals unmittelbar in zahlreichen Ländern verbotene oder nur unter ausgiebigen Schnittauflagen freigegebene Film wartet bis heute auf die Veröffentlichung einer weitestgehend restaurierten Fassung. Grund ist die Verweigerung des Studios, das als Rechtehalter seine Zustimmung erteilen muss.

Weiterlesen »

Hannibal (Staffel 2) | Review

13. Dezember 2014

Hannibal | Staffel 2

Am Ende dieser Staffel wird man sich fragen müssen, ob Thomas Harris eher vor Entsetzen oder vor Neid erblassen muss angesichts dessen, was sich Bryan Fuller und sein Kreativteam für Hannibal Lecter, Will Graham, Jack Crawford und all die anderen Figuren aus dem Erzählumfeld von „Roter Drache“ und dessen Nachfolgern haben einfallen lassen. Denn kaum etwas, das seine vier Romanen rund um den berüchtigten Kannibalen zu bieten haben, kann inzwischen mehr Schritt halten mit den morbiden Auswüchsen, von denen sich diese als Prequel getarnte Neuerfindung des Originalmaterials nährt.

Weiterlesen »

Oktober November | Filmkritik

11. Dezember 2014

Oktober November

Wer schon immer wissen wollte, wie man im Film von „schweren“ Themen wie Tod und Identitätskrise erzählen soll, ohne in billige Melodramatik zu verfallen, dem sei die neueste Regie-Arbeit des Österreichers Götz Spielmann wärmstens empfohlen. Das Drama „Oktober November“ umkreist die ganz großen Fragen, erzählt von Entfremdung, familiären Enttäuschungen und der Last des Alterns, verweigert sich dabei aber einer Effekthascherei, wie sie im Kino ansonsten leider viel zu oft beobachtet werden kann.

Weiterlesen »

Geschichte, Theorie und Praxis für Cineasten: Ein Besuch im Filmmuseum Düsseldorf

07. Dezember 2014

Filmmuseum Düsseldorf

In der Düsseldorfer Altstadt gibt es kleine verwinkelte Gassen mit rustikalem Charme, Kneipen, die eine bestimmte Sorte Bier verkaufen (das ein Kölner niemals anrühren würde), und direkt am Rhein ein besonderes Museum. Dort stehen nicht Dali, Picasso oder Macke im Mittelpunkt, sondern Murnau, Hitchcock und Tarantino: Es ist das NRW-Filmmuseum. Seit 1993 bietet es auf vier Etagen Dauerausstellungen mit einer halben Million Fotos und jeweils 300.000 Plakaten und Büchern, sowie Sonderausstellungen und natürlich ein eigenes Kinoprogramm – also eigentlich alles, was das Cineastenherz begehrt.

Weiterlesen »

Silent Night (2012) | Filmkritik

05. Dezember 2014

Silent Night

Dass Herren mittleren Alters in Weihnachtsmannkostümen nicht unbedingt ideale Repräsentanten von Liebe und Frieden sein müssen, weiß der umtriebige Kinogänger spätestens seit Billy Bob Thornton. Einige seiner Seelenverwandten finden sich in der arg verschlafenen US-Kleinstadt mit dem seltsamen Namen Cryer wieder. Mal verderben sie Kindern die Feiertage, mal handeln sie mit Drogen und mal metzeln sie einfach jeden nieder, der den eigentlichen Sinn des Festes auf eigene Weise pervertiert – darunter auch auf die schiefe Bahn geratene Kollegen. Alles in allem: Ho Ho Ho.

Weiterlesen »

Unbroken: Angelina Jolie in Berlin

28. November 2014

So kennt man es von Konzerten der ganz großen Rock- und Popstars: einfach 40 Minuten später anfangen und dann so tun, als sei nichts gewesen. Wer eine Erklärung, geschweige denn eine Entschuldigung erwartet, ist schlicht im falschen Film. Als sie schließlich auftaucht, übt sich Angelina Jolie in Bescheidenheit. Demut ist angesagt auf dieser Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag in Berlin. Die Schauspielerin ist in die Hauptstadt gekommen, um ihre zweite Regiearbeit vorzustellen. Dabei gibt sie sich so unauffällig wie möglich.

Weiterlesen »

South of Hell: Neue Horrorserie vereint Eli Roth, Ti West, Jennifer Lynch und Mena Suvari

25. November 2014

South of Hell

Dass einige der erfolgreichsten TV-Serien einmal dem Genreumfeld von Horror und Fantasy entstammen würden, hätte noch vor wenigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten. Mit „The Walking Dead“, „Hannibal“ oder „American Horror Story“ hat das Grauen mittlerweile längst auf dem heimischen Fernsehbildschirm Einzug gehalten und ein Ende ist derzeit nicht abzusehen. Kein Wunder also, dass die Sender fleißig nachlegen. Jetzt steigt sogar der bislang eher auf ein weibliches Publikum ausgerichtete US-Kabelkanal WE tv ein und bringt mit Eli Roth gleich mal einen der aktuell populärsten Genre-Vertreter auf den Plan.

Weiterlesen »

Blut will reden: Walter Kirn adaptiert sein eigenes Buch als TV-Mehrteiler

23. November 2014

Blood will out

1998 lernt ein aufstrebender Autor mehr oder weniger per Zufall den einflussreichen Multimillionär Clark Rockefeller kennen. Die beiden höchst unterschiedlichen Charaktere haben mehr gemeinsam als man vermuten mag und bald schon entsteht eine enge Freundschaft, die ganze zehn Jahre andauern soll – bis die Umstände offenbaren, dass sich hinter dem kunstbesessenen Finanzinvestor ein deutschstämmiger Hochstapler, Psychopath, Kindesentführer und Mörder verbirgt. Ein bisschen zuviel des Guten? Vermutlich. Doch die Geschichte ist keine Fiktion.

Weiterlesen »

David Cronenberg: Verzehrt (Consumed) | Sartre, Skype und Shin Sang-ok

22. November 2014

David Cronenberg | Verzehrt

Warum dieses späte literarische Debüt so sehr wie eine Rückkehr zu einer längst abgeschlossen geglaubten Phase in David Cronenbergs Schaffen erscheint, hat vermutlich einen einfachen Grund: „Consumed [dt. Verzehrt]“ ist der erste gänzlich originäre Stoff des Meisters seit 15 Jahren. Überhaupt: Mit Ausnahme von „eXistenZ“ (1999) beruht sein gesamtes Oeuvre seit „Videodrome“ (1983) ausschließlich auf Fremdvorlagen, und so muss es wenig wundern, dass er sich mit der intimeren der beiden Kunstformen in einer Weise an sein Frühwerk annähert, die mit großer Wahrscheinlichkeit niemand mehr von ihm erwartet hätte.

Weiterlesen »

Sturm im Wasserglas: BDSM mit Eli Roth und Lana Del Rey (aber ohne Marilyn Manson)

21. November 2014

Eli Roth

Es ist so einfach, den einschlägigen Abschreibern in Boulevard, Feuilleton und Blogosphäre das nötige Material für einen schnell dahingekritzelten Aufreger zu liefern – in diesem Fall ein paar Videosekunden, in denen sich Sängerin Lana Del Rey (so der allgemeine Tenor) als Vergewaltigungsopfer hat inszenieren lassen. Der vermeintliche Täter ist je nach Recherche- oder Unkenntnisstatus des jeweiligen Verfassers wahlweise Marilyn Manson, ein namenloser „Finsterling“ oder aber Filmemacher Eli Roth.

Weiterlesen »

Joe | Filmkritik

19. November 2014

Joe

Gerade heutzutage, in Zeiten, in denen das amerikanische Kino immer häufiger auf Überwältigungsstrategien und konturlose Fortsetzungen vertraut, droht der Kern einer jeden guten Geschichte verloren zu gehen: ambivalent gezeichnete Figuren, die nicht bloß als billige Erfüllungsgehilfen hektisch getakteter Plots fungieren, sondern das Geschehen auf der Leinwand mit wirklichem Leben füllen. Umso erfreulicher ist es, wenn ein Filmemacher diesem bedenklichen Trend entschieden entgegensteuert. So wie David Gordon Green, der sich nach einer qualitativ durchwachsenen Komödienphase („Your Highness“, „Bad Sitter“) mittlerweile wieder seiner Vorliebe für markante Außenseiter und ländliche Räume widmet, von der schon seine ersten Regiearbeiten (etwa „George Washington“ und „All the Real Girls“) durchdrungen sind.

Weiterlesen »

Coherence | Filmkritik

17. November 2014

Coherence

Dass nichts Gutes zu erwarten ist, wenn Kometen, Planeten oder Restbestände ebensolcher der Erde zu nahe kommen, lehrt jede einzelne Episode von „Metal Hurlant“ mit Nachdruck. Ob Em (Emily Foxler, „Legend of the Seeker“) die französische TV-Anthologie oder die zugrundeliegende Comicreihe wohl kennt? Vermutlich nicht. Stattdessen weiß sie aber um einige reale Fälle von unerklärlichem Kometeneinfluss auf menschliches Verhalten, und die gleichen echten Geistererzählungen am Lagerfeuer. Ein ideales Gesprächsthema beim Dinner mit sieben Freunden in einem überschaubar kleinen Haus in der Vorstadt, denn gerade passiert so ein Komet die Erde, und zwei unmotiviert implodierte Smartphones könnten Anzeichen für den Einfluss des Himmelskörpers sein. Alles Nonsens? Leider nein.

Weiterlesen »

Doc of the Dead | Unterhaltsamer Blick auf ein unkaputtbares Genre

15. November 2014

Doc of the Dead

Der Titel mag missverständlich sein, doch Mediziner spielen in dieser Anfang des Jahres auf dem SXSW-Festival uraufgeführten TV-Dokumentation keine Rolle. Knappe 80 Minuten lang plaudern Zombie-Experten unterschiedlicher Güteklasse über das Phänomen der Untoten in der Popkultur. Einsteiger bekommen eine Menge interessante Basisinfos über Wurzeln und Entwicklung des Genres, Kenner dürften sich hingegen vor allem über Machart und oftmals humorvolle Statements prominenter Vertreter wie George A. Romero, Robert Kirkman, Bruce Campbell, Greg Nicotero, Max Brooks oder Simon Pegg freuen. Wer bahnbrechende neue Thesen oder Fakten erwartet, wird sich allerdings eher enttäuscht sehen.

Weiterlesen »

Videoclip zu neuem Song von David Lynch und Chrysta Bell

13. November 2014

Chrysta Bell

Dass David Lynch demnächst für neue Folgen von „Twin Peaks“ wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen wird, zuvor aber noch zusammen mit Mark Frost die Bücher für alle neun geplanten Folgen schreiben muss, hält ihn nicht davon ab, auch weiterhin alle erdenkliche sonstige Projekte weiterzuverfolgen, mit denen er sich in den vergangenen Jahren beschäftigt hat. Dazu gehören unter anderem die gemeinsamen musikalischen Ausflüge mit der allzeit ungreifbar anmutenden Chrysta Bell, deren 2011er Debütalbum „This Train“ er ihr auf den Leib schrieb und produzierte. Aktuell haben beide einen neuen Titel veröffentlicht.

Weiterlesen »

Dinner mit Hannibal: Der neue Kannibalismus in Kino und TV | Eine Annäherung. Teil 2

10. November 2014

Hannibal

Mitte der Nullerjahre sah es nicht gut aus für die Stellung des Kannibalismus im Kino. „Hannibal Rising“ war 2007 angetreten, um das Franchise ohne Oscarpreisträger Anthony Hopkins fortzuführen. Stattdessen schien es lange Zeit so, als sei der Figur mit diesem Versuch ungewollt der Todesstoß versetzt worden. Ansätze, die anthropophagischen Urwaldvölker der 80er wiederzubeleben, blieben wirkungslos. Nach den Ereignissen vom 9. September 2001, kurz nach dem Erscheinen von „Hannibal“, hatte sich das Thema von heute auf morgen erledigt. In einer Welt realen Terrors waren Amazonas-Bewohner und Serienmörder nur noch formal angsteinflößend. Und doch wurde im Film plötzlich soviel Menschenfleisch verzehrt wie nie zuvor.

Weiterlesen »

Dinner mit Hannibal: Der neue Kannibalismus in Kino und TV | Eine Annäherung. Teil 1

08. November 2014

Hannibal

Kein Subgenre, nicht einmal der in all seinen Ausformungen ungebliebte Torture Porn, genießt außerhalb der Hardcore-Fanszene einen weniger erfreulichen Ruf als der Kannibalenfilm. Lange Zeit als unterste Form des Exploitation-Kinos verschrien (selbst Nazisploitation kann hier nicht mithalten), fristen die meisten, hauptsächlich in Italien entstandenen Beiträge bis heute ein Schattendasein im Angesicht von Zensur und Beschlagnahmung. Umso erstaunlicher, dass die gepflegte Anthropophagie seit einer Weile recht erfolgreich Einzug in Film und Fernsehen hält.

Weiterlesen »

Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss | Agent in der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

06. November 2014

Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss

Koralnik könnte der perfekte Agent sein: perfektionistisch, umsichtig, ehrgeizig, skrupellos. Er könnte der perfekte Agent sein, wenn man ihn nur lassen würde. Denn obwohl er angeblich zu einer Spezialeinheit der EU gehört und Europa ihn braucht, hat er die ersten acht Jahre seines Dienstes bislang keinen einzigen Auftrag erhalten. Wie frustrierend.

Weiterlesen »